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Der Wunsch nach Teilzeit - wie am besten beim Gespräch begründen?

  • Starter*in Starter*in Orchidee32
  • Datum Start Datum Start
Ich hab die Erfahrung gemacht, dass diese Gleitzeiten immer noch ein Tabu sind.
Entweder man steigt ganz aus oder man arbeitet weiter. Dazwischen gibts meist nicht.

Wir haben das selbst in der Familie durch. Eine Cousine hat die Oma gepflegt und dafür ihr Studium in die Länge gezogen.
Arbeiten wäre mit der Oma gar nicht möglich gewesen. Am Ende war sie rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Das hat auch kein Pflegedienst kompensieren können. Das Ende vom Lied war, dass sie ihr Studium zog und jetzt keinen Job bekommt, weil die AGs das als Hemmnis sehen, obwohl die Oma schon im Heim ist.


Pflege in Deutschland von Angehörigen kann man echt vergessen, wenn jemand nicht den Job aufgibt.
Die Dinge mit deiner Mutter werden mit der Zeit auch mehr werden. Sie werden ja nicht jünger (die alten Leute)

Ich würde mich an deiner Stelle um einen Pflegegrad bemühen. Hast du den, kannst du einen Entlastungsbetrag gültig machen. Die holen dann die Oma ab und fahren sie zum Arzt oder gehen mit ihr einkaufen. Das doofe ist eben, dass beim Arzt nur die Hinfahrt/Rückfahrt ermöglicht werden, aber niemand mit zum Arzt hinein kommt.
Alte Menschen können das aber oft nicht mehr selbst.
 
Pflege in Deutschland von Angehörigen kann man echt vergessen, wenn jemand nicht den Job aufgibt.
Die Dinge mit deiner Mutter werden mit der Zeit auch mehr werden. Sie werden ja nicht jünger (die alten Leute)

Allerdings wohne ich 150 km von meiner Mutter entfernt und könnte sie sowieso nicht rund um die Uhr pflegen. Außerdem: würde ich meinen Beruf komplett aufgeben und kündigen, würde ich hinterher wegen meines Alters sicher nicht wieder eingestellt werden und wäre dann vermutlich längere Zeit arbeitslos.

Dazu kommt auch, dass meine Mutter und ich aufgrund unserer familiären Geschichte ein nicht immer ungetrübtes Verhältnis haben. Müsste ich sie täglich pflegen, käme es wohl zur Verschärfung alter Konflikte. Ich weiß nicht, ob das dauerhaft gut wäre.
 
Dabei ist es eigentlich schon mehrfach nachgewiesen worden, dass man in Teilzeit produktiver ist.

Außerdem war ich noch nie karriereorientiert. Mir ist es egal, was die Kollegen denken (könnten).
Ich verdiene jetzt so viel, dass ich von meinem Geld ganz gut leben kann.
 
Also, ich denke, daß die Zeiten sich ändern.

Bei uns im Unternehmen ist Teilzeit inzwischen überhaupt nicht mehr unüblich. Da braucht man sich auch keine Begründungen auszudenken, sondern kann einfach sagen, was Sache ist. Viele haben Teilzeit wegen ihrer Kinder. Meist noch Frauen, aber inzwischen auch immer mehr Männer, die ein oder zwei Tage in der Woche bei den Kindern zuhause sind, während die Frau arbeitet. Mein Lieblingskollege pflegt seine Mutter. Meine 26jährige Mitarbeiterin wird ab nächstem Monat für 2 Jahre 8 Stunden in der Woche reduzieren, weil sie eine Yogalehrer-Ausbildung macht. Zwei andere junge Mitarbeiter haben Stunden reduziert, weil sie nebenberuflich studieren. Ich arbeite seit mehreren Jahren Teilzeit zu 2/3, weil ich mir so die Sabatjahre ermögliche - immer 2 Jahre Vollzeit arbeiten und dann ein Jahr frei. Es gibt einige Altersteilzeitler sowohl im Blockmodell als auch halbtags bis zum regulären Renteneintritt. Mein Kollege arbeitet seit er 50 ist halbtags. Einer unserer Mitarbeiter in der IT-Abteilung hat z.B. seine Stunden reduziert, weil er für den Ironman trainiert. Ich kenne auch einen jungen Mann in einem anderen Unternehmen, der immer nach dem Modell arbeitet 6 Monate in Deutschland im Unternehmen, 6 Monate im Homeoffice in Spanien in seinem zweitwohnsitz. Und als ich im Sabatjahr unterwegs war, hab ich einige Leute getroffen, die während ihrer Reisen Teilzeit weiterarbeiten. Die sitzen dann in Kroatin im Wohnwagen oder in Portugal vorm Wohnmobil und machen vormittags ihre Arbeit.

Das geht in großen Unternehmen alles. Und bevor der Arbeitgeber seine guten eingearbeiteten Mitarbeiter verliert, genehmigt er doch lieber die Teilzeit. Natürlich heißt das auch immer wieder umorganisieren, Arbeiten umverteilen. Meine eine Mitarbeiterin reduziert die Stunden, meine andere will wieder Vollzeit arbeiten, nachdem ihr Kind groß ist. Das klappt nicht ein zu eins, daß die eine die Arbeit der anderen übernimmt. Da muß man quasi über die die Bande spielen noch ein paar andere Mitarbeiter einbeziehen und Aufgaben umverteilen. Aber irgendwie klappt das am Ende immer. Ist eine Herausforderung für Führungskräfte, macht aber auch Spaß. Und so bleibt der Betrieb auch in Bewegung. Das tut uns allen gut.

Aber man muß als Teilzeitler halt kalkulieren, sich einschränken, vielleicht auch auf den ein oder anderen Karriereschritt verzichten. Obwohl - bei uns sind auch viele höher Positionen in Teilzeit möglich. Bei mir hat auch jeder gesagt, das geht so nicht in meiner Position mit den Sabatjahren. Und was war? Zwei junge Frauen sind für mich befristet eingestellt worden, beide zwischenzeitlich entfristet und bleiben dauerhaft im Unternehmen (eine davon ist die Mitarbeiterin, die jetzt die Yoga-Ausbildung macht) und ich habe nach der Rückkehr eine höhere Position als vorher und trotzdem die Genehmigung, nach 2 Jahren wieder für ein Jahr auszusetzen.

Ich mache die Erfahrung, daß das bei entsprechend gut ausgebildeten Mitarbeitern in großen Unternehmen alles möglich ist. Heute fragen die jungen Leute schon direkt im Vorstellungsgespräch, wie ein Unternehmen mit solchen Wünschen umgeht, z.B. um ein weiteres Studium zu ermöglichen. Und wenn man gute Kräfte gewinnen und halten will...

Ich würde sagen, erstmal planen und kalkulieren, wie man sich das finanziert. Wenn man dann sicher ist, daß man das finanziell gestemmt bekommt, ein Konzept machen, wie die Arbeit, die man dann nicht mehr leisten wird im Betrieb organisiert werden könnte. Bei uns wirkt das sehr überzeugend, wenn der Mitarbeiter gleich mit dem Antrag schon Ideen vorbringt, wie seine Arbeit umverteilt werden kann. Ich hab z.B. das alles im Vorfeld meiner Teilzeitbeschäftigung mit meinen Mitarbeitern durchgesprochen und mit ihnen zusammen überlegt, wer was aus meinem Bereich übernehmen kann und möchte, welche Arbeiten dann aus ihren Bereichen wie umverteilt werden können und welche Arbeiten aus dem ganzen Team letztendlich für die neue Anfängerstelle in Frage kommen.

Und dann mutig das Gespräch suchen, Antrag schriftlich stellen und für seine Interessen eintreten, anstatt zu sagen "klappt sowieso nicht". Kein Unternehmen hat Interesse an dauerhaft unmotivierten Mitarbeitern. Gerade in den gut qualifizierten, höheren Bereichen kann ein Unternehmen sich das gar nicht erlauben.

Und wir alle spüren den Fachkräftemangel schon eklatant. Heutzutage kommen kaum noch gute Bewerbungen rein. Jeder Mitarbeiter in höherer Position oder spezialisierte Fachkraft, der uns dauerhaft verläßt, weil er mit unseren Arbeitsbedingungen nicht zufrieden ist, kostet enorme Mühe, Ersatz zu finden und neu einzuarbeiten. Allein die Kosten und die Zeit des Personalauswahlprozesses... Lieber kleinere Lücken durch reduzierte Stellenanteile ersetzen und durch Veränderungen im Unternehmen, Beförderungen und Nachrücker im unteren Bereich ausgleichen als ständig hochqualifizierte neue Mitarbeiter suchen zu müssen, die auf dem Markt kaum zu finden sind.
 
Zuletzt bearbeitet:
Dabei ist es eigentlich schon mehrfach nachgewiesen worden, dass man in Teilzeit produktiver ist.

Außerdem war ich noch nie karriereorientiert. Mir ist es egal, was die Kollegen denken (könnten).
Ich verdiene jetzt so viel, dass ich von meinem Geld ganz gut leben kann.

Ich arbeite mittlerweile nur noch 15 Stunden wöchentlich bei freier Zeiteinteilung.
In einem großen Betrieb ist dies fast immer möglich, auch aufgrund der neuen Teilzeitreglung, d.h. man kann auch nur für bestimmte Jahre verkürzen und dann wieder aufstocken oder weiter mit verringerter Arbeitszeit arbeiten.

Leisten sollte man es sich natürlich können.

Warum ein AG hier dagegen stimmen sollte, weiss ich nicht. Bringt ja nichts, unter Zwang Vollzeit arbeiten zu müssen.
Welche Arbeitsqualität bringt das wohl????

Der Betriebsrat begleitet dies durchaus. Also auch hier mal erkundigen!!

Maya
 
Ich hab die Erfahrung gemacht, dass diese Gleitzeiten immer noch ein Tabu sind.
Entweder man steigt ganz aus oder man arbeitet weiter. Dazwischen gibts meist nicht.

Wir haben das selbst in der Familie durch. Eine Cousine hat die Oma gepflegt und dafür ihr Studium in die Länge gezogen.
Arbeiten wäre mit der Oma gar nicht möglich gewesen. Am Ende war sie rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Das hat auch kein Pflegedienst kompensieren können. Das Ende vom Lied war, dass sie ihr Studium zog und jetzt keinen Job bekommt, weil die AGs das als Hemmnis sehen, obwohl die Oma schon im Heim ist.


Pflege in Deutschland von Angehörigen kann man echt vergessen, wenn jemand nicht den Job aufgibt.
Die Dinge mit deiner Mutter werden mit der Zeit auch mehr werden. Sie werden ja nicht jünger (die alten Leute)

Ich würde mich an deiner Stelle um einen Pflegegrad bemühen. Hast du den, kannst du einen Entlastungsbetrag gültig machen. Die holen dann die Oma ab und fahren sie zum Arzt oder gehen mit ihr einkaufen. Das doofe ist eben, dass beim Arzt nur die Hinfahrt/Rückfahrt ermöglicht werden, aber niemand mit zum Arzt hinein kommt.
Alte Menschen können das aber oft nicht mehr selbst.

Das stimmt nicht.
Es kommt auf die Betriebsgrösse an und wie hier organisiert wird.

Bei uns z.B kann man sich speziell für Pflege Angehöriger freistellen lassen oder eben die Arbeitszeit befristet verkürzen.
In kleinen Krokelfirmen vermutlich nicht.

Maya
 
Und dann mutig das Gespräch suchen, Antrag schriftlich stellen und für seine Interessen eintreten, anstatt zu sagen "klappt sowieso nicht".

Es ist ja nicht so, dass ich meinen Wunsch nach Teilzeit nicht thematisieren würde. Ich habe meinen Teamleiter schon mehrfach drauf angesprochen, aber wie gesagt, die allgemeine Stimmung bei uns ist gegen Teilzeit, und alle werden missmutig bei der Thematik.

Klar kann ich versuchen, das mit Hilfe des Betriebsrats durchzudrücken, aber wenn mir das dann ein Großteil des Teams übel nimmt, habe ich wahrscheinlich auch Nachteile davon.
 
Es ist ein Riesenunterschied, ob man "mal seinen Teamleiter darauf anspricht" oder ob man ein Konzept macht, sich einen Gesprächstermin geben läßt (auch mit evtl. höheren Chefs und im Beisein des Betriebsrates) und einen schriftlichen Antrag stellt.

Natürlich grummelt der Teamleiter erstmal, wenn ein Mitarbeiter von solchen Gedanken erzählt. Das ist eine ganz normale Abwehrreaktion. Was hast du denn gedacht? Meinst Du meine Chefs waren erfreut und überzeugt als ich den Antrag auf Teilzeit gestellt habe? Und auch ich hab erstmal gegrummelt als meine Mitarbeitern mir eröffnete, daß sie die nächsten 2 Jahre 8 Stunden wöchentlich reduzieren will. Klar ist man da erstmal nicht erfreut. Macht ja Mühe und evtl. Ärger. Und ja vielleicht wäre ich auch erleichtert gewesen, wenn ich meine Mitarbeiterin mit ein bißchen Gegrummel und Abwehrhaltung von ihrem Wunsch hätte abhalten können. Man steht ja auch unter Druck und hat erstmal keinen Bock auf Umorganisation und zusätzliche Mühe. Das muß ich ganz ehrlich zugeben. Ich bin da auch keine Heilige.

Aber wenn man dann spürt, der Mitarbeiter meint das ernst, steht vollkommen hinter seiner Entscheidung und zieht das durch, dann geht es nicht mehr um Gegrummel, sondern dann mußt Du als Führungskraft Lösungen suchen. Dann bist Du auch dankbar, wenn der Mitarbeiter schon Lösungen aufzeigt.

Und warum sollte das Team Dir das übel nehmen? Für die eröffnen sich doch evtl. Chancen. Und sollte es tatsächlich so kommen, daß die mehr arbeiten sollen, weil Du weniger arbeitest, dann ist es an denen, sich ihren Vorgesetzten gegenüber zu positionieren.
 
Es ist ja nicht so, dass ich meinen Wunsch nach Teilzeit nicht thematisieren würde. Ich habe meinen Teamleiter schon mehrfach drauf angesprochen, aber wie gesagt, die allgemeine Stimmung bei uns ist gegen Teilzeit, und alle werden missmutig bei der Thematik.

Klar kann ich versuchen, das mit Hilfe des Betriebsrats durchzudrücken, aber wenn mir das dann ein Großteil des Teams übel nimmt, habe ich wahrscheinlich auch Nachteile davon.

Aber jetzt hast du keine Nachteile? Fühlst du dich nicht unwohl in der Situation gerne Teilzeit machen zu wollen, aber "widerwillig" die acht Stunden täglich durchzuziehen? Und was deine Kollegen angeht, würde ich mir da absolut keine Gedanken machen.

Sprich mit dem Betriebsrat.
 
Und warum sollte das Team Dir das übel nehmen? Für die eröffnen sich doch evtl. Chancen. Und sollte es tatsächlich so kommen, daß die mehr arbeiten sollen, weil Du weniger arbeitest, dann ist es an denen, sich ihren Vorgesetzten gegenüber zu positionieren.

Ich würde denen ganz frech sagen, dass sie ja auch mehr Geld bekommen als ich, wenn sie mich dann volljammern. 😉
 

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