Die Bibelgeschichte vom Garten Eden ist widersinnig. Von Leuten, die keine Ahnung von gut und böse haben wird erwartet, daß sie (wie???) erkennen, daß die Schlange ihnen etwas böses einreden will, nämlich die Übertretung eines Verbots - und das, obwohl ihnen diese Erkenntnisfähigkeit (noch) völlig abgeht, ebenso wie die Erkenntnis, daß sich daraus Schuld und Strafe ergibt. Naiven Kindern wird etwas eingeredet, und anschließend werden sie dafür bestraft, daß sie sich in ihrer Naivität etwas haben einreden lassen. Frei nach dem Motto, hättest du halt schon vorher wissen müssen, was du hinterher erst gelernt hast - die Erwartung von Allwissenheit, wo keine Allwissenheit sein kann, die Erwartung von Mißtrauen gegen "Verführer", wo noch kein Mißtrauen sein kann, da das ein Wissen zu Gut und Böse voraussetzt. Solch widersinnige Geschichten im Alten Testament (von denen es mehr gibt) lassen sich nur mit der jüdischen Neigung zu Kontroversen erklären, wo es völlig üblich ist, unverständliche oder widersinnige Geschichten in den Raum zu stellen, um damit eine Diskussion zu provozieren, die lehrreich für alle Beteiligten ist, ein Bestandteil jüdischer Scholastik.
Genauso wie die Geschichte von der Sintflut, wo Gott seine Tat hinterher bereut - ein Unding für ein angeblich allwissendes Wesen, das doch schon vorher genau weiß, wie etwas ausgehen wird und was es dann fühlen wird. Diese Unlogik geht allerdings auf die ältere Originalversion von der Sintflut aus dem Gilgamesch-Epos zurück, wo die Götter (Mehrzahl!), die die Sintflut verursachten, von deren Gewalt selbst übel überrascht wurden und fliehen mußten und "heulten wie die Hunde", alle bis auf den einen Gott, der rechtzeitig seinen Protegé Ut-Napishtim, dem Ur-Noah, gewarnt hat, er solle sich ein Schiff bauen. Und hinterher sind ihm die anderen Götter kniefällig dankbar, weil ihnen erst dann aufgeht, daß sie mit der Ausrottung aller Menschen auch ihre Anbeter samt Opfergaben verloren hätten. Nicht gerade allwissend oder voraussehend also, das antike Götterpack...