@ Nordrheiner
Beim Menschen ist es anders, weil er über Moral, Ethik verfügt. Und – ganz wichtig: Ich denke, ein Mensch hat – anders als Tiere – ein Gewissen, welches ihm „täglich“ Anlässe bietet, über Gut und Böse nachzudenken. Allerdings kann man sein Gewissen abstumpfen.
Ich weiß nicht, ob man das so einfach sagen kann. Wir können nicht in Tiere hineinsehen und meine Erfahrung ist, dass mein Hund durchaus ein schlechtes Gewissen gezeigt hat, wenn er etwas gemacht hat, von dem er wusste, er darf es nicht. Darüber kann man sich streiten, ob Tiere über ein Gewissen verfügen oder nicht. Ich denke nach wie vor, wir können wie gesagt nicht in diese Tiere hineinsehen und nur, weil sie ein mögliches Gewissen nicht so zeigen, wie wir es definieren oder bei uns tun, heißt das nicht, dass sie keinerlei Gewissen haben.
Jeder drückt sich ja auch zum Teil anders aus und fühlt sich anders. Der eine zeigt schon ein mega schlechtes Gewissen, wenn er jemandem aus Wut eine reinhaut und weil er provoziert wurde. Dem anderen stößt das nicht so schlimm auf und er macht sich nicht so viel daraus.
@ Sparkly
Ich wollte mit meinem Beitrag eigentlich mehr oder weniger genau das gleiche sagen, wie du und keinesfalls damit ausdrücken, dass man bei Amokläufen die Schuld bei der Gesellschaft suchen sollte oder sie verantwortlich dafür ist. Wenn das so ankam, tut es mir leid - ich wollte eigentlich nur ausführen, dass die Gesellschaft auch ein Auslöser sein kann, bzw. einen Großteil an Eskalationen begünstigen kann, aber nicht der alleinige Faktor als Grund für Amokläufe ist. Und dass die Gesellschaft eine große Bedeutung auch für Amokläufer hat, da sie in irgendeiner Art und Weise darin leben, wie jeder von uns. Was jeder einzelne von uns dann aus Dynamiken oder Entwicklungen der Gesellschaft macht, ist ja wiederum eine andere Sache und sorgt leider eben dann als Ausgangspunkt dafür, dass manche Menschen eskalieren und schreckliche Dinge tun und andere nicht.
Ich teile ebenfalls deine Ansicht, dass der Täter selbst schuld und verantwortlich für seine Tat ist, da er die Entscheidung dazu selbst treffen konnte.
Das lässt für mich den Schluss zu, dass es einfach Menschen gibt, die, wie du auch angedeutet hast, eine schlechte Impulskontrolle haben. Sie können mit Enttäuschungen, Zurückweisungen etc nicht so umgehen, wie andere Menschen in vergleichbarer Situation. Da würde ich die Schuld weniger bei der Gesellschaft suchen, sondern eher fragen: Was ist das für ein Mensch? Liegen eventuell eigene Charakterzüge vor, die dieses Verhalten begünstigen? Könnten Traumen die Entwicklung begünstigt haben oder nicht?
Genau, ich stimme dir zu. Man kann zu diesen Fragen eben aber auch gesellschaftliche Fragen hinzufügen (worauf ich mich eben ergänzend konzentriert habe), was passiert sein kann
, was die Störungen und den Druck in einem Täter begünstigt, verursacht oder verschlimmert hat. Das ist auf KEINEN FALL dann eine Rechtfertigung oder Erklärung für die Tat an sich, oder dass die Gesellschaft schuld daran ist. Und da ist der Täter meiner Meinung nach immer noch definitiv Schuld, da er sich letzten Endes zu der Tat entschieden hat.
Ich finde auch, dass jemand im allgemein definierten Sinne von "Schuld" eigentlich nur richtig "schuld" sein kann, wenn er es absichtlich oder mit vollem Bewusstsein tut. Und da kann man sich darüber streiten, ob die Gesellschaft Fehlentwicklungen oder negative Seiten mit absicht oder vollem Bewusstsein erschafft oder unterstützt. Die Gesellschaft ist ja auch nicht nur eine Einzelperson, sondern besteht aus vielen Personen.
Hier haben wir wahrscheinlich auch ein Bündel an Faktoren, aber ich würde mir eher den Täter und seinen Hintergrund anschauen als direkt die Gesellschaft in die Pflicht zu nehmen. Oder die Gesellschaft zumindest als Teilfaktor in betracht ziehen.
Genau, ich habe die Gesellschaft in meinen Ausführungen nur als Teilfaktor darstellen wollen. Einen Teilfaktor, der eine größere Bedeutung und Wichtigkeit haben kann. Wie eben viele andere Faktoren.
Aus meinem eigenen Beitrag zitiert:
Trotzdem finde ich, dass es immer wieder bei so gut wie jedem Amoklauf darauf hinausläuft, dass eben eine Eskalation stattfindet, sich wahrscheinlich unglaublich viel Druck aufbaut und kein anderes Ventil mehr dafür gefunden wird, als dermaßen heftige Gewalt. Und da finde ich, kann man auch die Gesellschaft und ihre Dynamiken hinterfragen. Nicht ausschließlich, aber doch zu einem gewissen größeren Anteil und die Frage hinterherschieben, welche Entwicklungen von ihr begünstigt oder (bewusst?) nicht gesehen werden.
Z. B. Gab es mal eine traurige Statistik, nämlich dass 2009 sich die Anzahl der Amokläufe im Vergleich zu 1990 verdreifacht haben. Das war in den USA. Dabei wurde auch diskutiert, wie weit verschreibungspflichtige Psychopharmaka dabei eine Rolle spielen könnten oder die gesellschaftlichen Veränderungen, die es seit 1990 gab.
In Deutschland sollen laut einer Studie nur die Anzahl der Amokläufe, die in einer Schule stattfinden, angestiegen sein, die sog. "School Shootings".
Knapp die Hälfte der Täter hat sich ihre Opfer gezielt ausgesucht.
Laut einer anderen Erhebung waren 3/4 der Täter in psychiatrischer Behandlung, bevor sie einen Amoklauf starteten.
Der Autor des Buches "Amok im Kopf - warum Schüler töten" will nachgewiesen haben, dass in den 10 Fällen, die er in dem Buch behandelt hat, alle Täter unter einem Trauma litten oder psychopathisch oder psychotisch veranlagt waren.
Allerdings wurde die Eskalation hierbei von verschiedenen Faktoren ausgelöst - also nicht nur von einem, wie nur Mobbing, Liebeskummer oder Leistungsdruck. Was bestätigt, dass es keinen überwiegenden Grund für Amokläufe gibt als Haupterklärung oder Prototyp.
Damit wollte ich eigentlich nur sagen, dass man nicht sagen kann: "Mobbing ist hauptsächlich oder allein als Hauptauslöser Schuld, wenn jemand Amokläuft." oder eben Liebeskummer, Leistungsdruck etc. und dass nicht alle oder die meisten Täter das gleiche Motiv für ihre Tat oder die gleichen Lebensumstände hatten, weil ja viele eben nicht gemobbt worden sind, sondern sogar zumindest nach außen hin ein normales soziales Umfeld hatten.
Und dann eben die Statistiken, die das mit den psychischen Problemen zeigen - da gehe ich ja auch mit dir konform, dass diese Täter vorbelastet sind und psyische und emotionale Störungen und Probleme haben/hatten, die nicht jeder Mensch hat. Was ich jetzt aber
auf keinen Fall damit sagen will ist, dass jeder vorbelastete Mensch oder jemand mit psychischen Störungen oder Problemen wesentlich mehr gefährdet ist, Amokläufer zu werden oder prinzipiell ein größeres Gewaltpotenzial besitzt, als Menschen, die nicht davon betroffen sind.
Gerade bei so Faktoren wie psychischen Problemen oder dass die Zahl von Amokläufen massiv innerhalb bestimmter Jahre ansteigt, lassen für mich auch die Frage aufkommen, was die Gesellschaft als Teilfaktor dazu beiträgt, auch wenn sie natürlich nicht Schuld ist. Wie der einzelne damit umgeht, ist die Sache von jedem selbst und macht Täter eben zu Schuldigen und Alleinverantwortlichen, da sie sich ja zu ihrer Tat entscheiden konnten oder nicht.