Hallo EuFrank,
Das Sein, der status quo steht nicht automatisch über dem Sollen (über dem Zustand also, wie es eigentlich sein sollte).
Ja, das sehe ich auch so. Das Sollen ist die Vorgabe, die Richtung in die es gehen muss. Aber das Sein kann diesem Ideal nicht in jedem Fall entsprechen. Darum halte ich es für nicht gut, wenn man von Politikern absoluten Altruismus verlangt. Also nicht nur bei politischen Entscheidungen, sondern auch bei ihren Diäten.
Man muss natürlich ein hochmöglichstes Maß an Altruismus verlangen und auch vorrausetzen. Nach meiner Meinung ist das mit der gegenwärtigen Diätenerhöhung auch noch gegeben. Aber das ist natürlich eine Frage des Maßes und darüber kann man geteilter Meinung sein.
Gerade Staatsdiener haben eine besonders wichtige Aufgabe mit einer hohen Verantwortung. Sie sollten einen besonders hohen Schutz und ein Höchstmaß an Sicherheit genießen. Von ihrer Sicherheit hängt die Sicherheit der Bürger ab.
Ja, aber ich meinte etwas anderes. Mit Sicherheit meinete ich, dass Beamte unkündbar sind. Sie haben die Sicherheit, dass sie ihr geringeres Gehalt lebenslang beziehen. Das hat man in der freien Wirtschaft nicht - und in der Politik auch nicht.
Es ist ja leider ein weit verbreitetes Phänomen, dass sich Menschen in unkündbaren Stellungen weniger engagieren. Das ist nicht bei allen Menschen so, aber es gibt viele Beispiele dafür. Darum sollten Politiker immer auf einem heissen Stuhl sitzen.
Ein Politiker kann auch nur drei Schnitzel zu Mittag essen. Was über normale Bedüftigkeit geht, wird den wirklich Notleidenden geklaut. Es ist ja nicht so, dass es allen Bürgern in diesem Land gut geht. Nein, es wird auch zB gehungert in unserem Land.
Sorry, aber das sehe ich nicht. Es kann sein, dass ich mich irre, aber wenn in unserem Land jemand hungert, dann liegt das nicht an Löchern im sozialen Netz, sondern an Dingen, wie Deichgräfin in dem Beispiel im Altersheim erzählt hat.
Ich hatte ja schon von meinem Job in der Notunterkunft erzählt. Dort habe ich eimerweise Lebensmittel in den Müll geworfen, weil es mehr zu essen gab als verbraucht werden konnte. Und ich glaube, dort sammelten sich schon die Ärmsten in unserem Land. Ich treffe immer auch wieder einige von ihnen hier in der Stadt und es geht ihnen nicht gut - aber Hunger leiden sie nicht. Es sind meist persönliche Gründe, warum sie auf der Strasse leben. Ich denke auch nicht, dass es ihnen mit mehr Geld besser ginge - ich habe mehr den Eindruck, dass sie ein paar persönliche Worte von Mensch zu Mensch sehr viel mehr schätzen. Von Mensch zu Mensch heisst ohne Bedauern, aber das wird jetzt OT.
Ein gutes Beispiel! Ich darf es mal auf unsere bundesrepublikanische Wirklichkeit übertragen? Ich Augenblick befürchte ich, dass ein sogenanntes "Präkariat" zurückgelassen wird, aber nicht nur aus ökonomischen Gründen, sondern aus egozentrischen Gründen (und zudem von gewählten Volksvertretern). Dabei ist genug Geld vorhanden! Wir müssen die Armen nicht zurücklassen, sondern mit dem vorhandenen Vermögen gerecht und sinnvoll umgehen.
(...)
Aber es ist schon bedenklich, dass sie als Spitze der Gesellschaft, als diejenigen, die an den Hebeln sitzen, hier die falschen Entscheidungen treffen und damit auch die falschen Signale geben. Wenn große Bereiche des Volks der Spitze nicht vertrauen können, ist dies eine bedenkliche und gefährliche Situation.
Da gibts da zwei Zitate - die sicher MagicSun
😉 auch gefallen werden:
"Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen."
Friedrich Wilhelm I.
"Hier in Frankreich herrscht gegenwärtig die größte Ruhe. Nur ein leiser, monotoner Tropfenfall. Das sind die Zinsen, die fortlaufend hinabträufeln in die Kapitalien, welche beständig anschwellen; man hört ordentlich, wie sie wachsen, die Reichtümer der Reichen. Dazwischen das leise Schluchzen der Armut. Manchmal klirrt etwas wie ein Messer, das gewetzt wird.
Heinrich Heine, 1842
Aus heutiger Sicht kann man wohl sagen, dass Heine der klügere Beobachter war. Weiter ist man mit der Revolution damals allerdings auch nicht gekommen. Darum halte ich es auch nicht für konstruktiv, wegen Diätenerhöhungen auf Politiker zu schimpfen. Das ist ein Nebenkriegsschauplatz. Sich über eine gerechtere Verteilung der vorhandenen Güter Gedanken zu machen, das macht sicher mehr Sinn.
Aber wie? Und sollte man dann nicht eher in Richtung Börse schauen? EuFrank, hast du nicht letztens über Ethik in der Wirschaft gepostet?
Willkommen im Club der Sehenden 🙂
MagicSun, wenn sich mehrere Millionen Menschen an der richtigen Stellte auskotzen um den Staat damit im Herz zu treffen - dann hätte man sich zwar ausgekotzt, aber was würde dadurch besser? Wirds wirklich besser, wenn man sämtliche deutsche Politiker austauschen würde?
In dem Zusammenhang von Oben hat Heine mal geschrieben: "Es gibt zwei Sorten von Ratten, die Hungrigen und die Satten." Nimms nicht persönlich, aber hast du deine letzte Gehaltserhöhung abgelehnt? Spendest du alles, was über deiner Bedürftigkeit liegt? Und wo liegt deine Bedürftigkeit?
Ich kenne in meinem gesamten Bekanntenkreis nur einen Menschen, der so lebt. Also sein Gehalt spendet und selbst sehr bescheiden lebt. Witzig ist, dass über ihn viele den Kopf schütteln und sich ohne schlechtes Gewissen freuen, wenn sie selbst mehr verdienen. Oft schimpfen aber die gleichen Leute über diese Diätenerhöhung.