Ich kenne auch welche, die öffentlich sagen, dass sie nicht arbeiten wollen. Aber wie gesagt, es sollen nur 20% der Gesamtbevölkerung sein und das seit über 2000 Jahren.
Also Faulheit entsteht meiner Meinung nach, aus Traumatisierungen. Auch darüber gab es schon Studien, die diese haltung bestätigen. Was glaubst du, warum sie faul sind?
Also die Konzepte, die ich kenne, würden Versicherungsgesellschaften streichen und die Banksysteme renomieren.
Ja, das meine ich auch, Leistungsdenken beherrscht unsere Gesellschaft. Davon müssen wir doch weg und das Grundeinkommen würde uns dazu verhelfen. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Mensch dauerhaft ohne eine Aufgabe unglücklich wird. Womit soll er sich denn langfristig beschägtigen? Und alles kann doch auch Arbeit sein. Wenn ich gerne koche, dann arbeite ich. Wenn ich gerne singe oder tanze, auch.
Kann sein, dass mir das Grundeinkommen als eine gute Lösung erscheint, weil ich im Sozialismus groß geworden bin. Leistungsdenken und Materialismus kann ich einfach nicht verstehen.
Gegen eine Verbeamtung bin ich auch.
Es muss aber Versicherungen geben. Was passiert, wenn du einen schweren Unfall hast? Wenn du von Geburt an Behinderungen hast? Wenn du schwerer krank wirst? Du kannst das aus eigener Tasche bezahlen, aber die Summen sind oft so groß, dass ein Krankenversicherungssystem besser funktioniert. Was machst du, wenn du das Grundeinkommen hast, damit zufrieden bist und nicht arbeitest und dann einen Unfall hast, durch den du wirklich medizinische Versorgung und Betreuung brauchst, die mehr kostet?
Man kann nur gut ohne Versicherungen leben, solange man gesund und unfallfrei ist und bis man sie braucht. Oder was machst du, wenn du unverschuldet verklagt wirst, aber kein Geld hast, einen Anwalt zu bezahlen, der dich berät oder die Sache für dich regelt?
Das ist mir persönlich einfach zu wenig durchdacht und zu idealisiert. Weil es eben nicht die von mir aufgezählten Fälle in Betracht zieht, bzw. darauf abzielt, dass jeder aus purer Freundlichkeit und Menschlichkeit andere unterstützt und sich um sie kümmert und Stunden, Tage, Wochen oder sogar Monate oder Jahre seiner Lebenszeit in sie investiert, auch wenn "investieren" ein unpassendes Wort dafür ist.
Du hast recht, aus falschen Familiensituationen, mangelnder Bildung und Traumata entsteht mitunter das, was andere als faul bezeichnen. Aber dann gibt es schlichtweg einfach untraumatisierte Leute aus guten Familien, mit guter Ausbildung, die schlichtweg faul sind. Dafür muss es dann nicht immer einen wirklichen Grund geben, außer Faulheit und dass es bequemer ist, nicht 5 Tage die Woche arbeiten gehen zu müssen, sondern dass man machen kann, was man will. Und gut ist es trotzdem nicht, "faul" zu sein oder keine Lust zu haben, Leistung zu bringen, abgesehen von den Gründen jetzt. Das gibt es ja überall, Menschen tun Dinge, die andere als schlecht bewerten (z. B. Gewalt), man kann es irgendwo manchmal verstehen oder nachvollziehen, warum sie es getan haben, aber es ist trotzdem nicht fair oder gut.
Und genauso ist es nicht fair, nichts leisten zu wollen, die Hand aufzuhalten, ohne sich bewerben zu wollen oder nach Arbeit zu suchen, während viele andere arbeiten gehen und sogar Jobs haben, die nicht super sind, um es mal drastisch zu sagen. Das sind zwar nicht viele, der Großteil wird anders denken, aber mir reichen die Zahlen aus, um sagen zu können, dass ich es nicht fair finde und es nicht nur kleine Einzelfälle sind, die man schulterzuckend hinnehmen kann. Ich möchte auch nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass es nicht doch mehr Menschen gibt, die so denken, aber das einfach gut wissen zu verstecken, oder zu übergehen. Oder die arbeiten, weil die gesellschaftliche Verurteilung einfach zu groß wäre, wenn sie faul wären.
Ich sage nichts gegen die, die erstmal Therapie machen müssen, die eine Auszeit brauchen, um sich und ihre Probleme in den Griff zu bekommen, sich selbst zu finden oder alles zu verarbeiten. Aber die tun auch was. Die arbeiten an sich und wollen etwas ändern. Und selbst wenn es nur ist, dass man sich eine Auszeit nimmt, um alles verarbeiten zu können und dafür zu sorgen, dass es einem besser geht.
Leistungsdenken muss nichts Schlechtes sein. Es spornt uns auch an, oder zeigt uns manchmal, was eigentlich in uns steckt. Der Mensch wird sich immer mit anderen vergleichen. Das tun die meisten, behaupte ich mal. Egal ob es um das Aussehen geht, den Status, die Beliebtheit, die Fähigkeiten, die Talente, die Noten, die Arbeit ...
Schlecht wird Leistungsdenken nur, wenn man unfair wird oder anfängt, nur noch eine Zahl zu sehen, eine Bewertung und keinen Menschen.
Jeder hat doch auch freie Berufswahl. Aber eben nur mit den richtigen Fähigkeiten und der richtigen Ausbildung. Und wenn es zu viele Bewerber für einen Studienplatz und eine Ausbildungsstelle gibt, dann muss man aussortieren. Und wenn man als Bewerber nicht genommen wird, muss man es weiter versuchen, wenn man es wirklich möchte, oder muss sich hinterfragen, ob man wirklich für diesen Bereich geeignet ist oder was man tun kann, damit man mehr in das Auswahlkriterium passt.
Oder würdest du dich gerne von jemanden operieren lassen, der einfach mal gesagt hat "Hach, ich will jetzt Arzt sein. Ich habe das zwar nie gelernt, aber ich will es trotzdem mal versuchen!"