Nordrheiner
Sehr aktives Mitglied
Die Bibelgeschichte vom Garten Eden ist widersinnig. Von Leuten, die keine Ahnung von gut und böse haben wird erwartet, daß sie (wie???) erkennen, daß die Schlange ihnen etwas böses einreden will, nämlich die Übertretung eines Verbots - und das, obwohl ihnen diese Erkenntnisfähigkeit (noch) völlig abgeht, ebenso wie die Erkenntnis, daß sich daraus Schuld und Strafe ergibt.
Adam und Eva ist nicht fehlendes Wissen (keine Ahnung) hinsichtlich der Frage nach gut und böse vorzuwerfen. Insofern gehe ich noch mit Dir konform. Jedoch hatten sie alles Gute bislang von Gott empfangen. Das hätte eine ausreichende Vertrauensbasis dafür sein müssen, dass sie das Gebot Gottes "von diesem einen Baum nicht zu essen" achten. Es geht also hier als meinen Punkt 1 um Dankbarkeit und um Respekt. Wenn man die Paradiesgeschichte genau liest, so stellt man fest, dass die Kommunikation mit der Schlange auf Hochtouren lief. Aber was ist in der Phase mit der Kommunikation mit Gott? Diese war auf dem Nullpunkt.
Und dies ist mein Punkt 2 der Kritik an Adam und Eva. Sie hätten das Gespräch mit Gott abwarten und anstreben können und sollen.... und haben es nicht getan. Sie haben unterlassen, mit Gott über die Infos seitens der Schlange zu reden.
Naiven Kindern wird etwas eingeredet, und anschließend werden sie dafür bestraft, daß sie sich in ihrer Naivität etwas haben einreden lassen. Frei nach dem Motto, hättest du halt schon vorher wissen müssen, was du hinterher erst gelernt hast - die Erwartung von Allwissenheit, wo keine Allwissenheit sein kann, die Erwartung von Mißtrauen gegen "Verführer", wo noch kein Mißtrauen sein kann, da das ein Wissen zu Gut und Böse voraussetzt. Solch widersinnige Geschichten im Alten Testament (von denen es mehr gibt) lassen sich nur mit der jüdischen Neigung zu Kontroversen erklären, wo es völlig üblich ist, unverständliche oder widersinnige Geschichten in den Raum zu stellen, um damit eine Diskussion zu provozieren, die lehrreich für alle Beteiligten ist, ein Bestandteil jüdischer Scholastik.
Genauso wie die Geschichte von der Sintflut, wo Gott seine Tat hinterher bereut - ein Unding für ein angeblich allwissendes Wesen, das doch schon vorher genau weiß, wie etwas ausgehen wird und was es dann fühlen wird. Diese Unlogik geht allerdings auf die ältere Originalversion von der Sintflut aus dem Gilgamesch-Epos zurück, wo die Götter (Mehrzahl!), die die Sintflut verursachten, von deren Gewalt selbst übel überrascht wurden und fliehen mußten und "heulten wie die Hunde", alle bis auf den einen Gott, der rechtzeitig seinen Protegé Ut-Napishtim, dem Ur-Noah, gewarnt hat, er solle sich ein Schiff bauen. Und hinterher sind ihm die anderen Götter kniefällig dankbar, weil ihnen erst dann aufgeht, daß sie mit der Ausrottung aller Menschen auch ihre Anbeter samt Opfergaben verloren hätten. Nicht gerade allwissend oder voraussehend also, das antike Götterpack...
Beide Erzählungen drücken Grundübel aus, die das schuldhafte Verhalten der Menschen beschreiben:
1) fehlende Dankbarkeit
2) Verlust des Respektes
3) mangelnde Kommunikation
Sind das nicht immer wiederkehrende Grundübel - gerade auch in menschlichen, in sozialen Beziehungen?
"Wir" werfen den Menschen in kaputten Beziehungen nicht vor, dass sie über zu wenig Wissen verfügen. Was wir ihnen vorwerfen, ist das Versagen - soweit ersichtlich - gemäß der obigen 3 Punkte.
Und was folgte bei Adam und Eva? Sie haben ihre Entscheidung - gegen den bekannten Willen Gottes - alleine getroffen. Es ist mir, als ob sie gesagt hätten: Wir sind klug und intelligent. So eine läppische Frage - ob wir den Apfel essen sollen oder nicht - können wir auch ohne Gott richtig beantworten. Selbstüberschätzung - nach Deinen Worten dem Bösen zugehörig.
Und noch heute überschätzen sich Menschen und treffen ihre Entscheidungen ohne jeden Bezug zu Gott, weil sie sich
ach so klug vorkommen.