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Am Ende mit den Nerven

Lieber TheCore,

ich hoffe es geht Dir wieder besser. Ehrlich gesagt mach ich mir schon ein wenig Sorgen um Dich - hoffentlich hast Du meine Nachricht gesehen und meldest Dich, wenn Du was brauchst! Ich hab Dir in einer privaten Nachricht Kontaktdaten von mir geschickt.


Lass Dich jedenfalls nicht unterkriegen und vergiss nicht, dass Du trotz allem, was sich gerade vielleicht nicht so gut anfühlt, schon riesige Fortschritte gemacht hast, auf die Du stolz sein kannst. Wie ich Dir bereits in meiner ersten Nachricht geschrieben habe, darf man eines nie aus den Augen verlieren: Dieses Leben besteht für alle Menschen aus Aufs und Abs. Niemand entgeht den Phasen im Leben, wo es Mal weniger rund läuft.

Ganz besonders aber dann, wenn man eh schon zu Depressionen neigt, muss man lernen, vor, während und nach jedem emotionalen Höhenflug zumindest so weit mit dem Boden der Tatsachen verbunden zu bleiben, dass man nicht zu hart aufschlägt, wenn sich die Richtung wieder ändert. Ich schätze, bis zu einem gewissen Grad muss man als Betroffener einfach mit der Depression leben lernen und versuchen, die akuten Phasen der Depression (die so sicher wiederkehren wie das Amen im Gebet) einfach ins Leben zu integrieren.

Ein Freund von mir sagte Mal, als es mir schlecht ging: "Sei wenigstens professionell depressiv". Damit wollte er mir nahelegen, mein Leben so zu handhaben, wie jemand, der z.B. weiß, dass er zuckerkrank ist oder ein anderes chronisches Leiden hat und damit ganz selbstverständlich umgeht - weil das nun einmal seine Lebenssituation ist. So jemand behandelt natürlich seine Symptome so gut es nach dem Stand der Wissenschaft möglich ist, nimmt aber dort, wo es kein Allheilmittel gibt und ignorieren einfach nicht hilft, die Anzeichen seiner Krankheit als Teil seines Lebens hin. Ganz ohne zu werten. Eine körperliche oder psychische Einschränkung wahrnehmen und versuchen, damit so konstruktiv als möglich umzugehen, ist nicht dasselbe, wie sein Leben auf die Krankheit zu reduzieren.

"Die Depression ins Leben einbeziehen" soll übrigens nicht heißen, sie als Ausrede fürs "sich gehen lassen" zu verwenden oder ganz und gar in die Depression zu flüchten, wenn man sich mit der Realität nicht auseinandersetzen will. Das würde ja in Wahrheit keinem helfen. Aber das Gegenteil ist eben auch ein Fehler: sich von einem kleineren oder größeren Höhenflug zu versprechen, dass man es "jetzt geschafft hat" und von nun an "Friede, Freude, Eierkuchen" bis ans Ende seines Lebens haben kann, das geht nicht lange gut. Das Ignorieren jeglicher Schattenseiten ist in Wirklichkeit nur Angst vor der Herausforderung, die das Leben in einer polaren, konfliktreichen Welt (gut-böse, hell-dunkel, ja-nein, Du-Ich, Wir vs. Ich ...) tatsächlich bedeutet.

"Professionell depressiv sein" (sprich: die Depression wahrnehmen und ins Leben integrieren) klingt vielleicht ein wenig trivial - mir hat dieser Zugang trotzdem ganz gut geholfen. Wenn man sich selber bewusst wahrnimmt und lernt, darauf zu achten, wann es wieder "so weit ist", wann also wieder so eine Welle der Depression dabei ist, hochzukommen, muss man sich nur bewusst machen: "Okay, jetzt wird es Mal vorübergehend unangenehm, das kenn ich schon. Aber - wie jedes Mal - wird das wieder abklingen und dann darf ich auch wieder auf einer Glückswelle reiten." Ich weiß, das schafft nicht jeder Betroffene "einfach Mal so", aber ich hoffe, Du kannst das. Wenn man einmal einen Gemütszustand erreicht hat, der einen immer wieder Richtung Abgrund führt, geht es nicht anders: Man muss sich - zusätzlich zu allem, was Ärzte und Psychologen einem bieten können - auch selber "abchecken" lernen. Sich beobachten, und fragen: "In welchen Situationen geht es mir so?", "Gibt es bestimmte Zyklen, Auslöser, Personen, Tätigkeiten, Nahrungsmittel, Mondphasen, ... die begünstigen, dass ich in ein Tief rutsche?" und "Gibt es Impulse, Bücher, Gedanken, Nahrungsmittel, Menschen, Unternehmungen, ... die mich in der Regel ablenken, umstimmen, aufbauen?". Niemand sonst kennt Dich so gut wie Du, darum ist das unerlässlich.

Mach nicht den Fehler, aus Frust über diese wiederkehrenden Schmerzen und Tiefflüge einfach ganz aufzuhören, Dich auf das Schöne im Leben, wie z.B. Freude, Hoffnung, Begeisterung, Abenteuerlust, Genuss, Bekanntschaften... einzulassen. Wenn man nämlich immer denkt: "Wozu denn - wenn ohnehin bald alles, was jetzt so schön schimmert, wieder den Bach runter geht", dann sind irgendwann die einzigen Erinnerungen die einem bleiben, dass man ständig traurig und down war. Und genau deswegen werden diese Durststrecken immer intensiver, länger und trostloser. Auf diese Weise (ständigem Rückzug und Vermeidungsverhalten) schließt man sich endgültig vom Leben aus. Und das darf man einfach nicht zulassen, egal, wie weh es tut, immer wieder aus seinem Schneckenhaus rauszukriechen.

Glaub mir, ich spreche aus Erfahrung. Mach das bitte nicht mit Deinem Leben. Bleib nicht auf Rückzug und wirf Dein Leben auch nicht ganz weg. Dafür ist es zu schade. Du bist nicht anders als andere. Du gehörst auch dazu. Jeder hat seine Defizite. Die Depression ist eben Deines. Du musst Dich dafür weder bestrafen und beschuldigen, noch vom Leben ausgrenzen. Alles Erleben, was man zulässt und worauf man sich einlässt, ist eine Bereicherung. Egal, wie down du gerade bist: es wird wieder anders, verlier das nicht aus den Augen. Nichts bleibt für immer gleich, alles ändert sich. Also trau Dich ruhig, wieder aufzustehen, wenn Du hingefallen bist. Und wenn es nicht mit einem Ruck geht, dann sei wenigstens nett zu Dir, versorge Deine Wunden und sei geduldig mit Dir, bis Du wieder aufstehen kannst.

Alles Liebe,
Glasperle
 
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