Ich denke, es bringt wirklich nichts, sich über einen Berufsstand aufzuregen. Es ist auf KEINER Seite alles nur rosig oder alles nur schlecht.
Viele der Vorteile, die Beamte genießen, sind teuer erkauft und gehen mit anderen Nachteilen einher. Diese Vor- und Nachteile wiegen für manche vielleicht mehr oder weniger, aber zu sagen: Die Beamten haben es nur gut, ist total an der Realität vorbei.
Natürlich kann man sagen, dass viele alteingesessenen Beamten sich ein leichtes Leben machen, denn unser Beamtensystem läd natürlich stark dazu ein, es zu missbrauchen, aber diejenigen, die ihren Job ordentlich machen wollen, sind oft in den Hinter gekniffen. Es mag Leute geben, die haben kein Problem damit, schlechte Arbeit zu machen- andere haben damit aber schon ein Problem.
Für die heißt es dann zB unbezahlte Überstunden schieben, denn im Gegensatz zur freien Wirtschaft, werden keine Überstunden bezahlt.
Die gesamtheitliche Betrachtung des Beamtentums ist ausufernd und schwierig. Das Beamtentum ist von einem Gegenseitigkeitsverhältnis geprägt. Der Beamte schuldet absolute Loyalität, der Staat absolute Fürsorge. man ist sich gegenseitig ausgeliefert im positiven und negativen Sinne.
Der Beamte kann etwa nicht streiken wenn ihm etwas missfällt. Mit einem Federstrich hat der Gesetzgeber z.B. die Wochenarbeitszeit von 39 auf 41 Stunden erhöht. Stell dir vor dein Arbeitgeber sagt "Du arbeitest jetzt für das gleiche Geld länger".
Ja, genauso ist es- das ist die andere Seite der Medaille.
Für viele Beamte ist das Gehalt auch Schmerzensgeld: zB für Lehrer: Wenn es dem Dienstherren gefällt, versetzt er Dich nach Hinterdupfing und Du musst hüpfen: Egal, ob Du Kinder hast, oder gerade ein Haus gekauft.
Oder Justizbeamte: Die arbeiten oft 60 Stunde die Woche- Überstunden unbezahlt.
Auch die Sache mit der Privatversicherung ist nicht für jeden ein Volltreffer: Wer Vorerkrankungen hat, MUSS sich u. U. in einem Extrem teuren Tarif versichern und zahlt einen großen Batzen mehr, als er zahlen würde, wenn er normal angestellt wäre. Das zahlt er dann auch, wenn er in Rente ist.
Ich will nicht behaupten, dass Beamte es schlecht haben, denn das haben sie nicht: Aber sie leben auch nicht wie die Made im Speck.
Wer zB mit Ungerechtigkeit am Arbeitsplatz nicht umgehen kann, der sollte besser kein Beamte werden. Du kannst auch nicht einfach kündigen und DIch bei einer anderen Firma bewerben, wenn Dir was nicht passt. Streiken, Betriebsrat- Fehlanzeige!
Warum sind so viele depressiv? Das wird schon seine Gründe haben.
ich erlebe es gerade bei Lehrern: Das ist echt kein Zuckerschlecken und wenn man nicht wüsste, dass man in der Rente abgesichert ist, würde wohl keiner diesen Job mehr machen.
Ich denke, man sollte schon zwischen den einzelnen Beamtengruppen differenzieren: Verwaltungsbeamte haben es sicher um vieles leichter (denn sie könnten theoretisch ja auch wo anders arbeiten und werden nicht versetzt) aber zB Justizbeamte oder Lehrer haben ganz schön zu knabbern. Und wenn man dann noch bedenkt, dass zB ein Jurist der so gut ist, dass er Richter werden kann, beim Staat nur einen Bruchteil von dem bekommt, was er in der freien Wirtschaft bekommen würde....um das zu machen, gehört schon eine ordentliche Portion Idealismus dazu.
Nicht immer ist der Staatsdienst die "bessere" Alternative. Es gibt durchaus Berufszweige, da wäre man in der freien Wirtschaft besser gestellt.