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24 Stunden nicht jammern

Eine gute Freundin mit MS ist ein so positiver Mensch, davor habe ich den größten Respekt. Manchmal machen wir uns zusammen über die Sch... lustig, sie kann auch bei dummen Sachen und Menschen herzerfrischend schimpfen. Aber dann ist sie auch wieder fertig damit.
Ich freu mich, wenn Ihr weiter so interessant schreibt. Heute habe ich mich erwischt, wie ich meckern wollte, so vor mich hin, und musste lachen. Muss mich sogar anstrengen, wenn ich mich an die Situation erinnern will... wozu?
Schon zig Jahre vor meiner Erblindung habe ich eine Band gemangt, von der die meisten Bandmitglieder blind waren. Die haben sich selber mit ihrer Erblindung auf die Schippe genommen und waren dabei aber so positiv wie irgend möglich. Und das trotz aller Erschwerniss.
Wir hatten in einem tollen Veranstaltungsort die Anlage von Doro Pesch mit viel Rauch, Wumms und Kabeln. Sagt der sehende Bassist "Leute ich sehe nichts". Antwortet der blinde Sänder drauf: "Siehst Du, so geht es mir mein ganzes Leben". Das ganze Publikum lachte, aber es war so viel Wahrheit .... traurige Wahrheit, die aber doch seine Kraft zeigte.

Deinem Hundi wünsche ich viel viel Kraft und finde es gut, dass Du diesen Weg mit ihm gehst. Ja, wir können von Tieren so viel lernen, und sie uns so viel geben.....

Lieben Gruß von Grisu

So ganz nebenbei: still zu mir "meckere" ich auch mal. Einmal raus den Satz der Wut und dann vorbei damit und auf zum nächsten Thema, keine unnötige Zeit verschwenden. Seit Erblindung und Medis strengt alles mehr an (durch das schlechte sehen und somit steht mir weniger aktive Zeit zur Verfügung) Entweder ich gehe mit meinen Resourcen um (so gut es mir gelingt) oder ich schaffe gar nichts (und hätte dann erst recht einen Grund zum jammern ;-)
 
Zuletzt bearbeitet:
Schon zig Jahre vor meiner Erblindung habe ich eine Band gemangt, von der die meisten Bandmitglieder blind waren. Die haben sich selber mit ihrer Erblindung auf die Schippe genommen und waren dabei aber so positiv wie irgend möglich. Und das trotz aller Erschwerniss.
Hallo Grisu, ich habe deine sehr positiven Einträge hier mit Interesse gelesen.
Ich finde dich bewundernswert.
Aber wie können sich Leute auf die Schippe nehmen? Man steht doch fast allein da, vor allem, wenn man vielleicht keine Familie hat. Wie kann man dann zurecht kommen? In der Gesellschaft kümmern sich die Leute doch recht wenig umeinander, wie hast du den Übergang in dein neues Leben geschafft? Ich mein, da klingelt ja keiner an der Wohnungstür und will helfen, wenn man plötzlich allein im Dunkeln steht?
Schöne Grüße von KristallKirsche
 
Hallo @KristallKirsche d
Die blinden Jungs der Band waren von Geburt an blind. Sie waren eine Band einer Blindenschule, wo sie ihre Ausbildung gemacht haben. Jeder dieser blinden Jungs hat einen Lehrberuf, dem er viele Jahre nachgegangen ist. Diese Schule bringt ihren Schülern bei das Leben zu bewältigen, Wege mit Zug und Öffis zu bestreiten und und und.....

Beispiel, der Drummer holte sein Glasauge raus und sagte "Sieht komisch aus......" Sieht nichts, holt das Ding raus und ...... oder er sagte zu mir: "Du siehst heute gut aus." Danke fürs Kompliment ;-) Cola über die weisse Bluse geleert "Du brauchst nicht heimgehen und wechseln, wir sehen das nicht." Der Sänger konnte als Kind nicht verstehen dass er nicht Fahrrad fahren kann, er wollte einfach sein wie andere Kinder. Er fuhr, fiel ganz ganz oft auf die Nase und hat es irgendwann mal gelassen.....

Übrigens alle die Jungs lebten alleine, einer war verheiratet. Ohne Assistenz und ohne Hilfe im täglichen Ablauf, halt ab und zu Hilfe durch Freunde.

So, mein Dunkel: ein Auge ist komplett blind, auf dem anderen sehe ich noch in einem Bereich von 30%, bei dem ist der Visus sogar recht gut - an guten Tagen. Ich sehe halt keine Treppenstufen, habe kein räumliches sehen mehr, sehe keine Bäume die von oben herunterkommen, sehe keine Unebenheiten auf der Straße, keine Treppen in Bussen (weil auf dem sehenden Auge das obere und untere Gesichtsfeld nicht mehr da ist).

Also bin ich viel besser dran als die Jungs der Band die komplett blind sind. Dennoch gibt es sehr viele Dinge (angefangen von Gebrauchsanleitungen für Medikamente mit komplizierter Öffnung) die ich alleine nicht schaffe und wo ich zuweilen die eine oder andere Träne vergieße. Auch Wurmkur für meine Katzen, die anders verpackt sind als die Standardmodelle. Ich kann es nicht erkennen und nicht anwenden. Jeden tag schmeisse ich mehrfach Gläser und ähnliches um - weil mein Gesichtsfeld relativ klein ist.

Ich muss das halt irgendwie ertragen. Das schlimmste war als ich an der Uni erfuhr dass ich gar nicht mehr arbeiten darf/kann weil die Unfallgefahr zu groß ist und alles nicht verhältnismässig ist. Da war mir klar wie die Einschränkungen sind, keine Konzerte mehr, keine Mobilität mehr, aber ich bin dankbar, dass ich noch ein bischen sehe und somit (halt auch mit vielen Unfällen) in der Wohnung/Haus klar komme, die ich schon seit 20 Jahren bewohne. Schwierig ist es halt mit den Holzöfen, aber es hält mich im Rahmen dessen, was möglich ist, fit.

So, nun habe ich "gejammert" was genau hier nicht passieren soll)te. Sorry, jetzt muss ich erstmal meine Botanik zum zweiten Mal gießen und einen Salat vorbereiten.

Gruß in den Abend von Grisu

p.s. bei mir sieht man an den Augen die Erblindung nicht, aber ich bin langsam, unsicher und wackelig - zur Sicherheit muss ich dann einen "Dreipunkt" anlegen. So wie bei der Coronaimpfung wo die Bundeswehrsoldaten losgeschossen sind und ich nicht hinter her kam, klar, die wussten nicht dass ich eine Treppe Stufe für Stufe spüren muss. Es gibt also für den Notfall auch Hilfsmittel, wo dann viel auf andere achten.
 
Übrigens alle die Jungs lebten alleine, einer war verheiratet. Ohne Assistenz und ohne Hilfe im täglichen Ablauf, halt ab und zu Hilfe durch Freunde.
Lieber Grisu, das ist wirklich schön, dass deine Freunde glücklich sind.
Und sogar Musik machen. Und Witze.
Ich denke, wenn man da vielleicht reinwächst ist es wohl leichter.
Ich hätte totale Panik, mir vorzustellen, ich würde erblinden. Und dann steht man da, mit einer Wohnung die dafür gar nicht ausgelegt ist, einem Telefon das man nicht mehr sehen kann.
Wäre ein Grund für Panik, so stell ich es mir vor.
 
Lieber Grisu,

ich hatte noch eine Antwort getippt, eine lange. Und dann bin ich auf irgendwas hier drauf gekommen und noch ein Fenster ging auf.

Und mein Beitrag war weg, und ich konnte davon nur noch zwei Zeilen sehen.

Oben und unten war sozusagen mein Gesichtsfeld eingeschränkt. 😱
Habe es nicht mehr aufbekommen, und konnte nur noch ein bisschen scollen, bis ich irgendwie in diesem kleinen Spalt auf den grünen Button zum Antworten gekommen bin. Wenigstens für meinen ersten Beitrag.

So stelle ich mir das vor. Wenn man nix mehr richtig sieht.

Du kannst stolz auf dich sein, finde ich und es ist eine Bereicherung, zu lesen, wie du damit umgehst.
Ich stelle es mir so schwer vor, die Unabhängigkeit zu verlieren.

Hast Du Scham empfunden, als du das erste Mal mit dem Stock draußen warst?

Ende meines Beitrags.
 
Ich habe ja das unsagbare Glück das die tollen Ärzte der Uni Würzburg verhindert haben dass das andere Auge auch noch komplett ausfällt. Die ersten Jahre habe ich fast durchgedreht vor lauter Angst "morgen" ganz blind zu sein. Dank dieser Mediziner kann ich derzeit noch sehen und dafür muss ich jeden Tag dankbar sein.

Ja, die Jungs waren wir eine große Hilfe, ohne dass ich jemals wusste, dass deren Leid auch meines sein wird, wenn auch abgeschwächt. Von ihnen habe ich gelernt, dass man/frau nur mit dem Herzen gut sieht.

Problematisch ist halt daß seit / nach Corona alles anders wurde und die Gesellschaft sich auf- und miteinander aufreibt. Ich lebe nun jeden Tag für jeden Tag und lasse mich überraschen was passiert - im anderen Fall würde ich mich selber vor Angst wahnsinnig machen. Leichter für diejenigen mit Partner oder Familie, deshalb denke ich gar nicht weiter (ich habe das nämlich nicht) was noch alles sein könnte......

Gruß von Grisu
 
Ich habe ja das unsagbare Glück das die tollen Ärzte der Uni Würzburg verhindert haben dass das andere Auge auch noch komplett ausfällt. Die ersten Jahre habe ich fast durchgedreht vor lauter Angst "morgen" ganz blind zu sein. Dank dieser Mediziner kann ich derzeit noch sehen und dafür muss ich jeden Tag dankbar sein.
Das glaube ich dir! Vor allem, wenn du allein lebst.
Aber du hast diese Freunde, oder?
Ich glaube, das ist viel wert, sich das austauschen zu können.
Vielleicht weil du ein gutes Herz hast und dich für die Leute interessiert hast, so konntest du die Leute kennenlernen, zu einer Zeit, als du gar nicht wusstest, wie es mal kommen sollte.
 
Ein Stock hat bei mir keinen Sinn weil ich die Hände frei haben möchte wenn ich stürze (meine Hüften sind desolat) Handtaschen sind ein no go - dafür halt Bauchtasche. Kompliziert wird es halt weil oft noch eine Überbrille dabei ist und täglich eine Schirmkappe aufgesetzt sein muss wegen der ständigen Blendung.

Ein guter Vergleich 🙂 man/frau weiß das noch was da ist und kommt nicht ran 🙂

Ich denke, es gibt hier ganz viele, die wissen dass es Einschränkungen bei ihnen gibt und sie versuchen das Beste daraus zu machen. Die wenigsten von denen reden eben darüber sondern sie kämpfen sich durchs Leben, Tag für Tag und Schritt für Schritt - vieles lässt sich nicht mehr durchführen, dann ist es eben so (auch viele Vorsorgeuntersuchungen sind für eingeschränkte Menschen auf Grund von mangelnder Mobilität nicht mehr möglich) und er/sie/wir wird damit leben.

Gruß in die Wärme von Grisu
 
Du, die Freunde der Band sind mittlerweile in viele Windesrichtungen verströmt. Wir haben uns nur am Telefon. Der nächste ist 120 km entfernt. Ohne Mobilität und ÖffiVerbindung, die es hier nicht gibt, geht da nichts mehr. Soziales gibt es nicht mehr viel - aber das ist eben so ;-) dafür habe ich meine Stubentiger 🙂

Gruß von Grisu
 
Problematisch ist halt daß seit / nach Corona alles anders wurde und die Gesellschaft sich auf- und miteinander aufreibt.
Das sehe ich auch so. Vor allem, wenn ich in Politik und Medien sehe, was sie meinen, was für die Gesellschaft wichtig wäre.
Und wohin das Geld fließt.
Ehrlich, ein gutes Gesundheitssystem, mit Ärzten die noch Zeit haben, den Patienten zuzuhören und nicht so im Stress sind, dass sie Fehler machen.
Das wär mir sehr viel lieber als Symbolpolitik.
Oder Waffen.
Wenn alle unser Gesundheitssystem in Anspruch nehmen müsste, ohne Privatkliniken usw. , die wir normalen Bürger gar nicht bezahlen könnten, dann würde es vielleicht anders aussehen.
Ich beglückwünsche dich zu diesen Ärzten.
 

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