DerZeilenwandler
Neues Mitglied
Hallo zusammen.
Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich mir eingestehen muss, dass ich mich seit Monaten nur im Kreis drehe. Ich habe nicht wirklich jemanden, mit dem ich mich reden kann, da entweder die Neutralität oder die fehlende Erfahrung der Person vorhanden ist. Daher brauche ich den neutralen, ehrlichen Blick von Menschen, welche unvoreingenommen von außen auf meine Situation schauen.
Ich bin ein ruhiger, analytischer, freundlicher Mensch, der Dinge gerne hinterfragt, beobachtet und strukturiert um zu verstehen. Für mich stehen emotionale Tiefe, ehrliche Verbundenheit, Romantik, Humor, menschliche Wärme an oberster Stelle. Materielle Dinge oder Geld sind für mich Mittel zum Zweck, mit Oberflächlichkeit und fehlender zwischenmenschlicher Resonanz kann ich wenig anfangen – Liebe und das seelische Miteinander stehen weit darüber. In der Ehe bin ich, die meiste Zeit, der verlässliche Fels, der getragen, unterstützt und ausgehalten hat. Meine Frau kann dies leider nur bedingt aufgrund einer geringeren Grundbelastbarkeit.
Unsere Ehe ist auf der emotionalen Ebene nicht vertrocknet – aber sie fährt seit langer Zeit ungleichmäßig und wandelt sich von einem Paradies zu einer Fata Morgana. Es gibt Tage, da läuft es normal und schön, und Tage, da läuft es auf Sparflamme. Wenn der Haussegen schief hängt, kann schon mal eine abgeschlossene Schlafzimmertüre drin inkl mehrtägige Ignoranz - nicht von mir aus. Streit gibt es in den besten Ehen und Liebe ist oft ein tägliches Geben und Nehmen und Arbeit. Ich habe von Anfang an emotional mehr investiert als meine Frau, denn während mir Romantik, Zärtlichkeit und kleine Aufmerksamkeiten wichtig sind, legt sie darauf weniger Wert, da sie die Liebe einfach anders zeigt.
Zudem gibt es eine Kluft in unseren Grundwerten: Für meine Frau haben Finanzen und materielle Absicherung einen immens hohen Stellenwert und stimmt dies nicht, wird auch schon mal die komplette Ehe in Frage gestellt, wie schon geschehen – für mich zählt vielmehr das menschliche Fundament, das verlässliche Füreinander da sein um gemeinsam durch schwere Zeiten zu gehen.
Hinzu kommt, dass bei uns Kinder im Teenager- bis jungen Erwachsenenalter im Haushalt leben und somit Pubertät/Perimenopause/und eventuell eine konstruktive Midlife-Crisis sich an manchen Tagen die Klinken in die Hand drücken. ((Wusste bis vor kurzen nicht das eine konstruktive/destruktive Midlife-Crisis gibt.)) Einerseits verbindet uns die gemeinsame Verantwortung für die Familie, wir funktionieren die meiste Zeit gut als Team, aber als Ehepaar kommen wir schon lange zu kurz. Das Haus steht nie still, der Alltag fordert permanent Präsenz im Familiengefüge – was das Ringen um echte emotionale Freiräume und Zweisamkeit noch massiver erschwert.
Ich weiß und berücksichtige stets, dass meine Frau ein schweres Leben hinter sich hat, unter seelischen Verletzungen sowie Depressionen und anderen Ängsten leidet und diese Dinge das normale Leben komplett auf den Kopf stellen. Hinzu kommt, dass sie sich in einer Phase hormoneller Veränderungen befindet, was ihre eigene Belastbarkeit und Reizschwelle zusätzlich stark schwächt. Ich habe für alles von Anfang an Verständnis aufgebracht, Rücksicht genommen und versucht, ihr Halt zu geben - denn schließlich habe ich meine Frau geheiratet, weil sie im Kern ein toller Mensch ist. Viele Dinge waren damals gar nicht sichtbar oder ich habe aus Liebe darüber hinweg gesehen. Doch mittlerweile zermürben mich die Dynamiken zwischen uns immer mehr und die verbalen Verletzungen der Jahre tragen ihr übriges dazu bei – erst recht seit sich vor wenigen Jahren eine erhebliche finanzielle und beruflich/gesundheitliche Belastung aufgetan hat.
In Konflikten werden von ihr selten mal jahrealte Geschichten hervorgeholt. Fehler meinerseits aus der Vergangenheit, die wir längst ausgesprochen, geklärt und gemeinsam begraben hatten, werden dennoch manchmal gegen mich als Spitzen verwendet. Auch werde ich als toxisch betitelt, wenn ich im Streit frage, weshalb sie wegen einer Nichtigkeit einen zuvor schönen Tag mit einem Streit kaputt macht. So etwas lässt mich sprachlos zurück.
Auch Unterschiede in unserer Weltanschauung sorgen für kurze Reibung, wenn sie Thema werden und meistens versuche ich dies zu vermeiden, da ich weiß wie sie reagiert. Beispiel: Während für mich eine rein platonische, ehrliche Freundschaft zwischen Mann und Frau etwas völlig Normales ist und durchaus funktionieren kann, ist das für sie ausgeschlossen – was für unbegründetes Misstrauen sorgt, wenn ich mal weibliche Arbeitskolleginnen habe. Hier vermisse ich ihr Vertrauen in mich. Andersherum bekommt sie mein Vertrauen ausgesprochen - hier liegt eine große Schieflage vor. Dieses Verhalten war von Anfang an da und ich vermute, dass der Ursprung lange vor unserer gemeinsamer Zeit liegt, denn für sie sind alle Männer gleich. Ja, Erfahrungen prägen. Ich möchte betonen, das ich nicht fehlerfrei bin, wer ist das schon? Aber es gibt einen Unterschied zwischen Grenzwertig, Normal und Grenzüberschreitung.
Über die Jahre gab es immer wieder im Streit Aussagen ihrerseits, welche für mich die Grenze des Erträglichen deutlich überschritten hatten – sei es über eine mögliche Trennung oder sogar im Umgang mit meiner Gesundheit – und die tiefe Spuren und Narben bei mir hinterlassen haben. Ich verstehe es, wenn man überfordert mit Situationen oder seiner Unzufriedenheit ist oder eine seelische Erkrankung mit reinspielt oder man wütend Dinge rausknallt die einen stören - aber das dies dazu führt das man den Menschen den man liebt, klein macht, verbale Schnittwunden auf der Seele zufügt, wissentlich verletzt, das sollte nicht geschehen. Dies zeugt für mich von mangelnden Respekt und geringer Wertschätzung. Zudem kamen bestimmte Worte wie Trennung, dass sie nicht glücklich ist oder das sie unzufrieden ist oder das man nicht zusammen passe IMMER aus ihrem Mund, während ich null Gedanken daran verschwendete. Das hat dazu geführt, das ich mittlerweile mit dem Radar Zuhause die Tageslaune meiner Frau sondiere, da ich keine Kraft habe für Auseinandersetzungen.
Dass mich diese ständige Anspannung, dass dauerhafte „Laufen auf Eierschalen“ aushungern, spüre ich schon länger. Inzwischen meldet sich aber auch mein Körper. Ich lebe seit etwa einem Jahr mit einer Herzerkrankung, die zwar medizinisch gut kontrolliert ist, mir aber klar macht das dauerhafter emotionaler Stress, das jahrelange Zurückstellen meiner eigenen Grundbedürfnisse, sowie Raubbau am Körper durch Arbeit, echten Schaden anrichten. Zumal wurde ich in den letzten drei Jahren zweimal operiert, was mich jedes mal beruflich den Kopf gekostet hatte, nachdem ich neu anfing. Dies hat mich zu der Überzeugung gebracht, das ich mein Leben in einigen Dingen - vielleicht sogar in allen Bereichen - neu oder anders ausrichten muss. Mich haut so schnell nichts um und beginne dann einfach von vorne, da ich in allem das Positive und das Gute sehe, um aus den schlechtesten Sachen das Beste zu machen und eventuell andere noch mitzuziehen - anstatt den Kopf in den Sand zu stecken. Ich will das Leben genießen, selbst mit wenigen Mitteln - nicht daran kaputt gehen. Darum habe ich vor zwei Jahren das Rauchen über Nacht, ohne Hilfsmittel, nach langer Zeit an den Nagel gehangen - dies hatte zur Folge, dass ich in den ersten Monaten zum griesgrämigen, grummeligen, gereizten Ehemann und Vater wurde und ich meiner Familie viele Nerven gekostet habe. Dies war zum Glück rasch vorbei und da ist längst wieder alles gut - aber dies zeigt zu gut, auch ich mache Fehler.
Dennoch bin ich unzufrieden und unglücklich mit dem Zustand meiner Ehe. Ich brauche immer länger, um die Leere und Gleichgültigkeit, welche sich nach einem Streit in mir breit macht, wieder mit Liebe/Hoffnung/Vergebung zu füllen. In der letzten Woche hat es in mir eine spürbare emotionale Entkopplung gegeben, seitdem fühlt sich das "Ich liebe Dich" anders an - besser kann ich es nicht beschreiben.
Ja, ich habe diverse Anker im Alltag, die mir Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten geben, wie das Gitarre spielen oder aktiv schreiben oder ein gutes Buch lesen. Aber auch laute Musik auf den Ohren oder ein gepflegtes Konsolenspiel, helfen mir den Kopf frei zu pusten. Die Astronomie und die Aquaristik sollen mittelfristig wieder Bestandteil meines Lebens werden und bis dahin genügt das Gärtnern oder das spazieren in der Natur. Aber auch meine Anker waren schon das ein oder andere Mal Grund genug um an meinem Selbstwertgefühl zu kratzen.
Den eigentlichen Anstoß, diesen Beitrag überhaupt zu schreiben, gab ein weiterer Grund: es gab vor Kurzem einen völlig flüchtigen, belanglosen Moment im Alltag außerhalb des Familienleben, außerhalb der Ehe – einfach ein unbeschwerter, kurzer Smalltalk mit gegenseitigem Lachen und Leichtigkeit. Dieser kleine Moment hat mir schlagartig und schmerzhaft vor Augen geführt, wie sehr mir genau diese Resonanz seit Jahren fehlt und ich nicht weiß wie meine Frau und ich da jemals wieder hinkommen sollen! Wir beide wollen irgendwo unsere Ehe nicht aufgeben, denn die Liebe ist ja noch immer vorhanden, nur nicht mehr so stark wie vorher - anders kann ich es mir nicht erklären. Zudem macht es mich traurig, dass ich es nicht schaffe den Kindern und meiner Frau das Leben zu bieten, welches ich Ihnen wünsche und welches sie verdient hätten. Dennoch stehen dem aktuelle und vergangene Entwicklungen gegenüber und Äußerungen Ihrerseits. Ist eine Ehe erst dann lebenswert und der Partner erst dann liebenswert, wenn das Finanzielle stimmt? Wieviel soll man ertragen und aushalten, bevor man eine Trennung vollzieht? Mich beängstigt ein wenig das Gefühl, welches ich habe, wenn ich daran denke das man mittelfristig vielleicht getrennt ist, denn es hat etwas mit Erleichterung zu tun, weil man das Leben so gestalten kann wie es einem die Seele und das Herz sagt.
Ich danke euch fürs Lesen dieses langen Beitrags und freue mich auf eure Antworten.
LG Der Zeilenwandler
Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich mir eingestehen muss, dass ich mich seit Monaten nur im Kreis drehe. Ich habe nicht wirklich jemanden, mit dem ich mich reden kann, da entweder die Neutralität oder die fehlende Erfahrung der Person vorhanden ist. Daher brauche ich den neutralen, ehrlichen Blick von Menschen, welche unvoreingenommen von außen auf meine Situation schauen.
Ich bin ein ruhiger, analytischer, freundlicher Mensch, der Dinge gerne hinterfragt, beobachtet und strukturiert um zu verstehen. Für mich stehen emotionale Tiefe, ehrliche Verbundenheit, Romantik, Humor, menschliche Wärme an oberster Stelle. Materielle Dinge oder Geld sind für mich Mittel zum Zweck, mit Oberflächlichkeit und fehlender zwischenmenschlicher Resonanz kann ich wenig anfangen – Liebe und das seelische Miteinander stehen weit darüber. In der Ehe bin ich, die meiste Zeit, der verlässliche Fels, der getragen, unterstützt und ausgehalten hat. Meine Frau kann dies leider nur bedingt aufgrund einer geringeren Grundbelastbarkeit.
Unsere Ehe ist auf der emotionalen Ebene nicht vertrocknet – aber sie fährt seit langer Zeit ungleichmäßig und wandelt sich von einem Paradies zu einer Fata Morgana. Es gibt Tage, da läuft es normal und schön, und Tage, da läuft es auf Sparflamme. Wenn der Haussegen schief hängt, kann schon mal eine abgeschlossene Schlafzimmertüre drin inkl mehrtägige Ignoranz - nicht von mir aus. Streit gibt es in den besten Ehen und Liebe ist oft ein tägliches Geben und Nehmen und Arbeit. Ich habe von Anfang an emotional mehr investiert als meine Frau, denn während mir Romantik, Zärtlichkeit und kleine Aufmerksamkeiten wichtig sind, legt sie darauf weniger Wert, da sie die Liebe einfach anders zeigt.
Zudem gibt es eine Kluft in unseren Grundwerten: Für meine Frau haben Finanzen und materielle Absicherung einen immens hohen Stellenwert und stimmt dies nicht, wird auch schon mal die komplette Ehe in Frage gestellt, wie schon geschehen – für mich zählt vielmehr das menschliche Fundament, das verlässliche Füreinander da sein um gemeinsam durch schwere Zeiten zu gehen.
Hinzu kommt, dass bei uns Kinder im Teenager- bis jungen Erwachsenenalter im Haushalt leben und somit Pubertät/Perimenopause/und eventuell eine konstruktive Midlife-Crisis sich an manchen Tagen die Klinken in die Hand drücken. ((Wusste bis vor kurzen nicht das eine konstruktive/destruktive Midlife-Crisis gibt.)) Einerseits verbindet uns die gemeinsame Verantwortung für die Familie, wir funktionieren die meiste Zeit gut als Team, aber als Ehepaar kommen wir schon lange zu kurz. Das Haus steht nie still, der Alltag fordert permanent Präsenz im Familiengefüge – was das Ringen um echte emotionale Freiräume und Zweisamkeit noch massiver erschwert.
Ich weiß und berücksichtige stets, dass meine Frau ein schweres Leben hinter sich hat, unter seelischen Verletzungen sowie Depressionen und anderen Ängsten leidet und diese Dinge das normale Leben komplett auf den Kopf stellen. Hinzu kommt, dass sie sich in einer Phase hormoneller Veränderungen befindet, was ihre eigene Belastbarkeit und Reizschwelle zusätzlich stark schwächt. Ich habe für alles von Anfang an Verständnis aufgebracht, Rücksicht genommen und versucht, ihr Halt zu geben - denn schließlich habe ich meine Frau geheiratet, weil sie im Kern ein toller Mensch ist. Viele Dinge waren damals gar nicht sichtbar oder ich habe aus Liebe darüber hinweg gesehen. Doch mittlerweile zermürben mich die Dynamiken zwischen uns immer mehr und die verbalen Verletzungen der Jahre tragen ihr übriges dazu bei – erst recht seit sich vor wenigen Jahren eine erhebliche finanzielle und beruflich/gesundheitliche Belastung aufgetan hat.
In Konflikten werden von ihr selten mal jahrealte Geschichten hervorgeholt. Fehler meinerseits aus der Vergangenheit, die wir längst ausgesprochen, geklärt und gemeinsam begraben hatten, werden dennoch manchmal gegen mich als Spitzen verwendet. Auch werde ich als toxisch betitelt, wenn ich im Streit frage, weshalb sie wegen einer Nichtigkeit einen zuvor schönen Tag mit einem Streit kaputt macht. So etwas lässt mich sprachlos zurück.
Auch Unterschiede in unserer Weltanschauung sorgen für kurze Reibung, wenn sie Thema werden und meistens versuche ich dies zu vermeiden, da ich weiß wie sie reagiert. Beispiel: Während für mich eine rein platonische, ehrliche Freundschaft zwischen Mann und Frau etwas völlig Normales ist und durchaus funktionieren kann, ist das für sie ausgeschlossen – was für unbegründetes Misstrauen sorgt, wenn ich mal weibliche Arbeitskolleginnen habe. Hier vermisse ich ihr Vertrauen in mich. Andersherum bekommt sie mein Vertrauen ausgesprochen - hier liegt eine große Schieflage vor. Dieses Verhalten war von Anfang an da und ich vermute, dass der Ursprung lange vor unserer gemeinsamer Zeit liegt, denn für sie sind alle Männer gleich. Ja, Erfahrungen prägen. Ich möchte betonen, das ich nicht fehlerfrei bin, wer ist das schon? Aber es gibt einen Unterschied zwischen Grenzwertig, Normal und Grenzüberschreitung.
Über die Jahre gab es immer wieder im Streit Aussagen ihrerseits, welche für mich die Grenze des Erträglichen deutlich überschritten hatten – sei es über eine mögliche Trennung oder sogar im Umgang mit meiner Gesundheit – und die tiefe Spuren und Narben bei mir hinterlassen haben. Ich verstehe es, wenn man überfordert mit Situationen oder seiner Unzufriedenheit ist oder eine seelische Erkrankung mit reinspielt oder man wütend Dinge rausknallt die einen stören - aber das dies dazu führt das man den Menschen den man liebt, klein macht, verbale Schnittwunden auf der Seele zufügt, wissentlich verletzt, das sollte nicht geschehen. Dies zeugt für mich von mangelnden Respekt und geringer Wertschätzung. Zudem kamen bestimmte Worte wie Trennung, dass sie nicht glücklich ist oder das sie unzufrieden ist oder das man nicht zusammen passe IMMER aus ihrem Mund, während ich null Gedanken daran verschwendete. Das hat dazu geführt, das ich mittlerweile mit dem Radar Zuhause die Tageslaune meiner Frau sondiere, da ich keine Kraft habe für Auseinandersetzungen.
Dass mich diese ständige Anspannung, dass dauerhafte „Laufen auf Eierschalen“ aushungern, spüre ich schon länger. Inzwischen meldet sich aber auch mein Körper. Ich lebe seit etwa einem Jahr mit einer Herzerkrankung, die zwar medizinisch gut kontrolliert ist, mir aber klar macht das dauerhafter emotionaler Stress, das jahrelange Zurückstellen meiner eigenen Grundbedürfnisse, sowie Raubbau am Körper durch Arbeit, echten Schaden anrichten. Zumal wurde ich in den letzten drei Jahren zweimal operiert, was mich jedes mal beruflich den Kopf gekostet hatte, nachdem ich neu anfing. Dies hat mich zu der Überzeugung gebracht, das ich mein Leben in einigen Dingen - vielleicht sogar in allen Bereichen - neu oder anders ausrichten muss. Mich haut so schnell nichts um und beginne dann einfach von vorne, da ich in allem das Positive und das Gute sehe, um aus den schlechtesten Sachen das Beste zu machen und eventuell andere noch mitzuziehen - anstatt den Kopf in den Sand zu stecken. Ich will das Leben genießen, selbst mit wenigen Mitteln - nicht daran kaputt gehen. Darum habe ich vor zwei Jahren das Rauchen über Nacht, ohne Hilfsmittel, nach langer Zeit an den Nagel gehangen - dies hatte zur Folge, dass ich in den ersten Monaten zum griesgrämigen, grummeligen, gereizten Ehemann und Vater wurde und ich meiner Familie viele Nerven gekostet habe. Dies war zum Glück rasch vorbei und da ist längst wieder alles gut - aber dies zeigt zu gut, auch ich mache Fehler.
Dennoch bin ich unzufrieden und unglücklich mit dem Zustand meiner Ehe. Ich brauche immer länger, um die Leere und Gleichgültigkeit, welche sich nach einem Streit in mir breit macht, wieder mit Liebe/Hoffnung/Vergebung zu füllen. In der letzten Woche hat es in mir eine spürbare emotionale Entkopplung gegeben, seitdem fühlt sich das "Ich liebe Dich" anders an - besser kann ich es nicht beschreiben.
Ja, ich habe diverse Anker im Alltag, die mir Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten geben, wie das Gitarre spielen oder aktiv schreiben oder ein gutes Buch lesen. Aber auch laute Musik auf den Ohren oder ein gepflegtes Konsolenspiel, helfen mir den Kopf frei zu pusten. Die Astronomie und die Aquaristik sollen mittelfristig wieder Bestandteil meines Lebens werden und bis dahin genügt das Gärtnern oder das spazieren in der Natur. Aber auch meine Anker waren schon das ein oder andere Mal Grund genug um an meinem Selbstwertgefühl zu kratzen.
Den eigentlichen Anstoß, diesen Beitrag überhaupt zu schreiben, gab ein weiterer Grund: es gab vor Kurzem einen völlig flüchtigen, belanglosen Moment im Alltag außerhalb des Familienleben, außerhalb der Ehe – einfach ein unbeschwerter, kurzer Smalltalk mit gegenseitigem Lachen und Leichtigkeit. Dieser kleine Moment hat mir schlagartig und schmerzhaft vor Augen geführt, wie sehr mir genau diese Resonanz seit Jahren fehlt und ich nicht weiß wie meine Frau und ich da jemals wieder hinkommen sollen! Wir beide wollen irgendwo unsere Ehe nicht aufgeben, denn die Liebe ist ja noch immer vorhanden, nur nicht mehr so stark wie vorher - anders kann ich es mir nicht erklären. Zudem macht es mich traurig, dass ich es nicht schaffe den Kindern und meiner Frau das Leben zu bieten, welches ich Ihnen wünsche und welches sie verdient hätten. Dennoch stehen dem aktuelle und vergangene Entwicklungen gegenüber und Äußerungen Ihrerseits. Ist eine Ehe erst dann lebenswert und der Partner erst dann liebenswert, wenn das Finanzielle stimmt? Wieviel soll man ertragen und aushalten, bevor man eine Trennung vollzieht? Mich beängstigt ein wenig das Gefühl, welches ich habe, wenn ich daran denke das man mittelfristig vielleicht getrennt ist, denn es hat etwas mit Erleichterung zu tun, weil man das Leben so gestalten kann wie es einem die Seele und das Herz sagt.
Ich danke euch fürs Lesen dieses langen Beitrags und freue mich auf eure Antworten.
LG Der Zeilenwandler