Menschen, die eher kopfgesteuert wirken, leiden oft mehr unter dem Verlust als diejenigen, die ihre Gefühle übertrieben nach außen tragen. Die immer so rational, besonnen und beherrscht wirkenden Menschen sind manchmal sogar diejenigen, denen man nichts angemerkt hat und die plötzlich zusammenklappen oder im schlimmsten Fall Suizid begehen und keiner versteht, warum.Und wenn jemand einfach nicht so empathisch ist, mehr kopfgesteuert oder keinen echten Zugang hat zu seinen Gefühlen, wird er auch bei einem Todesfall nicht so tief leiden wie jemand, der mehr Gefühle hat oder mehr Gefühle zulässt.
Die Leute dagegen , die jedem gleich um den Hals fallen müssen, sich mit jedem sofort duzen, bei jeder Gelegenheit entweder vor Begeisterung kreischen oder aber die Krokodilstränen fließen lassen, sind die manipulativsten und egoistischsten, die ich in meinem nun doch schon längeren Leben kennengelernt habe. Für eine Trauerbegleitung sind sie denkbar ungeeignet, und sie wollen mit dem Leid anderer Leute auch nicht behelligt werden ("Das lasse ich nicht so nah an mich heran"). Wenn sie sich ansatzweise mit fremdem Leid befassen, wird dieses bestenfalls kleingeredet. Von ihnen kommen auch am ehesten diese wenig hilfreichen Phrasen, wie im Eingangsposting genannt. Das große Geschrei veranstalten sie immer nur dann, wenn sie selbst betroffen sind.
Wirklich empathisch sind nach meiner Erfahrung die wenigsten Menschen, und gerade diejenigen, die immer von sich behaupten, wie gefühlsbetont und sensibel sie doch sind, haben in punkto Mitgefühl und Takt die größten Defizite.
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