N: Hör mal, Fötus, Du kommst ziemlich ungelegen.
F: Was meinst Du damit?
N: Du stehst der Karriere Deine Mutter entgegen. Du störst sozusagen.
F: Was rät man denn so allgemein Kindern, wenn sie stören?
N: Eigentlich gibt man der Mutter einen Rat, nicht dem Kind.
F: Wieso? Das Kind stört – nicht die Mutter
N: Na ja, die Mutter stört sich an dem Kind. Das wäre die genauere Beschreibung. Und die Mutter ist die sozial reifere Person und kann sich verschiedene Lösungen überlegen, wie sie Harmonie in die Situation reinbringt.
F: Dann ist doch das Problem gelöst.
N: Eben nicht.
F: Warum nicht?
N: Weil das für Ungeborene nicht gilt.
F: Und warum nicht?
N: Weil Ungeborene noch kein Stimmrecht haben. Damit ist gemeint: Sie haben noch keine vernehmbare Stimme. Sie können sich nicht hörbar machen.
F: ist das eine allgemeine Regel?
N: Eigentlich nicht. Im Allgemeinen sagt man daß hilfsbedürftige Personen, die Schwachen in der Gesellschaft, nicht benachteiligt werden dürfen. Aber wenn auf der anderen Seite Selbstverwirklichung auf dem Spiel steht, dann schon.
F: ist das nicht ungerecht und unfair? Selbstverwirklichung gegen Leben abzuwägen?
N: Nimm einfach mal an, Du wärest in irgendeiner Form behindert, vielleicht psychisch labil und würdest z.B. Eltern, Lehrern, Arbeitgebern Mühe machen, dem jeweiligen Konzept zu folgen. Also ist der Behinderte eine soziale Belastung.
F: Dann würde man mich töten oder zum Selbstmord raten?
N: Nein, seit einigen Jahrzehnten geht man so nicht mehr vor.
F: Wo ist der Unterschied?
N: Bei behinderten Menschen greifen moralische oder ethische Überlegungen.
F: Und warum dann nicht bei mir?
N: Weil Du noch kein Stimmrecht hast. Dir fehlt die Stimme und Dir fehlt der Arm, um Deine Meinung zu verkünden.
F: Aber gibt es nicht behinderte Menschen, die ebenfalls keine Stimme und keinen Arm haben? Werden die dann getötet?
N: Nein, weil es immer noch Menschen gibt, die dann von sowas wie „Liebe Deinen Nächsten“ faseln.
F: Bin ich meiner Mutter nicht am Nächsten?
N: Nur körperlich. Du ahnst ja gar nicht, wie sehr man „Liebe Deinen Nächsten“ verbiegen kann.
F: Ich bin jetzt traurig und brauche Trost, Zuwendung, Aufmunterung…..
N: Also Trost, Zuwendung, Aufmunterung bekommst Du im Hilferuf-Forum, aaaaber erst dann, wenn Du schreiben kannst.