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Gerade einen ganz blöden Anruf bekommen... :((

Kannja

Aktives Mitglied
Gerade rief mich meine Therapeutin an und teilte mir mit, dass sie ab sofort ein Beschäftigungsverbot wegen Schwangerschaft hat. :wein: Ich bin total geschockt und traurig... Natürlich verstehe ich ihren Grund vollkommen und wünsche ihr nur das beste für ihr Kind. Aber sie war in all dem schlimmen was ich durchgemacht habe die erste und einzige Person der ich mich je richtig öffnen und anvertrauen konnte und die für mich da war. Ich habe total Vertrauen zu ihr gefasst - was für mich unglaublich schwer ist. Und ich mag sie wirklich gern, hatte immer das Gefühl, dass sie mich wirklich versteht und dass es sie wirklich interessiert wie es mir geht. Gerade weil ich sonst keinerlei Rückhalt habe und praktisch alles durch Schicksalsschläge verloren habe, war sie so wichtig für mich und es hat mir so geholfen zu ihr gehen zu können. So zu sagen mein einziger Halt und Anlaufpunkt.

Nun bricht das alles von heute auf morgen weg und ich kann mich nicht einmal richtig verabschieden, was sich auch total komisch anfühlt. Mir sind eben am Ende des Telefonates schon richtig die Tränen gelaufen und ich habe versucht das vor ihr zu verbergen und zu überspielen. Ich weiß, dass man eigentlich nicht emotional an seinem Therapeuten hängen darf, aber es war halt doch so, als sei sie eine gute Freundin für mich geworden. Und nun habe ich wieder niemanden. Gerade jetzt wo ich akut so in einer Krise bin und es mir ohnehin gar nicht gut geht. Ich fühl mich so allein und dieser Verlust tut gerade richtig weh. Kann mich jemand von Euch verstehen?
 

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Ondina

Sehr aktives Mitglied
Ja natürlich kann ich dich verstehen voll und ganz sogar. Das so eine Nachricht einem den Boden unter den Füßen weg reißen kann ist doch ganz normal. Vor allem Therapeuten bei denen die Chemie stimmt wachsen ja nun auch nicht auf den Bäumen.

Leider kann ich dir in dieser Situation praktisch keine Hilfe sein, aber ich nehme dich mal ganz fest in den Arm. Solange du in der Luft hängst schreibst du halt in diesem Forum, schreib das ganze Forum voll wenn es dir Gut tut, bis du wieder einen Thera. gefunden hast bei dem es für dich weiter geht, ich wünsch dir alles Gute. :blume::herz::herz:
 

Kannja

Aktives Mitglied
Vielen lieben Dank für Deine Worte, Roxxana!

Ich glaube was es gerade so schlimm für mich macht ist das Gefühl jeden Menschen der mir etwas bedeutet hat bzw. den ich je hatte zu verlieren. Oder immer wieder verlassen zu werden. Es war eben auch eine Illusion, dass es sich mit meiner Therapeutin so freundschaftlich anfühlte... denn letztlich ist ja klar, dass es umgekehrt nur ein rein professionelles Verhältnis für sie ist, welches irgendwann wohl so oder so immer enden muss. Aber für mich war es eben so toll endlich jemanden zu haben mit dem ich reden und dem ich mich anvertrauen kann. Jemanden der mir zuhört, dem ich wirklich vertrauen kann und der mir hilft. Ich habe das vor dieser Therapeutin nie wirklich gehabt und war immer so allein mit allem. Sie - und all das - nun also so schlagartig zu verlieren tut richtig weh.

Vielleicht hat jemand das mit meinem Bruder in meinem anderen Thread gelesen... im Grunde habe ich ja gerade den mir liebsten Menschen endgültig verloren - bzw. verstanden, dass ich ihm nichts bedeute und wirklich ganz allein bin. Das hat mich die letzten Wochen ohnehin in eine ganz tiefe Traurigkeit und Krise gestürzt. Ich fühle mich so allein, wertlos und verloren. Dann noch mein einsamer Geburtstag vor gerade 1,5 Wochen... Meine Therapeutin war der einzige Mensch für mich der mich in all dem etwas aufgefangen hat und der wirklich mit mir mitfühlte und mit dem ich reden konnte. Sie weiß wirklich alles von mir und hat mich nun über ein Jahr in allem begleitet. Es ist ein total merkwürdiges Gefühl, dass es nun nichtmal einen richtigen Abschied gab, sondern wir uns einfach so plötzlich nie mehr sehen werden. Ich frage mich wieso ich immer alles verlieren muss...:wein:
 
S

seele28

Gast
Das ist hart. :( Normerweiße sollte deine Therapeutin doch wissen ab wann sie nicht mehr arbeiten kann...dann hätte man das schon längst besser organisieren können, damit du auch weiter wo anders Therapie machen kannst. Das geht ja eigentlich gar nicht, so von heute auf morgen keine Therapie mehr. Deine Therapeutin muss das doch schon vorher gewusst haben. Kann verstehen das es hart ist. Vielleicht kannst du zu einer Beratungsstelle erst einmal gehen. Wie lange wird sie denn Pause machen müssen?
 

Ondina

Sehr aktives Mitglied
Du hast den wichtigsten Menschen in deinem Leben verloren und das mit einem Schlag, das verdaut man nicht so einfach.
Kurz vorher ist dir Klar geworden das du für deinen Bruder auch keine nennenswerte Rolle spielst und das muss man erst einmal verarbeiten das sind zwei ganz schöne Einschnitte.

Ich kann mir Vorstellen wie du dich fühlst, mir ging das vor ein Paar Jahren so es ging alles Schlag auf Schlag zum Schluss ist noch meine Katze gestorben, ich habe gedacht, ich komme aus diesem Loch nie wieder raus, was sich Glücklicher Weise auch wieder geändert hat, aber in dem Moment habe ich nur noch schwarz gesehen.
Ich kann dir bloß aus eigener Erfahrung sagen, das für dich auch wieder bessere Zeiten kommen und du die Krise überstehen wirst.
Glaub nur an dich, du hast schon so viel geschafft du wirst das auch meistern und wir sind ja alle bei dir. :blume::herz::herz:
 
G

Gast

Gast
Eine Therapeutin kann nicht "der wichtigste Mensch" sein, weil sie als Mechanikerin, nicht als Freundin agiert.
Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass sie sich verabschiedet, da hier deinerseits die Grenzen nicht mehr realisiert wurden.
Therapeuten sind keine Freunde.
Was sie kann, kann jeder andere, gut ausgebildete Therapeut auch.
Übrigens gehört es zu JEDEM Leben, Verluste zu erleiden.
Befreie dich von der Vorstellung, dass Schicksal würde gerade dir besonders übel mitspielen.
 
G

Gast

Gast
Ui, das ist ja blöd gelaufen.
Aber so ein Berufsverbot in der Schwangerschaft kann einfach auch ganz plötzlich kommen.
Ich kenne auch einen Fall aus meinem Umfeld, wo eine werdende Mutter ab dem vierten Monat stationär in eine Klinik aufgenommen wurde und dort bis zur Geburt bleiben musste.

Bestand denn schon eine Regelung für die Zeit, wenn Deine Therapeutin regulär in Mutterschutz gegangen wäre?
Hast Du die Möglichkeit dort jetzt schon hinzugehen?

Es ist immer schwer, sich wieder einer neuen Person anzuvertrauen, aber ich denke, dass Du das schaffen wirst.
Menschen kommen und gehen und vielleicht hast Du dann zu einem späteren Zeitpunkt wieder die Möglichkeit, Deine Therapie bei ihr weiterzuführen.

Ich drücke Dir auf jeden Fall die Daumen. Kopf hoch...Ist erstmal ein Schock und wirklich schade, aber noch kein Weltuntergang.
 

weidebirke

Sehr aktives Mitglied
Eine therapeutische Beziehung ist auch eine Beziehung (eine beidseitige), deren Verlust eine Bedeutung hat und die Ängste und Trauer auslösen kann.

Normalerweise werden Langzeittherapien behutsam ausgeleitet. Es wird thematisiert, wie man mit künftigen Tiefpunkten umgehen wird, wo und bei wem man sich in Krisen Hilfe holen kann. Die Gefühle, die diese Trennung auslösen, werden angeschaut, wofür sie stehen und wenn sie sehr stark sind, wie man damit umgeht.

Gerade, wenn der Klient Verlust und Verlassenwerden erlebt hat, ist das sehr wichtig.

Darum fühle ich gerade sehr mit Dir und kann mir vorstellen, dass Dich das umwirft. Hast Du gewusst, dass die Therapeutin schwanger ist und hattet Ihr über das eventuelle vorzeitige Ende der Therapie bereits gesprochen? Bzw. wie die Therapie zu Ende geführt werden soll? Denn dass sie dann nicht mehr zur Verfügung steht, wara ja klar, oder?
 

Ondina

Sehr aktives Mitglied
Eine Therapeutin kann nicht "der wichtigste Mensch" sein, weil sie als Mechanikerin, nicht als Freundin agiert.
Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass sie sich verabschiedet, da hier deinerseits die Grenzen nicht mehr realisiert wurden.
Therapeuten sind keine Freunde.
Was sie kann, kann jeder andere, gut ausgebildete Therapeut auch.
Übrigens gehört es zu JEDEM Leben, Verluste zu erleiden.
Befreie dich von der Vorstellung, dass Schicksal würde gerade dir besonders übel mitspielen.
Ich glaube du hast den Eingangspost der TE entweder nicht richtig oder gar nicht gelesen.
 

bird on the wire

Aktives Mitglied
Das tut mir leid. Das ist sehr schade für Dich. Ich fände das auch sehr traurig, so Knall auf Fall.
Aber es ist möglich, daß die Entwicklung auch für sie überraschend kam.

Ich finde, Du kannst ihr Deine Emotionalität ruhig zeigen. Sie weiß das ja wahrscheinlich sowieso.

Du darfst nicht vergessen, daß das besondere Verhältnis zwischen Euch - das Dich an eine Freundschaft erinnert - und das besondere Gefühl, das Du ihr entgegenbringst, u.a. auch der Tatsache geschuldet ist, daß Ihr Euch im Therapieraum immer in einer besonderen Situation befindet. Ein Therapeut ist in der Therapiesitzung - gerade in der Einzeltherapiesitzung - so ausschließlich auf mich konzentriert und so sehr freundlich und mitfühlend zugewandt, wie es einem im Leben ansonsten kaum begegnet. Dazu noch der gesschütze Rahmen, der es einem ermöglicht, tatsächlich in dem Therapieraum komplett offen und ehrlich zu sein, wie sonst kaum irgendwo. Du siehst aber immer nur Ausschnitte der Persönlichkeit des Therapeuten. Die Zuneigung des Patienten/Klienten in einer funktionierenden Therapiebeziehung ist völlig legitim. Ich werde meinen Therapeuten auch immer in mein Nachtgebet einschließen ;).

Vielleicht ist dieses Verlassenheitsgefühl jetzt auch eine Chance, das achtsam wahrzunehmen. Und das Therapieende (?) oder die Therapieunterbrechung (?) als das wahrzunehmen, was es ist. Und nicht als Beweis, daß Du immer alle verlierst. Du ordnest das aufgrund Deiner Sensibilität jetzt so ein. Wobei ich mcih auch fürchterlich nach so einem Telefonat fühlen würde. Ich kann das sehr gut verstehen.

Hast Du mit ihr besprechen können, welche Lösungsmöglichkeiten es für Dich gibt?
Wird sie nach der Schwangerschaft weiterarbeiten?

Wenn Du im Moment nicht sehr gefestigt bist und Hilfe brauchst, solltest Du schauen, wie es weitergehen kann. Vielleicht brauchst Du auch Hilfe, um mit dieser plötzlichen Verlassenheitssituation fertig zu werden. Dann hol Dir diese Hilfe bitte und zieh Dich nicht unglücklich zurück. Sorge da bitte für Dich.

Ganz, ganz lieber mitfühlender Gruß


Bird
 

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