G
Gelöscht 116947
Gast
Ich hatte heute wieder einen Termin bei meiner Therapeutin, der guten Fee. Auf dem Weg dort hin laufe ich durch ein ziemlich abgerocktes Viertel. Im Prinzip ein gutes Übungsfeld für mich, um mich abzugrenzen.
Auch heute wurde ich von zwei fremden Männern angesprochen und dabei fiel mir auf, dass ich enorme Schwierigkeiten habe ein "Nein" auch wirklich zu äußern. Nun ist es so, dass das Medikament, das ich nehme, verhindert in eine Dissoziation zu rutschen. Dadurch nehme ich aber eine deutliche "Spaltung" von Körper und Geist wahr. Spricht mich jemand an, fährt in mir drin - geistig - wie ein Fahrstuhl runter. Das Gefühl ist ganz schwer zu beschreiben, es ist wie ein innerliches "Zumachen". Gleichzeitig aber fährt mein Körper hoch, ich fange an zu schwitzen und nervös zu werden. Diese Trennung nehme ich deutlich wahr. Anstatt aber mich aufzurichten, dem Gegenüber in die Augen zu sehen und ein deutliches Nein zu äußern, schüttel ich den Kopf und gehe einfach weg. Sicherheit strahlt das sicherlich nicht aus...
In der Therapie haben wir dann darüber gesprochen, warum mir dieses explizite NEIN sagen so schwer fällt, meine Therapeutin fragte dies konkret nach. Daraufhin geriet ich erstmal ins Stocken, konnte ihr aber dann doch zum ersten Mal genau von dem Abend vor dem Übergriff erzählen. Auch wie schwer es mir fällt, meine Gefühle darüber jetzt wieder zu ordnen. Als ich ihr dann zum ersten Mal sehr genau erzählte, was der Grund war, warum ich überhaupt mitgegangen bin, dass er behauptete so sehr krank zu sein und jeder ihn deshalb meiden würde etc, wurde sie richtig sauer. Nicht auf mich, sondern auf die Art und Weise wie der Täter mich manipulierte.
Wie bereits erwähnt nahm meine Anwältin Akteneinsicht. Inzwischen ist klar, dass der Täter nicht krank ist, ich die PEP völlig umsonst über mich habe ergehen lassen und das alles nur ein ziemlich mieser Plan war, auf den ich leider reinfiel. Als ich dies erfuhr, kamen viele Gefühle in mir auf. Wut, Trauer, aber auch viel gegen mich gerichtete Vorwürfe. Das alles verwirrte mich und versetzte mich wieder mal in die Situation von damals.
Mit der Hilfe meiner Therapeutin konnte ich diese aufkommenden Gefühle heute gut für mich sortieren. Ich war sauer auf mich, weil ich das nicht besser vorhergesehen hatte. Aber genau dies war mir scheinbar gar nicht möglich, weil es bis dato gar nicht für mich möglich erschien, dass sich jemand so eine perfide Geschichte einfach nur ausdenkt, um mich in eine Falle zu locken. Es war also gar nicht in meinem Weltbild verankert und so musste ich mehr oder weniger darauf reinfallen. Ganz ähnlich wie DrakeSF es sagte. Hinterher ist man immer klüger.
Was heute demnach noch übrig ist, ist nicht der Vorwurf "ich hätte es besser vorhersehen müssen", denn das konnte ich nicht. Sondern der bloße Wunsch, dass ich dies hätte können. Das ist ein Unterschied, er spricht mich - zumindest was diesen Teil betrifft - frei von Schuld.
Was mir sehr geholfen hat, war zu sehen, dass meine Therapeutin richtig sauer wurde auf den Typen. In diesem Moment habe ich irgendwie verstanden, dass auch ich das Recht und alle Gründe habe, auf ihn sauer zu sein. Ich habe, so glaube ich, zum ersten Mal erkannt, wo ich meine Gefühle richtig verorte. Die Trauer darf bei mir bleiben, die Wut, das Sauersein, gehört aber nicht zu mir sondern zu ihm. Ich hoffe, dies wird mir helfen, den Prozess emotional zu überstehen.
Bleibt die Frage, dürfen oder sollten Therapeuten überhaupt Emotionen zeigen?
Dass ich wieder lernen muss, dass ein einfaches "Nein" nicht gleich mein Leben bedroht, ist nicht leicht. Ich weiß nicht, was mir da helfen könnte? Es vielleicht vor dem Spiegel üben? Die Körpersprache hat da sicher auch ihren Anteil.
Auch heute wurde ich von zwei fremden Männern angesprochen und dabei fiel mir auf, dass ich enorme Schwierigkeiten habe ein "Nein" auch wirklich zu äußern. Nun ist es so, dass das Medikament, das ich nehme, verhindert in eine Dissoziation zu rutschen. Dadurch nehme ich aber eine deutliche "Spaltung" von Körper und Geist wahr. Spricht mich jemand an, fährt in mir drin - geistig - wie ein Fahrstuhl runter. Das Gefühl ist ganz schwer zu beschreiben, es ist wie ein innerliches "Zumachen". Gleichzeitig aber fährt mein Körper hoch, ich fange an zu schwitzen und nervös zu werden. Diese Trennung nehme ich deutlich wahr. Anstatt aber mich aufzurichten, dem Gegenüber in die Augen zu sehen und ein deutliches Nein zu äußern, schüttel ich den Kopf und gehe einfach weg. Sicherheit strahlt das sicherlich nicht aus...
In der Therapie haben wir dann darüber gesprochen, warum mir dieses explizite NEIN sagen so schwer fällt, meine Therapeutin fragte dies konkret nach. Daraufhin geriet ich erstmal ins Stocken, konnte ihr aber dann doch zum ersten Mal genau von dem Abend vor dem Übergriff erzählen. Auch wie schwer es mir fällt, meine Gefühle darüber jetzt wieder zu ordnen. Als ich ihr dann zum ersten Mal sehr genau erzählte, was der Grund war, warum ich überhaupt mitgegangen bin, dass er behauptete so sehr krank zu sein und jeder ihn deshalb meiden würde etc, wurde sie richtig sauer. Nicht auf mich, sondern auf die Art und Weise wie der Täter mich manipulierte.
Wie bereits erwähnt nahm meine Anwältin Akteneinsicht. Inzwischen ist klar, dass der Täter nicht krank ist, ich die PEP völlig umsonst über mich habe ergehen lassen und das alles nur ein ziemlich mieser Plan war, auf den ich leider reinfiel. Als ich dies erfuhr, kamen viele Gefühle in mir auf. Wut, Trauer, aber auch viel gegen mich gerichtete Vorwürfe. Das alles verwirrte mich und versetzte mich wieder mal in die Situation von damals.
Mit der Hilfe meiner Therapeutin konnte ich diese aufkommenden Gefühle heute gut für mich sortieren. Ich war sauer auf mich, weil ich das nicht besser vorhergesehen hatte. Aber genau dies war mir scheinbar gar nicht möglich, weil es bis dato gar nicht für mich möglich erschien, dass sich jemand so eine perfide Geschichte einfach nur ausdenkt, um mich in eine Falle zu locken. Es war also gar nicht in meinem Weltbild verankert und so musste ich mehr oder weniger darauf reinfallen. Ganz ähnlich wie DrakeSF es sagte. Hinterher ist man immer klüger.
Was heute demnach noch übrig ist, ist nicht der Vorwurf "ich hätte es besser vorhersehen müssen", denn das konnte ich nicht. Sondern der bloße Wunsch, dass ich dies hätte können. Das ist ein Unterschied, er spricht mich - zumindest was diesen Teil betrifft - frei von Schuld.
Was mir sehr geholfen hat, war zu sehen, dass meine Therapeutin richtig sauer wurde auf den Typen. In diesem Moment habe ich irgendwie verstanden, dass auch ich das Recht und alle Gründe habe, auf ihn sauer zu sein. Ich habe, so glaube ich, zum ersten Mal erkannt, wo ich meine Gefühle richtig verorte. Die Trauer darf bei mir bleiben, die Wut, das Sauersein, gehört aber nicht zu mir sondern zu ihm. Ich hoffe, dies wird mir helfen, den Prozess emotional zu überstehen.
Bleibt die Frage, dürfen oder sollten Therapeuten überhaupt Emotionen zeigen?
Dass ich wieder lernen muss, dass ein einfaches "Nein" nicht gleich mein Leben bedroht, ist nicht leicht. Ich weiß nicht, was mir da helfen könnte? Es vielleicht vor dem Spiegel üben? Die Körpersprache hat da sicher auch ihren Anteil.
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