AW: Der Staat will, dass man von ihm lebt – Tun wir ihm doch den Gefallen!
Die Heuchelei der Gesellschaft
Einerseits jammert man über Fachkräftemangel und Bildungsmisere, aber andererseits fördert man sie, statt sie abzustellen:
Schon in der Schule wird durch Sitzenbleiben ausgesiebt statt nach Talenten gefördert. Zwar braucht man natürlich in allen Fächern eine Allgemeinbildung, aber spätestens in der Oberstufe sollte einem klar sein, wo die Stärken und Schwächen liegen und welchen Beruf man in etwa ergreifen will. Warum sollte man dann z. B. nicht Sprachen studieren dürfen, weil man etwa in Mathematik und Chemie schlecht ist? Es ist doch klar, dass man kein Fach studieren will, in dem man schlecht ist, und ebenso klar ist, dass man vieles, was man gelernt hat, später nicht mehr braucht. So werden Karrieren vernichtet, bevor sie überhaupt beginnen können.
Das Betreuungsgeld wird auch viele Eltern dazu veranlassen, ihre Kinder zuhause zu lassen, so dass diese später Pobleme haben könnten.
Aber sogar fertige Akademiker landen trotz "Fachkräftemangel" in H4/Niedriglohn, und statt ihnen zu helfen, wirbt man um ausländische Fachkräfte.
Noch ein Beispiel für Heuchelei: Die so genannten "IT-Girls" werden in der Gesellschaft oft und gern kritisiert ("Partys zu feiern und Leuten zuzuwinken ist doch kein richtiger Beruf ", "Berühmt für nichts oder nur fürs Berühmt-Sein"), aber offensichtlich finden sich genug Leute, die ihre TV-Shows sehen, ihre Produkte kaufen oder sie für Events buchen, so dass man IT-Girls zugute halten muss, dass sie wenigstens ihr eigenes Geld verdienen. (Einige, wie Paris Hilton, wurden natürlich schon reich geboren und nutzen ihren Namen.) Wenn man sieht, dass "IT-Girl" trotz der Vorurteile heute ein besser akzeptierter Beruf zu sein scheint als z. B. Lehrerin, ist ihre Vorbildfunktion verständlich, und dass manche junge Mädchen lieber eine gefeierte Partykönigin sein wollen, als sich aschenputtelhaft von einem prekären Job zum nächsten zu hangeln.
Der verarmte/arbeitslose Akademiker zeigt, dass Motivation, gute Ausbildung und gute Abschlüsse nutzlos sind, wenn sie nicht gewürdigt werden, und das erfolgreiche "IT-Girl" beweist, dass man auch Karriere machen kann, ohne dabei viel auf Bildung zurückgreifen zu müssen. Man sollte also nicht nur Gruppen oder Individuen beurteilen, sondern auch fragen, warum das in unserer Gesellschaft möglich ist.