Sind „Freiheiten“ nicht etwas komplett anderes als „Freiheit“?
Ich glaube, darüber muss ich eine Weile nachdenken 🤔
Es gibt dazu auch ein schönes Buch, welches zwischen Freiheit und Freiheiten unterscheidet anhand eines deutschen Beispieles:
Freiheiten ohne Freiheit: Die DDR - historische Tiefendimensionen: Die Deutsche Demokratische Republik | Jörn Schütrumpf | ISBN: 9783320021771 | Kostenloser Versand für alle Bücher mit Versand und Verkauf duch Amazon.
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Das Verständnis der DDR Führung war, dass es selbstverständlich viel Freiheit gab, von Parteichef Walter Ulbricht stammen Sätze wie:
"Aber wir haben viel weitergehende Freiheit Wir haben nur keine Freiheit, also, für Verrückte, ja, ich meine, sonst haben wir absolute Freiheit, nicht wahr ja? Für Konterrevolutionäre haben wir auch keine.“
Und hier wird es eben interessant:
Ist Freiheit etwas absolutes oder obliegt es dem Staat Freiheiten den Bürgern zuzuteilen?
Gerade in der linkspolitischen Gedankenwelt ist letzteres häufiger vertreten. Natürlich immer mit dem Argument, dass man mit der Beschneiden von Freiheiten nur was gutes tun würde und nur den "Verrückten" ihre Freiheit nehmen würde.
In dieser Gedankenwelt gibt es keine Freiheit, sondern der Bürger muss ich durch staatlich akzeptiertes Verhalten einzelne Freiheiten erarbeiten.
Ich glaube wichtig ist zu verstehen, dass Freiheit nichts ist, was man zuteilen darf, sondern Freiheit muss für alle Menschen gleichermaßen gelten. Man darf keine (politischen) Meinungen unterdrücken, nur weil man sie falsch findet. Man darf nicht bestimmten Meinungen absichtlich mehr Raum geben nur weil man gut findet oder gar andere Meinungen zensieren.
Das ist aber schwer zu erkennen. Selbst in autoritären Systemen wird gerne von Freiheit gesprochen. Literatur soll Ideologie transportieren, sie soll positive Alltagshelden zeigen, mit denen sich Leserinnen und Leser identifizieren können. Sprich: Der Bürger hat keine Freiheit sondern soll so auf Linie gebracht werden, dass er das Gefühl man habe ja Freiheit solange man sich nicht "staatsfeindlich" verhält. Insofern fühlen sich bestimmt auch viele Menschen in Diktaturen frei.
Tatsächlich haben sie aber nur einen Blumenstrauß aus ihnen zugewiesenen Freiheiten.
Was mich überrascht ist, dass viele Menschen wenig Sensibilität diesbezüglich haben. Die wenigsten Menschen haben nämlich ein Problem damit wenn
anders-Denkenden Freiheiten genommen werden. Oft wird es sogar positiv empfunden wenn man dem Anderen harte Regeln und Freiheitseinschränkungen auferlegt.