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Altersvorsorgedepot (AVD)

Bei Finanztipp kam gestern noch ein Aspekt, der hier glaube ich noch gar nicht genannt wurde:
Der genutzte ETF darf maximal Risikostufe 5 sein. Das wird aber nicht etwa an der Ausfallwahrscheinlichkeit festgemacht, sondern an der Volatilität. Die Grenze zu Stufe 6 ist bei mehr als 30% Schwankung.
MSCI World ist normalerweise Stufe 4, selten 5. Also eigentlich OK. War aber auch schon einmal bei 6.
Nimmt man einen ETF der von Anfang an bei 5 eingestuft wird ist das Risiko noch größer.

Was dann nämlich passiert ist dass der Anbieter den ETF verkaufen muss. Und das ausgerechnet in einer Phase wo die Kurse gerade unten sind. Wo man also eigentlich sogar eher nachkaufen, aber keinesfalls verkaufen möchte.
Dabei geht es natürlich nur wieder um unsere Sicherheit. Wenn Politiker behaupten sie würden etwas zu unserem Schutz oder für unsere Sicherheit tun sollte man besonders misstrauisch sein.

Generell halte ich es für Unsinn Volatilität mit Risiko gleich zu setzen, nur weil man es gut messen kann. Eine einzelne Aktie ist noch lange nicht "sicher", nur weil sie bisher wenig Schwankungen unterlag. Im Gegenteil, der Bankrott ist ggf. nur ein Heizungs- oder Lieferkettengesetz entfernt und dann ist das Kapital weg. Da sagt der Standort schon weit mehr über das Risiko aus.
Selbst wenn der MSCI tatsächlich noch einmal um 30% schwanken sollte halte ich dort das Risiko immer noch für geringer.
Ich würde bei -30% jedenfalls kaufen, mein Anlagehorizont ist noch lang genug.
 
Eine Zeitung titelte jüngst zum AVD:
Weniger Freiheit, dafür staatliche Zulagen

Das trifft es auch gut was du ansprichst @Fenris85 dass man eben nur bestimmte Produkte mit bestimmtem Risiko kaufen darf. In der Praxis wäre dabei selbst ein Einzelaktien-Depot ähnlich sicher wie ein Welt ETF wenn man nur genügend verschiedene Aktien kauft, aber nein, das ist verboten.

Spannend auch was passiert wenn sich die Risikobewertungen ändern. deswegen berechtigte Frage: Muss man dann verkaufen bzw. umschichten?

Klar scheint: Man kann immer aus der Nummer raus indem man einfach die Steuerförderung zurückzahlt. Dann wird das AVD sozusagen in ein normales Depot umgewandelt.

Das ganze trägt für mich aber sehr die Handschrift einer staatlichen Bemutterung. Es ist reguliert, was man kauft, was man dafür kriegt (Förderung), wann (65 Plus) man es verkauft und wofür (monatliche Rente) es gedacht ist.

In meine persönliche Lebensplanung passt es auch nicht soooo gut, weil ich A) schon ein gewisses Alter erreicht habe und B) vermutlich irgendwann meine Arbeitszeit reduzieren und damit meine Steuerlast senken werde (was den Steuervorteil des AVD schmälert). Der AVD wäre nur ein kleiner Teil meiner Altersvorsorge und vermutlich rechnerisch nur minimal im Vorteil .... zum Preis einer weitere Aufsplitterung meines Depots (Ich habe bereits Aktien ETFs).

Deswegen ist meine aktuelle Tendenz nein, aber kann sich noch ändern. Selbst wenn man in 2027 starten will, reicht für die Förderung glaube ich ja eine Einzahlung bis Ende 2027. Also eilig muss man es eh nicht haben.
 
So richtig habe ich das mit dem Depot noch nicht verstanden.
Was ist wenn man ins Pflegeheim kommt oder Sozialleistungen beantragen muss? Greift der Staat dann nicht auf das Depot zu um die Kosten zu decken?
Was ist wenn mir mit 60 oder 70 Jahren mein Arzt sagt, dass ich Krebs im Endstadium habe? Ist das Geld dann futsch? Oder kann ich mir das dann holen und eine Weltreise machen?
Oder wenn meine Wohnung abbrennt, ich theoretisch aber genug Geld für eine neue im Depot hätte. Dann bin ich obdachlos weil ich an das Geld nicht ran komme um mir eine neue Wohnung zu kaufen?
 
Altersvorsorge - eindrucksvolles Thema.
Meine Mutter hat jahrelang Geld eingezahlt in die Rentenkasse.
Als sie 60 wurde, hat sie einen Antrag auf Rente gestellt.
Nach einer sog. "Begutachtung" durch den MDK lehnte man ab; sie sei "noch arbeitsfähig".
Ein Jahr später war sie tot..... Plötzlicher Herztod.
Die ganzen Einzahlungen waren also für den Ar***
Ich kann also nur abraten und würde selbst sowas niemals machen.
 
So richtig habe ich das mit dem Depot noch nicht verstanden.
Was ist wenn man ins Pflegeheim kommt oder Sozialleistungen beantragen muss? Greift der Staat dann nicht auf das Depot zu um die Kosten zu decken?
Das AVD ist vor sozialer Verwertung sicher. Wenn du Sozialhilfe oder Pflegegeld bekommst, musst du das AVD nicht dafür antasten.
Siehe §90 SGB XII: gefördertes Altersvorsorgevermögen ist von der Verwertung ausgenommen.
Was ist wenn mir mit 60 oder 70 Jahren mein Arzt sagt, dass ich Krebs im Endstadium habe? Ist das Geld dann futsch? Oder kann ich mir das dann holen und eine Weltreise machen?
Oder wenn meine Wohnung abbrennt, ich theoretisch aber genug Geld für eine neue im Depot hätte. Dann bin ich obdachlos weil ich an das Geld nicht ran komme um mir eine neue Wohnung zu kaufen?
Du kannst jederzeit an das Geld ran.
Wenn du es "schädlich" (also nicht für dein Alter) verwendest, musst du nur die Fördermittel zurückzahlen. Dein selber eingezahltes Geld und dessen Rendite bleibt aber erhalten.
 
Altersvorsorge - eindrucksvolles Thema.
Meine Mutter hat jahrelang Geld eingezahlt in die Rentenkasse.
Als sie 60 wurde, hat sie einen Antrag auf Rente gestellt.
Nach einer sog. "Begutachtung" durch den MDK lehnte man ab; sie sei "noch arbeitsfähig".
Ein Jahr später war sie tot..... Plötzlicher Herztod.
Die ganzen Einzahlungen waren also für den Ar***
Ich kann also nur abraten und würde selbst sowas niemals machen.
Das AVD ist keine Rentenkasse und auch keine Rentenversicherung. Man muss hier auch keinen Antrag auf Rente stellen. Das AVD ist ein staatliches gefördertes Depot.

Du bekommst das Geld monatlich ausgezahlt wenn du 65 bist, sogar wenn du noch weiter arbeitest. Es kann nicht "abgelehnt" werden. Und das Geld ist auch nie futsch, denn es ist dein Vermögen. Selbst wenn du verstirbst, ist das Geld noch da und kann z.B. vererbt werden.

Das AVD ist ein normales privates Depot. Es gehört dir genau wie ein Tagesgeldkonto. Mit dem Vorteil, dass die Einzahlungen ins AVD vor sozialer Verwertung geschützt sind UND gefördert werden. Es hat keine Nachteile gegenüber einem rein privaten Depot.

Es gibt genau EINE Konstellation, in der das AVD schlechter ist als andere Anlagen: Wenn du in der Rentenphase hohe bzw. sogar höhere Steuern zahlst als in deiner Arbeitsphase. Das dürfte auf 99% nicht zutreffen.
 
Um nicht zu positiv zu klingen:

Ich sehe das AVD zwar als für 99% der Menschen positiv an, aber meine Begeisterung ist gedämpft, weil es viel leichter und besser gewesen wäre, das AVD einfach komplett steuerfrei zu stellen. Dann wäre es für jeden ein absoluter No-Brainer und richtig stark.

Aktuell aber ist es unnötig komplex und bürokratisch, was viele Antworten hier im Thread belegen. Viele verstehen das AVD nicht und verwechseln es mit einer Rentenversicherung oder anderen Produkten.

Die Leute, die sich wirklich für das AVD interessieren, sind oft Leute wie ich, die bereits tief in der Investment-Bubble stecken. Leute die bereits Aktien und ETFs haben und im fortgeschrittenem Alter sind. Leute für die Förderungen kaum nötig sind und nur noch wenig ausmachen.

Das AVD ist zwar grundsätzlich die richtige Richtung, hat aber eine spürbar linkspolitisch bürokratische Handschrift, eine Altersvorsorge mit angezogener Handbremse, weil man "sozial gerecht" fördern will.
Ergebnis ist:
  • Die Personen, für die es sich richtig lohnt, sind kaum interessiert oder wollen/können nicht mal 50€ im Monat sparen.
  • Und für den Rest bringt es wenig, verunsichert aber massiv, weil wenig Vertrauen zum System besteht.
Altersvorsorge muss einfach sein. Wir brauchen keine 538 Regeln um alles 100% perfekt und sozial zu machen. Deutschland geht unter an sozialer und bürokratischer Überkorrektheit.

Es wäre so einfach gewesen: Wiedereinführung der bis 2008 geltenden Spekulationsfrist für Kapitalanlagen: 0% Steuern -> versteht jeder -> Sparen lohnt sich für jeden -> Keine Bürokratie -> keine zusätzlichen Pflichten und Fragen aller "Was ist wenn ich das Geld dringend brauche?"

Aber nein. Das war mit den Sozis nicht zu machen, denn "oh Schrecken", da hätte ja vielleicht auch der 64 jährige Millionär Bernd Mustermann aus Langenfeld statt 100.000 € Steuern im Jahr nur 95.000 € gezahlt. Da stellen wir doch lieber wie bei der Zuckersteuer ein hunderte neue Beamte ein um die soziale Gerechtigkeit zu überwachen und das System so komplex zu machen, dass es 90% aller Menschen abschreckt.
 

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