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Fühl mich beruflich völlig überfordert

kein_plan

Mitglied
Hallo, brauche einfach mal ein paar gute Ratschläge und etwas Zuspruch! Meine Geschichte: Nach dem Abi hab ich eine Lehre angefangen im medizinischen Bereich. Recht schnell stellte ich fest, dass diese Verantwortung mich einfach überforderte. Ich bin jemand, der einfach zu Flüchtigkeitsfehlern und Unkonzentriertheit neigt und das ist mit diesem Beruf schlecht zu vereinbaren. Zur Hälfte der Ausbildung war ich an einem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr konnte. Habe die Ausbildung dann aber durchgezogen, worüber ich im Nachhinein auch sehr froh bin. Das Komische daran ist, dass ich dabei sogar Spitzennoten hatte, obwohl ich mich im praktischen Bereich so schlecht fühlte. Die Theorie war für mich gar kein Problem. Aber ich habe die Zeit der Ausbildung so dermaßen gehasst. Ich arbeitete dann in meinem Beruf fast 5 Jahre, allerdings hatte ich das Glück einen Job zu finden, der nur geringfügig mit meiner Ausbildung zu tun hatte und überwiegend andere Aufgaben beinhaltete. Ich entschloss mich noch zu einem geisteswissenschaftlichem Studium, bei dem ich mich eigentlich permanent überfordert und unwohl fühlte. In dieser Zeit wurde ich psych. krank, Referate halten, vor anderen sprechen usw. war die ganze Zeit über eine Tortur für mich. Das Halbjahrespraktikum brachte ich mehr schlecht als recht hinter mich und dann zum Abschluss noch die Diplomarbeit, in meinem Fall ein Mix aus Theorie und Praxis, die ich gemeinsam mit einer Kommilitonin geschrieben habe. Ich fühlte mich die ganze Zeit wie eine komplette Versagerin. Aber auch diesmal zog ich es durch, mit gutem Abschluss und raffte mich auf, dem ganzen auch 'ne Chance zu geben. Ich bekam eine Stelle und zog dafür 700km weit weg in eine andere Stadt. Ich kann euch nicht beschreiben wie es mir dort erging. Dieser Erwartungsdruck, den ich an mich stellte, das Arbeitspensum und ständig das Gefühl, jemanden darzustellen, der ich gar nicht bin. Permanent den Eindruck zu vermitteln, eine Ahnung davon zu haben was ich tue.Ich hab es nur 2 Monate ausgehalten und dann gekündigt. Und jetzt hock ich hier und hab keine Ahnung wie es weitergehen soll und kann. Bin mittlerweile 37 Jahre alt, hab 'ne Menge ausprobiert und noch nicht das Richtige für mich gefunden, falls es das überhaupt gibt? Als was könnte ich mich jetzt noch bewerben? Am liebsten wäre mir eine Stelle mit möglichst wenig Verantwortung, also keine leitende Tätigkeit. Die Arbeit sollte sehr strukturiert sein. Ich hab keinen Plan, Angst, nie wieder eine Arbeit zu finden. Ich wäre mir auch nicht zu schade, eine Arbeit zu machen, für die ich (zumindest auf dem Papier) überqualifiziert wäre, aber wie erklärt man so etwas in einem Vorstellungsgespräch? Warum man nicht in dem Bereich arbeiten möchte, den man studiert hat? Kann jemand nachvollziehen, wie ich mich fühle, hat sonst noch jmd. ähnliche Erfahrungen gemacht und für sich eine gute Lösung gefunden? Bin dankbar für Tipps für Vorstellungsgespräche, Jobvorschläge usw. Gerne gebe ich per PN auch meine erlernten Berufe preis, direkt im Strang ist mir das allerdings zu unsicher!
 
Grüß Dich, Kein_Plan,

Positionen hat das Forum ja keine zu vermitteln, aber wir können ja einfach ein bisschen reden. Auch kann ich Dir leider nur 0-Frequenz-Töne anbieten, aber die stören Dich wenigstens nicht in Deiner Verzweiflung, das "Rauschen" entfällt.

Du bist ja eine hochbegabte Person, wenn man Deinen Bericht so liest, und selbst, wenn Dir die jeweils praktische Seite Mühe bereitet hat, hast Du Dich durchgekämpft, ohne auf Dich selbst Rücksicht zu nehmen und schaffst es auch noch mit bestem Ergebnis. Alle Achtung!!! Du hast also einen ungeheuren Durchsetzungswillen und willst auch jetzt nicht aufgeben. Das ist doch eine optimale Voraussetzung und Situation für Deinen weiteren Weg, wo immer der hinführen mag.

Die angeblich verzweifelte Situation, in der Du Dich jetzt siehst, gibt es m.E. gar nicht. Du siehst Dich in eine Ecke manovriert, aus der Du meinst, nie mehr rauskommen zu können. Deshalb meinst Du, Dich sogar "unter Preis" bezüglich Deiner ansehnlichen Qualifikation anbieten zu sollen? Warum siehst Du das so? Ich persönlich halte das für absoluten Unsinn.

Du scheinst mir durch die elterliche Erziehung auf Höchstleistung "programmiert" worden zu sein, zudem auf Durchhalten um jeden Preis, nach außen mit der "gebotenen" Abschirmung (Kulisse), aber ohne Rücksicht auf Deine eigene Persönlichkeit, Deine individuellen Neigungen und Talente und besonders nicht auf Deine "Kapazität". Du hast das brav internalisiert, Dich gefügt und entsprechende Leistungsfähigkeit bestätigt. Soweit wunderbar ... für Deine Eltern!
Du selbst sitzt jetzt aber erschöpft und ausgelaugt und scheinbar ohne Perspektive da, trotz allerbester Qualifikation.

Ich meine, Du solltest Dir zu allererst mal klar werden lassen, wie optimal Du (lediglich) "funktioniert" hast bis hierher. Für eine solche Leistung - bei fehlender innerer "Berufung" - gibt es oberhalb der 1* eigentlich gar keine Bewertung, so daß allenfalls 1*** in Frage käme, um dem Kind mal einen Namen zu geben. Deine Eltern werden sehr stolz auf ihr Erziehungsergebnis gewesen sein, könnten aber jetzt - wo es für sie so aussieht, als ob es nicht weitergeht im Aufwärtsschwung - geneigt sein, eine gewisse Enttäuschung zu empfinden, konkret: eine Scham, und haben Dir etwas in dieser Richtung bereits signalisiert, wobei man das als Objekt dieser Scham auch ganz gut selbst erahnen kann. Und als "gutes Kind Deiner Eltern" hast Du Dir das auch jetzt erneut sehr "zu Herzen" genommen, Du schämst Dich ebenfalls, machst Dir Vorwürfe und siehst keinen Ausweg, alles im Sinne Deiner Eltern.

Deshalb meine Frage: Gab es Dich selbst als Individuum bisher eigentlich wirklich? Es sieht so aus, als ob nicht. Da frage ich mich doch, warum, um Himmels Willen! Gib Dir doch endlich mal selbst eine Chance. Erkenne die Zusammenhänge und mach Dich frei von der Erwartungshaltung der anderen. Du erhältst ja auch keine Lösungsstrategien von dieser Seite, sondern nur Beobachtung und Beurteilung!

Dein Alter sollte es m.E. durchaus möglich machen, in Kürze Dein Bewusstsein umzupolen und einen unabhängigen Weg anzutreten bzw. Dich auch beruflich da einzugliedern, womit Du Dich identifizieren und wo Du Dich "zu Hause" fühlen kannst. Steh einfach mal zu Dir!!!

Da Du bis heute in Deiner Lebenslaufbahn und angesichts der vergeblichen Ansätze und Bemühungen unzweifelhaft so viele Erkenntnisse erworben hast, könnte ich mir - ohne Deine Qualifikationen zu kennen - vorstellen, daß Du dieses gesammelte Wissen (positiv und negativ) vielleicht im Beratungsbereich (z.B. Tutor oder Mentor) an einer Uni oder Schule einbringst und so aus Deiner Not eine Tugend machst. Wer könnte mehr Verständnis aufbringen als Du für Leute, die vor eben solchen Entscheidungen stehen oder mit ausbildungsmäßigen Problemen zu kämpfen haben? Dein Tätigkeitsfeld wäre bei den Betroffenen selbst, im Gespräch, im Trost und mit Beratung.

Ich bin mal gespannt, was Du zu so etwas meinst!

Einstweilen liebe Grüße

Barnici
 
Liebe Schreiberin,

ich bin annähernd in deinem Alter und KANN ABSOLUT NACHVOLLZIEHEN was Du fühlst !!!
Ich habe einen Fitnesslauf durch die Bildungsinstitutionen hinter mir (auf Details verzichte ich in der Öffentlichkeit, aber Du kannst mich gerne persönlich kontaktieren) und war immer auf der Suche. Ich hatte dann einen hervorragend bezahlten Job mit bester gesellschaftlicher Reputation und mein Chef war begeistert. Nur ich nicht. Ich verkümmerte innerlich, konnte abends nicht mehr abschalten und fühlte mich wie tot. Ich spürte irgendwann, wenn ich so weiter mache, bekomme ich in ein paar Jahren Krebs und das wars dann.
Ich musste herausfinden, was MICH glücklich macht. Ich erinnerte mich an die Dinge, die ich kann, die ich am liebsten machte, die sich schon in der Kindheit abzeichneten. Und dann begann ein langer, harter Weg. Ich habe mich gegen die Erwartungshaltungen meiner Familie gestellt und Freunde aufgegeben.
Nun bin ich bei den Freiberuflern, habe einen Literaturpreis und glaube fest an mich. Ich beneide Dich um eine finanzielle Sicherheit, aber wenn Du wirklich DEIN DING findest, dann spielen die Finanzen eien untergeordnete Rolle. Denn was nützt das Geld, wenn Du spürst, dass Du immer unglücklicher wirst. Wenn Du DEIN DING findest, dann tun sich Dir auch neue Wege auf, von denen Du im Moment noch nichts wissen kannst. Aber finden kannst nur DU ALLEIN es.
 
Hallo Barnici und Manja, habt vielen Dank für eure Beiträge! Ich schaffe es heute nicht mehr näher darauf einzugehen und melde mich morgen wieder. Gerne würde ich von Dir Manja wissen, was du beruflich schon alles so hinter Dir hast und mich auf jeden Fall über eine PN freuen. Barnici, danke für deinen ausführlichen Beitrag. Sehr viel Wahres steckt in deinen Zeilen. Euch einen schönen Sonntag, kein_plan
 
Hallo, kein_plan,

Manja hat sich gerade wieder "auschecken" lassen. Vielleicht liest sie es ja noch, aber fraglich!

Liebe Grüße

Barnici
 
Hallo,

hm, ich hab nicht so viel Biss wie Du, aber mir geht es im Prinzip ähnlich. Auch ich habe eine Lehre im medizinischen Bereich gemacht (wollte immer Leuten helfen) und nachdem ich jahrelang in verschiedensten med. Einrichtungen gearbeitet habe, (nicht besonders erfolgreich) hatte ich mich irgendwann zum Abi nachholen entschieden. Das klappte auch ganz gut und dann fing in ein Studium an, aber ohne überhaupt zu wissen, was ich eigentlich damit anfangen sollte. Neigungen hab ich viele, aber auch ich habe nach 38 Jahren immer noch nicht wirklich herausgefunden, was ich machen will / kann. Ich denke, das sitzt tiefer, ich weiß aus meiner Kindheit, dass meine Wünsche / Träume oft belächelt wurden und im Prinzip hat man mir da schon nix zugetraut. Ich kann mich erinnern an abfällige Reaktionen meiner Eltern, wenn ich etwas nicht konnte und ich weiß nicht wirklich, ob ich jemals eine Chance habe, DAS loszuwerden. Letztlich hab ich das Studium abgebrochen. War dann nochmal bei ner Berufsneratung von derUni, aber auch dort wurde ich nur belächelt, ich müsse ja langsam wissen, was ich will und ich solle doch Medizin studieren. Damit war die Dame fertig :mad: Ich arbeite nun wieder im med. Bereich, (Alten und Kranken NUR helfen finde ich gut, aber eben nicht mehr), letztlich also nur notgedrungen. Ich bin überhaupt nicht glücklich damit, weil auch ich keinerlei Verantwortung für andere übernehmen möchte. Zwischendurch hab ich mal 5 Jahre lang nebenbei gekellnert, dort war ich oft alleine, ohne Gäste (Laden lief nicht) und ohne Vorgesetzten und obwohl es so oft tot-langweilig war, bin ich dort sooo lange geblieben. Das wundert mich selber. Manchmal denke ich, ich bin einfach nicht fähig, Menschen auszuhalten. Und in Zeiten, wo Arbeitnehmer immer öfter zum Fussabtreter für die Chefs werden, sind Leute wie ich völlig am Ende. Ich hab jetzt wieder eine Zusage für eine neue Stelle, aber ich denke jetzt schon wieder, dass auch das sicher nichts wird 🙁 Und mein Lebenslauf umfasst mittlerweile bald 3 ! Seiten :mad:

Du siehst, helfen kann ich dir nicht, aber allein bist Du mit deinem Problem nicht.
Würde mich freuen, wenn Du Dich nochmal meldest. Oder auch andere user.
Danke und liebe Grüße
 
Hallo, Perla,

vorab, es wäre fast besser, wenn Du einen eigenen Thread beginnen würdest.

Schade, daß Du Dein Studium abgebrochen hast, auf was bezog sich das? Heute sind doch im Bereich Medizintechnik (Geräte, etc.) Leute gesucht. Wenn Du Dich in diese Richtung weiter qualifizieren würdest, käme das Deiner ausweichenden Haltung Menschen gegenüber vielleicht eher entgegen. Solange man halt anderweitig finanziell nicht versorgt ist, muss man ja strampeln, aber mit Kellnern machst Du Dich frühzeitig kaputt, denn jünger wird man ja leider nicht!

Liebe Grüße

Barnici
 
Hallo Barnici,

danke für deine AW. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass sie nicht alleine da steht. Eigener Thr. nicht, weil ich kaum glaube, dass mir hier jemand wirklich raten kann. Ich meine, ich habe in 38 Jahren keinen wirklich guten Rat in meiner realen Welt hier gefunden, aber trotzdem danke für den gut gemeinten Hinweis.

Warum ich das Studium abgebrochen habe? Aus mehreren Gründen. Zum einen fühlte ich mich dort insgesamt sehr unwohl, die Profs waren sehr "unnahbar", kaum Hilfestellung bei Problemen usw. Dann gab es mein Wunsch-Studium nicht, so dass ich eine Alternative gewählt habe. Und nein, ich bin nicht bereit 300 km weg zu ziehen, aus vielen Gründen. Am Schlimmsten empfand ich, dass ich die ganze Zeit überhaupt kein reales Ziel vor Augen hatte, keinen Beruf und somit kein wirkliches Ziel. (Während des Abis dachte ich immer, das kommt schon noch, kam aber nix 🙁)

Das Komische ist, ich mag es schon gern, anderen (vor allem alten / kranken Leuten) zu helfen, das erfüllt mich schon. Aber ich habe immer Angst, einen gesundheitsgefährdenden Fehler zu machen oder eben nicht richtig zu handeln, wenn es um die Wurst geht. Außerdem nervt es mich extrem, dass soziale Berufe sooo schlecht bezahlt und nicht anerkannt sind.

Neulich hatte ich tatsächlich eine Idee, nochmal eine Ausbildung zu machen, einen Beruf gibt es, der (glaube ich) zumir passen würde. Aber das kann ich wahrscheinlich vergessen, die Ausbildungsplätze sind rar, und ich habe eine Familie und gewisse Verpflichtungen, so dass ich nicht einfach 3 Jahre nicht verdienen könnte. Vielleicht später, aber im Moment geht es gar nicht, leider.

Vielen Dank und
LG
 
Perla, Hallo,

Du denkst an Altenpflege? Warum willst Du Dir gleich ein ganzes Altersheim oder Station dort antun. Setz doch eine Anzeige in die Zeitung mit Versorgungsangebot für einen älteren Menschen (oder Ehepaar, gut situiert) mit oder ohne Haushalt (meist mit) oder als Gesellschafterin am Nachmittag? Due hättest ein ruhiges Umfeld und geregelte Zeiten und meist auch einen guten Verdienst.

Das könnte doch zu einer akzeptableren und regelmäßigeren Tätigkeit führen, bei der Dir auch Dankbarkeit entgegen gebracht wird. Du verdienst natürlich nicht das Gehalt, das Du von früher gewohnt warst, bist aber glücklich und musst vor allen Dingen keine Angst vor irgendwelchen Risiken haben, die Du so fürchtest.

Gib den Mut nicht auf!

Liebe Grüße

Barnici
 
Danke!

Hallo Barnici,

vielen Dank für die Tipps. Das mit der Gesellschafterin ist ja eine super Idee, wieso bin ich da nicht selbst rauf gekommen oder Einer in meinem Umfeld 😛 Ich werd mich auf dem Gebiet mal umschauen.

LG
:blume:
 

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