Tyra
Sehr aktives Mitglied
Es wäre schön mal von einem Buddhist mit eigenen Worten zu hören, was der Buddhismus in seinem Leben verändert hat, wie er Hilfe bekommt dadurch.
In was versenkt man sich denn z.b. wärend der Meditation?
um darauf zu antworten:
man wird gelassener ggü den Dingen und dem Tod. Man lebt intensiver, nimmt intensiver wahr. Die Grundhaltung zu Leben und Tod ändert sich.
Bei Zenmeditation versucht man loszulassen...das NIchtanhaften zu üben, die Gedanken durch sich durchlaufen zu lassen ohne an ihnen anzuhaften..ohne also über die Dinge nachzudenken, sondern sich selber wahrzunehmen...
Man konzentriert sich einfach aufs Atmen...praktiziert eine lange tiefe Bauchatmung...läßt ansonsten Bilder und Gedanken im Kopf einfach fließen ohne zu versuchen sie festzuhalten oder auszuweiten etc. Der richtige Sitz ist wichtig, gerade Haltung, im Lotussitz....die Hauptenergiepunkte sollen eine gerade Verbindung zum Kosmos sein....Ein Zenmeister meinte mal, dass wir nix mehr wären als ein Schlauch, ein Loch zum Kosmos...oben und unten ne Öffnung 😀😉 und dazwischen ein Matschklumpen an Materie...und eine gute Verbindung zum Kosmos kann man nur halten indem man nicht verstopft ist in der Mitte....also die Energie fließt....Recht hat der gute Mann.
Buddha ist nur sone Art Vorbild..helfen kann man sich im Grunde nur selber...es ist die eigene Verantwortung sich zu helfen indem man hart an der richtigen Haltung arbeitet...ständiges Bemühen ist vorausgesetzt..einen Buddha, ders schon richten wird gibt es nicht.
Zen führt einen an die inneren Schwachpunkte heran, die inneren Blockaden und EGOkisten...ist oft hart....aber da muss man durch, sonst kommt man nicht weiter. Stille üben ist gar nicht mal so einfach und es braucht Jahre, Jahrzehnte bis man tiefe Versenkung erreichen kann.
Buddhismus arbeitet oft mit Paradoxien...zum Beispiel das Einhandklatschen etc. um zu irritieren und klar zu machen, dass es auf einige Fragen keine oder nicht nur eine einzige Antwort gibt...und es nix bringt immer nur intellektuell an einige Dinge ranzugehen, sondern die Intuition oft schlauer ist...auf Unsinn erst gar nicht zu antworten z.B.
Du suchst Antworten auf Fragen und holst dir über ein imaginiertes Wesen Antworten....nun....an sich trägst ja du die Antworten bereits in dir ...und du scheinst Minderwertigkeitskomplexe oder so zu haben indem du die Antworten die ja an sich von dir ausgehen an ein übersinnliches Wesen heftest. Warum so umständlich? Viel zu kompliziert finde ich. Und auch nur an der Oberfläche herumfächelnd...
Diese oft angedeutete Hybris dich als Gottgläubige als besseren Menschen zu sehen ist natürlich EGO-Kiste, also zeigt unwürdige Haltung, zeigt tiefere innere Unsicherheiten die mit dem Anschein von Besonderheit kaschiert werden sollen. Würdig und schlicht wäre es einfach zu sagen: ich glaube an Gott, die Wiederauferstehung nach dem Tode etc. und es ist gut für mich, fertig..ohne Begründung oder absurde Versuche von Gottesbeweisen..die eh nie funktionieren.
Das harte am Buddhismus ist die große Ehrlichkeit zu sich selber..dass man gleichsam oft schichtweise abblättert..und man sich reduziert auf die Essenz seines Seins....versucht all dieses Anscheinerwecken und Täuschen und so zu lassen...Schlichtheit entwickelt, Direktheit, sich auf das Wesentliche konzentriert, Authentizität entwickelt, d.h. Übereinstimmung dessen was man sagt mit dem was man tut, gemäß seiner Dispositionen agiert.
Wer mal einen Zenmeister, also einen erleuchteten Buddhisten erlebt hat der weiß wovon ich rede....es ist schon auffällig wie intensiv solche Menschen wirken...so spontan, frisch und energiegeladen...gutes Karma halt...sowas spürt man sofort.
Gute Literatur gibt es von Taisen Deshimaru oder Shunryu Suzuki: Zengeist - Anfängergeist.
Im letztgenannten Titel steht u.a.:
Das Ergebnis ist nicht so sehr das Entscheidende; die Bemühung uns zu verbessern ist es, welche zählt. Diese Praxis hört nie auf
Also der Weg ist das Ziel.
Buddhismus ist übrigens nicht gleich Buddhismus..es gibt ganz viele Arten des Buddhismus und auch verschiedene Schulen des Zen, u.a. Soto-Zen und Rinzai-Zen. Ich praktiziere die Soto-Richtung die viel Wert auf Zazen (Sitzen) legt.
Kurzbeschreibung hier:
Zen-Vereinigung Deutschland e.V.: Dharma
Und in japanischen Kampfsportarten wie Kjudo (Biogenschießen) Aikido, oder Kendo oder Iaido etc. wird natürlich auch Zengeist vermittelt.
Praxis ist hier überall das Wichtigste.
An sich gibt es Parallelen zum Gottglauben...auch hier wird z.B zur Versenkung das Gebet etc. benutzt...so wie einige Buddhisten Mantren rezitieren um sich zu versenken und dem Kosmos näher zu kommen, so beten Christen halt. Allerdings hocken die Christen oft krummrückig auf Kirchenbänken und ich denke kaum, dass so wirkliche Versenkung möglich ist...die Energie fließt hier ja kaum.
Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge ändert Meditation die Hirnströme, man kann Erleuchtung somit quasi neurologisch nachweisen 😉
Der christliche Glaube ist eher eine ziemlich verkopfte Geschichte, während Zen ganzheitlich Körper und Geist mit reinnimmt...die Wechselwirkung von Körper und Geist kennt und mit beachtet. Nur durch das richtige Sitzen, die richtige körperliche Haltung kann man auch eine richtige geistige Haltung erzielen...sowas finde ich schon einleuchtend.
Tyra
Zur Erläuterung noch ein paar Zeilen aus Suzukis Buch: Zengeist-Anfängergeist
"Wenn ihr versucht Erleuchtung zu gewinnen, dann erzeugt ihr Karma und werdet von Karma getrieben und ihr verschwendet eure Zeit auf eurem schwarzen Kissen"
Die wichtigsten Dinge in unserer Praxis sind unsere körperliche Haltung und unsere Art zu atmen. Wir sind nicht so sehr interessiert an einem tiefen Verständnis des Buddhismus. Als Philosophie ist der Buddhismus ein tiefes, weites und festes Gedankensystem, doch Zen ist nicht interessiert an philosophischem Verständnis. Wir betonen die Praxis.
Anstatt ein tiefes Verständnis der Lehre zu haben, benötigen wir ein tiefes Vertrauen in unsere Lehre, die aussagt, daß wir ursprünglich Buddha-Natur haben. Unsere Praxis ist auf diesem Glauben aufgebaut.
Also hier zeigt sich die Verbindung zu Buddha: alle Menschen haben ursprünglich Buddha-Natur...und die Zenpraxis will wieder ein stückweit dahin bringen, wobei man sich jedoch nicht auf dieses Ziel sondern allein den Weg = die Praxis konzentriert.
Zum EGo und Karma noch:
Dem traditionellen buddhistischen Verständnis nach ist unsere menschliche Natur ohne Ego. Wenn wir keine Vorstellung vom Ego, vom Ich haben, dann haben wir Buddhas Ansicht vom Leben. Unsere egoistischen Vorstellungen sind Täuschungen, die unsere Buddha-Natur zudecken. Immer wieder erzeugen wir sie und folgen wir ihnen und indem wir diesen Prozeß wieder und wieder wiederholen, wird unser Leben vollständig mit egozentrischen Ideen ausgefüllt. Dies nennt man karmisches Leben oder Karma.
Das Leben des Buddhisten sollte kein karmisches Leben sein. Der Zweck unserer Praxis ist, den karmisch spinnenden Geist abzuschneiden.
Wenn ihr versucht Erleuchtung zu gewinnen, dann ist das Teil von Karma, dann erzeugt ihr Karma und werdet von Karma getrieben, und ihr verschwendet Zeit auf eurem schwarzen Kissen.
Sehr schön auch noch:
Atmung "Was wir 'Ich' nennen, ist nichts als eine Drehtüre, die sich bewegt, wenn wir ein- und ausatmen."
Wenn wir Zen praktizieren, folgt unsere Aufmerksamkeit immer unserer Atmung. Wenn wir einatmen, kommt die Luft in die innere Welt. Wenn wir ausatmen, kommt die Luft in die äußere Welt. Die innere Welt ist ohne Grenzen und auch die äußere Welt ist ohne Grenzen. Wir sagen "innere Welt" oder "äußere Welt", doch in Wirklichkeit gibt es einfach nur eine ganze Welt. In dieser grenzenlosen Welt ist unsere Kehle wie eine schwingende Türe. Die Luft geht hinein und hinaus, wie jemand, der durch eine Pendeltüre geht.
Wenn ihr denkt: "Ich atme", so ist das "Ich" ein Zusatz. Es gibt kein Du, das "Ich" sein könnte. Was wir ich nennen, ist nichts als eine Drehtüre, die sich bewegt, wenn wir ein- und ausatmen. Sie bewegt sich nur; das ist alles.
Wenn euer Geist rein und ruhig genug ist, dieser Bewegung zu folgen, dann gibt es nichts; kein "Ich", keine Welt, weder Geist noch Körpern, nur eine Drehtüre
Demnach ist, wenn wir Zazen praktizieren, alles, was existiert, nur die Bewegung des Atems, aber wir sind uns dieser Bewegung bewußt. Ihr solltest nicht geistesabwesend sein. Aber auf die Bewegung aufmerksam zu sein bedeutet nicht, Eures kleinen Selbst bewußt zu sein, sondern vielmehr Eurer allumfassenden Natur oder Buddha-Natur.
Diese Art der Aufmerksamkeit ist sehr wichtig, da wir üblicherweise so einseitig sind. Unser übliches Lebensverständnis ist dualistisch. Du und ich, dies und das, gut und böse. Tatsächlich sind diese Unterscheidungen selbst das Gewahrwerden der allumfassenden Existenz. "Du" bedeutet des Universums gewahr sein in der Form des Du und "Ich" bedeutet seiner gewahr zu sein in der Form des Ich. Du und ich sind nur schwingende Türen. Derartiges Verständnis ist notwendig. Man sollte es nicht einmal als Verstehen bezeichnen; tatsächlich ist es die wahre Erfahrung des Lebens durch Zenpraxis
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