@Blaumeise
Die Beeinflussung durch Stilrichtungen ist natürlich nichts Ungewöhnliches, im Gegenteil. Sich an etwas, was einem gefällt, zu orientieren, danach zu streben, „dieses „Etwas“ auch „so“ zu können, ist eine der großen Motivationsgeschichten im Leben sehr vieler Menschen. Das gilt für sämtliche Bereiche, in denen Menschen und ihre Tätigkeit andere inspirieren. Ob das eine Melodie, ein Tattoo, ein festliches Kleid, ein Vortrag oder eine Lesung ist, spielt vordergründig erst einmal keine so große Rolle. Auch nicht, ob das Kunst ist oder Sport oder Handwerk. Beeindruckt sind „wir“ oft durch die Meisterschaft, das Besondere, das Individuelle, das sich vom Gewöhnlichen abhebt.
Den wenigsten Leuten wurde diese Meisterschaft in die Wiege gelegt. Das geflügelte Wort vom „Genie und Wahnsinn“ ist in zahlreichen Biographien berühmter Persönlichkeiten zu finden, die außergewöhnliche Dinge erschufen und oft ungewöhnliche Lebenswege beschritten, weil sie z.B. an psychischen Erkrankungen litten. Wie genau das ihr Schaffen beeinflußte, will ich nicht erörtern, auch nicht, dass viele große Künstler ihrem Leben selbst ein Ende setzten. Bekannt ist zudem, dass nicht jeder zu Lebzeiten die Anerkennung erfuhr, die posthum dafür sorgte, dass wir heute noch von ihnen sprechen.
Begabung und Erfolg gehen also nicht immer Hand in Hand, ebenso bleiben Talente im Verborgenen, weil z.B. die Konkurrenz zu groß ist (Buchmarkt), die Nachfrage zu klein oder (Achtung: Klischee) „die Welt noch nicht bereit ist“. Es gab und gibt keine Garantien im Leben, egal wie gut man ist.
Bleiben wir bei der Darstellung in künstlerischer Absicht. Man könnte das aber meines Erachtens ebenso auf Sport, Handwerk usw. übertragen, denn die Übergänge sind fließend und das Wort „Kunstfertigkeit“ verbindet nicht umsonst diese beiden Felder. Ein Möbelstück, eine Goldkette, eine Hausfassade usw. sind in der Lage uns zu beeindrucken, weil sie besonders künstlerisch gestaltet sind, eine Vision transportieren usw. Hundertwasser, Gaudi etc. haben viele Menschen inspiriert und schaffen das heute noch.
Das Nacheifern setzt voraus, dass man der Tätigkeit seines Vorbildes sehr viel Zeit widmet. Früher begannen solche Menschen manchmal sogar eine Lehre bei ihren „Helden“. In bestimmten Epochen konzentrierten sich diese Kreise auf bestimmte Orte. Es gibt ein paar Beispiele, bei denen der Schüler den Meister übertraf. Die Frage ist da aber auch, wie das geschah? Einfach gesagt war das immer das Entwickeln eines eigenen Stils, indem sie z.B. den Stil des Vorbildes bewusst gebrochen haben. Das gelang aber den wenigsten. Es gab früher auch Akademien und das Können dort würde in der heutigen Zeit wahrscheinlich anders bewertet (eine spontane Annahme), aber das bloße Nachahmen ersetzt eben nicht einen eigenen Blick auf etwas zu entwickeln, selbst, eigenständig und bewusst die Entscheidung zu treffen, etwas „so“ zu machen.
Das ist schon der Hauptunterschied. Unsere Biographien sind unterschiedlich und jeder hat unterschiedliche Erfahrungen, die sich teilweise ähneln, die dennoch völlig unterschiedliche Auswirkungen haben können, wie wir Dinge sehen und bewerten. Der Mix ist einzigartig, so wie jeder Mensch einzigartig ist. Das macht auch den Blick einzigartig, weshalb wir uns darüber austauschen. Es ist spannend herauszufinden, wie jemand etwas sieht, hört, fühlt, usw. Was den einen kalt lässt, rührt den anderen zu Tränen. Gefühle, Emotionen, Reaktionen sind genauso vielfältig – unberechenbar.
Wenn man im Bezug auf die KI einen kleinsten gemeinsamen Nenner finden will, dann kann man Parallelen finden, die sich durch bestimmte Formulierungen noch näher zusammengerückt anfühlen. Das ist aber auch schon eine bewußte Entscheidung. Die Grundausbildung, die Jahre dauern kann und die ohne jegliche Affinität, Hingabe und Leidenschaft zur Qual wird, mit dem Trainieren der KI in Verbindung zu rücken, ist eher eine begriffliche Parallele denn eine wirkliche. Bei näherer Betrachtung haben diese Dinge sehr wenig gemein. Der Vergleich krankt daran, dass auf der einen Seite ein Mensch mit all den Dingen, die Menschen ausmachen und die sich nicht in Einsen und Nullen übersetzen lassen, bewusste Entscheidungen fällt und dem da eine Maschine, die von Menschen mit einem komplexen Regelwerk ausgestattet wurde, gegenübergestellt wird. Die Maschine, ist so „schlau“, wie sie programmiert wurde. Der Mensch ist unendlich komplexer.
Ich würde die Frage nach der Kunst erst einmal beiseite schieben und das Kreative in den Vordergrund stellen, denn wie hier schon erklärt wurde, führen das Beherrschen und die Ausführung künstlerischer Tätigkeiten nicht automatisch zu Kunst, zumindest im etwas enger gefassten Sinn.
Ich stimme Dir in Deiner Beschreibung des Prompts als Steuerungs- und Auswahlprozess zu, die mittels verschiedener Parameter gesteuert werden. Bei KI entsteht ein großer Teil des Ergebnisses nicht im eigenen Kopf und auch nicht durch die eigene Hand, sondern in der Maschine. Du gibst etwas vor und suchst dir am Ende aus, was dir gefällt. Das kann Spaß machen und das Ergebnis kann beeindruckend sein – aber es ist nicht dasselbe, wie etwas wirklich selbst zu erschaffen. Deshalb fühlt sich der Satz "das habe ich gemacht" größer an, als er eigentlich ist. Dahinter steckt oft mehr der Wunsch als die Realität. Die Zuschreibung Urheber zu sein bzw. die Autorschaft ist zu großen Teilen eben nicht auf bewusste Entscheidungen des Benutzers zurückzuführen. Wie groß der Anteil wirklich ist, lässt sich nicht vollständig klären. Das „Kuratieren“ empfinde ich in diesem Zusammenhang auch als zu hoch gegriffen (wie gesagt, die KI macht das gerne), denn hinter dem Begriff und der Tätigkeit steckt sehr viel mehr. Der Prozess zwischen der Eingabe und der Ausgabe ist und bleibt ein Rätsel, auch wenn die Theorie bekannt ist. Die Kontrolle über das Ergebnis ist ebenso wie der Anteil der eigenen Gestaltung begrenzt.
@Andreas900
Was Kunst ist, wurde schon oft kontrovers diskutiert. Die Möglichkeit einfach mal alles als Kunst zu erklären, gab es auch schon, wirkt aber in dem Zusammenhang und mit Blick auf die Mühe, die in dem von Dir zitierten Beitrag steckt, etwas flach. Du gehst kaum auf Argumente ein und die eigenen wirken leider sehr generisch.
Der wiederholte Vergleich mit Werkzeug und Instrument wird dadurch nicht besser. Er ist und bleibt falsch, weil Du nur am Werkzeugcharakter haften bleibst. Dass der Pinsel genau die eigene Bewegung ausführt, während die KI eigenständig aus Wahrscheinlichkeiten interpretiert und generiert, lässt Du gerne unter den Tisch fallen. Die Ergebnisse lassen nicht wirklich Rückschlüsse auf die Fähigkeiten des Benutzers zu, hinzu kommt noch die Uneindeutigkeit der Urheberschaft.
Bestimmt kann ein begabter Mensch, der mit speziellen Begriffen hantiert, die die Maschine besser versteht, andere Ergebnisse erzielen, als ein unbegabter. Auch kann das Ergebnis ähnlich das eines Kunstwerkes sein (je nach Prompt ist es das eben mehr oder weniger). Wenn wir in der klassischen Kunst bleiben, fehlt die analoge Komponente, das Material. Die Auseinandersetzung mit dem Material, z.B. Farben auf Leinwand, Textur usw. all das kann nur sehr bedingt simuliert werden. Auch da waren eine Auseinandersetzung und Wissen vonnöten.
Abschließend irritiert mich ehrlich gesagt auch, wie wenig Du auf Aspekte der Gegenseite eingehst und wie starr Du auf den Aspekt der Kunst und besonders Deinen Anteil daran bestehst, den so gar nicht hinterfragst. Ein klein wenig mehr Bescheidenheit und etwas weniger Absolutheitsanspruch täten Deinen Beiträgen ganz gut.