Ja. Kann ich:
Das Ganze begann in einer Pubertätskrise, als Edith ca. 13 Jahre alt war. Ihre Mutter schickte sie nach Hamburg, wi sie einer ihrer verheirateten älteren Schwestern in deren Arzthaushalt helfen sollte. Edith pflegte freimütig zu gestehen, sie sei bis zu ihrem 21. Lebensjahhr Atheistin gewesen und damals in Hamburg habe sie sich "ganz bewusst und aus freiem Entschluss" das Beten abgewöhnt. Ihre Mutter war zwar eine leidenschaftlich fromme Jüdin, die es aber, auch nach Bekunden einer Nichte Edith Steins, Susanne Batzdorff-Biberstein, nicht geschafft hat, ihren Kindern über Riten und Bräuche hinaus eine echte Beziehung zum Judentum zu vermitteln. Außerdem waren kurz zuvor zwei Verwandte durch Selbstmord verstorben, und Edith hatte in den Ansprachen der Rabbiner auf der Begräbnisfeier etwas Tröstendes vermisst. Kein lebendiger Glaube an ein Wiedersehen nach dem Tod. Sie äußerte sich enttäuscht darüber: "Ich glaube, die Unfähigkeit, dem Zusammenbruch der äußeren Existenz ruhig ins Auge zu sehen und ihn auf sich zu nehmen, hängt mit dem mangelnden Ausblick auf ein ewiges Leben zusammen." Ganz anders, "tröstend und beruhigend", sei ihr später das christliche Totengeleit erschienen.