Mir geht es da ähnlich. Ich bin so der typische 120km/h-Fahrer. Ist die rechte Spur frei, so nutze ich die schon so viel es geht. Aber ich will auch nicht ewig mit Tempo 80 einem LKW hinterherzuckeln.
Hier in der Gegend sind die Autobahnen leider nur 2-spurig und dann auch noch unbegrenzt. Meine Meinung ist, dass auch ich mit Tempo 120 auf der linken Spur fahren kann, wenn die einzige andere Spur mit Tempo 80 belegt ist. Nicht ich sollte der Autobahn fernbleiben, sondern der Tempo-180-Fahrer soll gefälligst nen Umweg fahren und auf Autobahnen mit mindestens 3 Spuren ausweichen. Alternativ eben mit 120 hinterherfahren, bis die rechte Spur so frei ist, dass ich wieder auf diese zurück kann. Ich sehe nicht ein, dass ich ewig mit Tempo 80 hinterherzuckele, nur weil auf der einzigen anderen Spur manche lieber Tempo 200 fahren würden.
Auch mir wird immer extrem draufgefahren. Das Schlimme bei mir ist, dass mein Wagen tatsächlich auf Tempo 180/200 beschleunige könnte und von meinen Hintermännern (meist sind es Männer, die drängeln) offenbar erwartet wird, dass ich die auch ausfahre (kleben mir entsprechend auf der Stoßstange). Aber ich fühle mich ab einer gewissen Geschwindigkeit einfach nicht mehr sicher und habe die PS nur, weil das Auto a) komfortabel ist, b) es von Vorteil ist, schnell in eine Hauptstraße einfahren oder überholen zu können und vor allem c) in der Verwandtschaft günstig zu haben war.
Was "unsicheres Fahren" betrifft: auch ein unsicherer Fahrer hat ein Recht, auf unseren Straßen etwa zur Arbeit zu kommen, vielerorts bleibt ihm mangels Öffis schließlich nichts anderes übrig. Mir wurde in der Fahrschule jedenfalls noch beigebracht, dass man defensiv fahren soll und dass es die Pflicht eines guten Fahrers wäre, mit Fehlern anderer zu rechnen und mangelhafte Fahrkünste anderer mit den eigenen auszugleichen.
Zumal manche auch nur zeitweise unsicher sind. Als ich oben genanntes Auto die ersten paar Male fuhr, war ich ebenfalls sehr unsicher unterwegs. Es hatte mal eben gefühlt doppelt so viel PS wie das Auto meiner Mutter, das ich bis dato ausgeborgt hatte, dafür hatte die Gangschaltung mehr Gänge und ist ohnehin deutlich schwergängiger. Klar fährt man da erst mal vorsichtiger und unsicherer, man muss die Grenzen des neuen fahrbaren Untersatzes schließlich erst mal testen, ohne ihn direkt in die nächste Leitplanke zu befördern. Damit müssen andere Autofahrer einfach leben.