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arbeit mit dem inneren kind

Sag dem Kind nicht, es braucht keine Angst zu haben. Das funktioniert sowieso nicht. Wenn jemand Angst hat, dann hat er die, da nützt das gar nicht, derjenige fühlt sich höchstens unverstanden und das macht es schlimmer.

Ja, dem stimme ich zu!

Nimm sie an in ihrer Angst, sie muss SEHEN, ERLEBEN, dass die Angst unbegründet ist. Nur hören reicht nicht.

Wenn ich Dich richtig verstehe, dann willst Du sagen: Wenn Du jetzt Angst hast etwas zu tun, weil früher erlebte Angst jetzt wieder lebendig wird, dann tue genau das, wovor Dich Deine Angst (Dein inneres Kind) abhalten möchte. Habe ich Dich da richtig verstanden?

Ich denke, diese Methode ist richtig, weil ich einer schlechten Erfahrung von früher eine gute Erfahrung von heute gegenüberstelle. Trotzdem ist diese Methode noch verbesserungsfähig.

Aus meiner Sicht sollte dem Sehen und dem Erleben ein Verstehen vorangehen. "wie ist die Angst des inneren Kindes entstanden?" finde ich als sehr wichtig.


Du sprichst von Triggern. Ist das, was da als Trigger arbeitet, schon mal behandelt worden? Bist Du Dir klar darüber, was da triggert und warum?

Genau! Ganz wichtige Fragen.

sowas ähnliches habe ich auch gedacht, als ich mich fragte, ob man das innere Kind umprogrammieren,
oder auch...es einfach wieder die Oberhand gewinnen lassen kann...
z.b, wenns früher passte und heute nicht mehr.
Ob so ein innerse Kind, wie es in der Psyhologie oft beschrieben wird auch mit dem Feingefühl, der Kompetenz und der Erfahrung eines Siegers auftreten könnte...um vorwärts wieder zu kommen...

Sorry, will keine Verwirrung stiften, halt keinen extra fadenstarten.
Alles Gute weiterhin.

Generell würde ich Deine Frage nach der Umprogrammierung bejahen. Und der Begriff "Umprogrammierung" oder "Neuprogrammierung" finde ich auch gut gewählt.

Deine Ausdrucksweise "wenns früher passte und heute nicht mehr" trifft den Nagel auf den Kopf. Kinder können nur emotional entscheiden und auf emotionaler Basis Lösungen suchen und finden, weil der Verstand ca. 20 Jahre braucht, bis er gereift und voll einsatzfähig ist. Also ist es (für mich) logisch, dass viele Lösungen kind- und siutationsgerecht sind, aber eben nicht zukunftsfähig. Wären alle Lösungen, die von Kindern gefunden und als Handlungsanweisungen im Gehirn abgespeichert werden, zukunftsfähig, dann könnten Kinder die Probleme Erwachsener lösen.

Kinder können die Probleme Erwachsener nicht lösen - jedoch können Erwachsene die Probleme der Kinder lösen.
Für mich ist logisch: Weil der Verstand den wesentlichen Unterschied zwischen Kind und Erwachsener ausmacht, ist es auch der Verstand, der bei Problemlösung (sowie bei Umprogrammierung) eine Rolle spielt.

Fazit: Der Erwachsene sollte das ursächliche Angst auslösende Problem seines inneren Kindes auch verstehen.
Dazu genügt es meiner Meinung nach nicht zu verstehen "mein inneres Kind hat Angst vor X" sondern auch die Warum-Frage sollte zielführend beantwortet werden.

Die Kunst besteht darin, die Warum-Frage richtig zu beantworten. Aufbauend auf der richtigen Antwort kann auch eine Um- oder Neuprogrammierung erfolgen. So denke ich.

LG, Nordrheiner
 
Man sagt ja, dass der Erwachsene der Verstand und das Innere Kind die Gefühlswelt bei einem Menschen sind.
Viele tun sich gewiss bei der Findung ihres Inneren Kindes schwer, weil sie von diesem nichts wissen.
Ich hatte das Glück, ja so muss ich es trotz aller schlimmen Erlebnisse von früher bezeichnen, dass sich mein Kind jahrelang abgespalten hat und mittlerweile zum Vorschein gekommen ist. Sicherlich weil mir dieses in mein Bewusstsein gedrungen ist.
 
Nach meiner Erfahrung mit dem "inneren Kind" geht es eben gerade NICHT darum, einen weiteren Ansatz für eine therapeutische Maßnahme zu finden, oder ein fehlerhaftes Programm umzuschreiben. Viele Menschen machen als Kind traumatische und entsetzliche Erfahrungen. Sie werden verletzt, vereinsamen, werden gedemütigt, verlassen, zurückgestossen und der Willkür von Erwachsenen ausgesetzt, die nicht wissen, was sie tun und in ihrem zwanghaften Handeln feststecken, oft ohne Bewußtsein für ihre eigene Situation. Nein, das "innere Kind" repräsentiert nicht meine Gefühle, es repräsentiert Momente meiner Vergangenheit, meinen Weg und meine einscheidenden Entwicklungsstufen und Ereignisse, meine Versuche, mit dieser Welt zurechtzukommen und körperlich und emotional zu überleben.


Jeder Mensch macht die wenig angenehme Erfahrung, dass er auf Ablehnung stößt, wenn er sich nicht so verhält, wie es den Menschen in seinem Umfeld "angenehm" ist. Aber bei manchen Menschen fällt diese Erkenntnis sehr dramtisch und einschneidend aus und verletzt eine junge Seele manchmal unangemessen. Dieses "So wie Du bist, kann man Dich nicht lieben, also sei anders!" führt oft zu einer übertriebenen Fixierung z.B. auf Mutter und Vater. Das Kind entwickelt "den 7. Sinn", um rechtzeitig erkennen zu können, was gefordert wird. Es stützt und fördert die Erwachsenen und deren Gefühlsleben. Aber gleichzeitig schneidet (beim einen mehr, beim anderen weniger) die Erkenntnis "Ich bin nicht wichtig. Ich kann nur geliebt werden, wenn ich so bin, wie andere mich haben wollen. Auf mich kommt es nicht an. Ich bin falsch. Ich bin böse." tiefe Kerben in die eigene Seele und das Narbengewebe wird oft unempfindlich und rauh. Sich selbst so stark zurückzunehmen, fördert neurotisches und irrationales Verhalten als "Übersprungshandlung", um die großen inneren Spannungen von Zeit zu Zeit abzubauen. Eigene Emotionen und Gefühle werden von Kindern als "falsch" und "unangebracht" erlebt. Also werden sie verdrängt und unter erlerntem und "angemessenem" Verhalten begraben. Kinder treffen in solchen Momenten Entscheidungen, die ein ganzes Leben lang Bestand haben können.

Leider heilen solche Wunden aus der Kindheit oft nicht, weil sich unser Erlebnisumfeld verändert hat. Sie mögen nicht sichtbar sein, wie ein eingewachsener Nagel und auch für den Erwachsenen rational nicht fassbar sein, aber sie quälen uns immer weiter und schwächen uns über viele Jahre. Wir haben vielleicht gelernt, wie Rübezahl aufzutreten und erst zu schießen und dann zu fragen, oder die eigenen Kinder werden zu harten Kerlen und taffen Girls erzogen. Auch eine unüberbrückbare Distanz "Mir kann keiner!" ist hilfreich und funktioniert im Alltag. Aber der Schmerz, der Wunsch nach Heilung, die Sehnsucht nach Kontakt zu diesem Stück verlorener Kindheit bleibt, die Sehnsucht, so angenommen zu werden, wie man ist und nicht wie man sein sollte.

An Kindern ist nicht alles ideal, sie sind nach meiner Erfahrung ganz sicher nicht die besseren Menschen und ein "back to the roots" wäre ein Horrortrip. Beim Umgang mit dem inneren Kind geht es um das eigene Leid, den eigenen Schmerz zu verschiedenen Zeiten meiner Kindheit. Jede überstandene Erfahrung hat Entscheidungen zu Folge, ob bewußt oder unbewußt. Nach dem ich von Jugendlichen aus einer Laune heraus verprügelt wurde, habe ich mit Kampfsport angefangen. Ich habe es über viele Jahre gehasst und kann auch noch heute keinen Gefallen daran finden. Diese "jungen Menschen" haben mir einen anderen Lebensweg aufgezwungen, haben meinen Weg verändert und dafür kann ich keine Dankbarkeit empfinden oder es im Nachhinein "gut" finden. Allein der Gedanke daran löst unbändige Wut in mir aus.

Diese innere Kind, diesen 7-jährigen Jungen, mich, habe ich als erwachsener Mann gelernt, in den Arm zu nehmen. Sein Schreien und seine Schmerzen musste ich erneut lernen auszuhalten und nicht unter Wut, Aktionismus und Ohnmacht zu begraben. Dieses gut gemeinte "stell Dich nicht so an, sei ein Mann, schlag zurück!" meines Vaters hatte mich damals von ihm getrennt. Ich habe mich verlassen, schwächlich, ungeliebt und abgelehnt gefühlt. Die Einsamkeit war entsetzlich. Ja, aus der Sicht eines Erwachsenen "kein Ding" und eine Erfahrung, um die wahrscheinlich kein Mensch herum kommt. Aber aus meiner damaligen Sicht eines 7-jährigen Jungen hatte die gesamte Welt ihren Sinn und Reiz verloren. Ich wollte in einer Welt, in der es richtiger ist, jemandem auf die Fresse zu schlagen, einfach nicht leben. Ich habe meine Anstrengung, meine Neugier, meine Wünsche begraben und auf "Notbetrieb" umgeschaltet. "Machen" ja, "leben" nein. Es war eine machtvolle Fehlentscheidung für fast 40 Jahre meines Lebens.

Diesem und noch einigen anderen "inneren Kindern" in mir zu begegnen, war ein sehr scherzhafter und anstrengender Prozess. Aber es ist, als ob man sein eigenes Kind aus einem eingestürzten Haus retten kann. Es ist verletzt und man ist überfordert in fast jeder Hinsicht, aber es ist der Zeitpunkt, an dem die Heilung beginnen kann. Im Anschluss daran ist dann auch manchmal Vergebung möglich, wo immer diese angebracht ist. Sich selbst gegenüber und auch anderen.

Das "innere Kind" konfrontiert Dich mit Dir selbst und ist eine Reise in Deine Vergangenheit. Dieses gedankliche Therapiekonstrukt hilft Dir, wieder ein wenig "ganzer" zu werden, ein paar Scherben Deines zerbrochenen Spiegelbildes zu ergänzen und von Dir wieder etwas mehr anzunehmen und sehen zu können. Es ist kein Stellschräubchen in einem mechanistischen Weltbild. Es ist keine Schaufel für die "Wir schaffen das!"-Aktionisten. Es ist nur eine Tür in die schlimmsten und fürchterlichsten Erinnerungen Deiner Kindheit und ein Schritt für den heutigen Erwachsenen, sich selbst anzunehmen und sich besser zu verstehen. Und es tut verdammt, verflucht weh. Ich habe vor jedem Achtung, die/der diesen Weg geht.
 
Ja, es ist eine Reise in die persönliche Vergangenheit. Vielleicht ist die Arbeit mit dem Inneren Kind auch der einzige wirkungsvolle Weg zur Heilung. Aber wie können Menschen vorgehen, um ihr Inneres Kind zu finden?
 
Ich möchte hier mal als Erstes noch einmal darauf aufmerksam machen, es geht hier nicht um ein inneres Kind schlechthin, es geht um traumatisierte Kinder, die verdrängt und/oder abgespalten wurden. Aus den traumatisierenden Erfahrungen sind oft Posttraumatische Belastungsstörungen entstanden, die es verhindern, dass man heute als erwachsener Mensch adäquat leben kann. Und man fängt erst an, daran zu arbeiten, wenn das Leid schwer überwiegt. Solange man sagen kann, es geht schon, wird man nicht viel tun (müssen).

Worüber wir hier reden (ich zumindest) ist eine Möglichkeit der Traumatherapie. Ein Kind wird nicht umprogrammiert. Aber die Situationen, die einen festhalten und sich nicht entwickeln lassen, jedenfalls nicht positiv wachsen lassen, werden neu angesehen, neu bewertet. Es wird daran gearbeitet, sich bei Triggern nicht mehr völlig hilflos zu fühlen und/oder zu dissoziieren. Dafür müssen Trigger erst mal erkannt werden. Und man muss seelisch so weit sein, dass man sich das überhaupt ansehen kann. Nicht umsonst ist das alles ins Unterbewusstsein gerutscht, diese Art von Verdrängung passiert nicht absichtlich.

Das Kind wird nicht umprogrammiert, es wird nur aus seiner Verletzung und Angst und Hilflosigkeit erlöst. Es wird in die Lage versetzt, nicht mehr im Trauma festzuhängen. Der Verstand allein kann das nicht leisten. Der Verstand hilft dabei, erst mal zu begreifen, um was es überhaupt geht. Gearbeitet muss aber an der Gefühlssituation.

Manche Menschen fühlen sich immer wieder verletzt in Situationen, wo andere Menschen sagen, wo ist das Problem?
Das ist eine Traumafolgestörung. Daran wird gearbeitet.
Manche Menschen haben sich in der Dunkelheit aufgelöst und finden nicht raus, wo andere Menschen sagen, hey, die Sonne scheint, es müsste Dir doch gut gehen.
Manche Menschen haben in den Augen anderer Menschen alles. Familie, Job, Geld, was man so denkt, was man zum Leben braucht und trotzdem kann dieser Mensch nicht leben und nicht sterben. Ganz oft, wenn man zu lange so lebt, übernimmt der Körper den seelischen Schmerz.
Manche Menschen haben entsetzliche Schuldgefühle, die es ihnen nicht erlauben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, sich nie erlauben, Liebe anzunehmen, die kein Recht fühlen auf ihr Leben, keine Existenzberechtigung, die anfangen für andere zu ackern bis zum Zusammenbruch und weiter hinaus, weil sie glauben, nur so eine Existenzberechtigung zu haben.
Manche Menschen haben Angst in Situationen, die anderen überhaupt kein Gefühl entlocken.
Die Ursachen sind fast immer im Trauma zu finden. Und ja, diese muss man aufdecken, damit man überhaupt arbeiten kann. Die Möglichkeit, mit dem Inneren Kind zu arbeiten ist ja noch nicht so lange da. Ich habe selbst auch erst mit der Schematherapie angefangen. Aus einer Verhaltenstherapie, die mir helfen sollte, mit meinen sehr belastenden und sehr behindernden Schmerzen umgehen zu können und mal wieder überhaupt mich raus zu trauen, wurde über die Schematherapie eine Traumatherapie.

Traumatherapie ist kein Spaß. Die meisten machen das in der Klinik. Es ist nicht ohne, wenn der Körper versagt, weil die Seele nicht mehr kann. Das kann sehr gefährlich bis lebensgefährlich werden, je nach Resilienz des Traumatisierten. Traumatherapie dauert sehr lange und es kann sein, dass eine Therapie nicht reicht.

Es geht darum, dem verlassenen, traumatisierten Kind, das da voller Schuldgefühle und Ängsten hockt, Hilfe zu geben. Denn es wurde auch von uns verlassen, meist schon im Kindesalter. Es ist festgetackert in seinen Nöten und je weniger wir davon sehen wollen, desto mehr lenkt es uns in unserem Leben und es hält uns fest in dem, was uns so weh tut.

Wenn dieses bewusst wird, dann ist das eine Chance. Eine Chance, die unglaublich viel Mut erfordert, Kraft, diese Schmerzen auszuhalten, Vertrauen, sich zu zeigen, Vertrauen auch in sich, dieses Kind nun endlich zuzulassen.

Ja, die Meisten, die solche Traumata erlebt haben und soooo oft viele Jahre lang, haben das Kind abgespalten. Es geht darum, es wieder zu integrieren, den Schmerz und die Trauer zu durchleben, alles zuzulassen, was so weh tut und behindert, bis zur Arbeitsunfähigkeit und auch Lebensunfähigkeit. Und dann frei zu werden. Frei von diesem Trauma, von diesen schwersten Verletzungen, Schuldgefühlen, die nie angebracht waren, aber gebraucht wurden, denn für die Seele eines Kindes ist es einfacher, bei sich selbst die Schuld zu suchen, als die Eltern, von denen es abhängig ist, in Frage zu stellen. Und das tut auch noch als Erwachsener sehr weh, wenn man dann mal da hin schaut.




Wenn ich Dich richtig verstehe, dann willst Du sagen: Wenn Du jetzt Angst hast etwas zu tun, weil früher erlebte Angst jetzt wieder lebendig wird, dann tue genau das, wovor Dich Deine Angst (Dein inneres Kind) abhalten möchte. Habe ich Dich da richtig verstanden?

Nicht ganz. Es geht hier vor allem um Angst, die durch schlimmste Erlebnisse entstanden sind. Dann kann man sicher einfach das tun, wovor man Angst hat. Sie wird aber nie verschwinden dadurch. Ich habe das jahrelang immer wieder gemacht. Die Angst blieb. Es geht darum, erst mal den Grund zu erkennen, zu erkennen, wo diese Angst überhaupt sitzt und dann eben dieses verletzte Kind mitzunehmen. Dieses Kind aus der Verletzung, aus der Angst holen.

Bei mir ging es aber sehr viel mehr um Schuldgefühle, keine Existenzberechtigung, immer währenden Selbstmordabsichten und Wünschen, Verletzung in Person und es so anzunehmen. Ich konnte gut für andere leben, weil sie mich brauchten. Aber nicht für mich. Liebe geben konnte ich immer gut, so war ich schon auf die Welt gekommen. Liebe annehmen – nie. Damit ist mir auch viel zerbrochen. Ich habe damit gelebt, weil ich immer glaubte, ich habe auch kein anderes Recht, ich bin selbst schuld. Ich habe mich bis vor zwei Jahren so geschämt für meine Existenz, dafür, ein Kind gewesen zu sein, das anscheinend so schlecht war, dass man es so behandelt hat, dass ich nie reden konnte über meine Kindheit, ich konnte nicht mal die Worte Kind oder Kindheit mit mir im Zusammenhang sagen oder schreiben. Auch meinen Namen konnte ich kaum sagen und schrieb ihn nie aus.

Ich konnte eine gute Mutter sein, weil ich all diese Erfahrungen abgespalten habe, weil ich das auch konnte. Ich wusste, anders wird mir das mir Wichtigste nicht gelingen, nämlich mein Kind stark zu machen und selbstbewusst, mit Selbstvertrauen, mit dem „kleinen Öfchen“ (wie ich das immer nenne, wenn es eine Kindheit mit Liebe gab), ein Kind, das glücklich ist und geborgen, das keine Angst hat, die durch mich verursacht wird, durch meine Unfähigkeiten. Ich habe mit Sicherheit nicht alles richtig gemacht, das ist aber letztlich auch gut so, perfekte Eltern braucht kein Kind, damit geht es ihm auch nicht gut.

Heute – meine Tochter ist seit Jahren erwachsen und führt ihr eigenes Leben – ist Zeit für mich. Jetzt fühlte ich immer mehr, so kann ich nicht weiter machen, mein Leben war ausschließlich ein Warten auf den Tod und darauf, wann eine Situation eintritt, dass meine Tochter mich braucht auf ihrem Weg in ihr Leben.

Ja und heute geht es mir gut. Ich bin glücklich, selbst wenn ich auch traurig bin, es gibt so viel, das noch verarbeitet werden möchte und es gibt so viel Neues zu lernen, manches nachzuholen, noch Trauer zu durchleben, mich zu verstehen und zu schauen, wo geht mein Weg lang. Ich weiß, ich bin stark genug dafür.

Ich denke, diese Methode ist richtig, weil ich einer schlechten Erfahrung von früher eine gute Erfahrung von heute gegenüberstelle.

Ich glaube, so was klappt recht gut bei Phobien und vielleicht auch Ängsten, die relativ offen liegen und nicht abgespalten sind.

Trotzdem ist diese Methode noch verbesserungsfähig.

Nun ja, es ist immer alles verbesserungsfähig.


Aus meiner Sicht sollte dem Sehen und dem Erleben ein Verstehen vorangehen. "wie ist die Angst des inneren Kindes entstanden?" finde ich als sehr wichtig.

Na, sag ich doch. 🙂


Kinder können nur emotional entscheiden und auf emotionaler Basis Lösungen suchen und finden,

Ja, eben. Und deshalb entwickeln Kinder eher Schuldgefühle, als eben per Verstand zu begreifen, dass Eltern und andere Erwachsene nicht immer ihrer Rolle gerecht werden.

Also ist es (für mich) logisch, dass viele Lösungen kind- und siutationsgerecht sind, aber eben nicht zukunftsfähig.

Richtig. Man hat in Notsituationen Verhaltensmuster so tief eingeprägt und diese wirken weiter, immer weiter, auch wenn sie gar nicht mehr gebraucht werden oder sogar schaden und behindern. Ich z. B. habe bereits im Kleinkindalter lernen müssen, meine Gefühle nicht zu zeigen. Und das wirkt noch heute. Seit Jahren versuche ich, meine Körpersprache meinen Gefühlen wieder anzupassen. Das schaffe ich nicht. Mir kann es noch so schlecht gehen, man wird es nicht sehen. Ich wirke seltens adäquat, ganz schlimm für mich. Wenn ich zutiefst verletzt bin oder traurig bin, wirke ich eher abweisend oder arrogant. Dabei bin ich beides nicht.


Kinder können die Probleme Erwachsener nicht lösen

Aber genau das versuchen so viele Kinder und zerbrechen dran.

jedoch können Erwachsene die Probleme der Kinder lösen.

Theoretisch. (und das macht mich gerade tottraurig und ich erkenne, nicht die Erwachsene weint, sondern das noch nicht ganz geheilte Kind)

Fazit: Der Erwachsene sollte das ursächliche Angst auslösende Problem seines inneren Kindes auch verstehen.
Dazu genügt es meiner Meinung nach nicht zu verstehen "mein inneres Kind hat Angst vor X" sondern auch die Warum-Frage sollte zielführend beantwortet werden.

Die Kunst besteht darin, die Warum-Frage richtig zu beantworten.

Bis hierher ja. Aber hatten wir ja schon.

Aufbauend auf der richtigen Antwort kann auch eine Um- oder Neuprogrammierung erfolgen. So denke ich.

Hier sträubt sich gerade alles. Es wird eher aufgelöst als programmiert.

Ich rede hier für mich, für meine Erfahrung, meine Therapie, mein Verständnis. Was für wen passt, wo welche Seele reagiert, fühlt, das muss jeder selbst erfühlen.


edit: Oh, hier kamen noch ein paar dazwischen.
grauer Bär, Dir möchte - ich weiß nicht mal, ob ich danken sagen kann, es ist so traurig, was Du schreibst, ein Stück weit finde ich mich auch wieder bei Dir.
Ich bin mir aber auch zu 1000 % sicher, man muss nicht weiter geben, was man selbst erlebt hat. Es hat lange gedauert, bis ich glauben konnte, dass es aber die meisten wohl so machen. Ich habe die meisten Dinge mit meiner Schwester zusammen erlebt, sie ist auch krank, aber nicht so wie ich, sie ist ganz anders damit umgegangen und hat keine Schuldgefühle mitgenommen. Dafür aber hat sie entschieden, keine Kinder zu haben, weil sie es nicht hätte besser machen können. Das finde ich eine starke Entscheidung.

Und ja, es ist eine entsetzlich schmerzvolle Reise zu seinem Kind, die viel Mut und Kraft und Durchhaltevermögen verlangt. Und auch ich habe große Achtung vor jedem, der sich auf diesen Weg wagt.
 
Zuletzt bearbeitet:
"Traumatherapie ist kein Spaß. Die meisten machen das in der Klinik. Es ist nicht ohne, wenn der Körper versagt, weil die Seele nicht mehr kann. Das kann sehr gefährlich bis lebensgefährlich werden, je nach Resilienz des Traumatisierten. Traumatherapie dauert sehr lange und es kann sein, dass eine Therapie nicht reicht."

Es gibt Kliniken, die bieten Intervalltherapien an.
Ich warte derzeit auch auf meinen nächsten Termin.
Ich denke aber, ich muss für die eigentliche Traumatherapie noch stabilisert werden und Techniken vertiefen.
Ich versuche mich auch schon darauf bestmöglich vorzubereiten.
Einfach weil ich erahnen kann, was auf mich zukommt.
 
Um es nochmals ganz deutlich zu sagen: das "innere Kind" ist keine abgespaltener Teil Deiner Persönlichkeit, kein spiritueller Ratgeber oder ein Gespenst in Deinem Kopf, das es "zu finden" gilt. Das "innere Kind" ist nur eine Visualisierung, Schizophrenie ist eine ganz andere Baustelle.

Ein Rat: es gibt verschiedene Bücher zu diesem Thema und wenn man den Einstieg gefunden hat, können weitere Schritte auch allein gegangen werden. Aber der Anfang kann Erkenntnisse und Erfahrungen aufdecken, die Dich völlig aus der Bahn werfen. In meinem Fall durfte ich zuvor im Rahmen eines Seminars körperlich erfahren und erkennen, dass meine Trauer, meine Angst und auch meine Wut etwas Endliches sind, dass sie meine Gefühle sind und ich nicht ihr Spielball bin. Dadurch konnte ich mit der dann aufkommenden Trauer und Angst besser umgehen. Dies geschah in einem geschützten und moderierten Rahmen und es bedarf erfahrener Therapeuten, um dem Ansturm an Gefühlen und Emotionen Herr zu werden. Ein "Schau´n wir mal" auf eigene Faust kann Dich über lange Zeit "lahmlegen".

Die "Kontaktaufnahme" zu Deinem inneren Kind geschieht über Deine Gefühle. Wie @KiaBlue es beschrieben hat, Du musst nichts dazu "tun". Wenn es an der Zeit ist, kommen diese Gefühle ganz von alleine "hoch". Dies lässt sich von Dir bewusst steuern, keine Sorge. Für mich war es erstaunlich, dass sich bei Menschen in einem solchen Prozess die Körperhaltung sichtbar verändert hat. Für fast alle Teilnehmer einer solchen Sitzung war deutlich erkennbar, wie alt die oder derjenige Proband gerade war, wenn die Gefühle aus der Kindheit erneut "zugelassen" wurden. Du wirst es vielleicht zuerst in Deinem Körper fühlen oder auch in den Gedanken, oder auch umgekehrt. Und dann ist der Therapeut gefragt und wie gut sie/er Dich dann unterstützen und begleiten kann. Diese Prozesse dauern unterschiedlich lange. Im Rahmen von 45min. ist das blanker Unsinn, denn dann gleicht es einer halbfertigen Operation am offenen Herzen. Der Arzt würde wohl kaum sagen: "Middach! Wir machen nächste Woche weiter! Ziehen Sie sich an und raus mit Ihnen!".

Auf der anderen Seite ist es Dein Weg. Dein Einsatz, Dein Wille ist gefragt, hier weiterzukommen und ohne eigene Anstrengungen geht es nicht. Du musst für Dich und Deine Vergangenheit verantwortlich werden, auf Dich achten und gut für Dich sorgen, damit Deine Wunden heilen können. Du lernst in diesem Prozess, was Du brauchst, um Deine inneren und äußeren "Schonhaltungen" aufgeben zu können, die einmal als Kind sinnvoll waren, Dich aber heute "verkrümmen" und niederdrücken. Dazu zählt vielleicht auch, gewissen Menschen harte Grenzen zu setzen oder endlich eigene Ziele zu finden und zu verwirklichen. Deinem verletzten und sich versteckenden inneren Kind soll die Last der Verantwortung abgenommen werden, die Du als Erwachsener tragen und dessen Probleme Du lösen kannst, weil Du größer, erfahrener und stärker bist. Manchmal fehlt es nur an Geborgenheit und Sicherheit, manchmal ist ein "Scher Dich zum Teufel!!" zu einem anderen Menschen notwendig. Manchmal ist es aber auch notwendig, endlich erwachsen zu werden, sich seinen Ängsten und seiner Trauer zu stellen und sich nicht weiter mit den Ausreden eines Kindes unter dem Tisch zu verstecken. "Ungeschoren" wirst Du nicht davon kommen, aber so wird frau/man ihre/seine Läuse im Pelz los. Oft sind es auch die eigenen Versäumnisse und Feigheiten und nicht die Niedertracht der ANDEREN, die uns klein halten. Keine leichte Kost. Aber spannend und befreiend.

Suche Dir Menschen, die Dich liebevoll und mit Verständnis in diesem Prozess begleiten. Für viele "inneren Kinder" ist das eine ganz neue und leider mehr schrecklich als schöne Erfahrung. Aber Deine Welt wird sich verändern. Diesen Moment wirst Du nie mehr vergessen.

Alles Gute
 
Dann würde ich Deine Therapeutin oder Deinen Therapeuten fragen, ob das "innere Kind" in Deinem Fall wirklich eine geeignete Form für Dich ist. Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen sprechen.
 
Ja, auch ich denke, da allein herum zu doktern, das könnte gefährlich werden. Mache das lieber nur mit Begleitung, Unterstützung und möglichst fachkundiger.

Um es nochmals ganz deutlich zu sagen: das "innere Kind" ist keine abgespaltener Teil Deiner Persönlichkeit, kein spiritueller Ratgeber oder ein Gespenst in Deinem Kopf, das es "zu finden" gilt. Das "innere Kind" ist nur eine Visualisierung,

Ganz kann ich Dir nicht zustimmen. Das Kind kann sehr wohl abgespalten sein. Und dann geht es ja auch darum, es wieder zu integrieren in den Wachstumsprozess. Es ist natürlich kein Geist oder so was. "Finden" - hm. Den Kontakt zu ihm muss man finden. Über die Visualisierung kann es geheilt, integriert werden, ja. Aber nur MEIN Empfinden, meine Erfahrung.



Aber der Anfang kann Erkenntnisse und Erfahrungen aufdecken, die Dich völlig aus der Bahn werfen.

In meinem Fall ging über Bücher und auch entsprechende Arbeitshefte gar nichts. Lag aber vielleicht auch daran, dass immer nach Erinnerungen gefragt wurde, ich hatte keine. Meine Kindheit blieb in mir als großes, schweres Dunkel. Erst in der Therapie wurde es besser. Und heute kann ich gut allein damit arbeiten.

In meinem Fall durfte ich zuvor im Rahmen eines Seminars körperlich erfahren und erkennen, dass meine Trauer, meine Angst und auch meine Wut etwas Endliches sind, dass sie meine Gefühle sind und ich nicht ihr Spielball bin. Dadurch konnte ich mit der dann aufkommenden Trauer und Angst besser umgehen. Dies geschah in einem geschützten und moderierten Rahmen und es bedarf erfahrener Therapeuten, um dem Ansturm an Gefühlen und Emotionen Herr zu werden. Ein "Schau´n wir mal" auf eigene Faust kann Dich über lange Zeit "lahmlegen".

Ja, möchte ich komplett bestätigen.

Diese Prozesse dauern unterschiedlich lange. Im Rahmen von 45min. ist das blanker Unsinn, denn dann gleicht es einer halbfertigen Operation am offenen Herzen.

Das kann ich so für meine Erfahrung nicht bestätigen. Ich hatte eine ganz normale Therapie mit 45 min Stunden. Und diese dann alle 14 Tage. War für mich fantastisch, weil, in der Stunde öffneten sich Gefühle, die sich beim Rausgehen fast immer erst mal völlig verschlossen, ich konnte erst mal nicht selbst weiter damit arbeiten, das kam dann erst so nach ner Woche. In diesen 45 Minuten wird ja auch nicht das ganze Leben abgearbeitet, sondern eben nur bestimmte Situationen, Erinnerungen wurden beleuchtet und aufgearbeitet. Ich erinnere mich noch, wie ich in einer Stunde einfach überhaupt keine Möglichkeit fand, das Kind aus der schrecklichen Situation zu befreien. Das Kind reagierte nicht. Und dann - mir kommen heute noch die Tränen, wenn ich dran denke - zeigte sich die unglaubliche Fähigkeit meiner Thera, auf mich einzugehen. Sie wusste von mir, ich hatte mich damals so ein bisschen mit Schamanismus beschäftigt und sie schickte mir einen Indianer in meine Situation. Ich liebe die Weisheit dieser Menschen, die Ruhe. Und dieser Indianer hat mich ohne ein Wort aus der Situation gerettet. Er war einfach nur da, mit seiner Weisheit, Liebe, Ruhe. Damit gab er mir ohne Wort und ohne jede Berührung das, was ich brauchte. Ich vertraute ihm. Das berührte mich lange und danach bekam ich selbst dann den Kontakt zu meinem inneren Kind und wir konnten Erinnerungen, die wir vorher schon mal bearbeitet hatten, wo es aber nicht funktionierte, noch mal vornehmen und auch lösen. Danach verlor ich den Kontakt zum Indianer und auch zum Schamanismus. Es war für mich sehr bewegend. Und all das in 45 Minuten. Allerdings kann ich auch gut Gefühle aushalten und ich weiß, ich bin stark.

Dazu zählt vielleicht auch, gewissen Menschen harte Grenzen zu setzen oder endlich eigene Ziele zu finden und zu verwirklichen.

Ja, das habe ich auch erfahren. Ich musste den Kontakt zu meiner Mutter komplett abbrechen. Es tat weh, sie tat mir leid, aber ich konnte einfach nicht mehr mit ihr. Nach einem halben Jahr konnten wir uns wieder annähern und heute haben wir für unsere Verhältnisse ein gutes Verhältnis.

Dem Weiteren kann ich so zustimmen.

Suche Dir Menschen, die Dich liebevoll und mit Verständnis in diesem Prozess begleiten.

Pass da gut auf Dich und diese Menschen auf. Ich habe genau in der Zeit, als ich innerlich auch sehr schwach wurde, einige gute Menschen verloren, erlebte sogar, wie ich plötzlich gemobbt wurde, wie meine Schwäche benutzt wurde. Ich war in der Lage, diesen Horror zu nutzen, um zu wachsen, aber ich wünsche das keinem, so etwas zu erleben, es verletzt unendlich. Und heute bin ich frei. Es war eine sehr schwere Zeit, diese Therapie und auch noch danach, aber heute bin ich frei.

Ja, Deine Welt wird sich verändern.

Danke grauer Bär für Deinen Beitrag, es ist immer wieder interessant, wie verschieden die Wege sein können und doch so ähnlich. Und das Ergebnis ist so ziemlich gleich.
 
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