Ich wohne 5 Jahre hier.................:mad::mad::mad:
Ich glaube, auch das kenne ich irgendwie. Vor 10 Jahren war ich Alkoholiker und sehr viel alleine. Und verzweifelt. Ich hatte keine Ahnung, wie ich aus der Situation wieder herauskommen sollte. Schwankte zwischen Resignation und dem Gedanken, dass es doch einen Weg geben muss.
Ich glaube, meine ersten Schritte waren sowohl klein, als auch wichtig. Ich habe damals experimentiert.
Zuerst habe ich mich an einem Tag betrunken, an dem ich gut drauf war, und gar keine Lust auf Alkohol hatte. Ich mußte das Zeug regelrecht herunterwürgen. Das mag jetzt bescheuert klingen, aber an dem Tag wurde mir bewußter, dass mein Alkoholismus nicht grundsätzlich vorhanden war, sondern Situationsbedingt war. Dieses Experiment muss man aber nicht unbedingt wiederholen.
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Mir wurde auch bewußt, dass ich mir angewöhnt hatte, auf jede etwas größere Belastung mit Alkohol zu reagieren. Wobei alleine schon meine Verzweiflung ausreichen konnte, um diesen Schritt zu gehen.
Es kam ein Tag, wo etwas total blödes passierte, was aber nicht wirklich schlimm war. Es hatte mich nur im ersten Augenblick umgehauen. An dem Tag wagte ich das Experiment, mich einmal nicht zu betrinken. Und ich habe erstaunt festgestellt, dass mir das Problem am nächsten Morgen egal war, es war verschwunden.
Im Laufe der Jahre habe ich häufiger experimentiert, habe nach und nach seltener mit Alkohol reagiert. Irgendwann bin ich dazu übergegangen, mir Situationen bewußter zu machen. Manchmal bevor ich getrunken habe, meist aber erst danach. Und ich habe überlegt, wie ich in Zukunft mit einer Situationen umgehen könnte. Meist bestand die Lösung zuerst nicht darin, dass ich mich anders verhalten habe, ich habe meine Einstellung verändert. Indem ich die Situation genauer betrachtet habe, mich gefragt habe, wie sie zustande kommt, was ich wie und wo verändern könnte, um besser mit ihr umgehen zu können. Das konnte Tage, Wochen, oder auch länger dauern, bis ich etwas durchschaut habe, und verbessern konnte.
Seit nicht allzulanger Zeit beobachte ich auch, was mir gut tut, und was mir nicht gut tut. Und ich versuche zu sortieren, und Situationen zu vermehren, die mir gut tun.
Heute wage ich mich auch an komplexere Probleme heran. Was nicht heißt, dass ich nicht auch mal abstürzen könnte. Alles steht noch etwas wackelig, so dass mich größere Herausforderungen hinfallen lassen können. Erst Januar und Februar bin ich wieder abgestürzt, hatte schon das Gefühl, wieder dort zu landen, wo ich einmal war. Inzwischen habe ich es abgefangen, und arbeite nun daran, eine größere Lebensveränderung stückchenweise hinzubekommen.
Ich glaube, es hat auch eine Rolle gespielt, dass ich nicht perfekt sein muss. Mittelmäßig reicht vollkommen aus. Und ich bin auch nicht für das Leid der Menschen verantwortlich, sondern für meine kleine, mittelmäßige Welt.
Naja, ich habe angefangen, mein ganzes Leben umzusortieren, und bin immer noch dabei. Eigentlich stehe ich immer am Anfang, halt am Anfang von dem, was in Zukunft auf mich zukommen wird.
Ich erzähle Dir das, weil ich diese Jahre kenne, in denen sich alles zu wiederholen scheint. Und weil ich glaube, dass Du auch einen Weg finden kannst, auf dem Du dort herauskommst.
Günter