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Gibt es Grenzen für Liebe, Respekt, Mitgefühl und Verständnis?

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Womit sehr schön bewiesen wäre, dass die Frage der TE mit "Ja!" zu beantworten ist.
 
Natürlich kann sich ein Täter in dem Moment entscheiden was er tut.
Nur man sollte bedenken was er alles mit sich trägt.

Wenn er Liebe, Respekt und Toleranz erhalten hätte, würde er sich nicht für die Tat entscheiden.
Außer er ist in einer absoluten Notsituation!
Das klingt ja beinahe so wie: ein Trinker würde nicht trinken, wenn... er nicht das und das (er)tragen müßte.

Aber jeder muß (er)tragen und wird jeder Trinker? Naja, es gibt ja auch noch Drogen oder was weiß ich noch alles.

So manches ist unlogisch, ist spontan, unüberlegt, so mancher hat sich nicht im Griff, das ist nun mal so, auch wenn er in dem Moment nicht er selbst ist, hat man dafür grade zu stehen und eine Strafe ist, damit es er und der nächste daraus lernt.

FG
 
Manche brauchen gar keine Grenze.
Weil sie eh keine Ahnung haben von Liebe, Respekt, Mitgefühl oder gar Verständnis.
Die wissen ja nicht ma, wo der Anfang sein könnte.
Die Sorte braucht grade Grenzen.

(ich meine nicht: schief oder gerade, sondern: genau die brauchen Grenzen.)
 
Natürlich kann sich ein Täter in dem Moment entscheiden was er tut.
Nur man sollte bedenken was er alles mit sich trägt.

Wenn er Liebe, Respekt und Toleranz erhalten hätte, würde er sich nicht für die Tat entscheiden.
Außer er ist in einer absoluten Notsituation!

Ich weiß nicht. Meine Kindheit war zum Großteil - sorry für das harte Wort - einfach nur beschissen. Ich habe zu wenig Liebe bekommen, zu wenig Verständnis und wenn ich Mitgefühl gebraucht hätte, habe ich selten eines erhalten. Gewalt hat auch eine ganz große Rolle gespielt. Bis heute verkrafte ich einige Dinge oder Themen noch nicht so souverän wie andere, einfach weil mich meine Kindheit und Jugend so krass geprägt und sich das eingegraben hat.

Trotzdem würde mir NIEMALS auch nur im Traum einfallen, einem anderen Menschen das gleiche anzutun oder meine Aggressionen an ihm abzuladen. Gerade wegen meiner Geschichte und Defiziten und weil ich für mich schon sehr früh entschieden habe: so ein Mensch, der anderen Gewalt antut oder sie demütigt, will ich nicht sein. Gewalt und Grenzüberschreitungen sind mir zuwider, in jeder noch so kleinen Form. Das lehne ich komplett ab.

Ich bin kein Einzelfall, der das schafft, so zu denken und zu handeln. Und wenn viele andere Betroffene von Gewalt, mangelnder Liebe, einer miesen Kindheit etc. das auch hinbekommen, warum kann man da so einfach sagen: "Wenn ein Täter mehr Liebe etc. bekommen hätte, hätte er niemals Grenzen überschritten oder Straftaten begangen." und kann nicht einfach sehen, dass ein Mensch sich mies verhalten hat, Gewalt oder Grenzüberschreitungen durchgezogen hat und dass es legitim ist, dass viele dafür nicht auch noch Verständnis zeigen können oder Mitgefühl und nicht sagen wollten "Ja, der/die hatte einfach zu wenig Liebe/eine miese Kindheit."

Wie ich schon bereits in Bandits Thread geschrieben habe, die Grenze zu einer Rechtfertigung für schlimme Taten ist für mich dann leicht erreicht.

Übrigens, möchte ich nochmal anmerken: ich beziehe in diese Argumentation nicht Menschen ein, die psychisch krank sind oder psychische Störungen haben. Diese Belastungen sorgen oft für eine andere Wahrnehmung oder Art zu Denken und zu Handeln.

Viele Täter sind aber "gesund". Und eine schlimme Kindheit oder zu wenig Liebe im Leben müssen nicht immer zwangsläufig zu psychischen Krankheiten oder Störungen führen. Diese Leute haben dann kein beeinträchtigtes Urteilungsvermögen, bzw. sind in der Lage so klar zu denken, dass sie Entscheidungen treffen können, die nicht durch psychische Störungen oder Krankheiten beeinträchtigt werden. Und diese Art von Täter finde ich dann richtig schlimm. Die sich theoretisch dazu hätten entscheiden können, jemanden NICHT umzubringen oder KEINE Gewalt anzutun, vielleicht sogar jemanden, der gar nicht für ihre Geschichte verantwortlich ist und ihnen nichts getan hat, die sich praktisch aber dennoch dafür entschieden haben.
 
Mag sein, dass es bequemer erscheint.

Am Bequemsten ist es, die Schuld immer bei Anderen zu suchen. So kann man jeden Tag guten Gewissens in den Spiegel gucken, Schuld sind ja "die Anderen".

Ist mir persoenlich zu einfach.

Es erscheint nicht bequemer sondern ist bequemer. Sorry aber es geht nicht einfacher als völlig ignorant alle Ursachen, die zu einem Problem geführt haben zu verleugnen.
Erziehung, Erfahrungen und Genetik entscheiden nun mal zum größten Teil wie oder wer du bist. Ob dir das gefällt oder nicht. Man kann zwar ab einem gewissen Alter versuchen dagegen zu steuern aber dafür muss man auch erstmal wissen wie das geht.

Aber es ist natürlich viel angenehmer einfach reflexartig die Pauschalantwort "du bist immer selbst Schuld" rauszuhauen. Strengt nicht so sehr den Kopf an und man kommt auch nicht in die Verlegenheit eventuell mal seine eigenen Vorstellungen in Frage stellen zu müssen.
 
Natürlich kann sich ein Täter in dem Moment entscheiden was er tut.

Wenn er Liebe, Respekt und Toleranz erhalten hätte, würde er sich nicht für die Tat entscheiden.
Außer er ist in einer absoluten Notsituation!

Dem widerspreche ich. Die beste und liebevollste Erziehung ist keine Garantie dafür, dass sich der
Mensch gegen eigene böse Gedanken und Taten entscheidet.

LG, Nordrheiner
 
Es erscheint nicht bequemer sondern ist bequemer. Sorry aber es geht nicht einfacher als völlig ignorant alle Ursachen, die zu einem Problem geführt haben zu verleugnen.
Erziehung, Erfahrungen und Genetik entscheiden nun mal zum größten Teil wie oder wer du bist. Ob dir das gefällt oder nicht. Man kann zwar ab einem gewissen Alter versuchen dagegen zu steuern aber dafür muss man auch erstmal wissen wie das geht.

Aber es ist natürlich viel angenehmer einfach reflexartig die Pauschalantwort "du bist immer selbst Schuld" rauszuhauen. Strengt nicht so sehr den Kopf an und man kommt auch nicht in die Verlegenheit eventuell mal seine eigenen Vorstellungen in Frage stellen zu müssen.

Da stimme ich dir zu. Es wirft nicht zuletzt - nicht nur in Bezug auf Mord oder Liebe, sondern ganz allgemein - die Frage auf, wie sehr man in Bezug auf sein Denken, Fühlen und Handeln "selbstbestimmt" oder "fremdbestimmt" ist. Und so sehr ich gerne sagen würde, dass ich sehr selbstbestimmt bin und die volle Verantwortung für mein Denken, Fühlen und Handeln trage, so sehr kann ich doch unzählig viele Dinge meines "Ich" auf "Fremdbestimmung" zurückführen.

Sicher, als ich jünger war, hatte ich nicht so viele Wahlmöglichkeiten. Nun habe ich mehr Wahlmöglichkeiten, kann selbstbestimmter sein und mehr Verantwortung übernehmen, für mich selbst und auch andere. Hatte aber auch ein gewisses Glück, denke ich. Natürlich hatte und habe ich meine Härten im Leben, aber ich erachte sie als einigermaßen geringfügig. Zumindest hatte ich, aus meiner Sicht, keine solchen Härten, die mir komplett den Weg zu freier Entfaltung, Selbstbestimmtheit, Verantwortung und Glück verbauen. Andere mögen aber nicht so viel Glück gehabt haben. Ganz bestimmt gibt es solche Menschen.

Das ist ein relativ großer, assoziativer Sprung, der aus meiner Sicht aber voll im Kontext steht - ein Zitat von George Bernard Shaw:

Die meisten Menschen fürchten sich vor der Freiheit, weil sie Verantwortung mit sich bringt.

---

Da ich in meinem Leben schon viel gelebt, gesehen, gedacht und geschrieben habe, und weil es mir aufgrund eines recht belastenden Augen-/Sehproblems oft sehr schwierig fällt, zu lesen oder längere Texte zu schreiben, etwas "aus der Konsererve":

Letzte Worte

Für die, die ab und an nicht wissen, wie sie mit sich selbst, mit ihrer Beziehung oder ihrer Umwelt umgehen sollen, nutzt euer Herz und euren Verstand! Nicht umsonst ist jeder Mensch damit ausgestattet. Wer sein Herz und seinen Verstand, am besten in Reinform, benutzt, der kann jede Situation meistern. Oft werden Herz und Verstand gar nicht oder nur wenig genutzt, und da wo dieser "Leerraum" entsteht, wird er umgehend durch Medienmüll, "gesellschaftliche Vorbilder", Klischees, Verallgemeinerungen, und sonstigen Bullshit, aufgefüllt.

Vielleicht noch ein Wort zu Schmerz. Wir haben alle eine Tendenz, Schmerz zu vermeiden. Das ist auch richtig so. Manchmal gehört er aber einfach dazu. Wer sein Herz und seinen Verstand nutzt und schult, wird um den Schmerz nicht umhin kommen.

Nochmal: Herz und Verstand!

🙂
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Bandit,

Zu Deinem Beitrag 47:

Zu dem Beispiel Anders Behring Breivik. Er hielt sich selbst für einen guten Menschen.
Dazu hattest Du geschrieben:
Wie so viele Christen sich als gute Menschen sehen und trotzdem schlechtes tun. Der genannte war übrigens auch Christ und lies sich freiwillig taufen und konfirmieren.
Christen – der Begriff wird von Jesus Christus abgeleitet. Genauso wie ein Marxist die Lehre von Marx verinnerlicht und danach leben will, tun es Christen mit Jesus Christus bzw. seiner Lehre.
Natürlich sind Christen auch fehlerhafte Menschen. Bezogen auf Anders Behring Breivik sollte Dein Satz – verallgemeinernd – andersherum formuliert werden: Viele Menschen sehen sich als Christen, wurden ggf. als Baby oder Erwachsener getauft und später konfirmiert – orientieren sich aber nicht an Jesus Christus. Und insofern handelt es sich auch nicht um Christen. Nicht überall, wo Christ draufsteht, ist auch Christ drin.


LG, Nordrheiner

 
Kurze Antwort auf die Fadenfrage:

Nein, es sollte keine Grenzen geben, aber es gibt sie. Gibt es sie auch zurecht? Nein, nicht wirklich.
 
Hallo Bandit,

Zu Deinem Beitrag 47:

Zu den beiden Stichworten Evolutionstheorien und Dynamiken und dem Zusammenhang zu diesem Faden meine ich folgendes:

Nimm Dir das Beispiel liebevolle Familie. Die Werte Respekt, Liebe, Rücksichtnahme, Fürsorge etc. bilden die geistige Grundlage für das Handeln der Familienmitglieder. Das Bilden dieser Werte und das Familienleben, in dem diese Werte „nach bestem Wissen“ gelebt werden, begründen das Wissen für gut und böse bzw. prägen das Handeln untereinander. Solange Vater und Mutter sich selbst genauso nach diesen Werten richten und die Kinder lehren, wie die Kinder es tun sollen, könnte man diese Werte für diese Familie als objektiv ansehen. Das einzelne Familienmitglied kann sich zwar gegen einen Wert entscheiden, dann handelt es böse, aber es kann den Wert nicht für sich oder andere Familienmitglieder verändern, solange es in der Familie lebt. Bei diesem Beispiel ist mir wichtig: Vater und Mutter nennen X heute gut und nicht morgen schlecht – und umgekehrt. Es sind feste, für alle Mitglieder unveränderliche Werte gegeben. Ein Idealfall, ich weiß.



Und jetzt nimm eine Volksgruppe, einen Staat als Beispiel. Damit es im Staat genauso abläuft wie in der idealen Familie, müssen sich die Staatsoberhäupter, im Prinzip alle Entscheidungsträger „für Dritte“, also auch Arbeitgeber, Behördenleiter, Justiz, Legislative an festen Werten orientieren. Und genau das ist nicht der Fall. Realität ist doch, dass Werte in der Gesellschaft veränderbar sind. Es gibt Gesetze, die je nach Interesse verschieden ausgelegt werden. (Den Kleinen knüpft man auf, den Großen lässt man laufen).

Dann gibt es diverse politische Parteien, die z.B. den Wert der Alterssicherung unterschiedlich einstufen und ggf. Gelder aus der Rentenkasse nehmen, um politisch interessante Projekte zu finanzieren. „Das entstehende Problem der Renten kann ja die politische Generation nach uns lösen.“ Oder nimm die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar…. Und jetzt können wir fast jedes politische Ziel nehmen, welches nicht auf Grund fester Werte sondern auf Grund wandelnden politischen Interesses Priorität geniesst. Meistens werden doch politische Vor- und Nachteile abgewogen, nicht Gut und Böse.

Und jetzt kommen wir zu der Evolutionstheorie. Die Evolutionstheorien bieten keine Basis für Gut oder Böse. Diese Theorien sind wertfrei. Es gibt keine festen Werte “gut“ und „böse“ – vom Postulat „Recht des Stärkeren“ mal abgesehen. Also wird die Wertelücke der Evolutionstheorien mit Werten ausgefüllt, die von denen, die die Werte vorgeben, verändert werden. Es gibt keinen übergeordneten Maßstab, an dem sich Herrschende orientieren müßten. Und jetzt kommt die Dynamik ins Spiel:
Wie der Herr – so das Gescherr.




Der katastrophale Vater: Wenn der Vater in der Familie Dich (als Jungen) heute fragt, wieviele Finger er an der Hand hat und Du 5 sagst, erhältst Du eine Ohrfeige. Er sagt 6! Und wenn er Dich morgen fragt und Du jetzt 6 antwortest, erhältst Du wieder eine Ohrfeige, denn 5 ist richtig. Für Dich als Sohn wäre so eine Willkür katastrophal und würde nach Deiner Theorie dazu führen, dass die Wahrscheinlichkeit für Gesetzlosigkeit zunimmt. Stimmt. Ich gebe Dir Recht. Und wenn Du jetzt die letzten 150 Jahre nur in Deutschland betrachtest, dann ist genau das im großen Stil passiert, was der katastrophale Vater in meinem Beispiel gemacht hat.

Daher bin ich gegen jede Idee oder Theorie, die an sich wertfrei ist bzw. dem willkürlich handelnden Menschen Freiraum gibt, sich selbst grenzenlos zu verwirklichen. Übrigens, das auch für Dich wichtige Wort der Nächstenliebe kommt nicht aus der Evolutionstheorie. Da hat sich jemand was geborgt. 🙂



LG, Nordrheiner

 
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