Hallo und danke für die zahlreichen Antworten.
Ich werde mir die Zeit nehmen, jede einzelne Anmerkung zu beantworten und eventuell auch den Text nicht zu lang zu gestalten - was aber dennoch passieren kann.
Möchte direkt Bezug nehmen zu den Dingen die angesprochen und gefragt wurden.
Nein, ich bin nicht realitätsfremd, im Gegenteil. Ich bin ein vielschichtiger Geist- und Herzensmensch, und in unserer Ehe bin ich derjenige mit dem Realismus, nicht umgekehrt. Das sorgte und sorgt, hin und wieder für Kopfschmerzen.
Nein, meine Frau arbeitet nicht, da sie dies aufgrund der seelischen Erkrankung nicht packt, obwohl sie es gerne möchte. So kommt hin und wieder mal eine kleine Nebentätigkeit herum, welche sie so lange ausübt wie es eben geht - und das ist für mich kein Problem, da jeder sein Tempo hat und Menschen unterschiedlich sind. Somit bin ich der alleinige Hauptverdiener und wenn das Geld dann nicht reicht oder ich aufgrund langwieriger Erkrankungen in das Krankgeld abrutsche, entsteht natürlich Existenzangst und Frust bei meiner Frau.
Schon lange weise ich darauf hin, das man ein Leben nicht ausschließlich auf einem Gehalt und soziale Leistungen wie Kindergeld/Kinderzuschlag aufbauen kann - diese Rechnung geht spätestens dann in die Hose, wenn der Anspruch auf diese Leistungen wegfällt. Das sollte man eben mit berücksichtigen. Zudem sieht sich meine Frau eher in einem konservativen Männer-/Frauenbild: der Mann arbeitet, die Frau behütet Kids, Haushalt usw. Es ist ok für mich, habe damit kein Problem und wenn sie arbeiten gehen möchte/will/kann, soll sie das gerne machen. Für meine Frau ist dieses Modell auch okay, solange eben das Finanzielle ausreicht. Aber die Kluft zwischen dem, was man sich gerne als Lebensgestaltung vorstellt und was dagegen realistisch möglich ist, ist manchmal wirklich nicht klein und da kommt dann eben wieder das Thema Realismus zu tragen. Beispiel : man keinen Urlaub planen und auf diesen Urlaub sparen, wenn kein Geld da ist. Ganz simpel.
Ja, wir haben schon sehr oft und lange in Ruhe, über alle diese Themen gesprochen. Darüber was stört, darüber was schief läuft, darüber wie sich beide das Leben miteinander vorstellen und was geändert werden kann/muss/soll - vor allen Dingen seit gut zwei Jahren - und daher rede ich mir auch nichts schön oder habe eine Kluft zwischen Selbstbild und Fremdbild oder ein gestörtes Verhältnis zu Finanzen usw.... Zudem, habe ich in meinem Beitrag mehr als einmal betont, dass wir beide unsere Ehe gerne nicht aufgeben möchten - und das setzt, neben einer ehrlichen und offenen Kommunikation, eben auch Liebe und Willen voraus.
Zur Romantik eben eine Zeile, da dies auch angesprochen wurde. Ich finde das man auch ohne finanzielle Mittel durchaus Romantik an den Tag legen oder etwas romantisches tun kann. Die Situation ist vielmehr die, dass meine Frau zu den Menschen gehört, die mit Romantik wenig anfangen können. So einfach ist das.
Was ich an meiner Frau liebe wurde ich hier gefragt... Da gibt es viele Dinge!
Ihren Humor, die Herzlichkeit, die Hingabe die sie an den Tag legt wenn sie Dinge dekoriert oder etwas erschafft, die tiefen und langen Gespräche, das zwischenmenschliche das sie mit sich trägt, die lebensbejahende Art die sie haben kann wenn die seelischen Situationen an den Tag treten, ihren Umgang mit Kindern und Tieren, die gemeinsamen Interessen und Werte, selbst das leise schnarchen im Schlaf usw... Umso schwieriger ist es für mich zu verstehen und zu akzeptieren, dass es problematisch geworden ist.
Die von mir beschriebene Alltagssituation, welche mich zusätzlich angetrieben hat den ersten Beitrag zu schreiben, sollte eigentlich dazu beitragen etwas besser zu verstehen, dass ich mich seit Bestehen unserer Ehe, dass erste Mal überhaupt frage, ob dies alles noch einen Sinn hat und wie man damit umgehen soll/kann/darf.
Um die Themen Fehler, Belastungen und Verantwortung anzusprechen...
Ich bin fast dreimal 17 und weiß aufgrund meiner, doch reichlich vorhandenen Lebenserfahrung, sehr genau, was es bedeutet Fehler zu machen, Fehler zu ändern, Tolerant zu sein, Verständnis zu zeigen und vor allen Dingen: Verantwortung zu übernehmen - für sich, für andere und für den Menschen den man liebt da zu sein. Somit kann ich beruhigt sagen das wir gemeinsam und jeder für sich, die Ehe und die Probleme beleuchtet und besprochen haben...mehr als einmal. Und ja, es gibt durchaus die Situationen das einer mehr kaputt als der andere, dennoch sollte man bemüht sein sich in einem Streit sachlich über der Gürtellinie bewegen und seinem Gegenüber mit Respekt und Menschlichkeit begegnen - wenn man diesen Menschen wirklich liebt.
Auch was eine Aufteilung bei den Kids betrifft, war es geregelt: Elternsprechtage meistens meine Frau, Arzttermine meistens ich, Erziehung meistens zusammen.
Zu meinen Fehlern, auch da bin ich transparent... morgens brauche ich einen Kaffee, sowie Ruhe, um wach zu werden und seit ich das rauchen aufgehört habe bin ich schneller genervt von Dingen die unnötig sind und sage das dann auch eher als vorher. Gerade letzteres kann gewöhnungsbedürftig sein, da man dies so nicht von mir kennt.
Schlechte Tage habe ich auch wie jeder andere und mache das mit mir selbst aus. Einer meiner größten Fehler war stets, dass ich zuerst Dinge mit mir selber ausgemacht habe, um des Frieden Willen oder aus Rücksichtnahme.
Ich denke das ich in den letzten zwei Jahren deutlich dünnhäutiger geworden bin - ob das an dem Rauch-stopp oder an dem beruflich/finanziell/gesundheitlichen Thema seit zwei Jahren liegt oder ein Zusammenspiel aus beiden - alles ist denkbar.
Was noch? Ich hätte wahrscheinlich ein besserer Vater sein sollen, indem ich mehr mit den Kids unternehmen hätte können, erst recht in den Zeiten, wo es meiner Frau nicht gut ging, ich aber auch für sie da sein wollte.
Vielleicht hätte ich auch Dinge im Haushalt einfach "erledigen" können, ohne mich darüber zu ärgern das es andere nicht tun, obwohl sie es versursacht haben?
Auch ein nicht-zurückstellen von Dingen die mir Freude bereiten, wäre sicherlich sinnvoll gewesen. Ich weiß nicht was noch..
Bin ich treu? Unbedingt! Ehrlich? Definitiv! Freundlich, ruhig, hilfsbereit und ein angenehmer Zeitgenosse? So lautet zumindest das Urteil derer, die mich kennen!
Wir sind eine Patchworkfamilie...sie hatte Kids mit rein gebracht, ich hatte auch Kids und wir haben ein gemeinsames Kind. Wir sind seit nun fast 15 Jahren ein Paar, die meisten Kids sind alle schon deutlich erwachsen und führen ihr eigenes Leben.
Die ersten Jahre waren fast nur schön, trotz einiger, weniger Spitzen meiner Frau. Ab 2019/2020 fing es schleichend an reibungsvoller zu werden, da ich zuerst Probleme hatte eine Arbeit zu finden nach dem gemeinsamen Umzug in eine andere Region. Als ich dann eine Vollzeitanstellung hatte, wurde auch schon mal die Höhe des Gehalt bemängelt, weil es nicht genügte nach ihren Vorstellungen. Ich einerseits war froh, eine Tätigkeit gefunden zu haben, welche deutlich über den damaligen Mindestlohn bezahlt wurde.
2022 hatte ich dann einen Jobwechsel vollzogen, aufgrund einem höheren Gehalt und einer etwas körperlich leichteren Tätigkeit und sollte dort recht schnell eine interne Leitungsrolle ausfüllen. 2023 dann die erste Erkrankung plus OP inkl. Jobverlust.
Ende 2023, nach monatelanger Heilung, dann einen neuen Job gefunden. Nach kurzer Zeit Aufstieg zum Schichtleiter. Habe dort auch sehr viel gearbeitet, auch mal 50-60 Stunden in der Woche, Samstage, Sonntage usw.
Im Herbst 2024 dann eine andere Erkrankung plus OP und zeitgleich Rauch-stopp, wieder Jobverlust, durch sehr lange Heilung.
Reha Frühjahr 2025, zweite OP wegen der Erkrankung Mai 2025.
Ende 2025 und Anfang 2026 in zwei Untersuchungen dann KHK diagnostiziert bekommen, zum Glück im Unglück Einsatz von Stents noch nicht nötig, da die Ablagerungen minimal sind, dafür aber mit Bluthochdruck und medikamentöser Einstellung zur täglichen Einnahme.
Im Mai 2026 eine neue Anstellung als Logistiker im Schichtbetrieb angetreten. Ende Mai Bandscheibenvorfall inklusive Jobverlust und aktuell in Genesung, da mein Rücken nicht so will wie es die Ärzte gerne wollten!
Also, ja, eine turbulente Zeit und absolut verständlich das Nerven blank liegen usw, dennoch - die Probleme fingen schon viel früher an und die rechtfertigen so manches einfach nicht.
Zum Thema Paartherapie... Kann ich mir aktuell nicht vorstellen das dies umgesetzt wird.
Danke für eure Geduld beim Lesen und ich hoffe ich konnte aufkommende Fragen beantworten.
In diesem Sinne,
Der Zeilenwandler