Für Menschen die aufgrund von körperlichen und oder psychischen Erkrankungen keine Chance auf dem regulären Arbeitsmarkt haben?
Es wäre wünschenswert, wenn es geschützte Arbeitsplätze speziell für Behinderte geben würde, wo sie nicht nur ein Taschengeld verdienen, sondern genug, um davon leben zu können.
Oder sollen diese Leute weiterhin in Bewerbungstrainings und Maßnahmen ihre Zeit absitzen um die Statistik zu schönen?
Nein, das wäre meiner Meinung nach genau der falsche Weg. Dadurch sinkt das Selbstwertgefühl der Betroffenen nur noch weiter, bis sie sich irgendwann nur noch wie unnützer Ballast fühlen.
Gibt es doch, allerdings nicht vom Staat. Aber sicherlich staatlich gefördert. Nämlich die Behindertenwerkstätten.
Wo man jedoch nur ein kleines Taschengeld bekommt und meistens sehr stupide und auf Dauer zermürbende Arbeit machen muss. Außerdem sind die WfbM in der Regel für die sehr stark eingeschränkten Schwerbehinderten und nicht für die, die nur leichte oder mittlere Einschränkungen haben.
Und für andere fitte Langzeitarbeitslose gab es doch mal diese 1-Euro-Jobs. Gibt es die noch?
Die 1-Euro-Jobs gibt es noch, jedoch bringen die in der Regel niemanden dauerhaft in Arbeit.
Zum Beispiel den Grad der Behinderung. Wenn man zu krank für den regulären Arbeitsmarkt, aber zu fit für die Rente ist, sollte man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einen GdB von 50 oder höher bekommen. Und wenn es dann trotz Behindertenquoten immer noch nicht klappt, dann hilft das Integrationsamt eigentlich (zumindest in meiner Region) sehr kompetent weiter.
Ich habe einen GdB von 60. Genützt hat er mir leider absolut nichts. Ich wurde im Regen stehengelassen und bekam immer nur zu hören, dass man mir nicht helfen könnte. Ich hatte ständig neue SBs (allein fünf in den letzten drei Jahren!) und wurde von einer Abteilung zur anderen geschoben. Alles ohne Erfolg.
Aber allein schon die Schwerbehinderung verschafft einem zum Beispiel im öffentlichen Dienst sehr gute Chancen, da werden die Quoten sehr ernst genommen.
Ich weiß nicht, wie es anderswo ist, aber der öffentliche Dienst stellt hier bevorzugt Menschen mit körperlicher Behinderung ein. Als Mensch mit einer psychischen Behinderung hat man hier leider so gut wie keine Chance im öffentlichen Dienst.
Wer sich mit "schlechten Bewerbungsunterlagen" auf Arbeitssuche macht, ist aber wirklich selbst schuld. Da sollte man schon ein wenig Mühe reinstecken und/oder sich Hilfe suchen.
Ich bezweifel, dass die meisten behinderten Menschen schlechte Bewerbungsunterlagen haben. Meine Bewerbungsunterlagen waren immer tipp-top. Sauber, individuell, fehlerfrei und gut formuliert. Aber beim Lebenslauf gab es nunmal sehr große Lücken, die man leider auch nicht mit "Familienhilfe" oder ähnlichem überbrücken konnte und deswegen wurde ich bei den Bewerbungsverfahren immer gleich aussortiert.
Übrigens bekommt man als Schwerbehinderter auch im Jobcenter einen speziellen Betreuer, der meiner Erfahrung nach weitaus kompetenter ist, als der Rest des Vereins.
Nein, leider nicht wirklich. Das wurde mir auch versprochen, aber die Realität sah leider anders aus. Ich wurde z.B. nach nur einem Termin wieder aus der Reha-Abteilung rausgeworfen, weil man mir dort nicht helfen konnte. Da hieß es dann lapidar, dass es für mich keine geeigneten Arbeitsplätze gäbe und man nicht wüsste, was man mit mir anfangen soll und schon war ich wieder bei meinem alten SB, der mit mir aber auch nichts anzufangen wusste und genauso ratlos war. Egal, bei welchem SB ich war, immer hieß es nur: "Ach, Frau Solaris, was soll ich denn bloß mit Ihnen machen?". Vorschläge meinerseits wurden immer abgelehnt mit der Begründung, dass ich das eh nicht schaffen würde oder es - aus welchen Gründen auch immer - nicht möglich sei.
Für eine Vielzahl von eingeschränkten Menschen gibt es besondere Angebote. Es gibt Behindertenwerkstätte, Eingliederungen, sogar persönliche Assistenzen.
Ja, jedoch hilft in der Regel nichts davon, dass man dauerhaft eine Arbeit findet, von der man auch noch leben kann. All das sind entweder mehr oder weniger Beschäftigungsangebote oder zeitlich begrenzte Arbeitsgelegenheiten. Spätestens, wenn die Förderung ausläuft, kann man gehen und die Arbeitgeber suchen sich den nächsten Arbeitnehmer, für den sie dann eine neue Förderung bekommen.
Du bezeichnest Bewerbungstrainings und Maßnahmen sehr abwertend und vermutlich hast du sogar Recht, dass sie wenig bringen. Aber sie werden aus einer Verzweiflung heraus gemacht, weil viele der Langzeitarbeitslosen für moderne Job kaum einsatzbar sind.
Sie werden nur zu einem Zweck gemacht; nämlich, um die Statistik zu schönen. Ich habe etliche dieser Maßnahmen mitgemacht und nicht eine einzige davon war auch nur ansatzweise dafür geeignet, irgendwen in Arbeit zu bringen. Solche Maßnahmen bewirken im Grunde nur zwei Dinge. Entweder, dass man irgendwann jegliches Selbstbewusstsein und jegliche Motivation verliert oder dass man anfängt, auf stur zu schalten. Bei mir war es am Ende Letzteres. Ich habe solche Maßnahmen zuletzt gnadenlos als nicht leidensgerecht, bzw. nicht zielführend abgelehnt. Hätte ich das nicht getan, wäre ich daran zerbrochen.
All diese Jobs sind zwar nicht sonderlich beliebt und ich kann verstehen, dass man sie nicht auf Dauer machen will.
Die wenigsten Menschen mit Einschränkungen können diese Jobs überhaupt machen. Nicht zeitlich begrenzt und schon gar nicht dauerhaft.
Aber sie könnten ein Wiedereinstieg in das Berufsleben sein.
Man kann damit aber auch ganz böse auf die Nase fallen, denn allzuoft nageln die Jobcenter einen dann auf genau diesen Beruf fest. Schließlich hat man den doch bisher auch geschafft, dann kann man ihn doch bestimmt auch die nächsten zehn Jahre lang machen. Das weiß ich leider aus eigener Erfahrung.