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Fähigkeiten neurodivergenter Menschen

Dass mein Autismus bei mir irgendwelche Fähigkeiten mit sich gebracht hätte, wäre mir neu. Im Großen und Ganzen ist es ein (mal mehr, mal weniger deutlich ausgeprägter) Nachteil im Umgang mit meinen Mitmenschen, ob neurodivergent oder nicht. In meinem Fall fehlt selbst das klischeehafte Inselinteresse, wo ich mit tiefgreifendem Fachwissen punkten könnte.
Das Problem ist halt immer, dass in den Medien hauptsächlich Autisten mit außergewöhnlichen Fähigkeiten dargestellt werden. Ich habe auch lange gedacht, ich kann gar nichts Besonderes, bis ich mal in meinem Umfeld rumgefragt habe, was die Leute als meine Stärken sehen. Da kamen dann solche Sachen wie "extremes Auge fürs Detail" (super, seitdem bekomme ich ständig Aufträge zum Korrekturlesen), "sehr strukturiert", "hohe Sprachkompetenz", "viel Geduld, wenn ich mich in eine Aufgabe vertiefe" etc. Das sind alles natürlich alles Fähigkeiten, die nicht exklusiv autistisch sind, d. h. auch NTs können die haben. Es hat mir aber ein wenig geholfen, vom reinen Defizitdenken wegzukommen, also immer nur das wahrzunehmen, was ich eben nicht kann (ich würde so gerne Autofahren...). Spezialinteressen habe ich dagegen schon.
 
Ich finde der Jim Sinclair hat das sehr gut erklärt
„Autismus ist nicht etwas, das eine Person hat, oder eine ‚Hülle', in der eine Person gefangen ist. Es gibt kein normales Kind, das sich hinter dem Autismus versteckt. Autismus ist eine Art des Seins. Er ist allgegenwärtig; er färbt jede Erfahrung, jede Empfindung, Wahrnehmung, jeden Gedanken, jedes Gefühl und jede Begegnung, jeden Aspekt der Existenz. Es ist nicht möglich, den Autismus von der Person zu trennen – und selbst wenn es möglich wäre, wäre die Person, die übrig bliebe, nicht mehr dieselbe, mit der man angefangen hat.“
– Jim Sinclair

Die Fähigkeiten sind so vielfältig , wie die Menschen, denke ich.
 
Da ich mich auch intensiv mit der artgerechten Haltung von Sträuchern beschäftige (ja, es hat was mit dem Thema zu tun ...grins), kommt mir immer wieder der Vergleich in den Sinn: So wie man hausmeistertechnisch Sträucher und Hecken schneidet, nämlich quadratisch, praktisch, tot, so wird auch oft mit den Menschen umgegangen, die überdurchschnittliche Fähigkeiten haben: Es wird immer wieder versucht, sie/uns zu normalen, angepassten, leiseren Mitgliedern einer Gesellschaft zu erziehen, was uns immer wieder zurücksetzt, klein macht, sich falsch anfühlt, ohne dass wir es schaffen, uns den nötigen Respekt und die Anerkennung zu verschaffen, die wir verdient haben.

Ich sage jetzt bewusst WIR, weil ich genau in diesem Online-Seminar gemerkt habe, dass ich auf dem richtigen Weg bin, dafür keine weitere Ausbildung brauche, aber jeden Mutmacher dafür sehr wohl;
Von meiner Sorte wird es hier und damit in der ganzen Welt viele geben. die sich noch nicht trauen, die sich noch falsch behandelt fühlen usw.

Es wird auch im Coaching-Sektor gute und schlechte Ausbildungen geben. Ich hoffe, dass der ein oder die andere Ausgebildete/r hinterher die Erfahrung machen kann, dass das Geld gut angelegt war. Ich kenne zum Glück vielversprechende (Nachwuchs)coaches, die eine gute Arbeit machen, indem sie den zu betreuenden Menschen gut tun. Und ich kenne Menschen, die anderen gut tun könnten, aber nicht gelassen werden, weil sie eben keine Qualifikation nachweisen können. Und was nix kostet, ist nix wert... jedenfalls macht das oft den Unterschied, oder?
 
Da ich mich auch intensiv mit der artgerechten Haltung von Sträuchern beschäftige (ja, es hat was mit dem Thema zu tun ...grins), kommt mir immer wieder der Vergleich in den Sinn: So wie man hausmeistertechnisch Sträucher und Hecken schneidet, nämlich quadratisch, praktisch, tot, so wird auch oft mit den Menschen umgegangen, die überdurchschnittliche Fähigkeiten haben: Es wird immer wieder versucht, sie/uns zu normalen, angepassten, leiseren Mitgliedern einer Gesellschaft zu erziehen, was uns immer wieder zurücksetzt, klein macht, sich falsch anfühlt, ohne dass wir es schaffen, uns den nötigen Respekt und die Anerkennung zu verschaffen, die wir verdient haben.

Ich sage jetzt bewusst WIR, weil ich genau in diesem Online-Seminar gemerkt habe, dass ich auf dem richtigen Weg bin, dafür keine weitere Ausbildung brauche, aber jeden Mutmacher dafür sehr wohl;
Von meiner Sorte wird es hier und damit in der ganzen Welt viele geben. die sich noch nicht trauen, die sich noch falsch behandelt fühlen usw.

Es wird auch im Coaching-Sektor gute und schlechte Ausbildungen geben. Ich hoffe, dass der ein oder die andere Ausgebildete/r hinterher die Erfahrung machen kann, dass das Geld gut angelegt war. Ich kenne zum Glück vielversprechende (Nachwuchs)coaches, die eine gute Arbeit machen, indem sie den zu betreuenden Menschen gut tun. Und ich kenne Menschen, die anderen gut tun könnten, aber nicht gelassen werden, weil sie eben keine Qualifikation nachweisen können. Und was nix kostet, ist nix wert... jedenfalls macht das oft den Unterschied, oder?

Die Gesellschaft hat ein Normierungsbedürfnis, damit sie funktionieren kann. Alles, was anders ist, wird an den Rand gedrängt.
Heißt sogar so: gesellschaftliche Normierung.

Regeln, Wert, Berechenbarkeit.
Daraus Gemeinschaftsgefühl.
Jedes 'Anders' wird zur Bedrohung.

Etwas abgemildert wurde und wird endlich. Bis Vielfalt Standard sein könnte ist es noch ein verdammt langer Weg.
 
Mal etwas Grundsätzliches: Ausbildungen und Studiengänge sind in Deutschland üblicherweise akkreditiert bzw. staatlich anerkannt. Das bedeutet, eine unabhängige Stelle hat überprüft, dass gewisse Standards gehalten werden. Eine staatlich anerkannte Ausbildung wird von Unternehmen als eine solche akzeptiert und eröffnet Möglichkeiten in der Berufswelt.
Das gilt für diese Coachausbildungen, die Coaches anbieten, nicht. Sie kosten viel Geld, welche Inhalte dort vermittelt werden, wird nicht überprüft und auf dem Papier hat man trotzdem noch keine Ausbildung. Damit bekommt man keinen Job, weder in einer Praxis, noch in einem Unternehmen, noch bei irgendeiner Verwaltung.
Um es deutlich zu sagen: Das ist eine Gelddruckmaschine, die von der Gutgläubigkeit mancher Menschen lebt. Und ja, ich verallgemeinere. In diesem Fall zu Recht, das ist eine hoch unseriöse Branche, die ihr Geld mit den Problemen und Hoffnungen der Menschen macht.
 
Und ja, ich verallgemeinere. In diesem Fall zu Recht, das ist eine hoch unseriöse Branche, die ihr Geld mit den Problemen und Hoffnungen der Menschen macht.

Der Vollständigkeit halber:
Ein paar Ausnahmen finden sich natürlich. Aber die ändern nichts daran, dass jeder Hinz und Kunz sich mit seinen Gedankenergüssen als Coach auf den Markt werfen kann. Das Herausragendste dabei ist oft das Verkaufstalent.
 
Ich kenne eine bipolare Frau, die der Meinung war unbedingt eine Ex-In-Ausbildung absolvieren zu müssen. Die Finanzierung hätte tatsächlich entweder über die DRV oder aber eine Opferschutzgesellschaft finanziert werden können.
Die Belastungen für diese anerkannte!!! Ausbildung waren hoch. Die Dame hat ein Jahr wiederholen müssen und keine Chance in dem Beruf zu arbeiten weil sie dadurch einfach überfordert wäre. Das ist nämlich der nächste Punkt: eine Ausbildung muss auch die reale Möglichkeit anzeigen dass der Betreffende sich nach der Ausbildung durch genau diese Tätigkeit selber finanzieren kann, durch eben diese Arbeit. Wenn diese Wahrscheinlichkeit nicht gegeben ist, so ist ein "Liebhaberei" oder Hobby.

Wenn man/frau sich über diese Ex-In-Ausbildung informiert, so erhalten ungefähr die Hälfte der Absolventen eine Tätigkeit. Viele von diesen jedoch in Teilzeitarbeit mit rund 15 Stunden. Somit hält sich der Erfolg für diese Maßnahme ja doch in Grenzen was die finanzielle Refinanzierung betrifft. Selbst diese Teilzeitbeschäftigen sind zuweilen im Ehrenamt tätig und nicht in einer sozialversicherungspflichtigen Anstellung.
Und das ist, wie gesagt, eine anerkannte Ausbildung.
 
@havonni, was Du im Beitrag #24 schreibst, trifft aus meiner Sicht mehr oder weniger auf jeden Menschen zu.
Jeder Mensch benötigt irgendwann Unterstützung und Anerkennung.
Das stimmt. Das Bedürfnis nach Anerkennung ist ein Urbedürfnis.
In Therapien bin ich lange Zeit so einer Denke begegnet, dass das etwas krankheitsbedingtes sei, sich Anerkennung zu wünschen. Aber es gibt dieses menschliche Urbedürfnis nach Bestätigung. Damit ist garnicht Lob oder sowas gemeint, sondern Resonanz.
Unterstützung benötigt auch jeder Mensch in gewissen Phasen des Lebens, z. Bsp. als Kleinkind, beim Aufwachsen oder als alter Mensch, bei Krankheit etc..
 

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