Das Problem ist der zweifache Vertrauensmissbrauch, wobei der zweite m. E. noch viel mehr kaputt gemacht hat als der erste. Er zeugt von verfestigter Unaufrichtigkeit und keinerlei Skrupel, weiterhin zu lügen. Wie solltest du da nochmal Vertrauen aufbauen können? Und das ist doch die Basis einer funktionierenden Beziehung.
Die Fakten zum Betrug liegen auf dem Tisch, und sie zu vergessen ist wahrscheinlich unmöglich. M. E. geht es jetzt nur noch um die Frage, ob du mit einem Menschen weiterhin zusammenleben möchtest, der dich betrügt. Die Hemmschwelle gibt es nicht mehr, die hat er schon komplett niedergerissen, und die Fortführung sowie die Lügen zeugen von einer gewissen Skrupellosigkeit. Er würde es vermutlich wieder tun. Es wäre auch naiv, zu glauben, dass es beim Küsschen geblieben ist als Erwachsene bei 1,5 Jahren Dauer.
Wenn er nun vorgibt, um eure Beziehung kämpfen zu wollen, glaube ich ihm den Kampf sogar. Allerdings glaube ich eher, dass er keine Lust auf Veränderung hat und gerne in der Komfortzone des etablierten Zuhauses mit all seinen Bequemlichkeiten beiben möchte, als dass es wirklich um dich geht. Er möchte die Kids nicht verlieren, sich keine neue Bleibe suchen müssen, sich keine Sorgen um Unterhalt und weniger Geld machen müssen, in der Familie nicht als Betrüger da stehen etc. pp. Allerdings sehe ich nicht, dass seine Reue dem Verlust deines Vertrauens und somit auch dem deiner Liebe gilt. Und genau das wäre mir zu wenig. (Womöglich klebt er auch nur noch an euch, weil er nicht warmwechseln kann?)
Ich hatte das Glück, in meinem Leben nur von einem einzigen Mann hintergangen worden zu sein - und das ist mittlerweile auch >25 Jahre her. Tatsächlich waren wir auch schon viele Jahre zusammen und hatten sogar geplant zu heiraten, es war also durchaus etwas Festes. Nach dem ersten Betrug glaubte ich noch an einen Ausrutscher und verzieh. Es folgten Beteuerungen und ich glaubte... wollte glauben. Doch es ging weiter. Am Ende war das Vertrauen komplett weg, das Misstrauen mein ständiger Begleiter. Was aber auch noch dazu kam (und was es mir am Ende auch leichter machte): Ich habe mich dadurch auch selber emotional von ihm gelöst, hatte - und das fand ich erschreckend, aber auch zugleich beruhigend - nur noch Verachtung für ihn übrig. Die Verachtung zeigte mir nämlich offen, dass ich mir mehr wert war und ihm diese Verletzung nicht zugestand. Hätte er mich gehen lassen, wäre sofort Schluss gewesen (aber das ist ein anderer unerfreulicher Teil der Geschichte). Fakt war: Mein Vertrauen war unwiderbringlich zerstört und das Entlieben nahm auch von meiner Seite seinen Lauf.
Für mich sind Liebe, Vertrauen und und Respekt die Basis der Beziehung, die ich immer führen wollte (und mittlerweile auch seit 25 Jahren führe). Man kann zwar auch ohne diese Aspekte zusammenbleiben, dann wird das Ganze aber zu einer Zweckgemeinschaft ohne große Erwartungen.
Ich denke, dass auch das die Frage ist, die du dir stellen musst: Möchtest du mit einem Mann zusammenleben, der durch andere Betten hüpft und bei anderen Frauen landet, sobald bei euch nicht alles super ist, ihm irgendetwas fehlt?
Trennungen sind unangenehm und mit Aufwand verbunden. Manchmal lohnen sich aber solche Klettereien über Baustellen, da sich dahinter die Chance verbirgt, mittel- oder auch langfristig ein neues Glück und Zufriedenheit zu finden.
Gut auch zu wissen: Wir Menschen sind eigentlich Stehaufmännchen. Mit den richtigen Unterstützern an der Seite wie Familie, Freunde und auch persönlichen Skills wie einer optimistischen Grundhaltung, Kampfeswillen etc. schaffen wir unglaublich viel. Und dann scheint einem auch wieder die Sonne ins Gesicht. Wirklich brauchen tust du diesen Mann nämlich nicht - entsprechend frei bist du jetzt in deinen Überlegungen und Entscheidungen.