Wie gesagt, hatten wir alles schon bei Riester. Der Staat könne nicht wirtschaften, die Beiträge könnten gering bleiben, "die Märkte" könnten bis zu 10 % Rendite erwirtschaften, hieß es damals. Was ist von übrig geblieben? Nichts.
Nein das hatten wir nicht bei Riester.
Riester war als Garantieprodukt aufgebaut. Beiträge in einem Riestervertrag flossen eben nicht in "die Märkte" sondern in schlechte verzinste Garantieprodukte.
Und wir werden auch sehen, was vom ETF-Hype übrig bleibt, wenn in ein paar Jahren die Anleger in den Ruhestand gehen und im großen Stil ihre Anlagen monetarisieren.
An der These, dass der Renteneintritt der Babyboomer („Demografischer Wandel“) zu einem kollabierenden ETF- und Aktienmarkt führen könnte, ist bei genauerer Betrachtung theoretisch und praktisch wenig dran. Die Befürchtung übersieht wesentliche Mechanismen des globalen Finanzsystems.
1. Verkäufe geschehen schleichend, nicht auf einen Schlag: Anleger verkaufen mit 65 oder 67 Jahren nicht über Nacht ihr gesamtes Portfolio. Die Entnahmephase erstreckt sich über 20 bis 30 Jahre. In der Praxis werden meist nur 3 bis 4 % des Kapitals pro Jahr liquidausgezahlt, während der verbleibende Großteil im Markt investiert bleibt und weiter erwirtschaftet.
2. Globale Entkopplung der Märkte: Sollten in einzelnen Ländern (wie Deutschland) altersbedingt mehr Anteile verkauft als gekauft werden, wirkt das global kaum nach. Breit gestreute ETFs (wie MSCI World oder FTSE All-World) investieren in globale Märkte. Der demografische Wandel verläuft weltweit zeitversetzt, und schwellende Mittelschichten in anderen Regionen treten zeitgleich als neue Käufer an die Kapitalmärkte.
3. Institutionelles Kapital dominiert das Volumen: Der Großteil des weltweit in ETFs und Aktien investierten Kapitals stammt nicht von privaten Kleinanlegern, sondern von institutionellen Investoren (Pensionsfonds, Staatsfonds, Versicherungen, Banken). Diese schichten Portfolios zwar um, lösen aber keine panikartigen Liquidationswellen aus.
4. Die Funktion von ETFs ist passiv: ETFs sind lediglich Hüllen. Der Preis eines ETFs richtet sich nach dem Marktwert der enthaltenen Unternehmensaktien. Wenn Aktionäre Anteile verkaufen, wird dieser Angebotsschub von den Fundamentaldaten der Unternehmen abgefedert: Generieren diese weiterhin Gewinne und Cashflows, finden sich Käufer oder die Unternehmen kaufen eigene Aktien zurück.
Der Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand erzeugt keinen strukturellen Marktcrash bei ETFs.
Überhaupt: Es geht um Unternehmen. Ich würde 10 mal eher auf globale Finanzmärkte wetten als auf irgendeine andere Anlage, sei es das Tagesgeldkonto oder eine Staatsanleihe. Ich weiß nicht ob es meine Bank oder Deutschland noch in 50 Jahren gibt; aber dass es so etwas wie eine Weltwirtschaft noch gibt, ist vergleichsweise sicher. ETFs sind in Bezug auf Rente die meines Ermessens sichersten Anlage.