Andererseits jedoch erhole ich mich eher, wenn ich allein bin und auch fühle ich mich meist allein besser. Ich gehe nur selten weg und wenn ich eingeladen werde, habe ich bis kurz vor Schluss immer den Drang abzusagen. Wenn ich aber dann dort bin, habe ich meinen Spass, schon komisch das Ganze 🙁
Hallo Mikenai, das könnte glatt aus meiner Tastatur getippselt worden sein - mit Schüchternheit hat zumindest dieses Erleben absolut nichts zu tun. Ist für mich so aktuell und 'brennend', daß ich's mit meinem Mann schon mehrfach erörtert habe. Wir sind für uns zu folgendem 'vorläufigen Endergebnis' gekommen:
Er ist ein ruhiger, ausgeglichener, unbelasteter Typ, der sich in Gesellschaft gelegentlich etwas schüchtern fühlt, meist lieber zuhört als spricht (außer, er kennt die Leute sehr gut und schon lange Zeit) und der es durchaus auch mal fertig bringt, auf einer Feier, auf der er fast niemanden kennt, sich den ganzen Abend mit dem iPad zu beschäftigen - außer er wird direkt angesprochen (und selbst da kann ich nicht zuverlässig voraussehen, ob er mehr als ein freundlich genuscheltes "Nu" rausbringt
😀). Im Gegensatz zu mir fühlt er sich trotzdem pudelwohl in Gesellschaft, hat nie das Verlangen, sich von mir zurückzuziehen, könnte 24 Stunden am Tag mit mir in einem Raum sein ohne sich dadurch irgendwie belastet zu fühlen (außer wenn wir arbeiten - meine aufbrausende Art stört ihn dann gelegentlich).
Ich bin meistens ziemlich lebhaft (auch wenn arglose Gemüter mich anfangs als eher ruhig einstufen), fluche schnell mal, aufbrausend, diskutiere gern "bis die Fetzen fliegen", bin eher extrovertiert, nicht schüchtern (ist was anderes als unsicher - unsicher bin ich schon auch), habe keine großen Berührungsängste und unterhalte mich in Gesellschaft fast immer in Nullkomma Nix mit Leuten, die ich nicht kenne.
Aber: es strengt mich höllisch an. Das Zusammensein mit Leuten - selbst mir sehr vertrauten Leuten wie bester Freund und mein Mann - erschöpft mich, ich brauche dann unbedingt meine Zeiten, in denen ich ganz für mich sein kann um wieder 'zu mir' zu kommen.
Ich denke, daß darin sehr oft der berühmte Nähe-Distanz-Konflikt oder auch die Verunsicherung in einzelnen Menschen versteckt liegt, wenn sie glauben, sie wären "irgendwie anders", je nachdem an welchem Temperament sie sich messen. Weil: mein Mann hat trotz vordergründig schüchterner Art die Gabe, sich selbst in Gesellschaft völlig zu entspannen und in sich zu ruhen, wenn ihm danach ist. Ich hab diese Gabe nicht, in Gesellschaft schalte ich nie ab - ich bin dann meist sehr intensiv auf den oder die Menschen, die mit mir im Raum sind, konzentriert - sozusagen "Dauerempfang" - und das ist anstrengend.
Von mir jetzt auf dich geschlossen (gehört sich eigentlich, ich weiß
😱 ) würde ich also darauf tippen, daß du ein ausgesprochen sensibler, auf dein Gegenüber konzentrierter Mensch bist, der nur dann ganz bei sich und seinen eigenen Bedürfnissen sein kann, wenn er alleine ist.
Wenn das so ist, dann wundert's überhaupt nicht, daß man der 'Anstrengung' am liebsten aus dem Weg gehen würde, selbst wenn man sich in Gesellschaft dann doch sehr wohl fühlt. Seit mir das bewußt geworden ist, kann ich mich eher mal 'freiwillig' auf Geselligkeit einlassen und das bewußter genießen, zumal ich mir danach auch ganz bewußt meine "Auszeiten" einplane.
Wie du bin ich übrigens auch jemand, der gerne und am liebsten viel alleine wäre - die Gefahr, sich zu viel des Guten zu gönnen ist dann gegeben, wenn man sich über den Grund dieses Bedürfnisses nicht im Klaren ist, finde ich, nämlich dann, wenn das Alleinsein mit Grübeleien und Reflektionen über sich, das Universum und den ganzen Rest aufgefüllt wird (ok, die letzten 9 Worte sind geklaut
😎)