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Gibt es Grenzen für Liebe, Respekt, Mitgefühl und Verständnis?

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Für weitere Antworten geschlossen.
Erst mal kommt es für mich darauf an, ob jemand sich wirklich frei zum Tun des Schlechten entschieden hat. Du schreibst ja selbst in deinem Eingangsbeitrag von psychischen Krankheiten etc. Es gibt wohl noch viele andere Zwänge, die einen zu schlechtem Handeln treiben können. Oft können wir gar nicht erkennen, welche Motive und Lebensgeschichten hinter einer schlechten Handlung stecken.

Wenn ich dagegen aber dann doch bemerke, dass jemand bewußt und mit Absicht Schlechtes tut ohne unter einem Zwang zu stehen, dann kann ich diese Person wohl nicht lieben.

Aber auch Personen können sich ändern. Wer früher mal Mist gemacht hat, kann jetzt durchaus ein liebenswerter Mensch sein. Phasen guten und schlechten Benehmens können sogar in relativ kurzer Zeit wechseln. Dies könnte aber auch wieder auf eine psychisch erkrankte Person hinweisen.
 
Ich wollte nochmal was zu den Schollshootings einwerfen, die eingangs schon diskutiert wurden: Das Bild, des armen Einzelgängers, der aus Verzweiflung einen großen Racheakt gegen die Mitschüler plant ist nicht ganz richtig. Es gibt sicher Fälle, wo das stimmt! Aber es ist nicht der Prototyp des Amoktäters. Tatsächlich wurde anhand einer Studie der FU Berlin ein differenziertes Bild ausgearbeitet, was Amokläufer und die Gründe für die Taten beleuchtet.

Studie zu Schulmassakern: Amokläufer sind selten Mobbingopfer | Wissen - Berliner Zeitung

Tatsächlich wurde nur ein Teil der Täter gemobbt! Ein weiterer Prozentsatz hat sich vor der Tat selbst an Mobbing anderen Mitschülern gegenüber beteiligt. Klar, auch das Gefühl nicht akzeptiert zu werden spielen auch eine Rolle, so z.B. das Gefühl beim anderen Geschlecht nicht anzukommen. Hier gibt es meiner Meinung nach Parallelen mit Leuten, die aus verschmähter Liebe den/die Ex angreifen oder nach eine Zurückweisung austicken.

Der letzte Schulamoklauf in Washington letzten Freitag (?) hatte anscheinend auch eine unglückliche Liebesgeschichte als Hintergrund.

Klar spielt die Sozialisation und was der Mensch erlebt eine Rolle. Sicher ist es so, dass ein schweres Leben und sehr schlechte Erfahrungen mit Anderen auch eine Rolle spielen.
Dennoch hält sich mein Verständnis für die Täter in Grenzen. Tsunamis Post hat es meiner Meinung nach wunderbar aufgedröselt: Das Stellen der eigenen Gefühle über die der Anderen.
Zu Glauben, man hätte das Recht dazu über Leben und Tod zu richten, ist Hybris und absolut verwerflich, selbst wenn man noch so enttäuscht ist.
Ich habe nicht das Recht jemanden umzunieten, auch wenn ich persönlich ein Problem mit diesem Menschen habe.
Wer dies tut, mit dem habe ich kein Mitleid.
Wie ich mit einem Täter in "eigenen Reihen" umgehen würde, weiß ich nicht.
 
Ich wollte nochmal was zu den Schollshootings einwerfen, die eingangs schon diskutiert wurden: Das Bild, des armen Einzelgängers, der aus Verzweiflung einen großen Racheakt gegen die Mitschüler plant ist nicht ganz richtig. Es gibt sicher Fälle, wo das stimmt! Aber es ist nicht der Prototyp des Amoktäters. Tatsächlich wurde anhand einer Studie der FU Berlin ein differenziertes Bild ausgearbeitet, was Amokläufer und die Gründe für die Taten beleuchtet.

Studie zu Schulmassakern: Amokläufer sind selten Mobbingopfer | Wissen*- Berliner Zeitung

Das stimmt. Meiner Meinung nach ist nicht eine bestimmte Sache wie z. B. Mobbing oder Liebeskummer an solchen heftigen Gewalttaten schuld, sondern dass die Täter keine Impulskontrolle mehr haben und kein gewaltfreieres Ventil mehr finden. Es baut sich aus verschiedenen Gründen immer mehr Druck auf, dann eskaliert alles. Und der Druck kann auch wieder alles sein, angefangen von Hass, politischen Fanatismus, Eifersucht, Überforderung usw. Aber es ist Druck und dieser entlädt sich dann komplett zerstörerisch.

Der Finnische Amokläufer Pekka-Eric A. kündigte ja auch im Internet seine Tat an, das Jokela High School Massaker und schrieb hierbei, dass er voller Hass sei und den Tod der menschlichen Rasse wolle.

Bei vielen Amokläufern ist das Umfeld zurecht erstaunt, dass sowas passiert, da die Täter nicht den gängigen "Klischees" entsprechen und meistens "ganz normale Typen von nebenan" waren mit einem sozialen Umfeld, Freunden und Familie.

Anders Behring Breivik, der wahrscheinlich in letzter Zeit bekannt gewordenste Amokläufer aus Oslo soll ja laut Aussagen seines sozialen Umfelds auch ein ganz normaler, sogar friedlicher Typ gewesen sein, dem man niemals zugetraut hätte, dass er heimlich an Bomben bastelt. Sogar enge Freunde hätten ihm das nie auch nur im Ansatz zugetraut, dass er dermaßen schief tickt. Dann hat er aber trotzdem mit dem Verkauf von gefälschten amerikanischen Universitätsdiplomen eine halbe Million Euro verdient, Geldwäsche betrieben und war ein allgemein fanatischer Charakter. Und gräbt man etwas tiefer in seiner Geschichte, war er schon als Kind problematisch und seine Mutter war überfordert mit ihm und es gab Probleme in seiner Familie. Da ist dann die Frage - was war er wirklich nach außen hin, was hat er nur vorgegeben und kann eine Freundschaft noch so eng sein, aber man bemerkt nicht einmal im Ansatz, was in einem besten Freund/in eskaliert?

Ich denke, diese Fälle, bei denen ein Täter offensichtlich gemobbt wurde usw. werden von den Medien gerne aufgebauscht oder man merkt sie sich mehr, als wenn man von einem Täter hört, bei dem man noch fassungsloser ist und noch weniger begreifen kann, wie jemand mit einem zumindest nach außen hin gar nicht so üblen Leben und sozialen Umfeld sowas tun kann. Da bleiben oft die Fragen, warum und was da in dem Täter eskaliert ist, ziemlich offen.

Anders Behring Breivik hat ja einen politisch motivierten Grund für seinen Amoklauf angegeben, andere Täter reden von Liebeskummer, andere wieder von Mobbing und wiederum welche von allgemeinen Hass auf die Menschheit. Also alles verschiedene Motivationen, so eine furchtbare Tat zu starten.

Trotzdem finde ich, dass es immer wieder bei so gut wie jedem Amoklauf darauf hinausläuft, dass eben eine Eskalation stattfindet, sich wahrscheinlich unglaublich viel Druck aufbaut und kein anderes Ventil mehr dafür gefunden wird, als dermaßen heftige Gewalt. Und da finde ich, kann man auch die Gesellschaft und ihre Dynamiken hinterfragen. Nicht ausschließlich, aber doch zu einem gewissen größeren Anteil und die Frage hinterherschieben, welche Entwicklungen von ihr begünstigt oder (bewusst?) nicht gesehen werden.

Z. B. Gab es mal eine traurige Statistik, nämlich dass 2009 sich die Anzahl der Amokläufe im Vergleich zu 1990 verdreifacht haben. Das war in den USA. Dabei wurde auch diskutiert, wie weit verschreibungspflichtige Psychopharmaka dabei eine Rolle spielen könnten oder die gesellschaftlichen Veränderungen, die es seit 1990 gab.

In Deutschland sollen laut einer Studie nur die Anzahl der Amokläufe, die in einer Schule stattfinden, angestiegen sein, die sog. "School Shootings".

Knapp die Hälfte der Täter hat sich ihre Opfer gezielt ausgesucht.

Laut einer anderen Erhebung waren 3/4 der Täter in psychiatrischer Behandlung, bevor sie einen Amoklauf starteten.

Der Autor des Buches "Amok im Kopf - warum Schüler töten" will nachgewiesen haben, dass in den 10 Fällen, die er in dem Buch behandelt hat, alle Täter unter einem Trauma litten oder psychopathisch oder psychotisch veranlagt waren.

Allerdings wurde die Eskalation hierbei von verschiedenen Faktoren ausgelöst - also nicht nur von einem, wie nur Mobbing, Liebeskummer oder Leistungsdruck. Was bestätigt, dass es keinen überwiegenden Grund für Amokläufe gibt als Haupterklärung oder Prototyp.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Findefuchs,

Gibt es Grenzen für Liebe, Respekt, Mitgefühl und Verständnis?
So allgemein lässt sich in einem Satz keine gute Antwort geben.

Zur Liebe: Wenn Liebe ein Gefühl ist, so kann das Gefühl grenzenlos sein. Gutes Beispiel sind die vielen Liebesbriefe, die als Schwerverbrecher oder zum Tode verurteilte Kandidaten erhalten.

Wenn Liebe ein Oberbegriff ist für „dem Anderen Gutes tun“ so hat es für mich dort seine Grenze, wo ich Böses unterstütze, auch wenn ich es eigentlich anders, gut, meine. Und wenn der Andere, der Böses getan hat, auch nur denkt, ich wäre auf seiner Seite, nur weil ich ihm ein Glas Wasser reiche, so überlege ich schon, ob mir dann das Glas Wasser schon zuviel sein sollte bzw. wie ich mich am besten verhalte.
In jedem Fall: Den Schutz für meine Familie halte ich für wichtiger als das Glas Wasser, welches ich aus Nächstenliebe reichen würde.

Liebe, als Oberbegriff für „dem Anderen gut sein“, so fällt es mir schon deutlich schwerer, eine Grenze zu ziehen. Liebe in diesem Sinne ist für mich wie das Angebot gemeinsam in eine bzw. in die gleiche Richtung zu denken und zu handeln. Das Angebot bleibt aufrecht erhalten, bis zu meinem Tode oder dem Tod des Gegenübers. Wenn ich jemandem ein Geburtstagsgeschenk anbiete, so ist das Ziel erst mit der Annahme des Geschenks erreicht. Das Angebot verfällt mit dem Tod. Daher kann ich meine Hand auch für Straftäter öffnen. Ich bleibe offen für den Menschen, der sich evt. erst nach Jahren auf seinem üblen Weg umdreht.

Zum Respekt: bedeutet für mich die Anerkennung des Anderen als Menschen, dem ich das Leben nicht gegeben habe und dem ich das Leben auch nicht nehmen darf, es sei als Ausnahme die Notwehr genannt. Menschen sind für mich gleichwertig unabhängig ihrer Taten. Gedanken und Taten sind es ganz sicher nicht.

Mitgefühl und Verständnis sind für mich nach Liebe und Respekt nachrangige Faktoren und können für mich keinen Ausschlag für Respekt und Liebe geben. Die Grenzen sind individuell verschieden.

LG, Nordrheiner


 
Liebe ist ein zu starkes Wort, finde ich.

Das stimmt. Es ist schwierig, ein anderes Wort dafür zu finden. Achtung vielleicht oder Wertschätzung? Ursprünglich ist dieses Thema ja aus Bandits Thread heraus entstanden und da ging es darum, dass unsere Gesellschaft mehr Liebe braucht und dass mehr Liebe viele Probleme beseitigen würde. Deswegen habe ich auch das Wort "Liebe" benutzt. Mir ist schon klar, dass ich einen anonymen Menschen, der irgendwo lebt oder "die Gesellschaft" nicht so lieben kann, wie z. B. meine Eltern oder meine besten Freunde oder Partner. Aber das betrifft nur mich. Ich kenne Leute, die behaupten von sich, dass sie der ganzen Gesellschaft, also tatsächlich der allgemeinen (und anonymen) Menschheit eine tiefe Liebe entgegen bringen können. Ich will es also nicht ausschließen, dass es überhaupt nicht geht.


Ich bin vielleicht aber nicht der richtige Mensch, um diese Fragen zu beantworten, da ich Gewalt als natürliches Verhaltensmerkmal von Menschen einstufe.

Ich denke, Aggressionen und Gewalt liegen in unseren Genen verschlüsselt drin. In der Natur zählt oft nur das Recht des Stärkeren und man sieht ja auch im Tierreich, dass oft nur das Tier überlebt, das sich am besten gegen Konkurrenten oder Fressfeinden durchsetzen kann. Warum sollte das also bei dem Mensch mittlerweile anders sein, nur weil er andere Lebensbedingungen besitzt und sich anders entwickelt hat?

Nur denke ich, dass jeder verschiedene "Abstufungen" davon hat, was von der Prägung abhängig ist und den Erfahrungswerten. Und ja, für mich gibt es auch verschiedene Arten von Gewalt und Aggression. Auch ein Gewaltopfer kann Aggression in sich haben, es ist aber für mich eine andere Art der Aggression, als bei einem Täter, der einfach aus purer Kalkulation oder Menschenhass heraus andere umbringt. Was der nächste Punkt ist: was ich aus Aggression und Gewalt mache.

Hierbei betrachte ich aber Aggression und Gewalt mehr als eine "Energie", aus der man verschiedene Dinge machen und Ereignisse auslösen kann. Diese Energie kann negativ, aber auch positiv sein. Sie treibt uns voran und gibt uns Kraft, unser Leben zu verändern oder uns zu behaupten (damit meine ich jetzt nicht, dass ich jemanden umniete, um mich zu behaupten, sondern die reine, produktive Energie, aus der ich etwas machen kann).

Hallo Findefuchs,

Zum Respekt: bedeutet für mich die Anerkennung des Anderen alsMenschen, dem ich das Leben nicht gegeben habe und dem ich das Leben auch nicht nehmen darf, es sei als Ausnahme die Notwehr genannt. Menschen sind für mich gleichwertig unabhängig ihrer Taten. Gedanken und Taten sind es ganz sicher nicht.

Interessante Gedanken. Meinst du mit dem dick markierten Teil, dass du die Taten von Menschen als "schlecht" bewertest, aber nicht den Menschen an sich?

Wie gehst du dann damit um, dass jemand z. B. richtig schlimme Gewalttaten verübt hat, wie Mord, Missbrauch und Misshandlungen?

Ich gebe offen und ehrlich zu, mir fällt es bei diesen Dingen sehr, sehr schwer den Täter nicht als "schlecht" zu betrachten. Ich weiß zwar schon, dass ich nur diesen einen Persönlichkeitsanteil von diesen Täter sehe, ich bin eine Außenstehende und kenne den Täter nicht z. B. als Schwester oder enge Freundin. Das macht es mir wohl leichter, den Täter als "schlecht" zu beurteilen.
 
Ich denke, Aggressionen und Gewalt liegen in unseren Genen verschlüsselt drin. In der Natur zählt oft nur das Recht des Stärkeren und man sieht ja auch im Tierreich, dass oft nur das Tier überlebt, das sich am besten gegen Konkurrenten oder Fressfeinden durchsetzen kann. Warum sollte das also bei dem Mensch mittlerweile anders sein, nur weil er andere Lebensbedingungen besitzt und sich anders entwickelt hat?

Beim Menschen ist es anders, weil er über Moral, Ethik verfügt. Und – ganz wichtig: Ich denke, ein Mensch hat – anders als Tiere – ein Gewissen, welches ihm „täglich“ Anlässe bietet, über Gut und Böse nachzudenken. Allerdings kann man sein Gewissen abstumpfen.



Und da finde ich, kann man auch die Gesellschaft und ihre Dynamiken hinterfragen. Nicht ausschließlich, aber doch zu einem gewissen größeren Anteil und die Frage hinterherschieben, welche Entwicklungen von ihr begünstigt oder (bewusst?) nicht gesehen werden.



Das Beispiel Anders Behring Breivik ist gut. Er hielt sich selbst für einen guten Menschen.

Aus dem Grund, dass die Dynamiken der Gesellschaft böses Handeln begünstigen kann, bin ich immer dafür, Dynamiken und ihren geistigen Hintergrund aufzudecken. Deswegen wehre ich mich auch z.B. gegen Evolutionstheorien.



Interessante Gedanken. Meinst du mit dem dick markierten Teil, dass du die Taten von Menschen als "schlecht" bewertest, aber nicht den Menschen an sich?

Wie gehst du dann damit um, dass jemand z. B. richtig schlimme Gewalttaten verübt hat, wie Mord, Missbrauch und Misshandlungen?

Ich gebe offen und ehrlich zu, mir fällt es bei diesen Dingen sehr, sehr schwer den Täter nicht als "schlecht" zu betrachten. Ich weiß zwar schon, dass ich nur diesen einen Persönlichkeitsanteil von diesen Täter sehe, ich bin eine Außenstehende und kenne den Täter nicht z. B. als Schwester oder enge Freundin. Das macht es mir wohl leichter, den Täter als "schlecht" zu beurteilen.


Ich denke, dass alle Menschen ein Potenzial haben, Schlechtes zu Denken und zu Tun. In dem Sinne sind alle Menschen schlecht. Das Potenzial, Schlechtes zu tun, wirkt sich lediglich unterschiedlich aus. Die unterschiedliche Auswirkung ist zum einen Teil gesellschaftlich bedingt, durch allgemein verbreitete Einstellungen (Dynamiken), durch gesellschaftlich begünstigte Krankheiten, durch Familie und Umfeld etc. . Aber wenn wir mal von Krankheiten absehen, die so gravierend sind, dass das Gewissen stark in Mitleidenschaft gezogen ist, ist es aus meiner Sicht der Mensch selbst, der als Ursache für sein Denken und Handeln verantwortlich ist. Der Mensch hat i.d.Regel ein Gewissen, welches er beachtet und sensibilisiert – oder abstumpfen lässt.


Mit Verbrechen aller Art gehe ich ganz einfach um: Sie sind mir höchst zuwider. Nicht viel besser finde ich gesellschaftliche Strömungen, die – ohne es zu beabsichtigen – das individuell Schlechte bzw. Verbrechen, Gewalt begünstigen. Der letztendlich Schuldige ist und bleibt aber der Täter.

LG, Nordrheiner
 
Trotzdem finde ich, dass es immer wieder bei so gut wie jedem Amoklauf darauf hinausläuft, dass eben eine Eskalation stattfindet, sich wahrscheinlich unglaublich viel Druck aufbaut und kein anderes Ventil mehr dafür gefunden wird, als dermaßen heftige Gewalt. Und da finde ich, kann man auch die Gesellschaft und ihre Dynamiken hinterfragen. Nicht ausschließlich, aber doch zu einem gewissen größeren Anteil und die Frage hinterherschieben, welche Entwicklungen von ihr begünstigt oder (bewusst?) nicht gesehen werden.

Sehe ich nicht so. Oder zumindest nicht ganz so. Nochmal auf die Studie bezogen:

"Die Jungen und wenigen Mädchen, die versucht haben, ihre Mitschüler oder Lehrer zu töten, oder tatsächlich zu Mördern geworden sind, haben Dinge erlebt, die andere Jugendliche auch erlebt haben. Jeder dritte der untersuchten Täter weltweit hatte Liebeskummer, 88 Prozent hatten "soziale Konflikte im schulischen Umfeld" hinter sich. "Den einen, typischen Täter gibt es nicht", sagt Herbert Scheithauer.

Es gibt nur Jugendliche, die ihren Frust weitaus schlechter bewältigen als andere."

Amokläufer an Schulen hatten oft Stress mit Lehrern - Nachrichten Gesundheit - Psychologie - DIE WELT

Noch dazu sind Schoolshootings in D eher selten.

Das lässt für mich den Schluss zu, dass es einfach Menschen gibt, die, wie du auch angedeutet hast, eine schlechte Impulskontrolle haben. Sie können mit Enttäuschungen, Zurückweisungen etc nicht so umgehen, wie andere Menschen in vergleichbarer Situation. Da würde ich die Schuld weniger bei der Gesellschaft suchen, sondern eher fragen: Was ist das für ein Mensch? Liegen eventuell eigene Charakterzüge vor, die dieses Verhalten begünstigen? Könnten Traumen die Entwicklung begünstigt haben oder nicht? Wobei ein vorliegendes Trauma auch nie Entschuldigung sein darf.
Hier haben wir wahrscheinlich auch ein Bündel an Faktoren, aber ich würde mir eher den Täter und seinen Hintergrund anschauen als direkt die Gesellschaft in die Pflicht zu nehmen. Oder die Gesellschaft zumindest als Teilfaktor, aber eben nur als Teilfaktor in Betracht ziehen.
Für mich hat jeder Täter eine Eigenverantwortung für sein Handeln, wenn er nicht aufgrund handfester psychischer Erkrankungen handelt.
Wenn ein Amoktäter im Vorfeld nicht mit den Lehrern klarkam oder von der Freundin verlassen wurde, dann ist er und nur er allein für sein Verhalten verantwortlich. Frust ist keine Entschuldigung und auch nix, was man als gesamtgesellschaftliches Problem betrachten sollte.

Da ist dann die Frage - was war er wirklich nach außen hin, was hat er nur vorgegeben und kann eine Freundschaft noch so eng sein, aber man bemerkt nicht einmal im Ansatz, was in einem besten Freund/in eskaliert?

Ja das muss man nicht bemerken. Selbst seine engsten Freunde kennt man immer nur zu einem Grad. Es ist immer möglich, dass jemand, den man glaubt zu kennen, etwas tut, dass man absolut nicht erwartet oder diesem Menschen zutraut.
 
Zuletzt bearbeitet:
@ Nordrheiner

Beim Menschen ist es anders, weil er über Moral, Ethik verfügt. Und – ganz wichtig: Ich denke, ein Mensch hat – anders als Tiere – ein Gewissen, welches ihm „täglich“ Anlässe bietet, über Gut und Böse nachzudenken. Allerdings kann man sein Gewissen abstumpfen.

Ich weiß nicht, ob man das so einfach sagen kann. Wir können nicht in Tiere hineinsehen und meine Erfahrung ist, dass mein Hund durchaus ein schlechtes Gewissen gezeigt hat, wenn er etwas gemacht hat, von dem er wusste, er darf es nicht. Darüber kann man sich streiten, ob Tiere über ein Gewissen verfügen oder nicht. Ich denke nach wie vor, wir können wie gesagt nicht in diese Tiere hineinsehen und nur, weil sie ein mögliches Gewissen nicht so zeigen, wie wir es definieren oder bei uns tun, heißt das nicht, dass sie keinerlei Gewissen haben.

Jeder drückt sich ja auch zum Teil anders aus und fühlt sich anders. Der eine zeigt schon ein mega schlechtes Gewissen, wenn er jemandem aus Wut eine reinhaut und weil er provoziert wurde. Dem anderen stößt das nicht so schlimm auf und er macht sich nicht so viel daraus.


@ Sparkly

Ich wollte mit meinem Beitrag eigentlich mehr oder weniger genau das gleiche sagen, wie du und keinesfalls damit ausdrücken, dass man bei Amokläufen die Schuld bei der Gesellschaft suchen sollte oder sie verantwortlich dafür ist. Wenn das so ankam, tut es mir leid - ich wollte eigentlich nur ausführen, dass die Gesellschaft auch ein Auslöser sein kann, bzw. einen Großteil an Eskalationen begünstigen kann, aber nicht der alleinige Faktor als Grund für Amokläufe ist. Und dass die Gesellschaft eine große Bedeutung auch für Amokläufer hat, da sie in irgendeiner Art und Weise darin leben, wie jeder von uns. Was jeder einzelne von uns dann aus Dynamiken oder Entwicklungen der Gesellschaft macht, ist ja wiederum eine andere Sache und sorgt leider eben dann als Ausgangspunkt dafür, dass manche Menschen eskalieren und schreckliche Dinge tun und andere nicht.

Ich teile ebenfalls deine Ansicht, dass der Täter selbst schuld und verantwortlich für seine Tat ist, da er die Entscheidung dazu selbst treffen konnte.

Das lässt für mich den Schluss zu, dass es einfach Menschen gibt, die, wie du auch angedeutet hast, eine schlechte Impulskontrolle haben. Sie können mit Enttäuschungen, Zurückweisungen etc nicht so umgehen, wie andere Menschen in vergleichbarer Situation. Da würde ich die Schuld weniger bei der Gesellschaft suchen, sondern eher fragen: Was ist das für ein Mensch? Liegen eventuell eigene Charakterzüge vor, die dieses Verhalten begünstigen? Könnten Traumen die Entwicklung begünstigt haben oder nicht?

Genau, ich stimme dir zu. Man kann zu diesen Fragen eben aber auch gesellschaftliche Fragen hinzufügen (worauf ich mich eben ergänzend konzentriert habe), was passiert sein kann, was die Störungen und den Druck in einem Täter begünstigt, verursacht oder verschlimmert hat. Das ist auf KEINEN FALL dann eine Rechtfertigung oder Erklärung für die Tat an sich, oder dass die Gesellschaft schuld daran ist. Und da ist der Täter meiner Meinung nach immer noch definitiv Schuld, da er sich letzten Endes zu der Tat entschieden hat.

Ich finde auch, dass jemand im allgemein definierten Sinne von "Schuld" eigentlich nur richtig "schuld" sein kann, wenn er es absichtlich oder mit vollem Bewusstsein tut. Und da kann man sich darüber streiten, ob die Gesellschaft Fehlentwicklungen oder negative Seiten mit absicht oder vollem Bewusstsein erschafft oder unterstützt. Die Gesellschaft ist ja auch nicht nur eine Einzelperson, sondern besteht aus vielen Personen.


Hier haben wir wahrscheinlich auch ein Bündel an Faktoren, aber ich würde mir eher den Täter und seinen Hintergrund anschauen als direkt die Gesellschaft in die Pflicht zu nehmen. Oder die Gesellschaft zumindest als Teilfaktor in betracht ziehen.

Genau, ich habe die Gesellschaft in meinen Ausführungen nur als Teilfaktor darstellen wollen. Einen Teilfaktor, der eine größere Bedeutung und Wichtigkeit haben kann. Wie eben viele andere Faktoren.


Aus meinem eigenen Beitrag zitiert:

Trotzdem finde ich, dass es immer wieder bei so gut wie jedem Amoklauf darauf hinausläuft, dass eben eine Eskalation stattfindet, sich wahrscheinlich unglaublich viel Druck aufbaut und kein anderes Ventil mehr dafür gefunden wird, als dermaßen heftige Gewalt. Und da finde ich, kann man auch die Gesellschaft und ihre Dynamiken hinterfragen. Nicht ausschließlich, aber doch zu einem gewissen größeren Anteil und die Frage hinterherschieben, welche Entwicklungen von ihr begünstigt oder (bewusst?) nicht gesehen werden.

Z. B. Gab es mal eine traurige Statistik, nämlich dass 2009 sich die Anzahl der Amokläufe im Vergleich zu 1990 verdreifacht haben. Das war in den USA. Dabei wurde auch diskutiert, wie weit verschreibungspflichtige Psychopharmaka dabei eine Rolle spielen könnten oder die gesellschaftlichen Veränderungen, die es seit 1990 gab.

In Deutschland sollen laut einer Studie nur die Anzahl der Amokläufe, die in einer Schule stattfinden, angestiegen sein, die sog. "School Shootings".

Knapp die Hälfte der Täter hat sich ihre Opfer gezielt ausgesucht.

Laut einer anderen Erhebung waren 3/4 der Täter in psychiatrischer Behandlung, bevor sie einen Amoklauf starteten.

Der Autor des Buches "Amok im Kopf - warum Schüler töten" will nachgewiesen haben, dass in den 10 Fällen, die er in dem Buch behandelt hat, alle Täter unter einem Trauma litten oder psychopathisch oder psychotisch veranlagt waren.

Allerdings wurde die Eskalation hierbei von verschiedenen Faktoren ausgelöst - also nicht nur von einem, wie nur Mobbing, Liebeskummer oder Leistungsdruck. Was bestätigt, dass es keinen überwiegenden Grund für Amokläufe gibt als Haupterklärung oder Prototyp.

Damit wollte ich eigentlich nur sagen, dass man nicht sagen kann: "Mobbing ist hauptsächlich oder allein als Hauptauslöser Schuld, wenn jemand Amokläuft." oder eben Liebeskummer, Leistungsdruck etc. und dass nicht alle oder die meisten Täter das gleiche Motiv für ihre Tat oder die gleichen Lebensumstände hatten, weil ja viele eben nicht gemobbt worden sind, sondern sogar zumindest nach außen hin ein normales soziales Umfeld hatten.

Und dann eben die Statistiken, die das mit den psychischen Problemen zeigen - da gehe ich ja auch mit dir konform, dass diese Täter vorbelastet sind und psyische und emotionale Störungen und Probleme haben/hatten, die nicht jeder Mensch hat. Was ich jetzt aber auf keinen Fall damit sagen will ist, dass jeder vorbelastete Mensch oder jemand mit psychischen Störungen oder Problemen wesentlich mehr gefährdet ist, Amokläufer zu werden oder prinzipiell ein größeres Gewaltpotenzial besitzt, als Menschen, die nicht davon betroffen sind.

Gerade bei so Faktoren wie psychischen Problemen oder dass die Zahl von Amokläufen massiv innerhalb bestimmter Jahre ansteigt, lassen für mich auch die Frage aufkommen, was die Gesellschaft als Teilfaktor dazu beiträgt, auch wenn sie natürlich nicht Schuld ist. Wie der einzelne damit umgeht, ist die Sache von jedem selbst und macht Täter eben zu Schuldigen und Alleinverantwortlichen, da sie sich ja zu ihrer Tat entscheiden konnten oder nicht.
 
Jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens Verletzendes erlebt. Man kann nicht entscheiden, OB einem solches passiert. Aber man kann entscheiden, ob man UNSCHULDIGE dafür zahlen lässt.
Wer seine Traumata an Unbeteiligten ausagiert, verdient weder Respekt noch Verständnis.
Es wird IMMER Verletzungen geben. Wir leben nicht in einer Disney-Welt.
Aber wir haben die Freiheit, unsere erwachsenen Handlungen zu überdenken und Entscheidungen zu treffen.
Eine "schlimme Kindheit" ist kein Freibrief für späteres destruktives Verhalten.
 
Natürlich kann sich ein Täter in dem Moment entscheiden was er tut.
Nur man sollte bedenken was er alles mit sich trägt.

Wenn er Liebe, Respekt und Toleranz erhalten hätte, würde er sich nicht für die Tat entscheiden.
Außer er ist in einer absoluten Notsituation!

Das stimmt so nicht, auch hier kann man als Beispiel wieder die RAF nennen.
Die Eltern von Christian Klar zb.waren rechtschaffende Menschen, was aus ihm wurde ist ja bekannt.

LG
Shorn
 
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