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Auf dem Weg zum Langzeitstudent ...

G

Gast

Gast
Hallo zusammen,

ich bin lebenstechnisch irgendwie in eine Sackgasse geraten und bräuchte dringend ein bisschen Input, um die Wende zu schaffen.

2009 habe ich mein Abi gemacht (ein guter Zweier-Schnitt, wobei's in Mathe nur für eine 4 gereicht hat) und hatte leider überhaupt keinen Plan fürs weitere Leben. Da auch die Bundeswehr mich nicht haben wollte (wegen Depressionen und Angstzuständen), saß ich erst einmal eine Weile zu Hause und habe Däumchen gedreht.

Irgendwann packte mich dann doch der Ehrgeiz und ich bewarb mich bei einer renommierten Wirtschaftsuni in England. Primärinteresse war nicht an Wirtschaft, sondern eher am guten Ruf der Uni und den damit verbundenen Karrierechancen. Zur Immatrikulation musste man eine anspruchsvolle Aufnahmeprüfung bestehen, was mir auch gelang. Im WS 2010/2011 ging es dort los, wobei ich schnell merkte, dass mir weder die Kommilitonen (das BWLer-Stereotyp wurde gut bedient) noch der Modus des Studiums an sich entgegenkamen. Mit Modus meine ich das selbstständige Aneignen von Lehrstoff, wenn er mich gerade nicht interessiert hat, und der Besuch von Vorlesungen, wenn es nicht unbedingt erforderlich war. Ich brauche anscheinend jemanden, der mir ständig Deadlines setzt und mich zum Erfüllen von Pflichten nötigt, sonst passiert nichts.

Da das Studium relativ teuer war und ich schnell merkte, dass das nichts werden würde, brach ich nach einem Semester ab. Am liebsten hätte ich erst einmal ein bisschen rumgejobbt, um zu merken, was für Berufsfelder mir langfristig Spaß machen könnten, aber meine leistungsorientierten Eltern bestanden darauf, dass ich mir gleich wieder einen neuen Studiengang suche. Ich entschied mich letztlich für ein Rechtsstudium an einer Uni in Deutschland, was angesichts meiner miserablen Selbstmotivation überhaupt keine gute Idee war, aber irgendwo war es halt auch eine Alibi-Entscheidung für die Eltern.

Es kam, wie es kommen musste. Es neigt sich nun das fünfte Semester dem Ende zu und ich bin fortschrittsmäßig immer noch im zweiten. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, mich in irgendeiner Form beruflich mit Recht herumzuschlagen. Dummerweise habe ich der Familie auf Nachfrage immer erklärt, es laufe alles bestens und ich sei sehr zufrieden.

Glücklicherweise läuft es wenigstens jobmäßig ok. Ich bin als Teilzeitkraft in einem Übersetzerbüro angestellt, wo ich aufgrund meiner hervorragenden Englischkenntnisse sehr spannende und fordernde Projekte bearbeiten darf. Die Arbeitszeiten hängen allerdings vom Auftragspensum ab und ohne entsprechendes Studium ist keine Vollzeitstelle drin, es ist also kein stabiles Arbeitsverhältnis. Zur Finanzierung einer Studentenbude reicht es jedoch.

Die Situation ist nun folgende: Erkläre ich der Familie, dass ich noch ein Studium abbreche, wird das unser Verhältnis ernsthaft zerrütten, vor allem, wenn nichts Besseres geplant ist. Andererseits sehe ich kaum Chancen, das jetzt betriebene Studium zu Ende zu bringen, und wenn ich es wider Erwarten doch schaffen sollte, bringt es mir auch nichts, da 0 Interesse am Themengebiet vorhanden ist. Ein Anglistik-Studium will ich nicht anfangen, nur damit ich vielleicht eine Vollzeitstelle bei meinem Büro bekomme, zumal mich die theoretischen Grundlagen der englischen Sprache eher peripher tangieren. Und mit 23 (effektiv 24, weil erst nächstes Jahr wieder neu eingestellt wird) eine Ausbildung zu beginnen, ist auch komisch, wobei ich ohnehin keine Hingezogenheiten zu einer speziellen Richtung verspüre.

Keine Ahnung, was ich tun soll, Leute.
 

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A

Anythingbutme

Gast
Das ist schwierig.

Natürlich kannst du dich durch dein Studium quälen, aber wenn du jetzt schon weißt, dass du so etwas überhaupt nicht beruflich machen könntest, dann halte ich es nicht für den richtigen Weg.

Hervorragende Englischkenntnisse sind heutzutage doch schon mal ein großer Pluspunkt. Ich denke, dass sich daraus etwas machen lässt, evtl. auch ohne Studium. Vielleicht kannst du dich mal in dem Übersetzerbüro, in dem du als Teilzeitkraft arbeitest, umhören? Möglicherweise hat dort jemand einen guten Rat für dich.

Jedenfalls finde ich, du solltest dich von deinem Alter nicht so entmutigen lassen. Heutzutage satteln einige ja auch noch um, wenn sie schon älter sind, manche beginnen dann sogar noch ein Studium oder eine Ausbildung.

Gibt es an deiner Uni eine Anlaufstelle für Studenten, die nicht so genau wissen, was sie später gerne machen möchten und die ihr Studium eher uninteressant finden? Sich beraten zu lassen, wäre sicherlich gut.
 
L

Lanzarote

Gast
Hallo Gast

Ich fand diese Passage interessant:
Am liebsten hätte ich erst einmal ein bisschen rumgejobbt, um zu merken, was für Berufsfelder mir langfristig Spaß machen könnten, aber meine leistungsorientierten Eltern bestanden darauf, dass ich mir gleich wieder einen neuen Studiengang suche. Ich entschied mich letztlich für ein Rechtsstudium an einer Uni in Deutschland, was angesichts meiner miserablen Selbstmotivation überhaupt keine gute Idee war, aber irgendwo war es halt auch eine Alibi-Entscheidung für die Eltern.
Da sagst Du doch, was Du selbst willst.

Es kam, wie es kommen musste. Es neigt sich nun das fünfte Semester dem Ende zu und ich bin fortschrittsmäßig immer noch im zweiten. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, mich in irgendeiner Form beruflich mit Recht herumzuschlagen. Dummerweise habe ich der Familie auf Nachfrage immer erklärt, es laufe alles bestens und ich sei sehr zufrieden.
Zu studieren, ohne zu studieren, ist witzlos. Und bei Fragen zu lügen ist allenfalls Selbstschutz.


Die Situation ist nun folgende: Erkläre ich der Familie, dass ich noch ein Studium abbreche, wird das unser Verhältnis ernsthaft zerrütten, vor allem, wenn nichts Besseres geplant ist. Andererseits sehe ich kaum Chancen, das jetzt betriebene Studium zu Ende zu bringen, und wenn ich es wider Erwarten doch schaffen sollte, bringt es mir auch nichts, da 0 Interesse am Themengebiet vorhanden ist. Ein Anglistik-Studium will ich nicht anfangen, nur damit ich vielleicht eine Vollzeitstelle bei meinem Büro bekomme, zumal mich die theoretischen Grundlagen der englischen Sprache eher peripher tangieren. Und mit 23 (effektiv 24, weil erst nächstes Jahr wieder neu eingestellt wird) eine Ausbildung zu beginnen, ist auch komisch, wobei ich ohnehin keine Hingezogenheiten zu einer speziellen Richtung verspüre.
Ich würde die Situation etwas anders beschreiben. Du hast keinen Bock auf das Studium, weißt aber, wie Du die Erwartungen der Famllie Pseudo-befriedigen kannst. Die werden natürlich wissen, dass Du herumhängst, und Deine notdürftige Berichterstattung als Kompromiss hinnehmen.

Ein wenig habe ich das Gefühl, dass Du aus einer Luxusposition heraus sprichst. Du darfst alles machen, und das wird nirgendwohin führen, weil Du nicht weißt, wohin Du selbst willst? Und Du eierst herum. Ich empfinde Dich nicht als Überflieger, und auch den Druck Deiner Familie empfinde ich nicht als Problem. Du weißt nicht, was Du willst, vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn Du jobben, und Dich ausprobieren würdest.

Oder wende Dich an die Studienberatung. In der Regel gibt es da auch eine psychologische Beratung, die wieder den komfortablen Luxus besitzt, anonym, und bedingungslos zu sein, die Dich auf Deinem Weg begleiten könnte.

Du besitzt ein akzeptables Maß an Fähigkeiten. Deine Möglichkeiten sind nach Deiner Beschreibung durch Deine Familie ebenfalls akzeptabel. Entscheidend ist wohl, etwas selbst zu wollen. Wenn man etwas will, kann man Berge versetzen.

Günter
 
Zuletzt bearbeitet:
W

winnie

Gast
eine Ausbildung zu beginnen, ist auch komisch, wobei ich ohnehin keine Hingezogenheiten zu einer speziellen Richtung verspüre.
ich bin jetzt mal so knallhart: Dir wird nix anderes übrigbleiben. Ich verstehe auch nicht, wieso es komisch ist eine Ausbildung zu machen, das machen doch andere auch und das im fortgeschrittenen Alter.

Wenn Du sowieso kein Interesse an nix hast, kann Dir niemand helfen! Wie stellst Du Dir das vor? Niemand wird Dir Lust einflößen können.

Ich kann Dir nur sagen, wer sich nicht für sich selbst entscheidet, für den wird entschieden und das hast Du ja selbst bewiesen dadurch, daß Du Dich von Deinen Eltern hast fremdbestimmen lassen (Juristerei). Ganz ehrlich mit 24 Jahren sollte man es nicht mehr nötig haben, den Eltern einen in die Tasche zu lügen.

Suche Dir, was Deinen Talenten entspricht und bewerbe Dich. Du wirst irgendwann nix in der Hand haben, wenn Du Dich nicht endlich entschließt, Nägel mit Köpfen zu machen. Es geht um Dich und nicht um Deine Eltern (ein wenig schon, denn sie teilfinanzieren Dich, davon gehe ich mal aus und schon deswegen finde ich es gerecht, ehrlich zu sein).

Leider bringt jeder Job das mit sich, das man zu dies oder jenes keine Lust hat. Bei mir ist es die leidige Ablage. Da hatte ich auch mal hier einen Hilferuf gestartet und die einzige hilfreiche Antwort war: einfach machen!

Ein wenig habe ich das Gefühl, dass Du aus einer Luxusposition heraus sprichst. Du darfst alles machen, und das wird nirgendwohin führen, weil Du nicht weißt, wohin Du selbst willst? Und Du eierst herum. Ich empfinde Dich nicht als Überflieger, und auch den Druck Deiner Familie empfinde ich nicht als Problem. Du weißt nicht, was Du willst, vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn Du jobben, und Dich ausprobieren würdest.
Genau so ist es! Chancen über Chancen, aber leider alle ungenutzt. Nicht Deine Eltern sind das Problem, nicht Deine Intelligenz, sondern wirklich an Dir selbst. Irgendwie klingt alles für mich wie Übersättigung, Ziellosigkeit, Überhütung (?)

Ausgezeichnete Englischkenntnisse werden gesucht bei Spediteuern oder Schifffahrtskaufleute. Wie wäre es mit Reiseführer oder Fremdsprachenkorrespondent? Du findet etwas, wenn Du nur willst...

w.
 
G

Gast

Gast
Danke erst einmal für die bisher eingegangenen Antworten.


Vielleicht kannst du dich mal in dem Übersetzerbüro, in dem du als Teilzeitkraft arbeitest, umhören? Möglicherweise hat dort jemand einen guten Rat für dich.
Viele der dort Arbeitenden haben nach dem Abi gleich Anglistik, Romanistik oder irgendwas mit Sprachen studiert, weil das halt ihr Ding war, und arbeiten nun als Übersetzer, da neben dem Lehrberuf und Übersetzer/Dolmetscher mit diesem Fähigkeitsprofil nicht viel übrigbleibt. Ein Rat von einem der Kollegen, der mir unaufgefordert gegeben wurde: "Mach' dein Studium fertig, mit Sprachen ist heute nichts mehr zu verdienen."

Sollte das der Fall sein, komme ich hier nicht wirklich weiter.


Gibt es an deiner Uni eine Anlaufstelle für Studenten, die nicht so genau wissen, was sie später gerne machen möchten und die ihr Studium eher uninteressant finden? Sich beraten zu lassen, wäre sicherlich gut.
So etwas gibt es. Eigenlich wollte ich dort schon länger vorbeischauen, aber damit würde ich mir ja ein Problem eingestehen, und darüber denkt man nur ungern nach.


Lanzarote meinte:
Ich würde die Situation etwas anders beschreiben. Du hast keinen Bock auf das Studium, weißt aber, wie Du die Erwartungen der Famllie Pseudo-befriedigen kannst. Die werden natürlich wissen, dass Du herumhängst, und Deine notdürftige Berichterstattung als Kompromiss hinnehmen.
Ich denke nicht, dass sie meine Herumhängerei erahnen. Erstens studiere ich relativ weit weg von ihnen, sie haben also keinen Einblick in meinen eher trägen Tagesablauf, und zweitens wünschen und glauben sie so sehr, dass aus ihrem Sohn "was wird", dass Zweifel eher wenig Raum einnehmen dürften. Als ich an diese Wirtschaftsschule nach England gegangen bin, wurde groß herumerzählt, wie ich in ein paar Jahren den Zetsche oder den Piëch beerben werde. Entsprechend groß war die Enttäuschung, als ich dort gleich wieder abgebrochen habe.

Woher diese Erwartungshaltung kommt, kann ich nicht sagen. Schon in der Schule war ich offensichtlich demotiviert und faul, man hätte es also besser wissen sollen. Aber das hat sich jetzt über die Jahre, auch durch meine ständige Lügerei, so zugespitzt, dass ich jedes Mal Bauchschmerzen bekomme, wenn ich bei den Eltern zu Besuch bin.


Lanzarote meinte:
Ein wenig habe ich das Gefühl, dass Du aus einer Luxusposition heraus sprichst. Du darfst alles machen, und das wird nirgendwohin führen, weil Du nicht weißt, wohin Du selbst willst?
Was den Luxus angeht, so ist es richtig, dass ich hin und wieder von meinen Eltern alimentiert werde und sie auch meine Versicherungen zahlen. Gerade weil mein Studium so grauenhaft verläuft, bekomme ich aber deswegen ein zunehmend schlechtes Gewissen und versuche mich so gut wie möglich selbst zu finanzieren.

Ob ich alles machen darf, weiß ich nicht. Ich bin so jemand, der den Weg des geringsten Widerstands bevorzugt, und als ich gemerkt habe, dass von den Eltern gern der Überflieger gewünscht wurde, habe ich halt in vorauseilendem Gehorsam erst was mit Wirtschaft, dann was mit Jura angefangen, und jetzt habe ich den Salat.


winnie meinte:
ich bin jetzt mal so knallhart: Dir wird nix anderes übrigbleiben. Ich verstehe auch nicht, wieso es komisch ist eine Ausbildung zu machen, das machen doch andere auch und das im fortgeschrittenen Alter.
Es ist komisch, weil der durchschnittliche Mitschüler deutlich jünger und "hemdsärmeliger" wäre als ich, was in Verbindung mit meinen sozialen Ängsten überhaupt keine gute Mischung darstellt; weil ich mich (mal wieder) vor der ganzen Familie rechtfertigen müsste, warum ich jetzt nicht mehr studiere; weil ich nicht ins Bewerbungsgespräch gehen und voller Inbrunst erklären könnte, in der beruflichen Ausbildung endlich gefunden zu haben, was ich suche - es wäre einfach eine weitere Ausflucht, in der Hoffnung, dass es diesmal besser klappt.

Immerhin verlangt man von Auszubildenden ja nicht weniger Engagement als von Studenten. Der Unterschied ist die zu übertragende Fähigkeitenpalette - hier wird in der Ausbildung mehr auf Praktisches gesetzt, dafür ist der Theorieanteil in der Berufsschule einfacher. Mangelnes Verständnis ist aber gerade nicht mein Problem.


winnie meinte:
Ausgezeichnete Englischkenntnisse werden gesucht bei Spediteuern oder Schifffahrtskaufleute. Wie wäre es mit Reiseführer oder Fremdsprachenkorrespondent? Du findet etwas, wenn Du nur willst...
Prinzipiell könnte ich mich ja mit all diesen Optionen arrangieren (und mein Motivationsproblem ist auch weniger ausgeprägt, wenn ich direkte Anweisungen bekomme), aber es würde halt meinen Eltern das Herz brechen. Du sagst, man sollte in meinem Alter den Eltern nicht mehr in die Tasche lügen müssen ... doch wie würdest du handeln, wenn du als Einzelkind zu einem gewissen Teil die Projektionsfläche der Eltern wärst und sicher annehmen könntest, dass bei Nichterfüllung der elterlichen Wünsche das Verhältnis langfristig gestört wäre?

Meine "Lösung" dieses Dilemmas ist natürlich auch nicht besonders hochwertig, deswegen bin ich ja hier ...
 
W

winnie

Gast
wenn du als Einzelkind zu einem gewissen Teil die Projektionsfläche der Eltern wärst und sicher annehmen könntest, dass bei Nichterfüllung der elterlichen Wünsche das Verhältnis langfristig gestört wäre?
Ich antworte Dir mal als Außenstehende und mir ist bewußt, dass es sich brutal anhören mag, ich meine es aber ernst und in "liebevoller" Absicht, in der Hoffnung, daß Du zu Dir selbst finden kannst und SELBST WÄHLST, was Du möchtest. Wenn Du lieber nach Anweisung arbeitest als selbstorganisiert im Studium, bist Du ned der einzige und damit auch nicht gescheitert...zurück zu Deiner Frage.

Als Außenstehende sage ich Dir, daß das das Problem Deiner Eltern ist. Wenn die Dich als Projektionsfläche mißbrauchen, von wegen einziger Sohnemann muß Karriere machen, dann liegt dieses Defizit erst mal bei Deinen Eltern! Und ja, auch Eltern können lernen, aber nicht dadurch, daß Du deren Spiel mitspielst, sondern ihnen ehrlich gegenübertritts und sagst, ich möchte eine Ausbildung machen, wobei schön wäre, wenn Du gleich sagst was, das klingt dann auch glaubwürdig. Ich garantiere, Dein Verhältnis wäre erstmal gestört. Du hast Schiß und Deine Eltern verärgert, enttäuscht. SO ist das. ABER Deine Eltern werden auch zur Vernunft kommen und Du wirst die Gefühle Deiner Eltern auch aushalten.

Es geht darum, so meine Ansicht vom Leben, Entscheidungen zu treffen und seinen Weg treu zu gehen, selbst dann, wenn man anderen damit weh tut, auch den Eltern. Warum mußt Du das verquere Bild der Eltern aufrechterhalten? Das ist NICHT Deine Lebensaufgabe! Deine Eltern dürfen lernen auf ihren Sohn stolz zu sein, wenn er glücklich im Beruf eines Malers, eines Büroassistenten, eines Krankenpflegers ist! Wer arbeitet leistet ungeheures für unsere Gesellschaft! Wer sein Leben gebacken kriegt, egal welchen Job, leistet viel! Willst Du Dein Leben verkümmern, Zeit verstreichen, Dich selbst verlieren, um das Bild Deiner Eltern nach außen (wie lange willst Du es durchhalten?) aufrechterhalten? Ja, dann scheiterst Du, dann stehst Du irgendwann als Looser da und Deine Eltern haben viel Geld aufgebracht im Glauben, Dein Studium macht Dir einen riesen Spaß.

Entscheidungen treffen und mit den Konsequenzen leben, auch wenn das erstmal Lebensveränderungen mit sich bringen, die unangenehm erscheinen...

Du hast schon richtig erkannt, daß Du mit der Vorstellung Deiner Eltern verstrickt bist und auf dem besten Weg dies zu verändern.

Deine Eltern werden Dir nicht lebenlang böse sein, dazu lieben Eltern Kinder zu doll (bis auf einige Ausnahmen).

Wichtig ist es aber, das Du die Angst überwindest und zu Dir stehst und das auch durchziehst.

So meiner Meinung nach...

Du schaffst das...:)

Rede mit Deinen Eltern...es wird für Euch schmerzhaft sein, aber die Wahrheit löst...

w.
 
W

winnie

Gast
ich hab noch mal eine Frage:

darf ich an dieser Stelle fragen, was Deine Eltern von Beruf sind? Mir kommt das so weltfremd vor.

noch mal einige Anmerkungen, wobei mir scheint, daß Du alles weißt, es liegt nur noch an der Umsetzung:

So etwas gibt es. Eigenlich wollte ich dort schon länger vorbeischauen, aber damit würde ich mir ja ein Problem eingestehen, und darüber denkt man nur ungern nach.
Du hast Dir schon das Problem eingestanden, jetzt gibt es eh kein Zurück mehr. Okay, das Eingeständnis erfolgte erst im stillen Kämmerlein für Dich oder hier anonym. Ich denke, wenn Du das Problem aussprichst und 4 Augen, wird Dir das Problem vertrauter und bereitet weniger Angst. Außerdem geben die auch Tipps im Umgang mit Eltern oder und deren Erwartungshaltung...ich war als Studi nämlich auch bei der psychol. Beratungsstelle der Uni. Die sind echt gut. Also, je mehr Du darüber redest, desto geringer die Angst mit Deinen Eltern zu reden und für Dich neue Wege zu finden und darum geht es ja.

Es ist komisch, weil der durchschnittliche Mitschüler deutlich jünger und "hemdsärmeliger" wäre als ich, was in Verbindung mit meinen sozialen Ängsten überhaupt keine gute Mischung darstellt; weil ich mich (mal wieder) vor der ganzen Familie rechtfertigen müsste, warum ich jetzt nicht mehr studiere; weil ich nicht ins Bewerbungsgespräch gehen und voller Inbrunst erklären könnte, in der beruflichen Ausbildung endlich gefunden zu haben, was ich suche - es wäre einfach eine weitere Ausflucht, in der Hoffnung, dass es diesmal besser klappt.
Hemdsämliger: scheint alles nur so. Andere Leute haben auch ihre Problem, egal ob jmd promoviert ist oder "nur" die Hauptschule absolviert hat, oder warum bekommt man so schwer eine Platz bei Therapeuten, warum sind die Psychokliniken überfüllt?

Das Alter hat sich heute verschoben, da es viele mit Abi gibt und - kaum vorstellbar aber wahr - Studienabbrecher oder Mütter, die nach der Mutterzeit eine Ausbildung anfangen. Außerdem kann Dir das Alter egal sein. Ich habe damals mit Abi auch nur 1.5 Jahre meine Ausbildung gemacht, dann hatte ich Prüfung und fertig war ich und war die einzige mit Abitur und ich glaube die Älteste. Na und? Nach mittlerweile 25 Jahren interessiert mich das doch ned mehr...da geht man durch und gut ist...
Mit den Bewerbungsgespräche: ich denke der nächste Schritt ist die Berufsfindung. Das Jobcenter hilft da ein bißchen, da gibt es so Test in so Bücher und die sind wirklich nicht schlecht. Habe ich vor Jahren mal gemacht und das Ergebnis war gut. Gucke in Zeitungen und Internetportalen, viell. ist da irgendwas, was du vorher nicht gehört hast...es gibt täglich neue Berufe...Topic: Hoffnungslosigkeit: gehe in Kontakt mit der psychol. Beratungsstelle an der Uni, damit Du ein bißchen Aufbau und Perspektive bekommst. Glaube mir, Du bist nicht der einzige. Bitte gebe Dich ned auf. Ich sage Dir als alte Tante :p, noch bist Du jung, auch wenn es sich für Dich nicht so anfühlt und Du kannst das Ruder selbst in die Hand nehmen. DANN kommt die Motivation von alleine, wenn Du Dich aus der Fremdbestimmung löst. Wenn Deine Eltern Anforderungen haben, die Deiner nicht entsprechen, können die das ja für sich selbst realisieren. Du hast im Grunde genommen damit nichts zu tun. Das ist das Problem Deiner Eltern, schon deswegen: mache endlich mal klare Tisch!

Meine "Lösung" dieses Dilemmas ist natürlich auch nicht besonders hochwertig, deswegen bin ich ja hier ...
Das ist gut, wirklich. Du bist sehr intelligent und spritzig. Du schaffst es, wenn Du Deinen Weg endlich mal gehst und Dir Hilfe suchst...

Alles Gute

w.
 
Zuletzt bearbeitet:
L

Lanzarote

Gast
Hallo Gast

Gibt es an deiner Uni eine Anlaufstelle für Studenten, die nicht so genau wissen, was sie später gerne machen möchten und die ihr Studium eher uninteressant finden? Sich beraten zu lassen, wäre sicherlich gut.
So etwas gibt es. Eigenlich wollte ich dort schon länger vorbeischauen, aber damit würde ich mir ja ein Problem eingestehen, und darüber denkt man nur ungern nach.
Gast, Du hast ein Problem. Du hängst irgendwo in Studiengängen herum, und weiß nicht mehr, wohin es führen soll. Du bist hier im Forum gelandet, weil Du Fazit aus Deinem Leben ziehst. Dabei kommt heraus, dass Du auf Deinem Lebensweg feststeckst.

Nimm einmal an, es würden 50 Jahre vergehen, und Du würdest noch einmal vor der Entscheidung stehen, vor der Du heute stehst. Eltern und andere Verwandte wären lange gestorben. Was wer irgendwann einmal in Dich investiert hat, wäre belanglos geworden. Entscheidend wäre dann, wie Du Deine eigenen Vorstellungen verwirklich hättest, nicht was aus Dir geworden ist, mehr, wer Du selbst geworden bist.

Du hast keinen Bock auf das Studium, weißt aber, wie Du die Erwartungen der Famllie Pseudo-befriedigen kannst. Die werden natürlich wissen, dass Du herumhängst, und Deine notdürftige Berichterstattung als Kompromiss hinnehmen.
Ich denke nicht, dass sie meine Herumhängerei erahnen. Erstens studiere ich relativ weit weg von ihnen, sie haben also keinen Einblick in meinen eher trägen Tagesablauf, und zweitens wünschen und glauben sie so sehr, dass aus ihrem Sohn "was wird", dass Zweifel eher wenig Raum einnehmen dürften. Als ich an diese Wirtschaftsschule nach England gegangen bin, wurde groß herumerzählt, wie ich in ein paar Jahren den Zetsche oder den Piëch beerben werde. Entsprechend groß war die Enttäuschung, als ich dort gleich wieder abgebrochen habe.
Natürlich weiß Deine Familie, was in Deinem Leben abläuft. Eltern sind in gewissem Maße blind, aber Du beschreibst mehr einen Kompromiß, mit dem beide Seiten leben, in dem Deine eigene Rolle zur Farce geworden ist.

Ob ich alles machen darf, weiß ich nicht. Ich bin so jemand, der den Weg des geringsten Widerstands bevorzugt, und als ich gemerkt habe, dass von den Eltern gern der Überflieger gewünscht wurde, habe ich halt in vorauseilendem Gehorsam erst was mit Wirtschaft, dann was mit Jura angefangen, und jetzt habe ich den Salat.
Das klingt danach, als ob Du Dich selbst um Dein Leben bringen würdest. Ich sehe da auch weniger das Problem, ob die Vorstellung Deiner Eltern scheitern. Dann scheitern sie halt. Wen interessiert das? Aber wo bleiben Deine eigenen Vorstellungen?

Du brauchst gar nichts zu machen. Aber wenn Du nichts machst, wäre es gut, wenn Du weißt, dass Du es so willst. Und wenn Du magst, machst Du auch nichts, ohne zu wissen, was Du willst. Für mich klingt es so, als würdest Du Dich zum ersten Mal fragen, wohin es gehen soll.

Zentrale Studienberatung / psychologische Beratung der Hochschule.

Günter
 
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G

Gast

Gast
Lieber Te,
bitte bitte tu das was dir gefällt. Mir ging es ganz genau so wie dir. Mein Papa wollte unbedingt das ich Pharmazie studiere, und ich habe es einfach nur gehasst! Dieses schlechte Gewissen und die Bauchschmerzen wenn ich zur Uni gegangen bin...
Nach einem Jahr habe ich meinen ganzen Mut zusammen genommen, und hab einen Schlussstrich gezogen. Jetzt mach ich eine Ausbildung zur Ergotherapeutin und ich liebe es! Mein Papa ist zwar immer noch sauer, aber das ist egal. Immerhin kann ich mich jetzt wieder selbst im Spiegel angucken.


Ganz liebe Grüße
lolaa
 
G

Gast

Gast
Du bist zwischen Erwartungen gefangen. Aber Dein Bauchgefühl sagt Dir ja eigentlich was Du willst: Du möchtest das Leben spüren.

Allein schon diese Angst vor "Langzeitstudium"...ständig sich der Bewertung aussetzen von total mittelmässigen Typen wie Personalchefs oder so. Klar, man muss einen Kompromiss finden der gangbar ist, aber deshalb mit Anfang 20 schon soviel Angst?

Ich denke der wichtigste Punkt ist: mach Dich von Deinen Eltern frei. Und dann begreife eines, selbst wenn Du jetzt 10 Jahre ausschliesslich rumflippst kannst Du danach immer noch Jurist werden. Oder Arzt. Oder Pferdehändler. Also lass als erstes mal die Angst weg, und den Erfolgszwang. Du merkst doch selbst dass Dir Leben und Erfahrungen fehlen, und die gibt´s nicht in dieser panischen "was erreichen" Stimmung.

Du wärst gern zum Bund gegangen - nun, derzeit suchen sie wie verrückt. Zwar nur in der einfachen Laufbahn, aber wäre das schlimm? Nicht als karriere, sondern als Erfahrung? Du könntest 1-2 Jahre Wehrdienst machen, bei der Marine wird besonders gesucht. Informier Dich doch mal über Nachmusterung, im Wehrdienst sind eh geringere Kriterien als für Berufssoldaten. Aber mach das nicht in dieser verzweifelten Art sondern einfach um zu sehen ob es klappt. Oder mach mal freiwillig einen Monat Praktikum in einem schönen Handwerk, vielleicht kommt eine Lehre dabei raus. Reetdachdecker im Norden oder Glasbläser in den alten Glashütten. Oder was ganz anderes.

Ich glaube Du hast eigentlich die genau richtigen Wünsche. Was erleben, reifen, mal an was anderem als einem Buch und einem Schreibtisch sich beweisen. Gut so! Wer hat denn heute noch den Mumm, erst mal jemand werden zu wollen der wirklich was durchlebt hat, bevor man sich hinstellt und sagt "hier ich bin die Kathrin bin 24 und hab Diplom, Sie machen jetzt mal alle was ich mir ausgedacht habe". Weisst Du, wenn Du jetzt mal 1-2 Jahre zur See fährst oder durch den Schlamm kriechst, und danach 3 Jahre an alten Häusern arbeitest oder auch 5, dann wirst Du ganz automatisch auch wissen was als nächstes kommen soll. Ob es immer so weiter gehen soll, ob Du lieber ne Weltreise machst, Handwerksmeister werden willst, doch noch studieren willst... Begreif einfach dass Du immer noch Zeit hast, Akademiker zu werden. Egal was Deine Eltern sagen, wenn du vorher erstmal Du selbst werden willst und das nur durch echte Erfahrungen geht dann hast Du jedes Recht der Welt dazu! Du musst mal begreifen dass da ein gesundes Herz in Dir schlägt, dass die Dinge organisch aufbauen will statt mit der Theorie zu starten und dann gleich allen erzählen wo es lang geht.

Du liegst genau richtig, hör drauf! Roboter mit Hose voll gibts doch genug, sei froh wenn Du es schaffst das besser zu machen.
 

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