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Geht ihr zu Klassentreffen, Abijubiläen und dergleichen?

Geht ihr zu Klassentreffen, Abijubiläen und dergleichen?

  • Ja, ich lasse mir kein Treffen entgegen, wenn ich es eben einrichten kann

    Teilnahmen: 9 11,3%
  • Nicht immer, aber meistens

    Teilnahmen: 5 6,3%
  • Nur, wenn ich nichts Besseres zu tun habe

    Teilnahmen: 7 8,8%
  • Nein, nicht mehr, weil ich mal schlechte Erfahrungen gemacht habe (Angeberei etc.)

    Teilnahmen: 6 7,5%
  • Nein, noch nie, weil ich eine Aversion gegen solche Treffen habe

    Teilnahmen: 45 56,3%
  • Nein, inzwischen nicht mehr, weil ich jetzt keine Lust mehr habe (trotz früherer guter Erfahrungen)

    Teilnahmen: 8 10,0%

  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    80
Die Leute, mit denen ich während der Oberstufe befreundet war, haben sich nach dem Abiball nie wieder bei mir gemeldet.
So Leid es mir für dich persönlich tut, so dankbar bin ich dir auf der anderen Seite auch für deine Offenheit. Denn es ist beruhigend zu hören, dass solche Erfahrungen auch von anderen gemacht werden und daher normal sind. Ich finde es unmöglich, sich schon nach so kurzer Zeit einfach nicht mehr zu melden. Daran sieht man wieder einmal, was von den meisten "Freundschaften" zu halten ist. In Wirklichkeit sind das nur zeitlich begrenzte Zweckgemeinschaften.

Einen Abiball gab es zu meiner Zeit (Abi 1982) übrigens noch nicht. Das war alles einige Nummern kleiner. Finde ich aber auch besser so. Da wird erst ein Riesenbohei gemacht nur wegen eines Abis, das heute sowieso jeder mit einem durchschnittlichen IQ nachgeschmissen bekommt, und schon eine Woche später wird so getan, als ob man sich nie gekannt hätte.

Ein Jahr später habe ich mal zufällig abends beim Ausgehen einen früheren Mitschüler getroffen. Mit ihm hat sich dann eine tolle Freundschaft entwickelt. Wir hatten ca. 16, 17 Jahre wirklich viel Kontakt. Doch seit er verheiratet ist und Kinder hat, wurden unsere Treffen immer weniger. Die letzten 3-4 Jahre haben wir uns gar nicht mehr gesehen. Seine Frau ist eine sehr introvertierte Person, hat keinen Bock auf Freundschaften und verbietet ihren Mann sämtliche Kontakte außerhalb der Familie. Und er hält sich daran, weil er Angst hat, dass sie ihn verlässt und er keine andere mehr findet.
Furchtbar. Aber da sieht man mal wieder, was überall los ist und welchen Preis so mancher für Ehe und Familie zahlt.... Ich hätte gern eine Familie gegründet, aber wenn ich so etwas höre, muss ich mir sagen, dass auch dort nicht alles Gold ist, was glänzt. Freundschaften hätte ich mir in der Ehe nicht verbieten lassen, dann hätte ich mich noch eher scheiden lassen, auch wenn ich nie wieder einen Partner gefunden hätte. Denn in so einer Ehe, in der man total unterdrückt wird, ist man ja noch isolierter denn als Dauersingle.
 
Zuletzt bearbeitet:
Und viele Leute von früher haben sich deswegen auch nicht mehr gemeldet, die haben mir ganz offen gesagt, es wäre ihnen unangenehm, wenn sie anriefen und an meinen Partner geräten.
Hat denn dein Mann eifersüchtig reagiert oder war er unfreundlich zu den Anrufern?

Ich kenne das auch aus meiner Familie, dass, wenn eine Freundin anrief und ein Treffen vorschlug, da gleich kam, das wäre unverschämt von jener Freundin, die würde sich in die Ehe drängen.
Das kenne ich so von meinen Eltern nicht. Meine Mutter war nicht so ein eifersüchtiger Typ, da durften auch mal frühere Schulkameradinnen meines Vaters vor Klassentreffen anrufen (sie haben sich auch nach dem Tod meines Vaters noch bei meiner Mutter gemeldet - teilweise sogar telefonisch - und kondoliert). Aber das heißt ja nicht, dass es das nicht bei anderen Leuten gibt. Mein Vater hatte auch nichts dagegen, wenn sich eine Bekannte oder Freundin (ehemalige Arbeitskollegin) bei meiner Mutter meldete. Allerdings hatte sie auch kaum Kontakte außerhalb der Verwandtschaft und Nachbarschaft.
 
Furchtbar. Aber da sieht man mal wider, was überall los ist und welchen Preis so mancher für Ehe und Familie zahlt.... Ich hätte gern eine Familie gegründet, aber wenn ich so etwas höre, muss ich mir sagen, dass auch dort nicht alles Gold ist, was glänzt. Freundschaften hätte ich mir in der Ehe nicht verbieten lassen, dann hätte ich mich noch eher scheiden lassen., auch wenn ich nie wieder einen Partner gefunden hätte. Denn in so einer ehe, in der man total unterdrückt wird, ist man ja noch isolierter denn als Dauersingle.

Oh ja, für Ehe und Familie zahlt man einen hohen Preis. Das ist nicht ohne. Aber ich habe es nicht so erlebt, dass einem die Freundschaften in dem Sinne "verboten" würden, sondern sie wurden zerrieben und vergiftet. Wenn ich einen Freund von früher besucht habe und die Ehefrau verdreht bei meinem Anblick die Augen, knallt Schubladen und Türen, stöhnt bei jedem Wort, was ich sage, laut auf, dann ist das Verhältnis zu jenem Freund nie mehr so, wie es war, das steht einfach für immer dazwischen. Man will ja die Ehefrau nicht angreifen, das könnte den Freund verletzen, der Freund schämt sich unübersehrbar, versucht sich an armseligen, halbherzigen Rechtfertigungen, und das Ganze ist einfach nur noch peinlich.

Oder wenn ich merke, dass ein Freund von mir von meinem Mann nur genervt ist und ihn einfach nicht erträgt, dann kann ich auch nicht mehr unvoreingenommen und unbeschwert mit diesem Freund zusammen sein. Aber in keinem Fall ist mir da etwas verboten worden. Man kann sagen, es ist an den Umständen des Lebens erkrankt und gestorben. Und mit den Jahren hat mich das soviel an Substanz gekostet, dass ich keinerlei Lust mehr auf Geselligkeiten habe. Ich bin es einfach leid. Es reicht irgendwo.
 
Hat denn dein Mann eifersüchtig reagiert oder war er unfreundlich zu den Anrufern?

Das kenne ich so von meinen Eltern nicht. Meine Mutter war nicht so ein eifersüchtiger Typ, da durften auch mal frühere Schulkameradinnen meines Vaters vor Klassentreffen anrufen (sie haben sich auch nach dem Tod meines Vaters noch bei meiner Mutter gemeldet - teilweise sogar telefonisch - und kondoliert). Aber das heißt ja nicht, dass es das nicht bei anderen Leuten gibt. Mein Vater hatte auch nichts dagegen, wenn sich eine Bekannte oder Freundin (ehemalige Arbeitskollegin) bei meiner Mutter meldete. Allerdings hatte sie auch kaum Kontakte außerhalb der Verwandtschaft und Nachbarschaft.

Nein, der eine Freund, der den Kontakt nicht mehr wollte, hatte wohl auch Probleme damit, dass er selber beruflich gescheitert und mein Mann erfolgreich war. Irgendwo erschien mir das als eine Ausrede. Er kannte meinen Mann, damals noch mein Freund, flüchtig. Aber dieser "Freund" hatte mich wohl auch nur benutzt, solange er mich brauchte und das mit meinem Mann als willkommene Ausrede benutzt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mein Vater hat in den 1970er Jahren auch zweimal ein Klassentreffen seiner Volksschulklasse organisiert. Er muss damals in etwa in meinem jetzigen Alter gewesen sein. Mit "kriminalistischem Spürsinn", wie er damals sagte (es gab dazu einen kleinen Artikel in unserer Lokalzeitung), hatte er einige Adressen ausfindig gemacht. Es rief ihn dann die Ehefrau eines Schulkameraden an und fragte, ob sie mit zu dem Treffen kommen könne. Als mein Vater daraufhin erwiderte, nein, die Ehepartner wären grundsätzlich nicht dazu eingeladen, antwortete sie: "Dann lassen Sie bitte auch grundsätzlich meinen Mann in Ruhe!" Der Mann durfte noch nicht mal ans Telefon kommen, um selbst mit meinem Vater zu sprechen. Mein Vater war daraufhin völlig erschüttert und sagte hinterher voller Mitleid mit seinem früheren Schulkameraden zu uns: "Der XY [den Vornamen habe ich vergessen] ist doch ein richtig armer Junge. Der darf noch nicht mal allein telefonieren...."

So etwas scheint es also öfters zu geben, und das kann einem die Freude an einem Klassentreffen natürlich auch vergällen.
 
Und man stelle sich dann die Erfahrung vor, dass man so einen Ärger in der Familie hatte, für die Freundschaft gekämpft hat, Zeit, Nerven und Gesundheit investiert hat und nach einer Weile erkennt, dass man von dem Freund/der Freundin nur benutzt worden ist und dann von ihm/ihr runtergemacht wird. Das tut auch nicht gerade gut, und man verliert einfach die Lust, solche Nummern noch weiter durchzuziehen.

Das ist alles nicht das Programm, nach welchem es einem nach etlichen Lebensjahrzehnten gelüstet, und man hat dann umso weniger Bock auf Abitreffen und Vergleichbares. Das ist alles zu unromantisch...
 
Das Hauptproblem bei Klassentreffen und Abijubiläen besteht meines Erachtens darin, wenn das eigene Leben in vieler Hinsicht nicht so verlaufen ist, wie man es sich gewünscht hat, man viele Enttäuschungen und Schicksalsschläge erfahren musste, obwohl man sich beruflich wie privat die größte Mühe gegeben hat und etwas Besseres verdient hätte. Ich finde es auch schwer erträglich, sich auf solchen Treffen vorführen lassen zu müssen, welche Typen von früher, die nun wirklich nicht begabter und/oder fleißiger waren, auch nicht großartig sympathischer und es weiß Gott nicht mehr verdient haben als man selber, viel mehr Glück und Erfolg im Leben hatten. Im Grunde kann man solche Treffen nur genießen, wenn das eigene Leben einigermaßen zufriedenstellend verlaufen ist und man mit den anderen größtenteils mithalten kann. Denn machen wir uns nichts vor: Im Vordergrund stehen bei solchen Treffen Neugier, Vergleiche, Konkurrenzverhalten und Selbstinszenierung. Das ist nicht jedermanns Sache.

Das Übersehen-Werden von gewissen arroganten Mitschülern finde ich auch ziemlich widerlich. Bisher ist es mir noch nicht gelungen, solche Erlebnisse verdrängen bzw. vergessen zu können, und mich vornehmlich auf das zu konzentrieren, was bei dem Treffen schön war. Das Positive vergesse ich immer viel schneller als das Negative, für das ich leider ein Elefantengedächtnis habe.
 
Zuletzt bearbeitet:
Diese negativen Erfahrungen zu verarbeiten ist deine persönliche Aufgabe, die du bewältigen musst. Jeder von uns hat seine eigenen, individuellen Herausforderungen in seinem Leben, und das ist eine der deinen. Ich wünsche dir die Kraft dazu, diese Erlebnisse zu verarbeiten und über sie hinauszuwachsen. Und wie weit man im Leben gekommen ist, das kann am Ende nur jeder für sich selber beurteilen, das kann kein Außenstehender ermessen. Und ich denke, du bist schon sehr weit gekommen. Das kann aber nicht jeder erkennen. Erinnerst du dich an die Parabel "Vom Wert des Ringes?"

Denk an sie, wenn dich jemand ignoriert und stehen lässt.

Und das Leben ist ungerecht oder aber es hat eine tiefere Gerechtigkeit in sich, welche wir nicht zu erkennen imstande sind. Wir haben alle unterschiedliche Bedingungen, unterschiedliche Eigenschaften und das Glück verhält sich zu jedem von uns auf seine Weise. Wer den großen Erfolg im Leben hat oder scheinbar hat muss deshalb nicht besser gewesen sein.

Es ist ein hartes Stück Arbeit, damit fertig zu werden, und das ist wohl tatsächlich unsere wahre Lebensleistung.
 
Erinnerst du dich an die Parabel "Vom Wert des Ringes?"

Denk an sie, wenn dich jemand ignoriert und stehen lässt.
Ja, ich erinnere mich sehr gut. Nochmals herzlichen Dank dafür!

Und das Leben ist ungerecht oder aber es hat eine tiefere Gerechtigkeit in sich, welche wir nicht zu erkennen imstande sind. Wir haben alle unterschiedliche Bedingungen, unterschiedliche Eigenschaften und das Glück verhält sich zu jedem von uns auf seine Weise. Wer den großen Erfolg im Leben hat oder scheinbar hat muss deshalb nicht besser gewesen sein.

Es ist ein hartes Stück Arbeit, damit fertig zu werden, und das ist wohl tatsächlich unsere wahre Lebensleistung.
So ist es. Noch bin ich nicht soweit, diese Lebensleistung erbracht zu haben. Es ist eine ständige Herausforderung. Aber eigentlich braucht einen in einer Welt, in der jemand wie Trump US-Präsident oder jemand wie Hitler Reichskanzler werden kann, nichts zu wundern...
 

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