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Eure Meinung zu ChatGPT

Um es mal auf meine "Einfachheit" herunterzubrechen....
ja, damit sind wir halt bei der klassischen Diskussion: Was ist Kunst und was ist Dekoration? Bzw wo liegt der Unterschied.
Ich werde jetzt vermutlich wieder geschimpft...
Der Unterschied liegt ganz alleine bei mir !

Ich habe schon große Kunst:
Matisse, Monet, Paolo Veronese oder Udo Lindenberg gesehen.
Ist das jetzt große Kunst oder warum finde ich den Stier an der Wand einer Künstlerin um die Ecke viel interessanter, ansprechender ?
Ich denke jedenfalls, dass wir die Zeit nicht erleben werden, wo Menschen sich in Konzertsäle drängeln und weinen oder in Trance tanzen weil sie ein KI-Musikstück hören.
Nein...
wir sind doch sehr nahe dran...
😉
 
A

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Re: Eure Meinung zu ChatGPT
@Otti
Dein Beitrag ist in vielen Punkten nachvollziehbar, gerade was die Abhängigkeit von vorhandenen Werken angeht. Dass KI nicht im luftleeren Raum entsteht, sondern auf bereits geschaffener Kunst aufbaut, ist ja unstrittig.

Aber lässt sich dieses Argument nicht im Grunde genauso auf menschliche Kunst anwenden? Kein Künstler arbeitet völlig unabhängig von dem, was es vorher schon gab. Einflüsse, Stile, Techniken - all das wird aufgenommen, verändert und weitergeführt. Für mich wirkt das deshalb weniger wie ein grundlegend anderes Vorgehen, sondern eher wie eine andere Ausprägung desselben Prinzips.

Beim Plagiat wäre ich deshalb vorsichtig. Ein Plagiat setzt ja voraus, dass etwas konkret übernommen wird. „Im Stil von XY“ zu arbeiten, ist aber kunstgeschichtlich nichts Ungewöhnliches - das gab es schon lange vor KI.

Deinen Vergleich mit der Auftragsarbeit finde ich interessant, aber auch da bin ich nicht ganz überzeugt. Auftragskunst war über Jahrhunderte hinweg eher die Regel als die Ausnahme, ohne dass man ihr deshalb den Kunststatus abgesprochen hätte. Die Frage ist für mich eher, wie viel Einfluss der „Auftraggeber“ tatsächlich auf das Ergebnis nimmt.
So ist ein einfacher Prompt sicher noch weit von dem entfernt, was man klassisch als künstlerisches Schaffen bezeichnen würde. Aber je mehr Auswahl, Korrektur und gezielte Steuerung dazukommt, desto stärker wird der Anteil des Nutzers am Ergebnis.

Vielleicht liegt der Unterschied deshalb weniger darin, dass hier „keine Kunst“ entsteht, sondern eher darin, dass sich die Rolle des Schaffenden verschiebt - weg vom direkten Ausführen hin zu einer Art Steuerung und Auswahlprozess.

Ob man das dann noch als Kunst im klassischen Sinne bezeichnen will, ist letztlich eine Definitionsfrage. Aber ganz so einfach, wie „Plagiat“ oder „nur Auftragsarbeit“, erscheint es mir dann doch nicht.
 
Für mich ist der „Prompt“ nichts weiter als eine Auftragsarbeit. Anstelle des Künstlers ist hier die KI getreten, von der man nicht genau weiß, was sie versteht und wie sie arbeitet. Nur soviel ist bekannt: ohne entsprechendes Futter (nein, das ist nicht der Prompt!) arbeitet der Metabolismus nicht und es wird nur ausgeschieden, was man zuführt/zugeführt hat.
Genau das sollte man sich vielleicht mal genauer klar machen.
Viele scheinen KI falsch zu "verstehen": KI tut nicht das ,was sie aus der riesigen Summe an Daten für das "richtige" oder "beste" Ergebnis hält! KI hat keine Ahnung, was richtig oder gut ist!
Eine KI spuckt einfach das aus, was am "wahrscheinlichsten" ist: Also welches Wort kommt nach Wort XY am wahrscheinlichsten? Welches Zeichen kommt am Wahrscheinlichsten? Und welches Ergebnis ist dann das Wahrscheinlichste.
Und genau das steht der Kunst doch diametral entgegen: Kunst lebt davon, eben NICHT das "auszuspucken" was das Wahrscheinlichste ist, was also eh schon jeder macht.
Kunst lebt davon, etwas neues, oder individuelles, eigenes, kreatives zu schaffen und nicht das zu kopieren, was dadurch dass es schon x- mal vorher passiert ist am Wahrscheinlichsten ist.
KI kann nichts in diesem Sinne "neues" und kreatives erschaffen. Das ist schlicht nicht das Grundprinzip der KI, die man als "Wiederholungsmaschine" bezeichnen könnte.
Also KI kann nichts weiterentwickeln und eben nichts neues schaffen.
Allein schon deswegen passt Kunst und KI nicht zusammen.

Ich bin mir aber sicher, dass es eines Tages neue Künstler geben wird, die KI tatsächlich in einer Art von Kunst nutzen können: Indem sie eben zB eine KI speziell programmieren und zB NUR mit ihren eigenen Daten füttern (oder mit sehr speziell gewählten Daten) und allein DAMIT schon eine kreative Eigenleistung vollbringen, bei der DANN als Endergebnis ein irgendwie geartetes Kunstwerk stehen kann, aber das ist ja nicht das, worüber wir hier reden.

Also wenn ich zB ein Musikstück mit KI mache, das dann im wesentlichend daraus besteht, immer das zu liefern, was am Wahrscheinlichsten ist, so ist das doch nur eine Kopie aber keine "Idee".
Wo ist die Kreativität? Die Eigenleistung?
Denn wenn man genauer hinschaut, funktioniert ein Großteil von Kunst auch unabhängig davon, ob wir Zugang zu einer konkreten Intention haben. Wir wissen in der Regel nicht, was ein Künstler im Moment des Schaffens genau gedacht oder gefühlt hat - und oft spielt das für die Wirkung des Werks auch gar keine entscheidende Rolle. Bedeutung entsteht ja nicht nur im Kopf des Urhebers, sondern auch im Werk selbst und in der Wahrnehmung durch andere.
Genau deswegen sage ich ja, dass es auch immer ein Ursache-Wirkungs-Geschehen ist.
Wobei da die Grenzen natürlich sehr fließend sind und man immer streiten kann: Ist zB das Werk dieses kleinen Jungen der gerade so gehyped wird Kunst oder nicht?

Nimm zum Beispiel Albrecht Dürer und seinen Feldhasen: Das ist im Kern eine extrem präzise Naturstudie, ohne offensichtliche „Botschaft“ im modernen Sinn. Trotzdem gilt das Werk unstrittig als Kunst. Nicht, weil wir Zugang zu Dürers Innenleben hätten, sondern weil das, was da vor uns liegt, als künstlerisch erfahren wird.
Ist es WIRKLICH ohne Botschaft?
Also das hängt ja auch damit zusammen, wie wir "Botschaft" definieren. Letztlich ist es ja auch immer ein EInblick in das Wesen,also das innere einer Sache (hier eines Hasen) und eines Künstlers (das ist ja auch eine Form von Botschaft). Es ist die kreative Auseinandersetzung eines menschlichen Geistes mit einem Naturphänomen.
Warum hat er den Hasen genau SO gemalt? WIE wirkt der Hase? Warum wirkt er so? Wie ist die Stimmung des Bildes? Was genau war ihm bei dieser Studie wichtig?, Was sagt es über seine Technik aus usw. Und wie wirkt es auch MICH als Betrachter und warum ist das so?
Wie ist es überhaupt entstanden? Also ist vielleicht allein die Entstehung des Bildes schon ein kreativer Akt? Vermutlich hat er nicht einfach einen Hasen abgemalt, der da so des Weges kam und genau SO ausgeschaut hat: Wahrscheinlich hat er tote Hasen studiert und in seinem Geist ergänzt und genau DIESES Bild produziert.

Wenn wir einer KI sagen: Male einen möglichst naturgetreuen Hasen, stellen sich all diese Fragen nicht: Da wird nur das ausgespuckt, was am Wahrscheinlichsten ist. Und zwar nicht das was am Warscheinlichsten in der Erlebniswelt EINER Künstlerperson ist, sondern das was irgendwie kollektiv am Wahrscheinlichsten ist: Könnte also auch ein Osterhase werden.

Nimm zB mal die Bilder von Caspar David Friedich: Im Grunde sind das auch "nur" Naturbilder: Aber woher kommt dann die Stimmung, die sie ausstrahlen? Wie lässt sich die fassen? Die ist ja im Geist des Künstlers entstanden und wird vom Geist des Betrachtes "gelesen": Es ist also auch eine Form der Kommunikation.

Deshalb bin ich etwas skeptisch bei der Gleichung „ohne Intention keine Kunst“. Sie verschiebt den Fokus sehr stark auf etwas, das wir weder überprüfen noch im Werk selbst eindeutig festmachen können. Dabei übersiehst du ein Stück weit, dass Kunst nicht nur vom Künstler ausgeht, sondern auch davon lebt, wie sie wahrgenommen und verstanden wird.
Nein, das übersehe ich nicht, das finde ich sogar sehr zentral: Es ist quasi die unsichtbare Verbindung von Künstler und Betrachter- eine Form der Kommunikation eben. nimm zB das schreddern des Bildes von Banksy: Ein Bild schreddern ist noch keine Kunst, aber im Rahmen eines Kunstmarktes, bei dem es nur ums Geld geht und ich eine Botschaft senden will, die genau das pervertiert. DANN wird es Kunst. Also nicht nur die Interaktion zwischen Schöpfer und Betrachter, sondern natürlich spielen auch Aspekte wie Raum und Zeit eine Rolle und vielleicht auch der Zufall.
Also auf jeden Fall ist es eine Form der Interaktion.... und die fehlt bei der KI. Die KI würde sich fragen: was ist denn das wahrscheinlichste, was mit einem Bild bei einer Auktion passiert: Sie käme sicher nicht darauf, es zu schreddern....

Vielleicht mal ein Beispiel, bei dem ich mich persönlich auskenne.
Also wenn ich ein Musikstück interpretiere, dann komponiere ich es ja auch nicht neu. Man könnte jetzt zB auch sagen, dass das keine künstlerische Leistung ist (und das ist es sicher auch nicht immer), aber ich bin der Meinung, dass eine Interpretation, wenn sie den Anspruch hat, künstlerisch zu sein, auf jeden Fall die schöpferische Eigenleistung erbringen muss: Also die Botschaft, die Kommuniaktion und die Auseinandersetzung mit dem Werk.
Also ICH als Interpret scheine durch das Werk durch. Es ist dann eben nicht ein Abklatsch einer Arie, sondern es ist MEINE Ausführung dieser Arie: Mein inneres, meine Aussage.
ich würde niemals ein Stück, das ich einfach nur so absinge, wie ich es von der CD gehört habe, als Kunst bezeichnen ohne dass ich selber mich damit auseinander gesetzt habe.
 
Nein...
wir sind doch sehr nahe dran...
😉
Jetzt hast mich auf eine Idee gebracht, mir das anzusehen, danke für den Tip.
Ich bin begeistert, passt mal auf, bald stehr M.Jackson wieder auf der Bühne.
(obwohl ich kein Fan von dem war) aber die Mädels wirds freuen.

 
Vor etwa 1-2 Wochen las ich, dass sich KI in 5 Jahren selber programmieren können soll. Das macht Angst. Wenn nicht mehr die Menschen kontrollieren und formen, sondern KI.
 
Bevor ich auf die Fragen und Antworten eingehe, will ich ein paar Beobachtungen teilen, die mir beim Nachdenken und Ausformulieren gekommen sind. Als Letztes schrieb ich, dass mir der Austausch wie ein Briefwechsel vorkomme (weil es fast 2 Tage dauerte, bis einzelne Beiträge freigeschaltet werden).

Manchmal sprudeln die Gedanken und dann schreibe ich einfach runter, was mir so einfällt. Das Feilen an der Form steht dann nicht im Vordergrund, sondern eher das Inhaltliche. Hauptsache es kommt in etwa rüber, was ich meine. Dem Gespräch wirkt es so vielleicht näher, als dem Briefwechsel.

Mehr Zeit für Gedankengänge, Reflexion und Hinterfragen sind grundsätzlich gut, doch es kommt vor, dass ich ins Stocken gerate, weil mir vermeintlich gute Gedanken durch die Finger rinnen, ich sie sprachlich nicht (rechtzeitig) in die richtigen Worte kleiden kann oder sie einfach zu schnell vorüberziehen, ich mich z.B. von anderen Dingen ablenken lasse. Mir fällt auf, dass in der längeren, tiefergehenden Beschäftigung mit einem Themenkomplex irgendwann der Punkt kommt, an dem ich eine Pause brauche, weil das Offensichtliche und die Oberfläche bearbeitet wurden, Redundanzen auftreten und sich eine gewisse Müdigkeit einschleicht.

An diesem Punkt schlafen Diskussionen in Foren manchmal einfach ein. Womöglich hat meine Aufmerksamkeitsspanne durch die Geschwindigkeit im Digitalen gelitten und Schaden genommen.

Es ist doch geradezu verlockend, da jetzt die KI in Anspruch zu nehmen, um neue Impulse (ist das schon euphemistisch?) zu bekommen, oder nicht? - „Ich habe die KI mal gefragt…“ oder „Die KI sagt dazu…“ sind mittlerweile Alltagsphrasen, die niemanden mehr stören. Die KI wird als Erleichterung dargestellt und wahrgenommen, Vergleiche aus der Landwirtschaft längst vergangener Tage mit industrieller Agrarwirtschaft werden bemüht.

Ich greife diesen Vergleich mal auf und richte den Fokus anstelle der Erleichterung auf die Beanspruchung der Muskeln. Der vom Ochsen gezogene Pflug beansprucht völlig andere Muskeln, als das Fahren eines Traktors (ich gehe hier davon aus, dass das noch ein Mensch macht). Näher will ich das nicht beleuchten, sondern die Frage behandeln, die der Vergleich aufwirft.

Wie sieht das denn jetzt bei der Nutzung der KI aus, die uns den Alltag so erleichtert? Ich schaffe mehr, so wie der motorisierte Agrarwirt mehr schafft. Das Ergebnis ist unter dem Strich auf den ersten Blick positiv. Weniger körperlicher Einsatz, mehr Ertrag. Minimalprinzip.
Vielleicht hatte der Bauer von früher stärkere Muskeln in Armen und Beinen, es ist auch nicht so wichtig. Es geht ja „nur“ um Muskelkraft.

Was aber ist mit unserem Gehirn? Wenn es regelmäßig Prozesse abgenommen bekommt, also vereinfacht gesagt, das Denken der KI überlassen wird, dann muss das doch mittel- und langfristig ähnliche Auswirkungen haben, wie die möglicherweise weniger ausgebildeten Muskeln in Armen und Beinen. Die Gehirnaktivitäten verschieben sich. Neuronale Verbindungen schlafen ein. Versuche haben bereits nachgewiesen, dass gerade die Prozesse, die die stärkste Stimulation für kreatives Denken, Ideen, kritisches Denken usw liefern. durch die Arbeit mit der KI stark an Aktivität verlieren.

Die Ironie ist also die, dass unsere Denkleistung, unser kritisches Denken, unsere Kreativität deutlich abnehmen. Das heißt nicht, dass wir gleich verblöden, aber jeder kann nicht nur die persönlichen, sondern die langfristigen gesellschaftlichen Folgen weiterspinnen, an junge Generationen denken, die so aufwachsen. Andere Fähigkeiten, wie das Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Informationen werden „normaler“, der Preis sind abnehmende Konzentrations- und Ausdauerfähigkeit.

Im Übrigen habe ich auch gelesen, dass das kreative Denken und die Neugier, also z.B. das gedankliche Weiterspinnen, zufriedener und stabiler machen, vielleicht auch gerade wenn es mal anstrengend wird – um den Bogen zum Anfang zu schlagen. Es hat also auch Auswirkungen auf unsere Psyche, denn dieser innere positive Effekt, der sich nach einer abgeschlossenen Arbeit einstellt, die die eigene Kreativität wirklich beanspruchte, kommt bei der Steuerung von Maschinen nicht auf (der Wow-Effekt macht nicht zufrieden).

[Ich komme auf die Argumente noch zurück, habe fast 2 Seiten geschrieben, aber irgendwie fehlte der rote Faden]
 
KI kann nichts in diesem Sinne "neues" und kreatives erschaffen. Das ist schlicht nicht das Grundprinzip der KI, die man als "Wiederholungsmaschine" bezeichnen könnte.
Also KI kann nichts weiterentwickeln und eben nichts neues schaffen.
Allein schon deswegen passt Kunst und KI nicht zusammen.
Sehe ich absolut nicht so.

Deine Argumentation ist das klassische Argument gegen KI als Kunst als das Fehlen von Intentionalität. Kunst wird traditionell als Ausdruck menschlicher Erfahrung, Emotion und bewusster Entscheidung definiert.
KI hingegen erstellt wie du sagst, Musik basierend auf statistischen Wahrscheinlichkeiten und Mustern aus Trainingsdaten. Sie "will" nichts ausdrücken.

Allerdings stimmt deine Argumentation nur wenn du (fälschlicherweise) außer Acht lässt, dass ein Mensch zuvor einen Prompt erstellt hat. Hier verschiebt sich also die künstlerische Leistung auf das Prompt-Engineering, die Auswahl und das Kuratieren der Ergebnisse, so dass das Endergebnis alle Merkmale von Kunst hat und und etwas völlig neues mit künstlerischer Intension ist.

Hättest du Recht, wäre analog alles keine Kunst sobald ein Mensch sich eines Werkzeuges bedient. Bleistift, Musikinstrument, Pinsel, alles keine Kunst. Und wer sagt "ok beim Pinsel muss man ja noch die eigene Hand schwingen", was ist mit elektronischer Musik?

Am Ende allerdings ist für mich Kunst, was als Kunst wahrgenommen wird. Es gibt Kunstwerke die nach Zerstörung oder Schrott aussehen aber dennoch in teuren Ausstellungen stehen. Denn Kunst folgt keiner Definition sondern der Wahrnehmung. Gerade das ist ja Kunst! Die Losgelöstheit von Objektivität. Kunst ist pure Subjektivität. Für den einen ist ist Gekreische, für den Anderen ein Song. Für den Einen ist es nur KI, für den Anderen ein Meisterwerk aus einem genialen Prompt. Die Diskussion sollte uns bewusst machen, dass Kunst nicht davon abhängt ob man ein Werkzeug nutzt, sondern dass Kunst schlicht subjektive Wahrnehmung ist und so gesehen sogar ALLES Kunst sein kann.
 
@Blaumeise
Die Beeinflussung durch Stilrichtungen ist natürlich nichts Ungewöhnliches, im Gegenteil. Sich an etwas, was einem gefällt, zu orientieren, danach zu streben, „dieses „Etwas“ auch „so“ zu können, ist eine der großen Motivationsgeschichten im Leben sehr vieler Menschen. Das gilt für sämtliche Bereiche, in denen Menschen und ihre Tätigkeit andere inspirieren. Ob das eine Melodie, ein Tattoo, ein festliches Kleid, ein Vortrag oder eine Lesung ist, spielt vordergründig erst einmal keine so große Rolle. Auch nicht, ob das Kunst ist oder Sport oder Handwerk. Beeindruckt sind „wir“ oft durch die Meisterschaft, das Besondere, das Individuelle, das sich vom Gewöhnlichen abhebt.

Den wenigsten Leuten wurde diese Meisterschaft in die Wiege gelegt. Das geflügelte Wort vom „Genie und Wahnsinn“ ist in zahlreichen Biographien berühmter Persönlichkeiten zu finden, die außergewöhnliche Dinge erschufen und oft ungewöhnliche Lebenswege beschritten, weil sie z.B. an psychischen Erkrankungen litten. Wie genau das ihr Schaffen beeinflußte, will ich nicht erörtern, auch nicht, dass viele große Künstler ihrem Leben selbst ein Ende setzten. Bekannt ist zudem, dass nicht jeder zu Lebzeiten die Anerkennung erfuhr, die posthum dafür sorgte, dass wir heute noch von ihnen sprechen.

Begabung und Erfolg gehen also nicht immer Hand in Hand, ebenso bleiben Talente im Verborgenen, weil z.B. die Konkurrenz zu groß ist (Buchmarkt), die Nachfrage zu klein oder (Achtung: Klischee) „die Welt noch nicht bereit ist“. Es gab und gibt keine Garantien im Leben, egal wie gut man ist.

Bleiben wir bei der Darstellung in künstlerischer Absicht. Man könnte das aber meines Erachtens ebenso auf Sport, Handwerk usw. übertragen, denn die Übergänge sind fließend und das Wort „Kunstfertigkeit“ verbindet nicht umsonst diese beiden Felder. Ein Möbelstück, eine Goldkette, eine Hausfassade usw. sind in der Lage uns zu beeindrucken, weil sie besonders künstlerisch gestaltet sind, eine Vision transportieren usw. Hundertwasser, Gaudi etc. haben viele Menschen inspiriert und schaffen das heute noch.

Das Nacheifern setzt voraus, dass man der Tätigkeit seines Vorbildes sehr viel Zeit widmet. Früher begannen solche Menschen manchmal sogar eine Lehre bei ihren „Helden“. In bestimmten Epochen konzentrierten sich diese Kreise auf bestimmte Orte. Es gibt ein paar Beispiele, bei denen der Schüler den Meister übertraf. Die Frage ist da aber auch, wie das geschah? Einfach gesagt war das immer das Entwickeln eines eigenen Stils, indem sie z.B. den Stil des Vorbildes bewusst gebrochen haben. Das gelang aber den wenigsten. Es gab früher auch Akademien und das Können dort würde in der heutigen Zeit wahrscheinlich anders bewertet (eine spontane Annahme), aber das bloße Nachahmen ersetzt eben nicht einen eigenen Blick auf etwas zu entwickeln, selbst, eigenständig und bewusst die Entscheidung zu treffen, etwas „so“ zu machen.

Das ist schon der Hauptunterschied. Unsere Biographien sind unterschiedlich und jeder hat unterschiedliche Erfahrungen, die sich teilweise ähneln, die dennoch völlig unterschiedliche Auswirkungen haben können, wie wir Dinge sehen und bewerten. Der Mix ist einzigartig, so wie jeder Mensch einzigartig ist. Das macht auch den Blick einzigartig, weshalb wir uns darüber austauschen. Es ist spannend herauszufinden, wie jemand etwas sieht, hört, fühlt, usw. Was den einen kalt lässt, rührt den anderen zu Tränen. Gefühle, Emotionen, Reaktionen sind genauso vielfältig – unberechenbar.

Wenn man im Bezug auf die KI einen kleinsten gemeinsamen Nenner finden will, dann kann man Parallelen finden, die sich durch bestimmte Formulierungen noch näher zusammengerückt anfühlen. Das ist aber auch schon eine bewußte Entscheidung. Die Grundausbildung, die Jahre dauern kann und die ohne jegliche Affinität, Hingabe und Leidenschaft zur Qual wird, mit dem Trainieren der KI in Verbindung zu rücken, ist eher eine begriffliche Parallele denn eine wirkliche. Bei näherer Betrachtung haben diese Dinge sehr wenig gemein. Der Vergleich krankt daran, dass auf der einen Seite ein Mensch mit all den Dingen, die Menschen ausmachen und die sich nicht in Einsen und Nullen übersetzen lassen, bewusste Entscheidungen fällt und dem da eine Maschine, die von Menschen mit einem komplexen Regelwerk ausgestattet wurde, gegenübergestellt wird. Die Maschine, ist so „schlau“, wie sie programmiert wurde. Der Mensch ist unendlich komplexer.

Ich würde die Frage nach der Kunst erst einmal beiseite schieben und das Kreative in den Vordergrund stellen, denn wie hier schon erklärt wurde, führen das Beherrschen und die Ausführung künstlerischer Tätigkeiten nicht automatisch zu Kunst, zumindest im etwas enger gefassten Sinn.

Ich stimme Dir in Deiner Beschreibung des Prompts als Steuerungs- und Auswahlprozess zu, die mittels verschiedener Parameter gesteuert werden. Bei KI entsteht ein großer Teil des Ergebnisses nicht im eigenen Kopf und auch nicht durch die eigene Hand, sondern in der Maschine. Du gibst etwas vor und suchst dir am Ende aus, was dir gefällt. Das kann Spaß machen und das Ergebnis kann beeindruckend sein – aber es ist nicht dasselbe, wie etwas wirklich selbst zu erschaffen. Deshalb fühlt sich der Satz "das habe ich gemacht" größer an, als er eigentlich ist. Dahinter steckt oft mehr der Wunsch als die Realität. Die Zuschreibung Urheber zu sein bzw. die Autorschaft ist zu großen Teilen eben nicht auf bewusste Entscheidungen des Benutzers zurückzuführen. Wie groß der Anteil wirklich ist, lässt sich nicht vollständig klären. Das „Kuratieren“ empfinde ich in diesem Zusammenhang auch als zu hoch gegriffen (wie gesagt, die KI macht das gerne), denn hinter dem Begriff und der Tätigkeit steckt sehr viel mehr. Der Prozess zwischen der Eingabe und der Ausgabe ist und bleibt ein Rätsel, auch wenn die Theorie bekannt ist. Die Kontrolle über das Ergebnis ist ebenso wie der Anteil der eigenen Gestaltung begrenzt.

@Andreas900
Was Kunst ist, wurde schon oft kontrovers diskutiert. Die Möglichkeit einfach mal alles als Kunst zu erklären, gab es auch schon, wirkt aber in dem Zusammenhang und mit Blick auf die Mühe, die in dem von Dir zitierten Beitrag steckt, etwas flach. Du gehst kaum auf Argumente ein und die eigenen wirken leider sehr generisch.

Der wiederholte Vergleich mit Werkzeug und Instrument wird dadurch nicht besser. Er ist und bleibt falsch, weil Du nur am Werkzeugcharakter haften bleibst. Dass der Pinsel genau die eigene Bewegung ausführt, während die KI eigenständig aus Wahrscheinlichkeiten interpretiert und generiert, lässt Du gerne unter den Tisch fallen. Die Ergebnisse lassen nicht wirklich Rückschlüsse auf die Fähigkeiten des Benutzers zu, hinzu kommt noch die Uneindeutigkeit der Urheberschaft.

Bestimmt kann ein begabter Mensch, der mit speziellen Begriffen hantiert, die die Maschine besser versteht, andere Ergebnisse erzielen, als ein unbegabter. Auch kann das Ergebnis ähnlich das eines Kunstwerkes sein (je nach Prompt ist es das eben mehr oder weniger). Wenn wir in der klassischen Kunst bleiben, fehlt die analoge Komponente, das Material. Die Auseinandersetzung mit dem Material, z.B. Farben auf Leinwand, Textur usw. all das kann nur sehr bedingt simuliert werden. Auch da waren eine Auseinandersetzung und Wissen vonnöten.

Abschließend irritiert mich ehrlich gesagt auch, wie wenig Du auf Aspekte der Gegenseite eingehst und wie starr Du auf den Aspekt der Kunst und besonders Deinen Anteil daran bestehst, den so gar nicht hinterfragst. Ein klein wenig mehr Bescheidenheit und etwas weniger Absolutheitsanspruch täten Deinen Beiträgen ganz gut.
 
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