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Frusttagebuch: Mutter

Das zu spät kommen meiner Mutter kenne ich seit Kindertagen. Ich habe erst neulich darüber nachgedacht.
Meine Mutter war üblicherweise am Wochenende zum Mittagessen bei meinen Großeltern eingeladen und meine Oma hatte klassisch um 13 Uhr das Essen auf dem Tisch.

Meine Mutter jammerte erstmal, dass ihr 13 Uhr zu früh sei, sagte aber nicht nein. Dann geschah was du so passend als passiv aggressives Verhalten beschreibst. Sie sagte nicht nein, aber kam halt viel zu spät und zwar als Salamitaktik. Erst kam sie um 13:30 Uhr, dann über Jahre zog es sich dass sie erst um 16 Uhr kam.
Mit zunehmendem Alter legte sich meine Oma meistens gegen 15 Uhr zu einem Mittagsschläfchen ins Bett und wenn dann meine Mutter kam, hatte ich die A-Karte mich erstmal um sie zu kümmern.

Über die Zeit realisierte ich immer mehr, dass meine Mutter keine Grenzen akzeptiert. Und wenn sie Grenzen zustimmt, dann hintergeht sie diese später um ihren Willen zu kriegen.

Nach dem Tod meiner Großmutter, telefonierten meine Mutter und ich 2 mal die Woche und sie kam jeden Samstag zu Besuch. Vielfach habe ich betont, dass ich nicht mehr will. Aber auch hier wieder Salamitaktik: Sie rief mit dem Vorwand vermeintlicher Notfälle zwischendurch an, auch während ich auf der Arbeit war. Die Notfälle waren: Ein Brief vom Sozialamt (den sie nicht 1 Tag später mit mir besprechen konnte...), Probleme mit technischen Geräten oder andere Ausreden.

Irgendwann telefonierten wir alle zwei Tage mehrere Stunden miteinander, obwohl ich das nicht wollte. Dann forderte sie tägliche Telefonate, angeblich "nur kurz damit ich weiß dass alles ok ist" und machte emotionalen Druck als ich nein sagte. Sie könne "tot auf dem Küchenboden liegen und niemand würde es merken". Sie wollte damals auch unbedingt bei mir einziehen, was sie immer und immer wieder erwähnte.

Viele werden sagen: Sag doch nein. Das habe ich auch immer wieder, aber auf ein nein von mir folgten endlose Diskussionen von ihr. Emotionaler Druck, Suiziddrohungen, Schuldzuweisungen etc. Vor allem rollte meine Mutter aber auch immer wieder die Vergangenheit auf, gab meiner Großmutter die Schuld für alles und wurde verletzend mir und anderen Verwandten gegenüber (im Grunde hasst sie ja alle).

Und lange Zeit fühlte ich mich in der Defensive, verteidigte dann meine Oma oder mich, nahm die Diskussion auf und sprach Stunden mit meiner Mutter. Natürlich ohne Ergebnis, zumal meine Mutter Dinge verdreht oder "vergisst". Ich habe nicht vergessen, dass meine Mutter mich bezichtigte sie beim Erbe betrogen zu haben. Sie leugnet das aber heute.

Es dauerte bis ich begriff: Reden, Grenzen und Argumente machen keinen Sinn. Nur faktisches Handeln hilft. Nicht anrufe, nicht ans Telefon gehen, und bei Gesprächen nach einer bestimmten Zeit freundlich verabschieden und auflegen. Nichts anderes funktioniert!

Ich kann nicht sagen "ich habe heute nur 30 Minuten Zeit". Denn nach 30 Minuten beginnt meine Mutter dann zu diskutieren warum. Sie versucht damit meinen Grund abzuwerten, um meine Grenze anschließend auszuhebeln, nach dem Motto "Das kann doch warten, Ist dir das etwa wichtiger als deine Mutter?".

Ich habe früher nicht verstanden warum ich mich immer so angespannt und gestresst mit meiner Mutter gefühlt habe, heute weiß ich es. Ich war immer in der Defensive. Ich musste mich immer rechtfertigen. Jedes Gespräch war eine Schlacht und jede Schlacht verlor ich. Und jedes mal bereitete ich mich besser vor, suchte mir passende Argumente, versuchte besser zu kämpfen.
Das hört sich wirklich schlimm an... tut mir leid, dass du das so lange mitmachen musstest. Ich hätte dir sehr gewünscht, du hättest schon viel eher Unterstützung dabei erhalten, zu erkennen, dass du es gar nicht in der Hand hast, die Unzufriedenheit deiner Mutter zu beseitigen und ihre Beschwerden und Vorwürfe über von ihr empfundene Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen argumentativ zu entkräften, egal wie sehr du dich bemühst - weil deren Ursprung einfach in ihrer psychischen Störung liegt und niemand anders als sie selbst diese Problematik angehen kann.

Gut, dass deine neuen Erkenntnisse dir jetzt endlich dabei helfen, dich angemessen von den Ansprüchen deiner Mutter zu distanzieren und zu entlasten! 👍🍀🙂
 
Ich hatte inzwischen ein Gespräch mit meinem Hausarzt und werde nächsten Monat ein Gespräch mit einem Psychologen haben.

Mir ist dabei bewusst geworden, dass die Kontaktreduzierung zu meiner Mutter zwar richtig ist, aber selbst der geringe Kontakt mich jedes Mal triggert, egal ob ich mit ihr 10 Minuten oder 2 Stunden spreche.

Das liegt insbesondere daran, dass meine Mutter bei jedem Gespräch irgendwie Druck rein bringt. Das sind manchmal kleine manchmal große Formulierungen wie
  • "in letzter Zeit bist du komisch" (wenn ich z.B. ein Gespräch kürzer mache als in der Vergangenheit)
  • "Darf ich dich garnicht mehr sehen?" (wenn wir uns z.B. 2 Monate nicht getroffen haben)
  • "Ich bin ja so alleine und habe ja nur dich"
  • "manchmal denke ich mir, ich könnte auch tot sein"
Im letzten Gespräch meinte sie zu mir, sie habe ich vorgenommen "kürzer zu formulieren" und "nicht mehr zu spät zu kommen".
Ernsthaft? Nach Jahrzehnten in denen ich ihr sage, dass mich der Kontakt erdrückt, dass mich ihre stundenlange Detailschilderungen nerven, kommt sie jetzt damit? Und ist natürlich auch klar, warum sie jetzt damit kommt. Es ist so typisch narzistisch. Jetzt verspricht sie mir Besserung.

Jedes Gespräch triggert mich, weil es keine normalen Gespräche mit ihr gibt. Gespräche fangen teilweise normal an, werden aber immer zu "wie kriegt meine Mutter mehr Kontakt zu mir" Versuchen. Knicke ich ein, ist sie zucker! Setze ich irgendwo eine Grenze, muss ich mich immer wieder rechtfertigen.
Mein Arzt meine zu mir, dass ich deswegen soziale Probleme habe. Ich habe bei jeder sozialen Beziehung Angst, dass meine Grenzen missachtet werden, also meide ich soziale Beziehungen aus Angst.
 
Meine Mutter hat auch diverse Eigenarten, mit denen ich nicht besonders gut klarkomme. Ob's ihre "Schuld" ist oder meine, lässt sich nicht besonders gut diskutieren, also gar nicht.

Irgendwie muss man sich da wohl "arrangieren". Ein kompletter Kontaktabbruch ist natürlich hart, aber ggf. das einzige Mittel.

In meinem Fall lasse ich sie eben sein, wie sie ist und mache nach wie vor meine Sachen. Ich werde sie nicht groß verändern, sie mich auch nicht. Solange ich ihr nicht an die Gurgel gehe und sie mir nicht, ist's vermutlich noch okay.
 
Das Kapitel "narzisstische Mutter" zieht einem, wenn diese Mütter alt werden und man selber in die Jahre kommt, eine Menge Lebenskraft ab. Da hängt ein Leid dran, das einen selber um Jahre und Jahrzehnte altern lässt. Wer das nicht selber erlebt hat, kann sich das gar nicht vorstellen.
 
Du bist beruflich und finanziell gefestigt,
deine Mutter nervt dich teilweise extrem mit ihrem infantilen und narzisstischen Verhalten, es ist ihr selber nicht bewusst,
du kannst sie nicht verändern, ihr Verhalten triggert dich, zieht dich psychisch runter,
es hindert dich daran dich auf eine Beziehung mit einer Frau einlassen zu können, du verhältst dich oft zu gutmütig zu ihr, sie klammerte an dir und sie lädt ihren psychischen Müll auf dich ab....deshalb würde ich dir raten mal für eine gewisse Zeit den Kontakt zu ihr abzubrechen....egal was sie dazu sagt und wie sie jammert.

Es geht um dich und dein Leben.
Später kann sie dich dann vermutlich nicht mehr so stark nerven und psychisch runter ziehen.

Sie hat dann nicht mehr solch eine grosse Macht über deine Gefühlswelt.
 
Das Kapitel "narzisstische Mutter" zieht einem, wenn diese Mütter alt werden und man selber in die Jahre kommt, eine Menge Lebenskraft ab. Da hängt ein Leid dran, das einen selber um Jahre und Jahrzehnte altern lässt. Wer das nicht selber erlebt hat, kann sich das gar nicht vorstellen.
Oh ja..ich weiss ..dass dies so stimmt.
Ich bin sehr froh und dankbar, dass mich meine mum nicht mehr so nervt.

Ich habe gelernt komplett unabhängig von ihr zu leben.

Früher heulte ich, wenn ich mich auf einen Partner einlassen wollte und an meine Mutter dachte.
Ich war traumatisiert in Bezug auf Nähe.


Wenn man den Kontakt zur Mutter für eine gewisse Zeit abbricht finde ich es fair ihr vorher die Gründe in einem Brief mitzuteilen...auch wenn sie es nicht versteht.
 
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