Nordrheiner
Sehr aktives Mitglied
Ich wiederhole mich: das christliche Konzept des "jüngsten Tags" befürworte ich nicht.
Statt mit einem punktuellen in seinen Wirkungen unumkehrbaren Zeitpunkt zu rechnen, halte ich es für plausibler, wenn man mit dem ewigen unabgeschlossenen Eingreifen einer obersten Instanz rechnen muss.
Lieber Elephant,
ewiges unabgeschlossenes Eingreifen klingt im ersten Moment sympathischer als eine Aktion, deren Wirkung unumkehrbar ist. Ich denke da an die Erzählung aus dem AT von Soddom und Gomorra. Abraham verhandelte mit Gott, wie auf dem Jahrmarkt. Und wenn dort nur 50 Gerechte leben… dann wollte Gott auf die Vernichtung der beiden Städte verzichten. Und wenn nur 45 Gerechte dort leben… auch dann war Gott bereit, auf die Vernichtung der beiden Städte zu verzichten. Und wenn nur 40, 30, 20, 10 Gerechte dort leben… auch dann war Gott bereit… Aber an dem Punkt war Schluss.
Sind es nicht wir Menschen selbst, die über Ungerechtigkeiten klagen? Wir lassen Kriege, Verbrechen z.B. an Kindern zu, weil wir in vielen Fällen nichts unternehmen können, um weitere Kriege und Verbrechen zu verhindern. Im Nachhinein, wenn das Böse (z.B. Kindesmißbrauch) bekannt wird, schreien wir zu Recht auf und Polizei und Gericht handeln. Aber auch wenn wir vorsichtig und diplomatisch umgehen auf der Welt und dadurch so manches Unglück vermieden wird, entstehen an „neuen“ Fronten Kriege und trotz Warnungen und anderer Präventionsmaßnahmen werden immer wieder neu Kinder weltweit missbraucht. Wann hört das auf? Wäre ein Zeitpunkt, an dem das wirklich endgültig aufhört, nicht doch wünschenswert? Wollen wir Gott eine Liste geben, auf der die schlimmsten Negativvorfälle stehen, die Er sofort im Zeitpunkt ihrer Entstehung – also im Vorfeld – eingreifend verhindern soll? Lt. Römer 1, Verse 18ff geht es Gott um alle Menschen, nicht nur Gewaltverbrechen stehen auf Seiner Negativliste, sondern jede Art von Unrecht, Gier, Neid, Gemeinheit. Soll jede Art von Unrecht immer wieder aufs Neue passieren? Angesichts der weltweiten kleinen und großen Ungerechtigkeiten gefällt mir der Gedanke, dass es eine Zeit geben wird, in der alle Ungerechtigkeiten ein Ende haben werden.
Es ist nicht ausschlaggebend, welcher Gedanke plausibel oder sympathisch ist. Es nutzt daher wenig, wenn ich aus der Bibel die Seiten, die mir nicht gefallen, rausreiße. Die Erzählung von Sodom und Gomorra zeigt, dass Gott viel Geduld mit uns Menschen hat, jedoch keine endlose.
Da der einzelne Mensch – Du und ich – mit Verurteilung wegen unserer kleinen Sünden rechnen müssen, ist es für uns ein Geschenk, wenn wir für uns annehmen, dass Jesus Christus unsere Verurteilung auf sich nahm. Auch deswegen starb er. Wir sind frei zu wählen. Nehmen wir das Geschenk an – oder lehnen wir es ab? Ich habe oft den Eindruck, daß „kleine“ Sünder mit dem Finger nur auf „große“ Sünder zeigen. Aber der „kleine“ Sünder will sich selbst nicht ändern. Weil er selbst nur ein „kleiner“ Sünder ist, hält er sich für gut. Provokativ meine ich: Dieses Denken unterscheidet ihn nicht vom großen Sünder. Auch große (Kriegs-) Verbrecher halten sich (in vielen Fällen die mir bekannt sind) selbst für gute Menschen.