Ja, das deckt sich mit meinen Recherchen. Aber wenn Du weiter gelesen hast, dann ist Dir sicherlich auch aufgefallen, dass sich der Preis allein für Kakao innerhalb des letzten halben Jahres schon wieder halbiert hat. Das zeigt deutlich, dass die größte Steigerung (und die großen Schoko-Preissteigerungen langen etwas vor dem Peek) wohl auf Spekulationen zurückzuführen ist. Denn all die oben genannten Faktoren könnten niemals so schnell sinken. In einschlägigen Artikeln wurde Spekulation auch als Preistreiber für Kakao genannt.
Ich habe früher genauso gedacht: Diese bösen Spekulanten, die ständig Preise treiben!
Ich lege jedem Bücher wie "Basic Economics" ans Herz um Marktmechanismen wie Spekulationen zu erklären.
Auch hier versuche ich es mal mit einem vereinfachten Beispiel:
Der Bauer pflanzt Weizen an. Er weiß aber nicht wie der Weizenpreis in 5 Monaten ist, wenn er seinen Weizen erntet. Für den Bauern ist das ein großes Risiko, weil er ja laufende Rechnungen bezahlen muss.
Nun kommt der Spekulant und sagt zum Bauern "Hey ich glaube der Weizenpreis wird in 5 Monaten um 10% steigen, ich kauf dir den Weizen bereits jetzt für 5% mehr ab. Habe ich Recht mit meiner Vermutung, kassiere ich die restlichen 5% als Gewinn."
Für den Bauern ist der Deal gut, weil er ihm Einnahme
sicherheit gewährt, selbst wenn man Ende der Spekulant mit dran verdient.
Spekulanten sind in einem System notwendig, weil sie die Risiken übernehmen.
Spekulation sind niemals Preistreiber, sondern äußere Umstände sind es.
Nehmen wir in unserem Beispiel an, dass ein großer Krieg ausbricht und deswegen viele Bauern als Soldaten eingezogen werden und weniger Weizen angebaut werden kann. Die Folge: Es ist absehbar, dass die nächste Weizenernte in 5 Monaten sehr klein ausfällt und der Weizenpreis in 5 Monaten stark steigen wird.
Unser Spekulant wird dem Bauern (der nicht eingezogen wurde) jetzt vielleicht nicht 5% sondern 100% mehr für den Weizen bieten. Ist der Spekulant aber Schuld an dem steigenden Preis? Oder ist nicht eher der Krieg die Ursache?
Manch einer mag sagen: Wartet es doch ab! Wartet doch ab ob die Ernte wirklich so schlecht ausfällt. Warum braucht es heute Spekulanten? Aber was macht ein Unternehmen welches in 5 Monaten dringend auf den Weizen angewiesen ist, vielleicht um Brot zu backen? Wie sichert es bereits heute die zukünftige Versorgung mit Weizen? Richtig: Durch Spekulanten. Spekulanten tragen für Bauern und Unternehmen das Risiko des Zwischenhandels.
Spekulation bedeutet auf einen künftigen Preis zu wetten. Und genau das wollen viele Bauern und Unternehmen nicht oder sie können es finanziell auch garnicht. Welches Unternehmen kommt damit klar wenn Rohstoffpreise über Nacht um 100% klettern? Ein Spekulant kann das aber.
Und wenn er daran pleite geht? Kein Problem, er hat ja kein Unternehmen mit tausenden Mitarbeitern die jetzt auf der Straße sitzen weil er sich mit Preisen verkalkuliert hat.
Ja, es gibt Spekulationen, die bewusst Preise treiben. Das ist aber tatsächlich eher ungewöhnlich, weil die meisten Spekulanten natürlich nicht zu Preisen kaufen wollen, die über ihrer Zukunftserwartung liegen.
Spekulationen werden oft als einseitig negativ beschrieben. Menschen die "Wetten eingehen" und damit Preise treiben. Faktisch aber erfüllen Spekulationen durchaus den Sinn einer Risikoabsicherung und der Grund für Preissteigerungen ist ist i.d.R. nicht die Spekulation selber sondern ein äußerer Umstand.
Aber auch hier gilt: Statt die Ursache für ein Problem anzugehen, ist es oft leichter einfach einen Schuldigen zu nennen.