....
Bzw. wenn man im Niedriglohnsektor arbeitet ist es ja auch so, dass man nicht viel besser wie als "Hartzer" dasteht. Stichwort "aufstocken müssen", weil es nicht reicht.
Yannick meinte:
Ich habe dann, um ALG zu erhalten,
brav 172 Bewerbungen in 6 Monaten geschrieben; für irgendwelche Jobs,
die ich in Grunde gar nicht haben wollte
Das ist ja auch so ein Ding. Was da an Tonnen von Altpapier zusammenkommt mit Initiativbewerbungen und, so ungefähr, hautsache im Kuvert und weg... Anstatt dass man sich seine Stellen gezielt raussuchen darf und ein wohldurchdachtes Anschreiben aufsetzt, bei dem dann wenigstens eine reelle Chance auf Erfolg besteht.
Nun, Initiativbewerbungen waren nicht so viele dabei; das waren eher die Lückenfüller.
ALG bekommt man eben nur, wenn man brav die Auflagen der A-Agentur erfüllt. Dazu
gehörte auch, dass ich meine intensiven Bemühungen nachweisen musste. Es war auch
völlig egal, auf welche Stellen ich mich bewarb. Hauptsache die Stückzahl stimmte.
Dann gabs keine Sanktionen. Das die A-Agentur sowieso keine Stellen für mich im
Angebot hatte, spielte keine Rolle. Bewerbungen als Leiharbeiter oder sonstwas im
Niedriglohnsektor habe ich mich geweigert zu schreiben. Was soll ich mit 1500 € Netto?
Davon sollen dann drei Personen leben und die Miete sowie ein Auto bezahlt werden?
Nee, das ist nicht zielführend.
Gut bezahlte Jobs, die ich hätte machen können gabs dort nicht und Initiativbewerbungen
führten eher selten zu Vorstellungsgesprächen, weil mein Wissen und können sehr Branchen-
und Firmenspezifisch waren. Ich konnte Systemprogrammierung, Projektleitung und Ver-
triebsinnendienst im Bereich Gefahrenmeldeanlagen. Ich habe zwar auch noch einen Hand-
werksmeister, aber solche Jobs hatte man beim Arbeitsamt nicht zu vergeben.
Ich hatte auch starkes Interesse an Fort- und Weiterbildungen, um meine Kenntnisse so
zu erweitern, dass meine Chancen stiegen. Aber da machte die A-Agentur nicht mit. Die
Dame behaupte wirklich jedesmal, das würde ja nur der Vorbereitung meiner Selbst-
ständigkeit dienen. Nicht mal 'nen Englischkurs oder BuFü wurde genehmigt.
Als Arbeitsloser hat man ja 'ne Menge Zeit, aber relativ wenig Geld. Also habe ich mit der
Agentur vereinbart, dass ich bis 15 Stunden freiberuflich arbeiten durfte. Ich war also nun
hauptberuflich arbeitslos und nebenberuflich Selstständig tätig. Damit kam wenigstens ab
und an mal etwas mehr Geld in die Haushaltskasse. Zusätzlich habe ich mir dann noch die
Weiterbildung in BuFü sowie einige Systemschulungen bei interessanten Firmen gegönnt
und zahlreiche potentielle Arbeitgeber auf Messen angesprochen - alles von mir bezahlt.
Die wollten mich mit fast 50 J. aber nicht einstellen. Trotzdem kamen einige interessante
Kontakte dabei herum.
Irgendwann beschloss ich dann 'ne richtige Firma zu starten, schrieb einen Businessplan,
holte mir den Stempel der Handwerkkammer und bastelte mir eine Webseite. Fehlte nur
noch der Exsitenzgründungszuschuss. Wie zu erwarten, gab es auch damit ein Problem.
Also beschaffte ich mir die schöne Broschüre der A-Agentur, in der beschrieben steht, das
und wie die Agentur den von Langzeitarbeitslosigkeit bedrohten hilft, eine eigene Existenz
aufzubauen. Bin dann mit der Broschüre zur Vorgesetzten und habe ihr klar gemacht, dass
ich genau das wünsche, was dort geschrieben steht. - Auf einmal ging alles ganz schnell.
Mir wurde eine andere Sachbearbeiterin zugeteilt und noch an selben Tag war alles geregelt.
Noch schnell ein Gewerbe angemeldet, eine Umsatzsteuer-ID geholt (ist wichtig, damit man
nicht als Kleinbetrieb 'rüberkommt), den Keller als Büro hergerichtet, Bankkonto eingerichtet
und die BuFü eingerichtet und Angebote geschrieben. Nach 6 Wochen kamen die ersten Auf-
träge rein und nach ein paar Monaten musste ich größere Büro- und Lagerräume anmieten.