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Brauche ich eine Therapie???

B

Baltimore

Gast
Hallo.

Als kleiner Junge schon habe ich meinen Eltern oft Ärger gemacht. Ich wollte nie hören, ich hatte geschrien, war faul und auch aggressiv. Ich hatte mich ganz oft mit anderen Jungs geschlagen. Sei es im Kindergarten, im Kinderhort, in der Schule, dann in Discos und auch mit Freunden beim Spielen. Auch in der Kirche mit anderen Messdienern.
Ich wurde sogar aus dem Kindergarten und dem Kinderhort geschmissen. Ich wundere mich nur, dass man mich wegen meinem Verhalten nie aus der Schule geschmissen hat. Aber mein Verhalten hat sich zumindest in den Noten wiedergespiegelt, das kann ich sagen. Diese waren mieserabel. Anstatt aufzupassen und mitzumachen, hatte ich mit anderen geschwätzt. Vor allem aber habe ich meine Mitschüler oft geärgert und abgelenkt. Ich konnte nicht ruhig sein. Ich hatte so oft Briefe nach Hause bekommen und der Elternabend war für meine Mutter stets eine Schmach. Ich frage mich heute oft, was mit mir nur los war.

Mein Vater hat meine Mutter und mich zu Hause oft geschlagen. Er hat sie stark unterdrückt und ganz oft, auch vor anderen Menschen, beleidigt und gedemütigt. Ich hatte manchmal Todesängste durchgemacht, wenn er mal wieder ausgeflippt ist. Dachte meine Mutter müsse sterben oder so. Konfliktlösung und insbesondere Reden sind ihm Fremdwörter gewesen. Nur zu anderen Menschen war er stets gut und großzügig.
Wenn mit mir irgendwas war, hatte ich und manchmal meine Mutter dafür auch Haue bekommen, aber zumindest war was los. Ein kleiner Fehler von mir, schlechte Noten oder irgendwie schlecht Verhalten, dann ging das Geschreie, die Beleidigungen und ggf. die Schläge los.

Mit Vierzehn etwa hatte ich mich mal gewährt, hatte es geschafft zwischen den auf mich einschlagenden Töpfen ihn wegzustumpen. Da war er wie aus dem Häuschen gefallen. Anschließend war ich nicht mehr sein Sohn und er hat mehr als sieben Jahre kein Wort mit mir gewechselt. Wir haben aber stets in unserer Wohnung alle unter einem Dach gewohnt. Meine Mutter stand immer zwischen uns. Sie hat mich dann alleine erzogen.

Heute ist meine Beziehung zu ihm distanziert. Eine Umarmung gab es glaube ich nicht wirklich jemals zwischen uns.

Als Jugendlicher hatte ich Freunde, wir waren eine Clique. Dann kam irgendwann mal ein neuer Kumpel hinzu, der etwa sechs Jahre älter war als wir. Aufbrausend wie ich war, hatte ich mich oft mit ihm angelegt, obwohl ich unterlegen war. Ich wollte ihn nicht so wirklich akzeptieren, er war nicht so mein Fall. Er hat auch Drogen mitgebracht. Es gab Gerede und Geläster usw. Sie hatten sich über mich lustig gemacht. Irgendwann hatte ich meine Freunde verloren. Anschluss hab ich bis heute nicht mehr wirklich bekommen.

Bin dann meinen eigenen Weg gegangen. Hab ne Ausbildung gemacht, die Abendschule besucht, und sogar studiert 🙂. Da bin ich sehr stolz drauf.

Ich hab mich entwickelt, dazu gelernt. Meine Mutter war mir immer eine Hilfe (Gott segne sie!!!), wenn ich Probleme hatte. Ich konnte ihr immer alles erzählen. Deshalb bin ich glaube ich heute auch so eine offene Person.

Aber ich bin depressiv geworden. Meine Mutter hielt zwar nichts davon, aber ich bin trotzdem zu einem Psychologen. Das war eine gute Erfahrung. Ich hatte die Gelegenheit bekommen, mit einem verständigem Menschen zu reden und Aufarbeit zu leisten. Das war sehr befriedigend. Seine Diagnose war, ich war/bin eine depressive und unsichere Persönlichkeit. Nach einundhalb Jahren etwa brach ich die Therapie ab, weil ich Angst bekam vor ihm, ihm nicht mehr vertraute.

Ich habe nicht viel Geld, bin zur Zeit arbeitslos. Ich kann also nur sehr wenig unternehmen.

Auf keinen der Stationen Ausbildungsbetrieb, Berufsschule, Abendschule, Studium, Jobs konnte ich mir wirklich Freunde machen. Ich habe mit keinem Kontakt. Irgendwie schaffe ich es immer, es mir mit anderen Menschen letzten Endes doch zu verspielen. Ich streite gerne mit anderen Menschen. Überall wo ich bin, kommt es über Früh oder Spät zu Konflikten. Ich glaube ich mochte mich nicht anpassen. War eifersüchtig auf andere. Hatte es immer schwer mit Meinungsführern. Aber ich muss dazu sagen, ich wurde auch manchmal irgendwie ausgelacht, es wurde über mich geredet, manchmal wurde ich geärgert. Ich hab dann die Tendenz auszuflippen. Kann beleidigend werden.

Wenn ich mit Freunden weggehe, habe ich oft Streit mit jemandem. Z.B. in der Disco. Ich schaffe es immer wieder. Obwohl ich nicht immer Schuld bin, aber scheinbar ziehe ich das magisch an. Ich glaube, dass ich einfach nicht aufpasse, ich weiß nicht so recht sich zu verhalten und was auf zwischenmenschlicher Basis so abläuft. Wahrscheinlich bin ich mir meiner Selbst zu wenig bewusst. Manchmal denke ich auch, ich bin einfach nur doof geboren. Einfach nicht intelligent.

In letzter Zeit beobachte ich die Menschen viel. Auf der letzten Privatparty auf der ich war, habe ich gesehen, wie aufmerksam manche andere sind. Es gibt welche die reden nicht mit jedem. Vielleicht um Ärger zu vermeiden. Sie achten darauf gut anzukommen, sich Freunde zu machen und nicht negativ aufzufallen. Kontakte zu knüpfen und natürlich auch Spaß zu haben.
Ich fühle mich oft wie das fünfte Rad am Wagen. Wenn ich mich ins Zeug lege, komme ich auch manchmal gut an. Manchmal und letzter Zeit öfter, machen mir Leute auch Komplimente.
Aber am Schluss hat mir dann doch wieder etwas nicht gepasst, ich hab ein Maul aufgemacht und bin auch etwas ernst, fast aggressiv geworden. Es gab Gerangel und Gezanke, dann bin ich gegangen. Ich habe sowieso kaum Menschen um mich. Jetzt wahrscheinlich noch weniger. Ich bin so entäuscht von mir. Ich war so gut drauf und alles ist gut gelaufen. Andere konnten auch ihre Klappe halten. Aber ich muss den Mund aufmachen.

In der Familie lief es auch nie gut. Zwischen meinen Eltern und ihren Geschwistern gab es auch so oft Streit. Und dann natürlich auch zu Hause. Was wir schon alles durchgemacht haben,... ujuj. Immer viel Gekämpfe. Sehr wenig schöne, zufriedene, erfüllende Zeit. Meine Mutter tut mir auch sehr leid.

Ich überlege jetzt, ob ich wieder zu einem Psychotherapeuten gehe und vielleicht das zu Ende führe, was ich angefangen hatte. Ich wünsche mir, dass mir jemand hilft mich selbst und meine Mitmenschen besser zu verstehen. Ich wünsche mir, dass ich kompetenter werde, weiß was richtig oder falsch ist, wie ich mich wann verhalten soll. Wie ich mein Leben auf die Reihe kriege (auf zwischenmenschlicher Ebene). Ich will auch Freunde und Bekannte. Ich will auch mal eine Familie gründen.


Kann mir jemand ein wenig helfen? Ich bin verzweifelt, weiß nicht mehr weiter. Und ich glaube eine Depression ist im Anflug.

Kennt jemand solche Menschen wie micht? Oder hat jemand ähnliches erlebt und/oder die gleichen Probleme? Und weiß jemand, ob und welche Therapien, Maßnahmen für mich die richtigen wären? Was soll ich am Besten machen in meiner Situation?
 
Hallo,
Menschen zu kategorisieren finde ich nicht gut, um auf deine Frage zu antworten, ob jemand Menschen wie dich kennt.
Aber wenn du selbst siehst, dass du Probleme hast und meinst, dir nicht alleine selbst darauf helfen zu können, dann denke ich, ist es ein richtiger Schritt, dass du dir therapeutische Hilfe holst. Schaden kann es m.E. ja nicht.
Viel Erfolg!
Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung!
Zitrönchen
 
Hallo Baltimore,

erst einmal alle Achtung, das Du es trotz Deiner damaligen Schwierigkeiten in der Schule und im Elternhaus geschafft hast, eine Ausbildung zu machen und sogar zu studieren!

Das ist wirklich eine tolle Leistung !

Sicher kam Dir dabei auch Deine Mutter die immer für Dich da war zu gute.

Wundern brauchst Du Dich allerdings gar nicht, das Du als Kind immer etwas problematisch warst, und überall angeeckt bist.

Wie sollte das anders sein, bei einem so gewalttätigem Vater.

Auch Deine manchmal etwas aufbrausende Art hängt sicher mit all dem zusammen was Du da hinter Dir hast.
Trotzdem ist es wichtig, das sich dieser Kreislauf nicht bei Dir fortsetzt!
Ich denke Du weißt selber, das es gut wäre, wenn Du daran ein bisschen etwas ändern könntest.

Das Du entgegen allem was man Dir geraten hat, zu einer Therapeutin gegangen bist, finde ich super.

Und ich glaube es wäre sicher gut für Dich wenn Du das wieder tun würdest.
Du brauchst einfach unendlich viel Geduld mit dir selber, um zu lernen in den entsprechenden Situationen angemessen zu reagieren.
Du hast es ja in der Praxis von zu Hause nie gelernt!

Gewalt ist keine Lösung, und Du willst später ja sicher ein anderer Vater sein, als Dein Vater es Dir gegenüber war.

Vielleicht könntest Du auch so eine Art Gruppentherapie machen, das Du nach und nach lernst, mit schwierigen Situationen besser um zu gehen.
Dafür müßtest Du Dich aber erst mal an einen Psychotherapeuten wenden. Der kann Dir sicher auch wegen Deiner Depressionen weiter helfen.

Ich glaube aber sicher, das Du das alles schaffen wirst !

Du hast einen starken Charakter, das sieht man schon daran, was Du bisher trotzt aller Schwierigen Umstände geschafft hast!

Ich wünsche Dir das Du einen guten Therapeut findest der Dich weiter unterstützen kann.



Liebe Grüsse

Lena
 
Zuletzt bearbeitet:
Also erstmal vielen Lieben Dank für Eure positiven Antworten. Ich hatte damit nicht gerechnet, nachdem was ich alles über mich geschrieben habe. Auch finde ich es toll, wie ihr meine Leistung anerkennt.

@ Zitronengelb

Für gewöhnlich bin ich auch nicht dafür Menschen in Schubladen zu stecken. Ich wollte mich damit nicht selbst abwerten. Es ist nur, ich fühle mich schon seit längerer Zeit einfach etwas anders. Erst hier im Forum habe ich erfahren, dass es Menschen mit ähnlichen Problemen gibt. Aber aus meinem näheren Umfeld kenne ich niemanden, der sich zumindest in einer sehr ähnlichen Situation befindet.

@ Silberrose

Mich verwirrt dein Text nicht. Ich bin darüber was du schreibst positiv überrascht. Mir gefällt dein ganzer Text 🙂. Zum Glück hast Du ihn nicht gelöscht, denn ich finde ihn angenehm.

Was du schreibst, könnten glatt die Worte meiner Mutter sein. Sie hat auch oft zu mir gesagt, "Junge, du bist doch so ein netter und hübscher Kerl". Aber bei ihr denke ich, sie ist eben meine Mutter.
Das du nach all dem was du von mir gelesen hast noch sagen kannst, ich klinge wie ein toller Mensch, dass ist großartig.

Meine Mutter hat auch zu mir gesagt, ich wäre eben nicht wie andere. Ich wollte und will immer noch was aus mir machen. Ich habe andere Interessen, nicht Drogen, Alkohol, Zigaretten. Hauptsächlich mache ich noch Sport.

Ja das mit dem seine Meinung sagen ist so ne Sache. Im Prinzip bin ich sehr dafür das sich Menschen gegenseitig sagen was sie denken. Das erleichtert das Zusammenleben. Das sollte natürlich auch in angemessener Art und Weise passieren, aber oft spielen die Gefühle mit. Ich persönlich wünsche mir sogar, dass die Menschen mir direkt sagen was los ist. Ich empfinde das ein wenig als Luxus. Denn ist es nicht so, dass gekränkte Menschen oft dem anderen ein Wolf werden und dann Racheaktionen und sonstige Spielchen anfangen?
Einfach ist es nicht, denn viele Menschen wollen ja auch garnicht gesagt bekommen was die anderen stört.

Ich habe aber oft beobachtet, besonders während meiner Studienzeit, dass viele Menschen so viel ignorieren können. Sie wollen nicht den Anschluss verlieren und ignorieren und/oder akzeptieren fast jedes Verhalten und Gerede anderer. Das finde ich erstaunlich. Ich bin nicht sicher, ob diese Menschen dann auch immer glücklich sind in ihrem Umfeld, aber letztendlich haben sie Leute um sich. Das ist der Clou. Ich dagegen reisse mein Mund auf und mache mich zum Buhmann. Und ende oft einsam und alleine.

Mir fällt da gerade noch was ein. Ich habe während meiner Studienzeit so viel Kommunismus kennengelernt wie nie zuvor. Mir war sowas fremd. Vielleicht liegt das daran, dass ich ein Einzelkind war. Manche Leute wussten einfach was sie alles für den Zusammenhalt in der Gruppe machen mussten. Auch wenn das m. M. nach manchmal extreme Züge angenommen hatte. Ich war da echt unterlegen.

Ich werde auch in Zukunft noch sagen was ich denke. Aber ich werde daran arbeiten, wie ich es mache. Manchmal passieren mir aber auch einfach Fehler oder sogar Dummheiten. Wahrscheinlich kommt es auch einfach aus Unachtsamkeit zu Streit.

@ Lena7

Danke für Deine Anerkennung. Die Zeit war nicht einfach für mich. Ich hatte nicht nur Stoff zu lernen, sondern ich hatte auch noch so viel mit mir selbst zu tun.

Ich war bei einem Therapeuten. Vielleicht werde ich aber das nächste mal zu einer Therapeutin gehen.
Anfangs war es toll, aber später war es immer das gleiche gequatsche. Ich dachte auch, mehr kann er mir nicht helfen. Er meinte er wäre mein Freund, das fand ich seltsam. Ich war da eher nüchtern und hab ihn als Arzt gesehen, der mir helfen soll und dann ist gut.

Ich werde weder meine Frau noch meine Kinder noch sonst jemanden schlagen. Ich schlage nur aus notwehr zu.

Ich bin aber auch temperamentvoll und lasse mich nur ungern unterkriegen. Eigentlich gar nicht. Dann kann es eben schon mal Reibung geben. Aber ich beachte auch die anderen, so ist es nicht.

Du sagst es, ich brauche viel Geduld mit mir. Und auch meine Mitmenschen. Das hast du gut gesagt. Ich habe das Gefühl, ich mache mir so oft alles wieder kaputt. Ich bin so enttäuscht, traurig und auch etwas wütend. Und jedesmal total verunsichert. Die Arbeit und die Überwindung gehen wieder von vorne los.

Danke schön!!
 
hallo Baltimore,

wenn du unter dein verhalten leidest, solltest du besser schon eine therapie machen.man kann zwar nicht erwarten, dass du dann geheilt bist, aber du lernst mit deinen aggressionen umzugehen.ich würds dir also schon empfehlen!
alles gute u viel erfolg!

vlg Amely
 
Hallo Baltimore,
bitte eröffne nicht mehrere Threads zum selben Thema. Das verwirrt... Ich habe deine Antworten zusammengelegt und die anderen beiden Themen gelöscht.

LG

Sori
 
Hallo Baltimore,

ich höre Dich fragen: Kann ich mich wie ein akzeptabler Mensch fühlen?
Ich habe bei Deiner Beschreibung einen tapferen mutigen kleinen Jungen gesehen, der sich einfach nicht klein kriegen lassen wollte. Er hatte schnell herausgefunden, dass forsches und wütendes Auftreten Respekt verschafft. Er hat gelernt, bei den Auseinandersetzungen besser schlagen zu können als die anderen und er hat sich damit sicherer gefühlt als jemand, der mit geducktem Kopf dasitzt und auf die nächsten Schläge wartet. Er hat wohl auch eine Mutter, bei der er sich angenommen fühlt, sich normal unterhalten kann und die auch mal was verzeihen kann.
Jetzt sehe ich Dich, auf Dich herunterzuschauen wie auf einen missratenen Sohn. Das passt für mich überhaupt nicht zu Dir.
Du hast offenbar verstanden, dass Dein aggressives Verhalten ein Hilfe war, die Du gerne benutzt hast, weil es Dir zunächst besser ging.
Respekt kommt bei mir auf, wenn ich lese, dass Du trotz allem Deinen Weg gefunden hast.
Es ist auch mir schon passiert, dass alte "Geschichten" wieder in mir wach geworden sind mit Zweifeln an mir, meiner Liebenswürdigkeit und, und...Inzwischen habe ich herausgefunden, dass sie nur deshalb noch einmal aufgetaucht sind, weil ich noch etwas wichtiges vergessen hatte, was mir dann viel genützt hat, als ich es gesehen hatte und verstanden hatte worum es diesmal geht.
Wiederholungen sehen nur solange so aus, bis wir näher hinschauen.
Es kann sein, dass jetzt etwas in Deinem Leben ansteht,wo Du etwas gebrauchen kannst, was Du damals übersehen hattest.
Soviel können wir von dieser so unbekannten Welt unserer Seele nicht kennen, dass wir so unbefangen zwischen krank und gesund unterscheiden können. Wenn meine Seele rebelliert hat, hatte sie bisher weis Gott recht.
Du wirst sicher weiter kommen, wenn Du das, was Du wirklich bist, statt zu verurteilen erst mal versuchst, herauszufinden mit den Augen des neugierigen Forscher, der weiss, dass das Ergebnis nur so gut sein kann, wie seine Suche gründlich war.
Ein Mensch, der das hinter sich hat, was Du berichtet hast, ist für mich eher ein Experte als ein Kranker, auch wenn er leidet.

Alles Gute

Benedikt
 
Hallo Baltimore,

ich höre Dich fragen: Kann ich mich wie ein akzeptabler Mensch fühlen?
Ich habe bei Deiner Beschreibung einen tapferen mutigen kleinen Jungen gesehen, der sich einfach nicht klein kriegen lassen wollte. Er hatte schnell herausgefunden, dass forsches und wütendes Auftreten Respekt verschafft. Er hat gelernt, bei den Auseinandersetzungen besser schlagen zu können als die anderen und er hat sich damit sicherer gefühlt als jemand, der mit geducktem Kopf dasitzt und auf die nächsten Schläge wartet. Er hat wohl auch eine Mutter, bei der er sich angenommen fühlt, sich normal unterhalten kann und die auch mal was verzeihen kann.
Jetzt sehe ich Dich, auf Dich herunterzuschauen wie auf einen missratenen Sohn. Das passt für mich überhaupt nicht zu Dir.
Du hast offenbar verstanden, dass Dein aggressives Verhalten ein Hilfe war, die Du gerne benutzt hast, weil es Dir zunächst besser ging.
Respekt kommt bei mir auf, wenn ich lese, dass Du trotz allem Deinen Weg gefunden hast.

Es ist auch mir schon passiert, dass alte "Geschichten" wieder in mir wach geworden sind mit Zweifeln an mir, meiner Liebenswürdigkeit und, und...Inzwischen habe ich herausgefunden, dass sie nur deshalb noch einmal aufgetaucht sind, weil ich noch etwas wichtiges vergessen hatte, was mir dann viel genützt hat, als ich es gesehen hatte und verstanden hatte worum es diesmal geht.
Wiederholungen sehen nur solange so aus, bis wir näher hinschauen.
Es kann sein, dass jetzt etwas in Deinem Leben ansteht,wo Du etwas gebrauchen kannst, was Du damals übersehen hattest.
Soviel können wir von dieser so unbekannten Welt unserer Seele nicht kennen, dass wir so unbefangen zwischen krank und gesund unterscheiden können. Wenn meine Seele rebelliert hat, hatte sie bisher weis Gott recht.
Du wirst sicher weiter kommen, wenn Du das, was Du wirklich bist, statt zu verurteilen erst mal versuchst, herauszufinden mit den Augen des neugierigen Forscher, der weiss, dass das Ergebnis nur so gut sein kann, wie seine Suche gründlich war.
Ein Mensch, der das hinter sich hat, was Du berichtet hast, ist für mich eher ein Experte als ein Kranker, auch wenn er leidet.

Alles Gute

Benedikt


Ja ich glaube Du hast das richtig erkannt. Ich möchte mich gerne akzeptiert fühlen, so wie ich war und so wie ich bin. Mir fällt das glaube ich schwer, weil ich bisher keine Antwort darauf gefunden habe, wieso ich früher so drauf war. Wegen mir gab es oft Ärger.
Ich kann mich erinnern, dass manche Lehrer mich vor meiner Mutter auch lobten, dass wenn ich wollte, ich ja könnte. Ich leide unter meiner Vergangenheit bis heute. Teilweise glaube ich aber auch, dass die Verhältnisse in meiner Familie dazu beigetragen hatten. Werde es genauer wissen, wenn ich selbst mal Kinder habe.

Das Du dieses Verhalten nicht verurteilst, sondern daran auch was positives siehst, das ist schön. Meinst Du aber trotzdem, ich solle eher stolz darauf sein? Einen gewissen Respekt konnte ich mir so verschaffen ja. Ich habe mich auch nicht unterkriegen lassen. Einzig meine Noten waren eine Katastrophe.

Heute ist das nicht mehr so. Ich schlage mich schon lange nicht mehr. Ich bin kein Schläger. Gehe nicht zu jemanden und schlage ihn. Nur wenn jemand auf mich los gehen würde, dann kann es sein, dass ich ihn auch schlage. Ich denke ich habe gelernt mit Streit umzugehen. Was mir jetzt wichtig ist, wie kann ich Streit vermeiden? Bis heute ist es aber so, dass wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, dann kann ich nicht ruhig bleiben. Ich kann das einfach nicht ignorieren. Ich möchte mich durchsetzen. Ich scheue keine Reibung. Vielleicht muss ich andere Prioritäten setzen??!
Ich möchte nicht für immer einsam und alleine bleiben.

Andererseits bin ich aber auch schwach. Manchmal lasse ich mich ausnutzen. Es gab eine lange Phase in meinem Leben, da habe ich mir viel gefallen lassen und andere Leute waren richtige A********* zu mir. Erst jetzt in jüngster Zeit gewinne ich wieder an Selbstvertrauen und mache meine Klappe auf. Ich traue mich jetzt auch wieder anderen entgegenzustellen. Nur zu dumm, wenn die anderen dann zu meinem Gegenüber halten statt zu mir 🙁.

Ich weiß einfach auch nicht mehr wie ich mich verhalten soll. So oder so, ich habe das Gefühl ich verliere als.


Das ist ein interessanter Ansatz von Dir. Du meinst also wenn ich das richtig verstanden habe, diese Erinnerungen kommen in mir hoch, weil ich davon etwas für meine heutige Situation gebrauchen könnte? Tja, vielleicht meine alte Unbefangenheit, mein Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein, meine Sorglosigkeit, aber auch Gedankenlosigkeit. Meine Rebellion, wollte auf niemanden hören. Ich werde mal darüber nachdenken.

Vielleicht magst Du mal ein Beispiel aus deinem Leben geben?! Das würde mich interessieren 🙂.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,

ich würde an deiner Stelle nicht lang überlegen, sondern es TUN, also in Therapie gehen. Denn so wie es aussieht hast du schon längere Zeit so einige psychisch-soziale Probleme.
Immer noch leistungsunwillig? Dann ist dein Leben leider gelaufen...das mag hart klingen,aber ohne genügend Leistungsbereitschaft wirst du niemals ein eigenständiges und auch glückliches Leben führen können. Ich denke da musst du einen Weg für dich finden dich flott zu kriegen.

Ich rate dir zu einem ganzheitlichen Programm um dich aktiver zu kriegen. Viel Sport, zwing dich dazu mehr unter die Leute zu gehen, Freundschaften zu pflegen. Durch Sozialkontakte gewinnt man mehr Selbstsicherheit, dass ist wichtig für unsicheren Menschen wie dich. Ich war in meiner Jugend auch sehr unsicher, aber ich habe intuitiv und mit starkem Willen und viel Angstüberwindung und Leistung meinen Weg da Schritt für Schritt rausgefunden.
Ich denke das kannst du ebenfalls hinkriegen, denn die Fähigkeit dazu liegt in JEDEM Menschen.

Was dein Verhalten angeht kenne ich das so ähnlich von mir von früher..auch ich habe zunächst oft überaggressiv reagiert weil ich mich oft (zu Unrecht) angegriffen gefühlt hatte, war eifersüchtig, überempfindlich etc. Das rührt von großer innerer Unsicherheit her und hier hilft nur daran zu arbeiten ein solides Selbstbewusstsein zu kriegen. Auch heute gibt es immer mal wieder Situationen in denen ich in früherer Manier hochkoche..aber ich kann mich mittlerweile aus Übung schnell wieder runterkriegen, atme tief durch und erinnere mich an meine Zielsetzungen...jeder muss für sich da eine Art Programm entwickeln altes ungünstiges Verhalten in neues günstigeres Verhalten umzuwandeln...mit der Zeit und Übung wird es dann leichter...und man kommt auch mit seinen Mitmenschen besser klar.

Ich würde dir raten fachkundige konkrete Hilfe vor Ort in Anspruch zu nehmen, also einen Therapie machen (Verhaltenstherapie ist gut) und ggf. noch zusätzlich Lebensberatung dazu nehmen mit der Zielsetzung zunächst aus der Arbeitslosigkeit raus zu kommen....also einen Schritt in Richtung Unabhängigkeit (von staatlicher Hilfe) zu gehen.

Tschja, mehr kann man dir dazu hier nicht raten, der Rest liegt nun an dir!

Viel Erfolg!
Tyra
 
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