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Die Zeit heilt alle Wunden... blablabla...

Wer sich solcher Sprüch bedient weiß es vielleicht einfach nicht besser, kann nicht gut reden, hat keine passenden Worte parat, möchte aber trotzdem einfach trösten. Eine einfache Umarmung hätte da womöglich genauso als unpassend empfunden werden können - er/sie hätte ja schließlich auch mal ein paar Worte sagen können. Wie man es macht, macht man es in diesem Moment falsch - oder zumindest ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man den Erwartungen nicht entspricht. Es ist eine ganz schwierige Situation und man sollte da auch als Betroffener nicht zu hart urteilen über die Menschen, die einem Trost zusprechen wollen.

Als ich jung war habe ich mal zu einer Bekannten gesagt, sie könne jederzeit zu mir kommen, wenn sie mal wen zum Reden bräuchte. Sofort danach hätte ich mich ohrfeigen können, denn mein Kontakt zu ihr war viel zu distanziert, als dass sie ausgerechnet mich aufgesucht hätte. Ich wollte einfach nur etwas Tröstendes sagen und lag dann doch völlig daneben. Wahrscheinlich hat sie auch über mich geflucht, es tat mir unendlich leid.

Es ist immer schlimm, einen geliebten Menschen zu verlieren. Ich finde allerdings auch, dass die Erinnerungen erhalten bleiben, man an die gemeinsame Zeit mit Dankbarkeit zurückdenken kann; dafür kann man doch selber viel tun - wer soll es einem nehmen?!

Im akuten Fall tut es einfach unglaublich weh; nicht selten entwickelt man sogar Wut auf alles und jeden. Als mein Vater damals starb war ich fassungslos, wie sich die Welt einfach weiterdrehen konnte - so wichtig wie er mir war. Ich sah lachende Menschen auf den Straßen - wie konnten sie nur, wo doch gerade etwas so Schlimmes geschehen war?! So schlimm es ist, genau das ist das Leben. Das möchte man in diesem Moment nur nicht wahr haben - und ja, die Zeit hat die Wunde ein bisschen geheilt. Ich denke nur noch voller Liebe an meinen Vater zurück; weinen muss ich schon länger nicht mehr.

Ich denke allerdings tatsächlich auch, dass es immer noch vom Einzelfall abhängt, wie sich ein solcher Schmerz entwickelt. Von der Intensität der Beziehung; ob die "natürliche Reihenfolge eingehalten" wurde; ob der Tod womöglich sogar eine Erlösung war; wie der eigene soziale Rückhalt ist, also ob man Trost durch nahestehende Menschen erfährt oder allein damit umgehen muss etc. etc. Und ich finde, dass das dann auch beeinflusst, wie gut man mit alledem klar kommt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn der Verlust noch nicht allzu lange her ist, mag dieser Spruch ganz schön lächerlich klingen....Aber letztendlich trifft er zu einem gewissen Grad schon zu. Ich habe bisher schon viele geliebte Menschen verloren, kürzlich auch eine gute Freundin an Krebs. Je mehr Zeit vergeht, desto eher lernst du damit umzugehen. Natürlich wird da immer diese Leere und eine Narbe bleiben....aber irgendwann tut es nicht mehr ganz so weh. Selbstverständlich ist das nur meine Meinung und ich möchte nicht verallgemeinern. Jeder geht mit Verlust und negativen Gefühlen anders um. Es gibt sogar Menschen, die sich von sowas gar nicht mehr erholen und letztendlich an einem gebrochenen Herzen sterben können. So viel von mir dazu.
 
Die Zeit heilt überhaupt nichts, das ist lächerlich. Wenn sich überhaupt irgendwas zum Besseren wendet, hat man selbst den größten Anteil daran. Die Zeit ist nur eine Zutat, die man benötigt.
 
Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
Sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.

Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
Sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
Bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
Da blüht nichts mehr.

Ricarda Huch
 
Nein, tut sie sicher nicht. In derartige Floskeln retten sich Menschen, die selbst noch nie Verluste oder Verletzungen erleben mussten, die sie bis ins Mark erschüttert haben.
Man kann aber mit der Zeit lernen, damit zurecht zu kommen um weiterzuleben. Das dauert aber Jahre. Und man ist hinterher wohl nicht mehr derselbe Mensch. Aber ich habe an mir selbst festgestellt, dass ich sensibler und offener geworden bin.
Wer es selbst erlebt hat, versteht, wie es sich anfühlt.
 
Ich finde den nicht so verkehrt.
Am Anfang tut es fürchterlich weh.
Dann weniger und es verblasst mit der Zeit.
Wie ein Bild, das der Sonne ausgesetzt ist.
Irgendwann erinnert man sich noch und weiß, dass es da war, aber es ist eine Erinnerung.
Und tut nicht mehr weh.
Es ist eine Erinnerung.
Aber das mag ja von Mensch zu Mensch verschieden sein.
 
Mit der Zeit gewinnt man Abstand, das ist einfach so. Auch wenn immer ein kleiner Schmerz bleibt, so ist es doch nicht mehr der gleiche wie am Anfang, der einem den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Ich denke, die Natur hat das so eingerichtet, damit man weiterleben kann. Würde der Schmerz nie blasser werden, wie könnte man das sonst?

Der Spruch ist aber trotzdem total falsch, denn keine Wunde ist wie die andere. Einige heilen schnell und komplikationslos ab, da mag er zutreffen. Andere entzünden sich und schmerzen, eitern vielleicht sogar und wollen lange nicht heilen. An einigen knubbelt man selbst immer wieder herum und verlangsamt so selbst die Heilung. Und die richtig tiefen lassen am Ende eine Narbe zurück, die einen den Rest des Lebens an eben diese Wunde erinnert.
 
Ja, diesen Punkt sehe ich auch. Es kommt mitunter als eine Art Vorwurf rüber nach dem Motto, es wäre nun aber an der Zeit, dass man endlich wieder normal funktioniert und weiterlebt. Es wäre ja nun genug Zeit vergangen.
Trauer dauert solange sie dauert, und selbst wenn die Wunde eventuell verheilt ist, bleibt für immer eine Narbe.
 
Die Zeit heilt alle Wunden...
Der Spruch wirkt abgedroschen und kommt von Leuten, die keine Lust haben, sich weiter mit einem trauernden Menschen abzugeben und Zeit für ihn zu "opfern". Sie wollen auch nichts mehr über den verstorbenen Menschen hören und nicht mehr über ihn reden. So, als ob die verstorbene Person nie gelebt hätte.

Der Tod nimmt einem allerdings nicht die Erinnerungen. Er kann einem auch nicht die Zeit nehmen, die man mit dem verstorbenen Menschen zu dessen Lebzeiten verbracht hat. Die kann einem keiner nehmen.

Diese Zeit kommt aber nie mehr zurück. Der verstorbene Mensch auch nicht. Das Leben wird nie wieder so sein, wie es mit dem verstorbenen Menschen war.
 

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