Ich habe leider keine Kinder, wäre als erste Akademikerin in der Verwandtschaft aber auch enttäuscht, wenn mein Kind nur zur Realschule gehen würde.
Andererseits geht es auf dem Gymnasium bei extremer Faulheit nun mal nicht. Man muss aber auch kein Streber sein, um das Abitur zu schaffen. Es muss ja nicht jeder im Abiturnotendurchschnitt eine Eins vor dem Komma haben. Durchschnittliche Intelligenz und durchschnittlicher Fleiß reichen meines Erachtens vollkommen aus, um das Gymnasium zu schaffen. Das Niveau ist ohnehin immer mehr gesunken in den letzten Jahren, nach dem, was ich von Kollegen und ehemaligen Schulfreundinnen mit Kindern so erfahre...
Ich würde weitere Erkundigungen zu Realschulen und Gymnasien einholen und diese in altersgerechter Form mit meiner Tochter besprechen. Mit neun Jahren hat man noch nicht den Weitblick zu beurteilen, was die Entscheidung für die falsche Schulform für das ganze Leben bedeutet.
Wenn sie partout nicht zum Gymnasium will, würde ich sie allerdings auch nicht zwingen. Ihre Faulheit trotz vorhandener Intelligenz würde ich auf der Realschule aber nicht weiter unterstützen, sonst landet sie eines Tages noch auf der Hauptschule, wo sie dann wirklich keine Perspektiven mehr hat. Man darf einen Menschen nicht durch übertriebene Leistungserwartungen kaputtmachen, aber ohne ein gewisses Mindestmaß an Leistungsbereitschaft geht es nun mal nicht. Auch Arbeitgeber fahren später keinen Kuschelkurs mit faulen Mitarbeitern oder Bewerbern.
Das Nachholen des Abiturs ist für Realschulabsolventen zwar nicht unmöglich, aber ungleich schwieriger als für jemanden, der von Anfang an auf dem Gymnasium war. Der Umgang prägt, das sprachliche Niveau eines guten oder durchschnittlichen Gymnasiasten ist für einen Realschulabsolventen schwieriger aufzuholen als etwa der Kenntnisstand in den Naturwissenschaften. Mein Gymnasium hatte einen Aufbauzweig; ich weiß wovon, ich rede. Die Aufbauschüler haben nur in wenigen Ausnahmefällen ein richtig gutes Abitur gemacht, im Gegensatz zu denjenigen, die ab der 5. Klasse auf dem Gymnasium waren. Soweit ich weiß, haben nur zwei oder drei von ihnen erfolgreich studiert (meine Jahrgangsstufe umfasste bei meinem Abiturjahrgang 1982 112 Schüler). Die anderen haben nach dem Abitur eine Ausbildung gemacht, für die auch der Realschulabschluss gereicht hätte. Etliche sind vorzeitig abgegangen, weil sie von der Haupt- oder Realschule bereits "verdorben" waren.
Der Sohn meiner Cousine, die als gelernte Erzieherin aus einer Arbeiterfamilie stammt, nicht den Ehrgeiz für eine höhere Schulbildung hatte, schon immer eher abfällig und überkritisch über Gymnasiasten und Akademiker sprach und ihnen gegenüber zu neidischen Anwandlungen neigte, machte als Kleinkind einen aufgeweckten Eindruck, konnte auch früh gut sprechen. Er wurde zur Realschule geschickt, wo er dann zu faul war, zweimal sitzenblieb und letztlich zur Hauptschule musste. Meine Cousine verschwieg uns jahrelang, dass ihr Sohn bereits einmal sitzengeblieben war (obwohl ich mir das anhand einer anderen ungeschickten Äußerung schon hatte ausrechnen können) und offenbarte sich mir erst, als beim zweiten Sitzenbleiben nichts mehr zu retten war. Den Wechsel zur Hauptschule versuchte sie sich noch schönzureden (natürlich waren an allem hauptsächlich die Realschullehrer schuld, sie als Erzieherin hat ja viel mehr Ahnung von Pädagogik, was man an der Entwicklung ihres Sohnes unschwer erkennen kann) und ist froh, dass er mit mittlerweile 21 Jahren nun wenigstens eine Lehre als Landschaftsgärtner abgeschlossen hat. In diesem schlecht bezahlten Beruf muss er Pflasterarbeiten etc. verrichten. Wie lange wird er das körperlich durchhalten? Mit Sicherheit nicht bis zum Rentenalter. Meines Erachtens ist eine spätere Dauerarbeitslosigkeit bereits vorprogrammiert. Die Freizeit"gestaltung" besteht aus "Chillen" und Saufgelagen mit Kumpels, überwiegend aus der Unterschicht. Kein vernünftiges Hobby, keine nennenswerten geistigen Interessen, keine vernünftige Allgemeinbildung, nichts.
Das würde ich mir für mein Kind niemals wünschen. Da bin ich schon lieber kinderlos, als einen solchen Sohn zu haben. Heute gehen leider zu viele Kevins, Marvins, Cheyennes und Chantals zur Realschule. Wenn deine Tochter also dorthin geht, würde ich in Anbetracht ihrer Intelligenz zumindest erwarten, dass sie dort zu den Besten gehört (sooo hoch kann das Niveau ja nicht sein) und nach dem Realschulabschluss zum Gymnasium wechselt, um das Abitur zu machen.