Alles was du beschrieben hast, kann ich aus eigener leidvoller Erfahrung nur bestätigen. 3 Jahre meines Lebens dauerte es, bis mir eine außenstehende Person mitteilte: "Was Sie da gerade beschrieben haben von ihrem Leben zuhause, kennen Sie den Begriff dafür?" Und weil ich von der Problematik erzählt hatte, meinen damals 2-jährigen Sohn nicht abstillen zu können und was ich alles schon versucht hatte, meinte ich bloß: "Ja, ein schwieriges Kind." Und sie schüttelte fast mitleidsvoll den Kopf und sagte: "Nein, emotionale Gewalt!"
Wie du begann ich mich mit dem Thema zu befassen, stieß so auch auf NPD (narcissistic personal disorder) und musste feststellen, dass wirklich alles auf meinen Mann zutraf. Ich schloss mich auf FB entsprechenden Gruppen an und war schockiert, wie viel Menschen unter einem Narzissten (männliche und weibliche) leiden müssen bzw. gelitten haben und lernte auch, dass es scheinbar viel schwieriger ist, einen Menschen mit NPD zu verlassen, als einen, der dich schlägt. Und ja, ich habe es bis heute noch nicht vollständig begreifen können. Meine Zeit des Erwachens hält noch immer an und seit uns 2017 das Jugendamt zur Trennung nötigte (ich hatte die Wahl bei ihm zu bleiben und meine beiden Kinder zu verlieren, oder ihn zu verlassen und meine Kinder zu behalten) stehe ich vor diesem gigantischen Fragezeichen: "WAS in diesen letzten 7 Jahren war echt? War überhaupt irgendwas echt?" Es ist, als hätte ich jahrelang im Koma gelegen und bin nun aufgewacht. Aber die Person die ich dachte zu sein, scheint nicht mehr zu existieren. Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung scheinen allesamt in dieselbe Schule gegangen zu sein, denn ich habe mich international ausgetauscht mit anderen Opfern und wir alle haben dieselben Kommentare zu hören bekommen, dieselben Vorwürfe und Handlungen erlebt. Es ist faszinierend und beängstigend gleichzeitig. Ich weiß, weil andere, die schon weiter in der Heilung sind als ich, es so bestätigen, dass es ein Leben nach dem Narzissmus gibt, aber wann genau das wirklich beginnt, wir uns wieder gefunden haben oder vielleicht auch neu erfunden haben, das weiß ich nicht. Aber ich halte mich an dieser Hoffnung fest, dass es ein Licht am Ende des Tunnels gibt, irgendwo ist es und wartet geduldig auf uns.
Ich wünsche dir von Herzen viel, viel Kraft und kann dir nur empfehlen, dich mit anderen Opfern auszutauschen. Je mehr Hintergrundwissen ich erlangte, desto besser konnte ich Dinge verstehen, die ich bis dahin nur als "schwammige Situation" oder "da lief was falsch" erfassen konnte, die ich aber nicht auf den Punkt hätte bringen können.
Und vergiss nie: Du bist wertvoll! Du bist stark, denn du hast so viel hinter dich gebracht und du stehst noch immer im Leben. Du bist ein Survivor und DAS ist mehr, als viele überhaupt erkennen können.