Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Frusttagebuch: Mutter

Andreas900

Sehr aktives Mitglied
Hi zusammen,

die meisten meiner nahestehenden Verwandten sind verstorben und meine Mutter ist so ziemlich die einzige, zu der ich regelmäßig Kontakt habe. Von daher ist mir meine Mutter schon wichtig.

Wer meine Situation nicht kennt: Meine Eltern haben sich vor meiner Geburt getrennt und meine Mutter hat mich bei ihren Eltern geparkt. Ich bin also bei meinen Großeltern aufgewachsen, hatte immer nur ein sehr distanziertes Verhältnis zu meiner leiblichen Mutter und habe meinen Vater erst mit 18 erstmalig kennen gelernt. nach dem Tod meiner Großeltern hatte meine Mutter wohl die Hoffnung, dass unsere Beziehung enger und besser wird (Das hat sie auch so gesagt).

Infolgedessen rückte mir meine Mutter immer mehr auf die Pelle. Es ging mit wöchentlichen Anrufen und Besuchen los bis zum Punkt, an dem sie täglich mit mir telefonieren wollte, gerne stundenlang. Wenn ich das ablehnte, wurde sie emotional und sagte sowas wie "Nachher lieg ich tot auf dem Küchenboden und keiner weiß was! Ich möchte doch zumindest einmal täglich gaaaaanz kurz hallo sagen".

Ich machte das eine Zeit lang mit, vertraute mich aber irgendwann meinem Hausarzt an, als es mir nicht gut ging. Mein Arzt brachte es auf den Punkt, dass mich meine Mutter emotional erpresst und ich lernen muss mich besser abzugrenzen. Ich kann generell schlecht "nein" sagen.

Meine Mutter war stinksauer, akzeptierte mein "nein" irgendwann, verstand es aber nicht wirklich. Unser Kontakt wurde besser. Wir sprachen und trafen uns nach wie vor aber seltener und nicht mehr auf erzwungener Basis.

Das ging eine Weile gut, bis meine Mutter zunehmend Probleme im Leben bekam. Sie ist Langzeit-Hartz 4 Empfängerin, hält aber eine Vielzahl von Tieren, deren Kosten sie extrem belasten. Meine Mutter begann mich damals um Geld zu fragen, was ich ablehnte. Ich half meiner Mutter bei Behördenangelegenheiten, stellt für sie zum Beispiel den Rentenantrag, die Steuererklärung für ihr Haus sowie den Antrag auf Grundsicherung im Alter.

Das führte aber wieder zu einer Intensivierung unseres Kontaktes, den meine Mutter wieder beginnt zu forcieren. Sie ruft mich zu unmöglichen Zeiten an weil sie noch eine "kurze Frage" zum Rentenantrag hat. Auch die Geldfrage kommt wieder, oft mit kleinen Dingen um sozusagen den Fuss in die Tür zu kriegen, etwa fragt nach 50 € für die Rate ihres Autos. Es ist egal wie oft und deutlich ich nein sage, sie versucht es immer und immer wieder.

Mir persönlich tut dabei besonders weh, dass meine Mutter Seitenhiebe auf andere Menschen verteilt, zum Beispiel auf meine Großmutter, die "mich ihr weggenommen" habe. Es kommt ziemlich klar rüber, dass meine Mutter die ganze Welt hasst, Politiker, Ausländer, Homosexuelle, meinen Vater, meine Großeltern, Nachbarn, alle!

Ich möchte den Kontakt nicht völlig abbrechen und schaffe es auch weitestgehend nein zu sagen. Ich habe allerdings einen Punkt erreicht, wo mich Gespräche mit ihr bereits nach 5 Minuten zu Tode nerven und mich Eigenarten von ihr wie das stundenlange laute Schlürfen an einer Tasse Kaffee wahnsinnig machen. Eine Freundin von mir erzählte mir mal, dass Gespräche mit ihrer Mutter auch nur "Depri-Talk" wären. Vielleicht ist das auch bei anderen älteren Menschen so.

Was mich im Moment etwas bedrückt ist, wie es weiter geht. Da meine Mutter keinen Cent mehr auf dem Konto hat, könnte es bei ihr brennen wenn die Grundsicherung + Rente nicht nahtlos auf ihren bisherigen Hartz 4 Bezug gezahlt werden. Es wird vermutlich auch irgendwann der Punkt kommen, an dem gesundheitlich Hilfe benötigt oder vielleicht sogar einen Vormund.

Anfangs hatte ich ein bisschen auf mein Erbe geschielt, weil meine Mutter ein Haus besitzt. Weniger aus Gier sondern eher, weil diese Haus damals zum größten Teil aus meinem Kindesunterhalt bezahlt wurde. Meine Großmutter hat den Kindesunterhalt meines Vaters 18 Jahre lang auf einem Konto angespart und dann das Geld meiner Mutter gegeben damit sie das Haus kaufen konnte. Das waren über 100.000 €. Meine Mutter benutzt ihr Haus aber eher als Waffe gegen mich indem sie sagt, dass ich ihr finanziell helfen solle, weil ich ja nicht wollen könne, dass das Haus und damit mein Erbe unter den Hammer komme.

Jahre nach dem Tod meiner Großmutter habe ich von ihr erfahren, dass sie Jahre lang geglaubt hatte, ich hätte sie um ihr Erbe betrogen, weil ich als Haupterbe das Schließfach meiner Oma aufgelöst hatte. Meine Oma habe angeblich meiner Mutter wörtlich gesagt "sie bekäme noch was". Und das hatte meine Mutter so interpretiert, dass im Schließfach noch was für sie sei. Das Schließfach war aber seit Jahren praktisch leer, weil meine Oma ihren alten Goldschmuck schon lange verkauft hatte. Meine Mutter hatte dies aber weder mir noch dem mit anwesenden Bankangestellten geglaubt. Sie beschimpfte ihn als "Jude".

Könnt ihr euch vorstellen wie unsere Gespräche entsprechend verlaufen? Geldsorgen, emotionale Ausbrüche, Alterswehwehchen, Hass auf andere Menschen, Depri Talk..... Ich erwische mich bei dem Gedanken, dass es mir lieber wäre, wenn sie morgen umkippt....

Es ist die Zwiegespaltenheit die mich wahnsinnig macht. Meine Mutter, die mir stets beteuert, ich wäre ihr ein und alle, sie würde mir blind vertrauen und sie würde alles für mich tun ABER die noch nie im Leben irgendwas für mich getan hat und mir im Ernstfall keinen Meter weit traut. Mein inneres Bedürfnis, dass ich eine gute Beziehung zu meiner Mutter will aber bei jeder Begegnung sie nach 5 Minuten zum Mond schießen möchte. Meine persönliche Auffassung, dass man sich in der Verwandtschaft hilft, aber das Wissen das dies eine einseitige und undankbare Hilfe wäre. Vielleicht der Gedanke, dass sie in ihrem Leben durch Andere bereits so viel Hilfe erhalten hat und dennoch im Gegenzug die ganze Welt hasst.

Sorry, musste mal raus...
 
Ich kann dich gut verstehen. Verstehe aber trotzdem nicht warum du dich von deiner Mutter (die im Prinzip e nie für dich da war) nicht endgültig trennst? So wie sich dir gibt, wird sie mit ziemlicher Sicherheit dir auch nichts hinterlassen.
 
Hey Andreas,

das klingt wirklich sehr belastend und vor allem sehr verstrickt durch einerseits die emotionale Ebene, die dir viel zu viel ist & andererseits die ganzen finanziellen Angelegenheiten, das Haus, etc.
Cool, dass du mit deinem Hausarzt darüber gesprochen hast! Falls du Rat willst, ginge der in die Richtung dir selbst Unterstützung in Form von Beratung zu holen. Das kann helfen, um mehr Struktur in das ganze Chaos zu bringen, weiter bei der Abgrenzung zu helfen & noch ein paar Optionen zu sehen, die es so gibt.
Deine Mutter würde sich sicher mit Händen & Füßen gegen einen gesetzlichen Betreuer wehren, gerade wäre der vielleicht auch noch nicht angesagt, aber das wäre für die Zukunft eine Möglichkeit, die du vielleicht schon ab und zu mal thematisieren könntest. Inzwischen ist das Betreuungsrecht sehr modern, auch wenn bei vielen die Assoziation mit Entmündigung entsteht, ist das nicht der Fall. Die Bereiche, für die ein Betreuer zuständig sind, werden klar geregelt und mit genug Vorlauf kann man sich auch in Ruhe aussuchen, wem man vertraut und bekommt nicht vom Gericht einen vorgesetzt.
Sicher überhaupt nicht leicht, aber ich denke umso früher, du ein oder zwei Menschen mit ins Boot holst, die das ganze professionell machen, umso besser.

Meine Mutter ist ein nicht ganz unähnlicher Charakter, allerdings haben wir seit über einem Jahrzehnt keinen Kontakt. Ich habe allerdings auch immer wieder Bauchschmerzen, wie das im Alter so wird und inwieweit ich involviert sein werde (wir wollen beidseitig aktuell keinen Kontakt).
 
Ich halte es für möglich, dass deine Mutter psychisch nicht gesund ist.
Und spekuliere jetzt mal:
Möglicherweise war sie damals nicht in der Lage, dich so zu versorgen, dass es nicht schädlich für dich gewesen wäre. Und vielleicht bemerkte das deine Großmutter und es kam so dazu, dass du zu ihr kamst.
Dann hätte deine Mutter eine für dich gute, richtige und wichtige Entscheidung getroffen - zumindest dieses eine Mal in deinem Sinne.
Sollte deine Großmutter diese Entscheidung etwas forciert haben oder danach - in deinem Interesse! - dafür gesorgt haben, dass es kein Hin und Her für dich geben musste, hat das evtl. bei deiner Mutter für das Gefühl gesorgt, du wärst ihr weggenommen worden.
Sie beließ dich in der liebevollen Obhut deiner Großmutter, du wurdest da nicht wieder herausgerissen; auch das kann man positiv sehen.

Vielleicht wäre es etwas tröstlich für dich, so auf die Dinge zu sehen?

Mir erscheinst du emotional auf ungute Weise verstrickt. Wie stehst du zu Psychotherapie?
Das Ganze mal entwirren, Schmerz, Wut, Verlassenheitsgefühle, was da so alles im Raum steht mal ansehen und Anstöße sowie Blickwinkel von außen erhalten, um loslassen und zur Ruhe kommen zu können sowie einen Umgang mit deiner Mutter zu finden, der für dich stimmig ist, könnte so möglich sein.
 
"Nachher lieg ich tot auf dem Küchenboden und keiner weiß was! Ich möchte doch zumindest einmal täglich gaaaaanz kurz hallo sagen".
Solche Sprüche kenne ich auch noch. Ich bekam oft zu hören: Du magst mich nicht, sonst würdest du dich öfter melden.
Das sind alles übele Schnüre, die Deine Mutter um Dich webt, um Dich über Schuldgefühle enger zu binden. Da hilft wirklich nur, konsequent zerschneiden und solche Phrasen nicht an sich heran lassen.
Gibt es denn keine Nachbarn oder Bekannte, mit denen Deine Mutter Zeit verbringen könnte?
Oder mal zum Seniorenstammtisch schleppen, damit Du aus der Schusslinie kommst?
 
Bevor meine Mutter dement wurde
hatte sie auch solche entsetzlichen nervtötende Phasen.
Später wurde sie netter und ich organisierte für sie verschiedene Hilfskräfte, damit sie an mir nicht mehr klammert.
Ich wuchs auch wie du bei meinen Grosseltern auf.

Wenn deine Mutter Krankheiten hat
würde ich über die Krankenkasse einen Pflegedienst organisieren, welcher sie täglich einmal kurz besucht.
Für ihre schriftlichen Angelegenheiten könntest du einen Betreuer organisieren.

Versuche ihr seltsames Gequatsche nicht so ernst und persönlich zu nehmen und mit ihr nur sachlich und kurz zu reden.
Ihre schwierigen Ansichten haben etwas mit ihrer Vergangenheit zu tun.

An deiner Stelle würde ich deine Tel Nr für sie sperren oder löschen und sie nur mit unterdrückter Rufnummer nur ca. 1 x in der Woche oder alle 2 Wochen 1 x anrufen.

Sie sollte Unterstützung von anderen Menschen bekommen, welche du organisieren könntest.

Wenn sie dies nicht möchte ...muss sie eben alleine mit dem Leben klar kommen.


Mache ihr ihre Tierhaltung nicht zum Vorwurf.
Es wird ihr einen Halt im Leben geben.

Lasse dich von deiner Mutter nicht mehr emotional misshandeln und für ihre Zwecke
zu benutzen und auszunutzen.
 
Ich verstehe dich voll und ganz, mir geht es mit meiner Mutter sehr ähnlich.

Ich würde ihr offen sagen, dass du ihr gerne, wenn es nötig ist, hilfst und zur Seite stehst, dass du aber auch dein eigenes Leben hättest und einen gesunden Abstand bräuchtest.

Diese Schuldgefühle, die man gemacht kriegt, sind zermürbend. Wenn man sich nicht abgrenzt, wird man in eine solche Spirale immer tiefer hineingezogen und geht dabei vor die Hunde.

Tu dir den Gefallen und grenze dich ab!

Diskussionen bringen nichts, da wird nur das Opfer gemimt und es werden neue Schuldgefühle gemacht.

Klare Grenzen setzen und konsequent einhalten!

Ich weiß, wie schwer das ist. Das kostet verdammt Kraft.
 
Ja..das ist der Punkt.
Ich würde ihr wesentlich stärkere Grenzen (für deinen eigenen Selbstschutz) setzen und ihr sagen, dass du ihr gar nicht mehr hilfst, wenn sie dich anmeckert oder dir Vorwürfe macht..

Und ich würde ihr sagen, dass sie dich nicht mehr anrufen soll (oder nur alle 2 Wochen 1 mal oder nur du rufst sie an) und wenn sie sich nicht daran hält ..sperrst du deine Tel Nr für sie.

Und dass du auch ihren ganzen Müll den sie über andere Leute erzählt nicht mehr hören möchtest.

Wenn sie über andere Leute lästert und diese Leute abwertet..so tut sie diesen Menschen Unrecht.
Ihren Mist könnte sie ihrem Friseur erzählen.

Du bist nicht ihr Kasper, nicht ihr Butler und nicht ihr seelischer Mülleimer.

Und bei tatsächlich notwendigen Dingen würdest du helfen....würde ich ihr sagen.

Wenn man sich bei solchen Menschen wie deine Mutter nicht genügend abgrenzt....kann man durch so eine psychisch schwierige Art wie bei deiner mum selber krank werden.
 
"Mir persönlich tut dabei besonders weh, dass meine Mutter Seitenhiebe auf andere Menschen verteilt, zum Beispiel auf meine Großmutter, die "mich ihr weggenommen" habe. Es kommt ziemlich klar rüber, dass meine Mutter die ganze Welt hasst, Politiker, Ausländer, Homosexuelle, meinen Vater, meine Großeltern, Nachbarn, alle!"

Genau das kenne ich auch, das ist bei meiner Mutter genauso. Es ist wohl auch typisch für die Generation und für das fortgeschrittene Lebensalter, dass sich solche Einstellungen verfestigen und immer mehr und mehr darum gekreist wird.

Sieh es als Alterserscheinung an, die keiner Diskussion mehr würdig ist und die man auch nicht wirklich an sich heranlassen darf. Da ist keine sachliche, vernünftige Diskussion mehr möglich, man zerreibt sich da nur bei. Ich würde höflich dazu nicken, ein paar Floskeln äußern und weiter nichts. Du wirst es nicht ändern können.

Grenz dich innerlich genauso ab wie äußerlich! Lass dich nicht in den Strudel hineinziehen. Du stehst im Leben und brauchst deine Kräfte für dich selber. Niemand hat das Recht, dich aufzufressen.
 
Ich nehme an, du fühlst dich moralisch verpflichtet, weil es deine Mutter ist. Kann ich verstehen, ging mir mit meinem Vater so ähnlich. Okay, du hast nur deine Mutter, aber sie tut dir nicht gut; nicht mal neutral, nein, sie schadet dir. Abstand wäre erstmal das Beste.

Sollte sie irgendwann ins Pflegeheim müssen, wäre das Haus sowieso weg, von Rente mit Grundsicherung allein kann man das nicht bezahlen. Es sei denn, du verdienst mehr als 100.000 Euro/Jahr, dann wirst du zur Kasse gebeten.
 

Anzeige (6)

Autor Ähnliche Themen Forum Antworten Datum
L Verdeckt narzisstische Mutter? Familie 8
N Mutter wohnt in veraltetem Haus Familie 43
Giulia66 Loslassen von einer narzisstischen Mutter Familie 31

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben