[h=2]Altersarmut: Rentnerin muss mit 116,91 Euro im Monat auskommen[/h]
eben 20.000 anderen Rentnern muss auch Elfriede Hartmann jeden einzelnen Cent zweimal umdrehen. Nicht mal für eine Flasche Apfelsaft reicht das Geld. In ihrer Verzweiflung hat sie sich nun an den Münchner Verein „Ein Herz für Rentner“ gewandt. München - Etwa 3500 Euro pro Monat kostet ein Platz im Pflegeheim für die höchste Pflegestufe in München – bei vielen reicht dafür die Rente nicht aus. In Oberbayern beziehen aktuell 14 111 Menschen Hilfe vom Bezirk zur Pflege in stationären Einrichtungen. Diese Hilfe enthält immer auch Taschengeld. Für München, den Landkreis und den Landkreis Fürstenfeldbruck sind das 116,91 Euro im Monat. In allen anderen oberbayerischen Landkreisen sind es sogar nur 110,43 Euro.
Auch Elfriede Hartmann zählt zu jenen Menschen, die von den 116,91 Euro all das bezahlen müssen, was das Leben lebenswert macht. Eine Tafel Schokolade oder ein Stück Kuchen im Café: Wie gern würde sich die 87-Jährige das gönnen. Aber dafür reiche das Taschengeld nicht, sagt sie. Ein großer Teil geht für Medikamente drauf. „Manchmal weiß ich nicht, wie ich über die Runden kommen soll“, sagt Elfriede Hartmann. Vor zweieinhalb Jahren zog die gebürtige Münchnerin nach mehreren krankheitsbedingten Stürzen in das von der Münchenstift betriebene Hans-Sieber-Haus in der Manzostraße. Sie hat Pflegestufe 3, die Rente – 285,02 Euro und eine Witwenrente von 781,32 Euro – wird komplett mit den Heimkosten verrechnet. Private Unterstützung hat sie nicht. Bleibt das Taschengeld vom Bezirk Oberbayern.
Die große Angst vor der Altersarmut
[h=3]Allein in München leben mehr als 20.000 Rentner am Existenzminimum[/h]Bundesweit sind etwa 2,6 Millionen Menschen von Altersarmut betroffen, rund 80 Prozent davon Frauen. Die Folge: Immer mehr Menschen arbeiten über das Rentenalter hinaus. In München leben mehr als 20 000 Rentner am Existenzminimum. Zudem beantragen immer mehr Münchner Grundsicherung im Alter: Laut dem Sozialreferat stieg die Zahl von 2011 bis 2016 von 11 700 auf 14 750 – ein Plus von 25 Prozent. Ein Grund sind die hohen Lebenshaltungskosten. Laut dem Forschungsunternehmen Prognos ist in München ein Euro Rente 23 Prozent weniger wert als im Bundesschnitt.
Auch Elfriede Hartmann muss jeden Monat knallhart rechnen. Allein vier Tuben Schmerzgel für 50 Euro gegen ihre Arthrose-Schmerzen benötigt sie jeden Monat. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht. Die Medikamente seien weder verordnungs- noch erstattungsfähig, die finanzielle Situation könne nicht berücksichtigt werden, wird die Ablehnung seitens der Kasse begründet. Auch die Creme gegen das Wundsitzen im Rollstuhl, Augentropfen und Batterien für ihr Hörgerät muss sie selbst bezahlen, dazu kommen monatlich 20 Euro für den Telefonanschluss. Ihr einziger Luxus ist der monatliche Besuch beim Heimfriseur für 18 Euro. Nicht mal eine Flasche Apfelsaft könne sie sich leisten, sagt die 87-Jährige.
Münchens bedürftige Rentner: So kommen sie über die Runden
[h=3]„Manchmal wünsche ich mir, einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen“[/h]Jeden Tag plagen die Seniorin Ängste vor unerwarteten Ausgaben, die sie nicht bezahlen kann. Zudem macht ihr die Einsamkeit zu schaffen: Kinder hat sie keine, ihr Ehemann starb 1999 mit 71 Jahren an Lungenkrebs. „Manchmal wünsche ich mir, einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen“, sagt die Seniorin. Ihre einzige Abwechslung sind die Spaziergänge mit ihrer Betreuerin Renate Helwig, die sie wöchentlich besucht.