@Andreas900
Es beschleicht mich das Gefühl, dass der Text auch nicht nur aus Deiner Feder geflossen ist, sondern der neue beste Freund da ein bisschen souffliert hat.
Die Geschichte der Kunst als „Geschichte der technologischen Entlastung“ zu beschreiben, darauf kommt sicher nur die KI. Und dann mit der Fotografie einzusteigen…
Nur weil es diese Debatten gab, lässt sich das nicht mal eben auf den Umgang mit der KI übertragen. Es sind leere Platitüden, wie diese Worthülsen von der "Angst vor dem Fortschritt".
Ein Foto zu schießen ist auch nicht gleich ein Foto zu schießen. Was Kunst ist und wann Kunst anfängt usw. dazu gibt es Bücher und es gibt dazu keine einfache, abschließende Antwort. Darum geht es aber auch nicht, sondern darum, dass Fotografie, wie Du richtigerweise sagst, auch eine Kunstform ist.
Fotografie ist keine logische Weiterführung der Malerei, es ist etwas völlig anderes. Ein anderes Medium, andere Voraussetzungen. Die Wertschätzung, die den Alten Meistern entgegengebracht wird, ist sicherlich höher, als die, die einem bekannten Fotografen zuteil wird. Beide Formen erfordern Wissen, Können, Geschick, aber dennoch ist der Aufwand jeweils ein anderer. Warum beide gegeneinander ausspielen?
Ich glaube mittlerweile hat jeder schon verschiedene KI-Modelle durch. Entlarvend ist einzig die Tatsache, dass ich Deine Worte genommen habe („Selbst die komplexesten KI Prompts, in die Menschen tagelange Arbeit gesteckt haben, werden nicht als schwierig wahrgenommen.“) und Du mir das vorwirfst. Niemand, der auch nur ein einziges Mal mit der KI gearbeitet hat, wird nach dem ersten Prompt aufgehört haben. Dafür sorgt die KI mit ihren Nachfragen schon selbst. Kaum einer wird das allerdings bei seinen Kumpels als „Iterative Tiefe“ bezeichnet haben, auch wenn er Latein in der Schule hatte oder gut in Mathe ist.
Mir ist klar, dass ich im Austausch mit der KI zu beispielsweise einer rechtlichen Angelegenheit etwas lerne. Zum einen werden die Ergebnisse genauer, wenn ich mich selbst in Paragrafen einarbeite und mittels Nachfragen sozusagen eine Feinjustierung vornehme.
Diese Steuerungsleistung, wie Du es nennst, ist eine Eigenleistung. Sofern man kein Experte ist, ist das nur eine Annäherung und aus dem anfänglichen Stochern im Nebel werden die Ergebnisse mit denen man arbeiten kann, konkreter und möglicherweise brauchbarer. Gleiches passiert, wenn ich ein Buch lese.
Ich habe in der Schule Noten lesen gelernt und ebenso die verschiedenen Reimschemata (das war damals noch im Lehrplan, ebenso der Musikunterricht inklusive Vorsingen) durchgepaukt (und fast alle vergessen). Deine Euphorie zum Lernfortschritt was diese Felder angeht, freut mich für Dich (ernsthaft). Das was die KI durch Deine dreitägigen Prompts mit
unglaublicher iterativer Tiefe zaubert, bedient sich dessen, mit was sie gefüttert wird. Und das ist leider nicht die bloße Tonleiter, sondern so ziemlich alles, was digital verfügbar ist. Rechtlich ist das immer noch der Wilde Westen. Ich befürchte nur, da ist nicht viel, was im Langzeitgedächtnis hängen bleibt, sondern dass Du Dein „trial and error“ hier mit großer Bedeutung aufblasen willst.
Ich finde es echt befremdlich, wie Du den „echten“ Musiker, den Landwirt und den KI Nutzer in einen Topf wirfst und alle als „kreative“ Menschen bezeichnest, die und letzteren noch mal so „liebevoll“ beschreibst, als wärest Du von der Muße geküsst. Wenn die Parameter wenigstens reproduzierbar wären, es kommt immer was anderes raus.
"Kreative Künstler" wie Dich gibt es seit kurzem zig millionenfach. Sie fluten das Netz mit Bildern, Musik und Geschreibsel. Der einzigartige Stil der Originale wird Tag für Tag reproduziert und mit anderen einzigartigen Stilen kompiliert und mit jedem Mal verwässert sich diese Einzigartigkeit ein Stück mehr. Bald erinnert man sich nicht mehr an die Meister vergangener Tage, sondern wird der Kopien und somit auch der Originale überdrüssig. Man sucht nach weniger bekannten Künstlern und lässt deren Stil kopieren, bis auch dieser Stil fest im Kanon der millionenfach durchgenudelten Prompts und ihrer Ergebnisse verankert ist. Wer's mag...
Vielleicht gibt es ja den einen oder anderen, der gerne mal ein bisschen dichtet, weil es Spaß macht, zu reimen und kreativ mit Worten zu sein. Bei dem Gedanken, dass nun niemand mehr sicher sein kann, dass nicht die KI geholfen hat, läuft es mir kalt den Rücken runter. Für mich sind das fremde Federn, mit denen man sich nicht schmückt. Bradley Cooper spielte mal in "Der Dieb der Worte" einen erfolglosen Schriftsteller, der durch Zufall ein altes Manuskript eines anderen Schriftstellers (gespielt von Jeremy Irons) findet und unter seinem Namen veröffentlicht. Der Erfolg ist ihm nicht gut bekommen. Ich hätte da Skrupel, mich als Autor zu bezeichnen.
Wer weiß, vielleicht geht in den nächsten Jahren mal ab und an das Licht aus (und damit auch der Computer), dann stehst Du da, wie der Ochs vorm Berg.