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Drogen

  • Starter*in Starter*in Gast
  • Datum Start Datum Start
Hallo,

leider kann ich Dir die Frage, ab wann man von Sucht reden kann nicht beantworten. Denn ob ein Mensch süchtig ist oder nicht, zeigt sich in dem Moment wo er soziale (Arbeit, Familie, Freunde) psychische (Depressionen, Suizidgedanken,...) oder körperliche Probleme (Leber, Bauchspeicheldrüse, Tremor,...) bekommt und trotz besseren Wissens (Dein Stichwort!) nicht mehr in der Lage ist, sich gegen den Stoff zu entscheiden (sofern wir jetzt nur von stofflichen Süchten sprechen). Das wäre eine Theorie. Bei den Anonymen Alkoholikern spricht man sogar davon, dass nur der Alkoholiker es selber wissen kann (diese Philosophie ist schwer zu verstehen, aber sie ist logisch). Die WHO hat wieder eine andere Definition. Und es gibt Menschen, die behaupten, dass jemand süchtig ist, wenn er so und so viel benötigt/trinkt. Wobei es aber wieder Menschen gibt, die jeden Abend trinken (das berühmte Glas Wein), aber meiner Definition nach keine Alkoholiker sind, solange sie sich und andere damit nicht belasten. Aber habe ich damit jetzt Recht?😕

Du schreibst, Dir wurde schlecht und Du ließt es sein. Mir wurde beim ersten Mal auch schlecht aber trotzdem habe ich es faszinierend gefunden. Und da ist der Unterschied. Denn ich hatte schon eine Disposition zu Alkohol. Du nicht! Glückspilz!:daumen:

Ich war 14 und bezüglich Alkohol nicht aufgeklärt. Von einer Sucht habe ich dann erst 11 Jahre später gesprochen, als ich merkte, dass mir alles entglitt. Aber andere haben schon vorher erkannt, dass mit mir etwas nicht stimmte.

Ich habe bei Dir den Verdacht, wie Gast Nummer2 es schon schrieb (schöner Beitrag!), dass Du auch abhängig bist. Und zwar coabhängig.
Denn wenn DU mit einem alkoholkranken Partner zusammengelebt hast, bleibt dieses kaum aus. Und Deine Wut, Deine Unverständnis sind typische Anzeichen dafür. Es zeigt, dass Du hilflos warst und Dich überhaupt nicht gesund mit dem Thema auseinandergesetzt hast. Du warst vernünftig und hast DIch getrennt, das ist gesund, aber Deine Emotionen scheinen da noch Achterbahn zu fahren, kann das sein?

Es würde mich auch ehrlich interessieren, wie alt Du bist. Denn das was Du schreibst, hat auch die 15 jährige Tochter von befreundeten trockenen Alkoholikern gesagt. Sie hat zum Glück nie mitbekommen müssen, dass ihre Eltern abhängig waren, da sie sie erst nach der Trinkzeit bekommen haben. Sie weiß es, aber argumentiert, wie Du. Aber wir sind da sehr gelassen und nehmen uns viel Zeit, ihr zu erklären, dass Menschen nicht alle gleich sind und das der freie Wille auch nicht immer frei ist. Das man Fehler machen kann, die nicht wieder rückgängig zu machen sind.

Ich glaube auch persönlich an Schicksal (höhere Macht) und ich kann DIr sagen, dass meine Alkoholsucht heute sehr viel Sinn macht, denn es führte dazu, dass ich sensibler und offener Im Umgang mit Menschen wurde.

Und noch eine Frage an Dich: denkst Du auch, dass HIV, Obdachlosigkeit, und mangelnde Bildung selbst verursacht sind? Die Frage hat Dir auch schon eine Userin indirekter gestellt. Ich weiß, das ist jetzt eine böse Frage, aber ich möchte Dir einfach klar machen, dass Sozialisation, Vererbung, Talente, Glück nicht immer gleich verteilt sind.
LG

@schmetterlingsflattern

"ich denke auch, du hast ihn nicht begleitet,denn sonst hättest du verständnis...wer mal mit drogenabhängige zu tun hatte,kann eigentlich verständnis entwickeln, nur wer nicht hinsieht,erkennt nichts ausser seine eigene wut und trauer".

eine frage noch- rauchst du vieleicht?

ich war 12 Jahre mit ihm zusammen, keine Ahnung ob ich ihn begleitet habe. Ich hatte auch anfangs zu wenig Ahnung von Süchten bzgl. Drogen und Alkohol. Ich habe erst in unserer Ehe gemerkt, das irgendwas nicht stimmte. Bei uns zuhause hat er nie vor mir Drogen genommen, getrunken schon aber nicht so, dass ich dachte er wäre schon süchtig. Als irgendwann die Kripo vor unserer Tür stand und mich ausfragte und mir einige Dinge sagte, die ich vorher schon von Freunden gehört hatte, aber nicht glauben konnte/wollte - fing ich erst an zu realisieren, was los war. Dann suchte ich eine Suchtberatungsstelle auf, die mir aber riet, das ich ihn fallen lassen muss um zu helfen. Und man riet mir, das ich mich ausschließlich auf meine Kinder und mich konzentrieren soll. Tja und das tat ich dann kurze Zeit später und es war das beste, was ich auch machen konnte. Inzwischen sind fast 20 Jahre vergangen und er hat nichts verändert und ist ein kaputter Mann. Irgendwie finden solche Typen aber immer irgendwelche Frauen, die "helfen" wollen.

und ja ich rauche, vergleiche dieses aber nicht mit Drogen und Alkohol, weil ich mein Hirn damit nicht vernebel. Hab zwischenzeitlich mal für ein paar Jahre aufgehört und wieder angefangen, aber ich rauche in Maßen.

@das Gefühl

ich bin Ende 40 Jahre alt und ja ich war co-abhängig. So sagte man es mir damals in der Beratungsstelle, vorher hatte ich das Wort noch nie gehört. Ich musste ja auch erstmal akzeptieren, das ich mit einem Süchtigen verheiratet war. Ich besuchte auch 2x eine Selbsthilfegruppe mit Co-Abhängigen und konnte danach nicht mehr dort hingehen. Was die anderen Co-Abhängigen im Gegensatz zu mir erlebt hatten bzw. noch erlebte, zog mich nur nach unten und machte mich nur noch mehr traurig. Da war ich mit meinen Erfahrungen eher noch ein "Waisenkind".

Und ja man ist als Angehöriger wirklich total hilflos. Und auch das loslassen und fallenlassen ist nicht gerade einfach. Man dachte viele Jahre, das wird bestimmt alles gut, es muss gut werden, da sind unsere Kinder, unsere Ehe, unsere schönen Momente und man belügt sich damit nur selber. Logisch das man dann enttäuscht ist oder? Ich hatte mir unter Familie etwas anderes vorgestellt.

Heute bin ich froh, das ich gegangen bin.

Wie geschrieben, ich weiß, was ich durchgemacht habe und es war die Hölle, welche ich ohne irgendwelche Rauschmittel oder Beruhigungsmittel durchlebt habe. Und durch diese Erfahrungen, ist in mir soviel kaputt gegangen, das ich bis heute nicht in der Lage war mich neu zu binden.

Ich habe meinen Ex-Mann als besten Schauspieler erlebt.

Es tut mir leid, wenn ich hier so gefühlslos rübergekommen bin, das bin ich sicher nicht aber mein Ex-Mann hatte damals auch soviele Chancen aus seinem Leben etwas zu machen und nicht eine davon wahrgenommen. Mir ist es egal, was er aus seinem Leben gemacht hat. Für meine Kinder und mich, war es damals die Hölle, was ich Keinem wünsche. Und weil ich das Leid von anderen Co-Abhängigen gehört habe, habe ich wahrscheinlich absolut kein Verständnis für die Süchtigen. Da waren Frauen dabei, die sich versucht hatten das Leben zu nehmen, weil sie nicht mehr konnten.

Und ich habe einen Onkel, der Alkoholiker war. Auch da zuhause waren die Zustände für seine Frau und seine Kinder katastrophal.

Ich entschuldige mich hiermit, wenn ich Jemanden mit meinen Worten verletzt habe, das war nicht meine Absicht. Werde mich hier auch nicht mehr über Süchtige auslassen und wünsche Jedem, das er seinen Weg findet.
 

Hallo Gast,

schau mal hier: Drogen. Hier findest du vielleicht was du suchst.

ich kenne beide Seiten und ich habe für beide Seiten Verständnis.
Bin durch beide Höllen gegangen.

Wo bleibt dein Verständnis für die Süchtigen?

Ich denke Verständnis muss man sich in dieser Gesellschaft ein wenig verdienen! Ich habe Verständnis für Suchtkranke, nur sollte er sein Problem erkannt haben und (auch mit Hilfe) etwas dran ändern wollen. Das hauptsächlich Menschen aus der Unterschicht, mit schlechter Vergangenheit oder Elternhaus drogenabhängig sind, ist definitiv falsch. Man lässt hier wohl den Genuß von Kokain ganz ausser Acht, welcher oft von gut situirten Menschen eingenommen wird. Es ist ein Leichtes Gründe für seine Abhängigkeit zu suchen, stark ist der, der Gründe zum Aufhören findet. Meine Ex-Frau ist leider alkoholkrank und sie tut etwas dagegen, darum unterstütze ich sie auch.

LG
 
Hallo Gast,

Du hast ja anscheinend das Beste gemacht. Nämlich ihn zu verlassen. Das hätte ich auch und kann ich auch nur jedem raten.
Ich habe mich nicht angegriffen gefühlt, nur habe ich Deinen Standpunkt nicht verstanden, weil ich mit der Schuldfrage nicht klar kam. Aber andererseits bewundere ich, dass Du Dich nicht aus der Diskussion heraussgezogen hast und Stellung beziehst. Danke!🙂

Und Martin1: auf jeden Fall gibt es Abhängigkeiten nicht nur in der "Unterschicht". Vor allem Kinder von karriereorientierten Menschen haben da ja oft Probleme. Ich denke die Millieustudie will nur darauf hinweisen, dass die Wahrscheinlichkeit höher liegt süchtig zu werden, wenn man schlechtere Voraussetzungen hat.
Verdienen? Ich denke, Du meinst erarbeiten, sich damit auseinandersetzen, Stellung beziehen, etwas unternehmen. JAAAA!

Respekt, wie Du das händelst.:daumen:
Ich hatte damals auch Freunde, die gesehen haben dass ich es Ernst meinte. Und die haben mir sehr geholfen. Freunde sind wichtig. Und von Menschen, die kein Einsehen haben, halte ich mich privat auch fern.
Liebe Grüße
 
Hi "das Gefühl",

mich hat dieses ganze Thema natürlich auch zum nach(um)denken gebracht. Aber ich vergleiche es immer mit meinem Hobby. Ich bin leidenschaftliche Motorradfahrerin und verschaffe mir dadurch so eine Art "Kick". Ich bin mir der "Gefahr" bewußt und versuche diese möglichst einzuschränken, indem ich nur mit Motorrad-Klamotten fahre, egal wie warm es draussen ist. Wenn ich dann Andere sehe, die in Shorts und Hemd fahren, dann fehlt mir auch das Verständnis und Mitleid, wenn die sich langlegen und nach ein paar Metern rutschen merken, das die Knochen "hallo" sagen. Das meinte ich mit Selbstverantwortung. Wenn mir die Gefahren bei gewissen Dingen bekannt sind, dann hab ich die Möglichkeit mich dagegen zu schützen.
 
Ich denke Verständnis muss man sich in dieser Gesellschaft ein wenig verdienen! Ich habe Verständnis für Suchtkranke, nur sollte er sein Problem erkannt haben und (auch mit Hilfe) etwas dran ändern wollen.

LG

Nun, ich wurde damals von allen Freunden verlassen, was wohl auch am besten war.
Denn eben dieses half mir aus dem Sumpf, den ich doch selbst nicht wollte.
Ich suchte mir professionelle Hilfe und nahm sie an.

Angehörige in einer Coabhängigkeit können praktisch nicht helfen.
Das kann ich aus Erfahrung sagen 🙄

Es ist nur immer wieder toll, wie sie helfen möchten, aus der Verzweiflung heraus.
Ich verstehe das natürlich. Meine Kindheit verbrachte ich mit einem süchtigen Vater, meine Ehe mit einem süchtigen Partner, den ich dann übrigens auch fallen lies 🙄

Ich und auch viele andere, die ich auf Therapie und auch noch danach kenenlernte wurden fallengelassen. Das war Hilfe, Hilfe zur Selbsthilfe.
 

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