Nordrheiner
Sehr aktives Mitglied
Meinen "Schuldentwurf" werde ich noch etwas sacken und wachsen lassen, bevor ich dazu vielleicht etwas schreibe. Formulieren und schreiben - gerade längere Texte - fällt mir aufgrund meines Seh-/Hirnproblems immer noch etwas schwierig. Habe daher "zurückgelesen" und gehe auf eine "kleine Baustelle" ein:
Gegenüber gestellt waren 2 Sätze:
1) Wer sein Leben liebt, wird es verlieren.
2) Wer sein Leben liebt, wird es nicht verlieren.
Der zweite Satz stammt von mir und ich halte ihn für symphatischer und logischer. Warum? Ich erkläre das.
Wenn man den zweiten Teilsatz betrachtet, also "wird es verlieren" oder "wird es nicht verlieren", dann scheint nur eines richtig sein zu können. Und wenn man davon ausgeht, dass der Mensch mit dem Tod sein Leben verliert, dann ist Ersteres zwingend richtig.
Aber:
Nehmen wir den ersten Teilsatz hinzu: "Wer das Leben liebt,..."
Hieraus ergibt sich die unterschwellige/implikative und aus meiner Sicht rhetorische Frage: "Wenn ein Mensch sein Leben nicht liebt, hat er sein Leben dann nicht bereits verloren"?
Und um den Brückenschlag zum Fadenthema zu machen: Kann es die Schuld eines Menschen sein, dass er sein Leben liebt oder nicht liebt?
Deine rethorische Frage scheint mir praxisnah zu sein. Und Deine letzte Frage finde ich auch spannend.
Zu Deiner rethorischen Frage, meine Antwort:
Es kommt darauf an, was unter "sein Leben lieben" gemeint ist. Wenn jemand Möglichkeiten für ein glückliches Leben hat und nicht nutzt oder suchen und finden kann - aber nicht sucht, dann kann man sagen "er hat sein Leben verloren".
Wenn der Mensch jedoch sein Leben, sein ggf. glückliches Leben für einen höheres Ziel opfert, könnte man auch sagen, dass er sein Leben nicht mehr liebt. Wobei die Betonung auf m e h r liegt. Wenn z.B. eine schwangere Frau durch eine Geburt sterben würde - sollte ihr Kind geboren werden - und die Mutter das Sterben vorzieht, um dem Kind das Leben zu ermöglichen, dann liebt sie das Kind m e h r als ihr eigenes Leben. Ich würde dann nur den Begriff Schuld durch Verantwortung oder durch "größere Liebe für" ersetzen.
Zu Deiner letzten Frage meine Antwort: Wenn wir seelische bzw. psychische Beeinträchtigungen ausschliessen, liegt es in der Verantwortung des einzelnen Menschen, sein Leben als wertvoll und liebenswert anzunehmen. Tut er es nicht, kann man schon von Schuld reden. Wir leben um zu lieben, oder?