Mit Vergleichen ist das immer so eine Sache...
Die Schweiz ist genau wie zb Luxemburg recht besonders.
So konnte sich die Schweiz ihre Neutralität deswegen leisten, weil sie
A) das Vermögen vieler Menschen europaweit verwaltet und deswegen keiner will, dass diese "Bank" angegriffen wird
B) die Schweiz geographisch aufgrund der Berge nur schwer militärisch einnehmbar ist
Auch finanziell hat die Schweiz immer die Situation zum Nachteil der anderen ausgenutzt.
Etwa bei der Unternehemssteuer. Seit über hundert Jahren versuchen die Kantone, ausländische Firmen mit Dumpingsteuern zu locken. Die Firmen machen ihre Umsätze in Europa, zahlen aber nur der Schweiz Steuern....
Auf internationalen Druck muss die Schweiz den Sonderstatus für Holding-, Domizil- und gemischte Gesellschaften allerdings wohl neu strukturieren. Damit sind Unternehmen gemeint, die ihre Beteiligungen nur verwalten und halten. Oder Firmen, die in der Schweiz lediglich ihren Hauptsitz haben, die eigentliche Wertschöpfung aber in einem anderen Land erbringen. Es geht um 24.000 Firmen mit insgesamt über 150.000 Arbeitsplätzen.
Großbritannien ist auch ein besonderes Land, allein aufgrund der Sprache (englisch=Vorteil) und der geografischen Lage (Insel). GB könnte die Handels-Einbußen mit der EU (die es natürlich geben wird) mit den Schwellenländern kompensiert werden. Das wäre durchaus denkbar, da GB traditionell über eine weltweite Schiffsflotte verfügt. Längst sind Länder wie China größere Abnehmer für manche Produkte wie die ganze EU, siehe Autos.
Es bleibt aber angesichts der Handelskonflikte zwischen den USA und China fraglich wie gut solche Lösungen wären. China wird mit Gewalt seine Position ausnutzen und vermutlich ein schlechterer Handelspartner für die Briten sein als die EU.
Problem ist, dass sich m.E. die Briten längst erpressbar gemacht haben.
Alleine die Hängepartie und Ungewissheit ist Gift für die britische Wirtschaft. Und nun soll es der konservative Boris Johnson richten. Dabei liegt die Zukunft der Weltwirtschaft im Liberalismus. Auch wenn dieser Liberalismus heute von Parteien wie der FDP missbraucht wird, ist es genau diese Freiheit des Handels und der Wirtschaft, die Wohlstand bringt.
Eine liberale Wirtschaftspolitik zeichnet sich nicht dadurch aus, möglichst viele Anreize zu setzen und möglichst wenig Verbote auszusprechen, sondern dadurch, dass sie gut begründen kann, warum sie sich von Fall zu Fall einmischt. Und Großbritannien sollte sich gut überlegen WAS es beschränken sollte. Ein freier globaler Handel muss das Ziel bleiben.