"rechtskonservativ" oder "neoliberal" sind Schlagworte. Meistens werden Schlagworte negativ verwendet.
Allerdings bedingen sich bestimmte politische Richtungen gegenseitig bzw kommen immer gemeinsam. "Rechtskonservativ" bedeutet für mich auch wenig Einmischung des Staates in die Wirtschaft, was im Extremfall sehr wirtschaftsliberal ist.
Allerdings zeigen ja große Zustimmungswerte für FDP, AFD und starke Teile der CDU/CSU ja dass es dafür durchaus eine große Lobby gibt.
Es gibt auch den kontinental-europäischen Konservativismus. Der nicht unbedingt neoliberal ist. Weil ein konservativer kann auch die Heimat und die Familie verteidigen. Das tut ein neoliberaler nicht.
Nun heißt rechtskonservativ nicht automatisch "gegen EU" und wirtschaftsliberal nicht automatisch "Böse FDP".
Merz hat z.B. gesagt "Entwicklungsländer hätten wegen der Zölle der EU keine Chance, ihre Produkte auf globalen Märkten zu verkaufen. Und dann werden eben immer weitere Fluchtbewegungen einsetzen"
Außerdem positioniert sich Merz sehr pro Europäisch. Die daraus abgeleiteten Forderungen dürften nicht jedem in der CDU schmecken. Abgesehen von einer europäischen Armee fordern Merz und seine Mitstreiter eine gemeinsame Haushaltspolitik für die Eurozone - ein Schritt in Richtung der Pläne des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.
Das weiß ich und deswegen sehe ich ihn eher als wirtschaftsliberal.
Ich glaube der Unterschied zwischen Merz und dem typisch "neoliberalen Rechtskonservativen" ist, dass Merz Ursachenforschung betreibt, zu differenzieren weiß und Ziele gemeinsam verfolgen will. Beispielsweise stammt von ihm der schlaue Satz "Amerika ist nicht nur Trump".
Es gibt ein westlichen Wertegerüst und eine tiefe Verbundenheit in der EU und zu den USA. Und es ist durchaus positiv konservativ wenn man diese Basis behalten oder ausbauen will. Das ist mir persönlich lieber als jede "Amerika First" Strategie oder linke Weltverbesserungsträume.
Ich bin kein Merz Fan. Was Merz aber richtig macht: Er distanziert sich von Merkel, er kritisiert Dinge, distanziert sich aber gleichzeitig von überzogender Propaganda. Er ist eine realistische Führungsperson für eine konservative Regierung ohne dass man wie in USA, Polen, Italien, Türkei und co. gleich Populisten und Schreihälse an die Macht lässt.
Ob man seine Politik gut findet, seit dahingestellt. Die Kritik aus dem rechten Lager (CSU,CDU, FDP, AFD) sollte aber kleinlaut sein. Gauland sprach ja sogar davon, dass, Merz "ein kluger Mann und ein kluger Politiker" sei.
Selbst die Tatsache, dass Merz viel Geld bei einem amerikanischen Vermögensverwalter verdient hat, scheint nicht abzuschrecken. Manche meinen sogar, das Gegenteil sei der Fall, Merz genieße dadurch großen Respekt. Entscheidend für seinen Ruf ist, dass er sich damals mit Merkel angelegt hat, gestritten hat, gegangen ist und sich eine neue Karriere aufgebaut hat.
Merz hat nicht wie Lindner erst mal 3 Firmen in den Sand gesetzt und dann in der Politik angefangen. Merz ist in die Wirtschaft nachdem er in der Politik gescheitert ist. Und nun da Merkel geht, ist er wieder da. Und Merz vertritt etwas, das seit Jahren so unpopulär war, dass es entweder garnicht ausgesprochen wurde oder nur in Extremen vertreten wurde: Konservative, kritische, direkte, wirtschaftsstarke und nicht-linke Politik.
Ich sag nochmal, ich bin kein Merz Fan, aber ich finde er zeigt mehr Kante und Profil als es die meisten Politiker fast aller Parteien in den letzten 10 Jahren getan haben. Man kann ihm nur wünschen nicht zu scheitern wie Schulz in der SPD.
Ich habe richtige Angst vor dem. Ich denke die Kluft wird größer. Gauland müsste doch eigentlich wissen, dass die Position von Merz eher in Richtung Macron geht. Deswegen verstehe ich seine Aussage nicht.