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Es zerstört unser Leben...

Alle beschweren sich, dass das Amazon-Paket zu spät angkommt. Aber keiner denkt daran, dass die Bote, der es bringt, einen 12-Stunden-Tag hat und es einfach nicht schafft. Und dabei kaum genug verdient um zu überleben. Könnte er mehr verdienen? Ja. Aber Amazon kann ihm tatsächlich nicht mehr bezahlen, weil außer ihm auch der gesamte Finanzapparat bezahlt werden muss, der das Unternehmen stützt.
Davon wurde hauptsächlich Jeff Bezos bezahlt.
Gut, er besitzt ja auch nur 243 Milliarden.

Selbstverständlich kann man einem Amazon Fahrer nicht rechtzeitig 1 Euro mehr Stundenlohn geben, bevor man mehrfacher Milliardär wird.

Nein, ich finde diese Strukturen nicht stimmig. Hätte ich Milliarden, würde die Reinigungskraft in meinem Unternehmen nicht zum Mindestlohn arbeiten.
 
A

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Re: Es zerstört unser Leben...
Mit etwas Abstand habe ich jetzt hier viele Meinungen gelesen, sehr gute Standpunkte und vor allem auch Argumente.

Und viele, die sagen, ich habe das System nicht verstanden. Es mag sein, dass einige Denkfehler in meinem Modell sind, aber im Grundsatz meiner Unzufriedenheit stimmt das Gerüst weitehend noch. Ja, viele Aktienanlagen sind wohl sinnvoll. Es bleibt aber ein ganz simpler Grundgedanke. Nämlich der, dass nur die Personen, die Arbeiten, auch wirklich den Ertrag erwirtschaften. Und der Ertrag, den der Arbeiter erbringt, wird unter all den Personen aufgeteilt, die im folgenden davon profitieren. Je mehr Menschen das sind, desto geringer wird der Ertrag pro Person. Ganz simples Modell.

Und ja, an dem Modell ist insofert auch noch nichts falsch, als das es immer die drei Sektoren Arbeit, Rohstoffe und Finanzen gibt. Das Problem ist, dass ich den Finanzsektor für übermäßig stark besetzt halten.

Es spricht nichts dagegen, wenn jemand Aktien kauft und damit Kapital für ein Unternehmen bereitstellt, das ist ja so gewollt. Es muss trotzdem jedem klar sein, dass der Ertrag, den er mit den Aktien erwirtschaftet, von jemandem erarbeitet werden muss.
Ich finde der grundsätzliche Denkfehler in deiner Analyse ist, dass du von einem statischen Verteilkuchen ausgehst.
Für dich gibt es eine festen Ertrag X gibt, der ausschließlich durch Arbeit erschaffen wird und dann auf alle Menschen verteilt wird.
Ein Aktionär bringt in deiner Welt keinen Nutzen, sondern schneidet sich nur ein Stück aus diesem Kuchen heraus und sorgt damit dafür, dass weniger Kuchen für die Arbeiter übrig bleibt.

Faktisch aber wäre der Kuchen aber ohne Investoren/Aktionäre garnicht da! Erst das Kapital ermöglichst es doch Arbeitnehmer zu beschäftigen, Unternehmen zu erreichten usw. Der Investor nährt mit seinem Geld den Kuchen, schafft Arbeit, Maschinen und all das.

Mal ein lustiges Gedankenexperiment:
Ein Bau Unternehmen soll das Fundament für dein Haus ausheben. Es gibt reichlich Arbeiter aber kein Kapital um z.B. Schaufeln zu kaufen. Die Arbeiter graben jetzt also mit bloßen Händen und brauchen Monate um das Fundament zu graben. In deiner Weltsicht ist das ideal, weil der gesamte Gewinn nicht mit einem Investor geteilt werden muss.

Nun kommt ein Investor und kauft den Arbeitern Schaufeln, vielleicht sogar einen Bagger. Die Arbeiter können nun mit viel weniger Zeit und Aufwand Fundamente ausheben. Ein spezialisierter Baggerfahrer wird auch mehr Lohn erhalten als ein ungelernter der mit Händen gräbt. Spätestens hier sollte klar sein, dass ein Investor keinesfalls einfach nur was vom Kuchen abhaben will, sondern aktiv dem Unternehmen hilft, den Kuchen (die Produktivität) vergrößert.

In deiner Theorie fehlt der Gedanke, dass Aktionäre und Kapital einen Nutzen haben. Es fehlt dir der Gedanke, dass Unternehmen und Arbeitnehmer von bereitgestelltem Kapital profitieren.
 
Ja, das deckt sich mit meinen Recherchen. Aber wenn Du weiter gelesen hast, dann ist Dir sicherlich auch aufgefallen, dass sich der Preis allein für Kakao innerhalb des letzten halben Jahres schon wieder halbiert hat. Das zeigt deutlich, dass die größte Steigerung (und die großen Schoko-Preissteigerungen langen etwas vor dem Peek) wohl auf Spekulationen zurückzuführen ist. Denn all die oben genannten Faktoren könnten niemals so schnell sinken. In einschlägigen Artikeln wurde Spekulation auch als Preistreiber für Kakao genannt.
Ich habe früher genauso gedacht: Diese bösen Spekulanten, die ständig Preise treiben!

Ich lege jedem Bücher wie "Basic Economics" ans Herz um Marktmechanismen wie Spekulationen zu erklären.

Auch hier versuche ich es mal mit einem vereinfachten Beispiel:
Der Bauer pflanzt Weizen an. Er weiß aber nicht wie der Weizenpreis in 5 Monaten ist, wenn er seinen Weizen erntet. Für den Bauern ist das ein großes Risiko, weil er ja laufende Rechnungen bezahlen muss.
Nun kommt der Spekulant und sagt zum Bauern "Hey ich glaube der Weizenpreis wird in 5 Monaten um 10% steigen, ich kauf dir den Weizen bereits jetzt für 5% mehr ab. Habe ich Recht mit meiner Vermutung, kassiere ich die restlichen 5% als Gewinn."
Für den Bauern ist der Deal gut, weil er ihm Einnahmesicherheit gewährt, selbst wenn man Ende der Spekulant mit dran verdient.

Spekulanten sind in einem System notwendig, weil sie die Risiken übernehmen.
Spekulation sind niemals Preistreiber, sondern äußere Umstände sind es.


Nehmen wir in unserem Beispiel an, dass ein großer Krieg ausbricht und deswegen viele Bauern als Soldaten eingezogen werden und weniger Weizen angebaut werden kann. Die Folge: Es ist absehbar, dass die nächste Weizenernte in 5 Monaten sehr klein ausfällt und der Weizenpreis in 5 Monaten stark steigen wird.
Unser Spekulant wird dem Bauern (der nicht eingezogen wurde) jetzt vielleicht nicht 5% sondern 100% mehr für den Weizen bieten. Ist der Spekulant aber Schuld an dem steigenden Preis? Oder ist nicht eher der Krieg die Ursache?

Manch einer mag sagen: Wartet es doch ab! Wartet doch ab ob die Ernte wirklich so schlecht ausfällt. Warum braucht es heute Spekulanten? Aber was macht ein Unternehmen welches in 5 Monaten dringend auf den Weizen angewiesen ist, vielleicht um Brot zu backen? Wie sichert es bereits heute die zukünftige Versorgung mit Weizen? Richtig: Durch Spekulanten. Spekulanten tragen für Bauern und Unternehmen das Risiko des Zwischenhandels.

Spekulation bedeutet auf einen künftigen Preis zu wetten. Und genau das wollen viele Bauern und Unternehmen nicht oder sie können es finanziell auch garnicht. Welches Unternehmen kommt damit klar wenn Rohstoffpreise über Nacht um 100% klettern? Ein Spekulant kann das aber.
Und wenn er daran pleite geht? Kein Problem, er hat ja kein Unternehmen mit tausenden Mitarbeitern die jetzt auf der Straße sitzen weil er sich mit Preisen verkalkuliert hat.

Ja, es gibt Spekulationen, die bewusst Preise treiben. Das ist aber tatsächlich eher ungewöhnlich, weil die meisten Spekulanten natürlich nicht zu Preisen kaufen wollen, die über ihrer Zukunftserwartung liegen.
Spekulationen werden oft als einseitig negativ beschrieben. Menschen die "Wetten eingehen" und damit Preise treiben. Faktisch aber erfüllen Spekulationen durchaus den Sinn einer Risikoabsicherung und der Grund für Preissteigerungen ist ist i.d.R. nicht die Spekulation selber sondern ein äußerer Umstand.

Aber auch hier gilt: Statt die Ursache für ein Problem anzugehen, ist es oft leichter einfach einen Schuldigen zu nennen.
 

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