mein haushalt ist eine katastrophe, freunde habe ich schon gar keine mehr, da ich eh immer zu müde und zu fertig bin, um was zu unternehmen, somit ruft mich seit knapp einem jahr auch keiner mehr an, da alle denken, es wäre eh nur eine lahme ausrede meinerseits.
Bist Du eher ein introvertierter oder ein extrovertierter Mensch? Dass Du nichts mehr unternehmen möchtest, weil Du zu müde bist, deutet auf Introvertiertheit hin. Ein extrovertierter Mensch würde eher nach Zerstreuung und Action suchen, um sich einen Ausgleich zum lähmenden, nervigen, und gefängnismäßigen Berufsalltag zu verschaffen. "Gefängnismäßig" schrieb ich, weil man halt doch irgendwo eingesperrt ist in so einem 8 bis 5 Job.
Für introvertierte Menschen, die ihre Batterien durch das Alleinsein aufladen, kann alleine schon die Aussicht jeden Tag 9 Stunden mit Menschen in einem Büro zubringen zu müssen, die schlimmste Qual bedeuten - selbst wenn man ein eigenes Büro hat und die Kollegen noch so nett sind.
Der Alltag eines Angestellten ist für so manchen Introvertierten bestimmt genauso schlimm wie es das Leben eines Eremiten für einen Extrovertierten wäre.
Als ich vollzeit gearbeitet habe, ging es mir genauso wie Dir: ich konnte an den Abenden in der Woche und auch an den Wochenenden nur dann etwas unternehmen, wenn ich mich dazu zwang. Und oft konnte ich
nicht.
Jede Unternehmung, egal ob Kino, Freunde treffen oder gar Fitness Studio war harte Arbeit. Ich hatte auch einen sehr langen Anfahrtsweg zur Arbeit und brauchte die Zeit nach dem Eintreffen in meiner Wohnung, um mit meinen Gedanken alleine zu sein.
Ich kann unglaublich gut stundenlang herum sitzen, über alles Mögliche nachdenken -ohne aktiv etwas zu tun.
🙂 Bei mir stellte sich immer mehr die Erkenntnis ein, dass ich für einen normalen Bürojob nicht tauge, so wie es bei vielen anderen Menschen ebenfalls der Fall ist. Mein Studium habe ich ohne Probleme zuende gebracht. Man hat dort mehr Zeit mit sich alleine und ist selbstbestimmter.
Manche introvertierten Menschen blühen auf, wenn sie selbständig arbeiten. Wobei man natürlich die Worte "selbst" und "ständig" nicht unterschätzen sollte. Allerdings glaube ich, dass der Haken bei Dir entweder Introvertiertheit, das Eingesperrtsein (tägliches Einerlei, wenig Selbstbestimmung) oder der Job an sich ist. Würdest Du generell unter Antriebsarmut leiden, hättest Du Dein Studium nicht geschafft.
Könntest Du Dir ein Leben als Freiberuflerin vorstellen? Natürlich hat man auch als Freiberufler viel mit anderen Menschen zu tun und muss sich nach Wünschen anderer richten, doch
so "eingesperrt" und von anderen eingekesselt wie im Angestelltenverhältnis ist man nicht.
Oder als Selbständige? Gibt es ein Hobby oder ein Thema, das Dich fasziniert und dem Du Deine Lebenszeit gerne widmen würdest, wenn Du es könntest?
Oder könntest Du Dir einen Pflegeberuf vorstellen? Dort hast Du entweder Frühschicht und den Nachmittag frei (so ab 2 oder halb 3) oder Spätschicht und kannst lange ausschlafen. In der Pflege ist man zwar sehr nah an anderen Menschen dran, aber nicht so einkesselt von Menschen wie in einem Büro. Zumindest fiel mir die Pflege immer leichter als Büroarbeit oder gar in einer Schulklasse zu sein (für mich damals auch der Horror
😱), wobei Pflege natürlich nicht jedermanns Sache ist.
Oder würdest Du lieber draußen arbeiten (Tierpflegerin, Gärtnerin oder zB in der Landwirtschaft)? Wenn man draußen ist und die Tageszeiten mitbekommt, ereilt einem auch nicht so schnell das Gefühl eingesperrt zu sein.
Auch als Taxifahrer, Fahrlehrer, Chauffeur (dafür gibt es auch Ausbildungen), Busfahrer...fühlen sich Nicht-Büromenschen oft wohler.
ich beneide wirklich die menschen, die trotz einer 40-stunden-woche noch gutgelaunt sein können und ihr leben außerhalb der arbeit auf die reihe bekommen und spaß haben können.
ich auch! Und ich kämpfe hart dafür mich gegenüber diesen Menschen gleichwertig zu fühlen. Unsere Welt ist auf extrovertierte Actionmenschen ausgerichtet, für die ein Leben mit Vollzeitjob, Familie, Feiern, und Hobbys (am besten Teamsportarten) das Nonplusultra ist. Stille, leise Menschen haben es in unserer Welt oft schwer.
Wenn man sagt, man möchte alleine mit seinen Gedanken sein, wird man angeschaut wie ein Alien. Doch wir sollten uns, finde ich, nicht so fühlen!
Oft sind es gerade die stillen Menschen, die gute Ideen haben, wenn man ihnen doch mal zuhören würde. Und unsere Gesellschaft lebt von der Vielfalt.
🙂